Thilo Sarrazin , der ja immer das schreibt und sagt, was andere sich entweder nicht zu sagen trauen oder aber gar nicht sagen können, weil ihr Bewusstsein durch das verweichlichte Versöhnungsgeschwätz des Mainstreams vernebelt ist; jener Thilo Sarrazin, der die ängstliche, auf falsche Toleranz gegenüber Minderheiten gepolte Integrationsdebatte durch intelligenzgenetische Überlegungen in seinem Bestseller Deutschland schafft sich ab aufgerüttelt hat , jener mutige Tabubrecher, der den Problemverneinern und Wegsehern aufgezeigt hat, dass die fünf (!) Prozent Muslime an der Abschaffung Deutschlands durch fleißige Vermehrung arbeiten (sonst arbeiten sie ja leider nicht so viel), jener Thilo Sarrazin hat also endlich ein neues Buch geschrieben, das am 22. Mai erscheint. Seit Monaten wurde es gemunkelt und gesagt, jetzt ist es gewiss: Das Buch handelt vom Euro und heißt Europa braucht den Euro nicht. Wie uns politisches Wunschdenken in die Krise geführt hat . Der Ankündigung der DVA zufolge möchte der Autor die Euro-Debatte »vom Kopf auf die Füße« stellen. Es wurde aber auch Zeit.

Wagen wir in Unkenntnis des Buches einen kühnen Blick ins Werk: Der Euro, wir ahnten es schon, ist bei Sarrazin womöglich der neue Migrant. Der Euro ist schließlich eine Art wurzelloser Kosmopolit. Wenn uns der Migrant noch nicht ganz abgeschafft hat durch Vermehrung – der Euro, indem er sich partisanenhaft in allen Ländern einnistete, wird unseren Untergang besiegeln. Mit Stumpf und Stiel wird der Euro uns ausrotten, wenn wir nicht gegen ihn angehen und namentlich gegen jene, die ihn schützen, die Wegseher und Problemverneiner im eigenen Land, gegen die auf unsere Kosten faul vor sich hin lebenden Griechen, Portugiesen, Spanier und Italiener sowieso. Weg damit!

Europa braucht den Euro nicht ist ein plausibler Nachfolger von Deutschland schafft sich ab . Dem inneren Feind muss, damit das Bedrohungsszenario komplett ist, ein äußerer beigesellt werden. Der Migrant und der Euro sind nur zwei Seiten ein und derselben finsteren Medaille. Man braucht nur wenige Worte aus den bereits bekannten geflügelten Sarrazin-Sätzen auszutauschen, dann zeigt sich der Zusammenhang aufs Schönste. Über die Griechen könnte es heißen: »Ich muss niemanden anerkennen, der von der EU lebt, diese EU ablehnt, für die Ausbildung seiner Kinder nicht vernünftig sorgt und ständig neue kleine Euro-Mädchen produziert.« Über die Italiener: »Nirgendwo schlurfen so viele Menschen in Trainingsanzügen durch die Straßen wie in Neapel .« Über Portugal : »Ich möchte nicht, dass das Land meiner Enkel und Urenkel zu großen Teilen portugiesisch ist. Wenn ich das erleben will, kann ich eine Urlaubsreise nach Portugal buchen.« Über die Spanier: »Alle Spanier teilen ein bestimmtes Gen, Deutsche haben bestimmte Gene, die sie von anderen unterscheiden.«

Oder lesen wir am Ende eine profunde Analyse der Euro-Krise ? Auszuschließen ist es nicht. Thilo Sarrazin nämlich, was kaum jemand noch weiß, war, bevor seine Interessen sich ungut verlagerten, ein ordentlicher Volkswirt.