Papst-Reise: Kreuz für Castro
Benedikt XVI. reist nach Kuba. Was hat der deutsche Papst dem kommunistischen Regime zu sagen?
Ernest Hemingway schenkte ihr seine Nobelpreismedaille. Soldaten legten ihr Teile ihrer Uniform zu Füßen. Salsa-Bands beschenken sie mit Musikinstrumenten, Sportler mit Trikots, Prostituierte schreiben ihr Briefe mit frommen Wünschen: In 53 Jahren Sozialismus ist der Pilgerstrom zur »Heiligen Jungfrau der Barmherzigkeit von El Cobre«, der Schutzpatronin Kubas, nicht versiegt. Doch dass gleich zwei Päpste die Marienstatue besuchen würden – das hätte beim Sieg der Revolutionäre 1959 niemand prophezeit.
Benedikt XVI. wird am kommenden Montag unmittelbar nach seiner Anreise eine Heilige Messe für die Heilige Jungfrau in Santiago de Cuba feiern, am Morgen danach fährt er zu ihrer Wallfahrtsstätte hinaus. Viele Jahre lang hatte die Statue die Bergbasilika nicht verlassen dürfen. Erst 1998, als Papst Johannes Paul II. die Insel besuchte, bekam er die Erlaubnis, sie vor Zehntausenden Kubanern in Santiago zu krönen.
Damals begrüßte Pedro Meurice Estiú, der Erzbischof von Santiago de Cuba, den Papst vor den Augen von Fidels Bruder Raúl Castro mit einer beispiellosen Systemkritik: »Unser Volk ist respektvoll gegenüber der Autorität, und ihm gefällt Ordnung, aber es muss lernen, falschen Messianismus zu entlarven. Ich stelle Ihnen, Heiliger Vater, eine wachsende Zahl von Kubanern vor, die das Vaterland mit einer Partei verwechselt haben und die Kultur mit einer Ideologie.«
Solche Worte wird der deutsche Papst von Kubas Klerus öffentlich nicht mehr zu hören bekommen. Das Verhältnis der Kirche zum Einparteienstaat hat sich seit dem Besuch von Johannes Paul II. deutlich verbessert. Die Auseinandersetzung mit der Diktatur um Freiräume ist subtiler geworden. Denn außerhalb des Machtapparats ist die katholische Kirche heute die stärkste Kraft, auf die Raúl Castro mit seinen ebenso vorsichtigen wie dennoch gewagten Reformen setzen kann. Castro II. rang sich im August 2011 vor dem Parlament ein mea culpa ab, weil man Gläubige über Jahrzehnte auf schwarze Listen gesetzt hatte. Und Jaime Ortega, Kubas einziger Kardinal und Gastgeber des Papstes, betet derweil »für den guten Verlauf dieses Erneuerungsprozesses zum Wohl des ganzen Volkes«. Als vergangene Woche 13 Regimegegner im Zentrum von Havanna tagelang eine Kirche besetzt hielten, weil sie dem Papst eine Botschaft übergeben wollten, erlaubte der Erzbischof den Sicherheitskräften, die Aktion als »illegitim und unverantwortlich« zu beenden.

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Papst Benedikt wird eine große Messe auf Havannas Revolutionsplatz feiern. 1998, beim Besuch seines Vorgängers, drängten sich dort 350.000 Menschen, auf der einen Seite des Platzes war die Nationalbibliothek über fünf Stockwerke mit einem kitschig-bunten Herz-Jesu-Bild geschmückt, gegenüber hing Che Guevaras Silhouette als Poster am Innenministerium. Geheimdienstler und Agitatoren, so erzählte man damals in Havanna, hätten zuvor in Schnellkursen gelernt, sich gemäß der Liturgie zu bekreuzigen. Dennoch musste sich Fidel Castro, der für dieses eine Mal seine olivgrüne Uniform gegen einen anthrazitfarbenen Zweireiher getauscht hatte, vereinzelte Sprechchöre aus der Menge anhören, die »Libertad!«, Freiheit, forderten. Der Papst kritisierte vor allem die unterdrückte Meinungsfreiheit. Doch lieferte er dem Commandante auch, was der wünschte: eine Verurteilung des seit 1961 fortdauernden US-Embargos und eine strenge Rüge des Neoliberalismus.
Kritik an beiden Systemen wird auch Benedikt XVI. üben. Gegen das US-Embargo hat Vatikan- Sprecher Federico Lombardi schon vor Abflug des Papstes Stellung bezogen: »Der Heilige Stuhl ist überzeugt, dass die Bevölkerung unter den Folgen des Embargos leidet und dass es sein Ziel verfehlt.« Präsident Raúl Castro war zu Weihnachten mit einer Geste vorangegangen, als er die größte Amnestie seit der Revolution ankündigte, für fast 3000 Häftlinge.





"Religion ist das Opium des Kleinen Mannes / des Volkes" müsste man mal endlich richtig deuten, nämlich nicht das süffisante: "das Volk ist so dumm, dass es sich mit Religion als Betäubungsmittel abspeisen lässt"
sondern: Auch der Kleine Mann - das Volk - hat ein Bedürfnis nach Evasion, temporärem Heraustretenkönnen aus Bedrängnis, und findet in der Religion ein solches Mittel, und das zu einem fairen Preis. Und dieses sich Wegdenken-Können ist wohl in Cuba brennend nötig. Deshalb wünsche ich dem Papst viele Zuhörer aller Generationen.
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