Kunstmesse TefafUnter Millionären

Die 25. Kunstmesse Tefaf zeigt Spitzenwerke und hochkarätige Ladenhüter. von Nora Reinhardt

Besucher der Tefaf

Besucher der Tefaf  |  © Harry Heuts

Es ging ein Wispern über die Messe, das von einer spektakulären Kunstentdeckung kündete: Der Geheimtipp auf The European Fine Art Fair (Tefaf) in Maastricht ist ein kunsthistorisch bedeutendes Gemälde, das nur in Augenschein nehmen konnte, wer sich seinen Weg durch das Spektakel von fliegenden Champagnerbars und Hostessen mit Austern bahnte, treppauf in die gediegene und weniger hektische Papierabteilung ging, zum Stand von Emanuel von Baeyer, um schließlich, hinter einer Stellwand verborgen, vor einem kubistischen Picasso-Gemälde von 1909 zu stehen, einem von nur acht solcher Stillleben weltweit. Es ist vermutlich das letzte Gemälde dieser Art, das zum Verkauf steht – »alle anderen sind bereits im Museum«, sagt Emanuel von Baeyer. Das Gemälde sei aus einer europäischen Privatsammlung »aus Altersgründen« abzugeben. Im rechten oberen Eck ist es signiert, die Grundfarbe des Querformats ist Grau, die Formen sind rost- und erdfarben. Über den Preis möchte der Kunsthändler Journalisten gegenüber lieber nicht sprechen. Es dürfte einen hohen einstelligen Millionenbetrag kosten.

Solche erlesenen Gemälde sind es, die seit 25 Jahren den Ruf der Tefaf als bester Marktplatz für alte Meister und kunsthistorische Ikonen festigen. Dieses Jahr bieten über 260 Händler Gemälde, Zeichnungen, Skulpturen, Bücher, Installationen, Designobjekte , Schmuck und Silber an (noch bis zum Sonntag). Nur hier kann man sich mit Häppchen in der Hand – wie am Stand von De Jonckheere beobachtet – über einen Brueghel beugen, nur hier kann man Zeichnungen von Leonardo da Vinci und Peter Paul Rubens in der Sonderausstellung der Custodia-Stiftung studieren, ohne dass irgendjemand sie bewachen würde. Die Tefaf gleicht einem temporären Museum , in dem die Gänge mit Zehntausenden weißen Rosen, bunten Papageien- und Rembrandt-Tulpen geschmückt sind und man, zumindest theoretisch, alles kaufen kann. Die Messe zieht Millionäre und Kunstverrückte aus aller Welt an, dieses Jahr kamen etwa Vladislav Doronin, russischer Superreicher und Naomi-Campbell-Freund, und die berüchtigten US-amerikanischen Sammler Mera und Donald Rubell.

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Das Jammern auf der Tefaf findet traditionell auf höchstem Niveau statt. So beklagte ein Kunsthändler, die diesjährige Messe sei für ihn ein »Déjà vu«, ihm fehle »Marktfrisches«, also Werke, die lange nicht zum Verkauf gestanden haben. Dabei gab es etliche Highlights. Das Gemälde Die Ernte von Pieter Brueghel dem Jüngeren (4,5 Millionen Euro) bei De Jonckheere war erstmals zu erwerben, und die Bamberger Kunsthandlung Senger bot eine Tafel mit einem Porträt von Martin Luther von Lucas Cranach dem Älteren an (860.000 Euro), Alon Zakaim Fine Art präsentierte prominent Marc Chagalls Les Mariés aux Deux Violonistes au Cirque für 3,5 Millionen Dollar. Paul Schönewald hatte zwei Wände mit Arbeiten von Gerhard Richter im Angebot. Bereits am ersten Tag, so sagt er, habe er alle verkauft, bis auf zwei kleinformatige Aquarelle von 1991 (125.000 und 155.000 Euro) und ein großes Hochformat mit graugrünen Fingerfarbenschlieren (1,8 Millionen Euro) von 1971. Die legendären Tomasso-Brüder sind in diesem Jahr zum ersten Mal mit einem eigenen Stand vertreten. Sie erarbeiteten sich einen exzellenten Ruf, weil sie immer wieder Schätze in kleineren Auktionshäusern und Galerien entdeckten. Auf der Tefaf bieten sie gleich drei marktfrische Skulpturen an. Mit 35 Millionen Euro war die Henry-Moore-Figur Reclining Figure Curved bei Landau Fine Art das vermutlich teuerste Kunstwerk der Messe.

Die Messe ist auch gesellschaftliches Ereignis

Die Messe ist auch gesellschaftliches Ereignis  |  © Harry Heuts

Allerdings kamen einem manche Gemälde tatsächlich arg bekannt vor, wie das Francis-Bacon-Gemälde bei Marlborough für 11,5 Millionen Euro, das man schon seit Jahren auf Kunstmessen sieht, zuletzt vor vier Wochen auf der Arco in Madrid . Auch am Stand von French & Company New York gibt es Prunkvolles, aber bereits Gesehenes: Mit Giovanni Segantinis Primavera sulle Alpi (1897), Frühling in den Alpen , ist beinahe ein Tefaf-Klassiker zu erwerben. Das Spätwerk ist mit 25 Millionen Euro das wohl teuerste Gemälde der Messe. »Faszinierend, aber zu naturalistisch«, so lauteten die Kommentare der Sammler, die das Werk mit der Bäuerin und den zwei Pferden vor weißer Alpenlandschaft begutachteten.

Bei French & Company entdeckt man auch Max Beckmanns Gemälde Perseus’ (Herkules’) letzte Aufgabe von 1949. Es war schon des Öfteren auf der Tefaf zu erwerben. »He’s been around«, er war schon mal hier, gibt die Dame von der Galerie zu. Vor vier Jahren war das Gemälde noch am Stand von Krugier zu kaufen, für 6,5 Millionen Euro, dieses Jahr wäre er schon für 4,5 Millonen Euro zu haben – ein edler Ladenhüter. Manchmal brauchten die Sammler eben eine gewisse Zeit, sagt die Angestellte. So wie die Sammler, die dieses Jahr bei dem Giuseppe-Arcimboldo-Porträt aus Früchten zugeschlagen haben. »Sie haben sich das Gemälde in den vergangenen drei Jahren immer wieder angeschaut – und jetzt gekauft.«

Andere waren da schneller: Bernheimer-Colnaghi bot eine sagenhafte Kreuzigung (um 1612) von Peter Paul Rubens an, das die Maastrichter Juroren als eines der besten Bilder der diesjährigen Messe empfahlen. Es wurde innerhalb der ersten 90 Minuten an einen amerikanischen Privatsammler verkauft. Der Listenpreis lag bei 3,5 Millionen Euro.

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Leserkommentare
  1. Wenn ich ueber solch Kunstfirlefanz (und das beziehe ich nicht auf Kunst generell, sondern in diesem Kontext von steinreichen Leuten, die sich einen Zeitvertreib damit machen mit Kunstwerken zu spielen, pseudo-professional zu fachsimpeln und sich im Selbstbild ihrer 'Bildung' zu erfreuen) lese, frage ich mich immer, ob den Kuenstler, um deren Werke gefeilscht wird, das ueberhaupt recht waere was da mit ihren Werken getrieben wird. Denn es ist ja wohl nicht die Aussage des Werkes die hier zaehlt, sondern allein sein 'Marktwert'.

    Ich faende es eine Beleidigung meiner Kunst, wenn sie Objekt eines derartigen Geschachers waere und wuerde sie solchen ungeistigen und ungebildeten Menschen nie an die Hand geben, da sie nie und nimmer das Verstaendnis erlangen wuerden die eigentliche Schoenheit und Bedeutung darin zu sehen.

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    Bilder überleben die Menschen - sowohl die Künstler als auch die Sammler. - Wer weiß, was sie nachfolgenden Generationen sagen werden, ob sich die Bedeutung, die der Künstler hineingelegt hat, vielleicht erst später mitteilt?

    Gäbe es die Märkte und Preise der Bilder nicht, würden auch keine Museen dafür gebaut. - Der Aspekt der Bewahrung spielt mir da eine Rolle, ich kann das nicht ablehnen.

  2. Bilder überleben die Menschen - sowohl die Künstler als auch die Sammler. - Wer weiß, was sie nachfolgenden Generationen sagen werden, ob sich die Bedeutung, die der Künstler hineingelegt hat, vielleicht erst später mitteilt?

    Gäbe es die Märkte und Preise der Bilder nicht, würden auch keine Museen dafür gebaut. - Der Aspekt der Bewahrung spielt mir da eine Rolle, ich kann das nicht ablehnen.

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  • Schlagworte Leonardo da Vinci | Martin Luther | Euro | Gerhard Richter | Lucas Cranach | Messe
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