Ein Auslöser für das Versprechen, das die Deutsche Bank gegeben, aber bisher nicht gehalten hat, war ein Mann, dem Hände und Beine fehlen. Am 25. Mai 2011 fährt er im Rollstuhl auf die Bühne der Frankfurter Festhalle, in der die Deutsche Bank ihre Hauptversammlung abhält. Er beugt sich zum Mikrofon und sagt: »Mein Name ist Branislav Kapetanović«. Dann erzählt er von der Waffe, die ihn verstümmelte.

Es war eine Streubombe, abgeworfen 1999 im Jugoslawienkrieg, eine von Millionen, die in den Kriegen der vergangenen Jahrzehnte auf die Erde niedergingen. Streubomben sind Bomben, die Dutzende, manchmal Hunderte kleiner Sprengkörper freisetzen. Nicht alle explodieren. Meist bleiben einige als Blindgänger auf dem Boden liegen, manchmal jahrelang, bis irgendwann jemand darauftritt. Dann gehen sie hoch. Nach Schätzung der Organisation Handicap International haben Streubomben bis heute 100.000 Menschen getötet, fast alle waren Zivilisten, ein Viertel von ihnen Kinder.

Kapetanović, 46, war früher Minenräumer. Er entschärfte Tausende Sprengkörper. Der letzte explodierte, bevor er ihn unschädlich machen konnte.

Er spricht nicht lange an diesem 25. Mai, nur ein paar Minuten. Der wichtigste Satz ist eine Frage: »Warum finanziert die Deutsche Bank immer noch die Hersteller dieser Waffen , obwohl andere Banken diese Unternehmen nicht mehr finanzieren?«

Der Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre hat Kapetanović das Rederecht verschafft. Es ist eine Organisation, die regelmäßig die großen Konzerne kritisiert. Mal geht es um Umweltzerstörung, mal um schlechte Arbeitsbedingungen. Meist verhallen die Appelle ungehört, oft verdrehen die Gäste der Hauptversammlungen genervt die Augen, wenn ein Vertreter des Dachverbandes spricht.

Diesmal klatschen sie, lange und kräftig. »Ich erinnere mich noch, wie der Applaus durch die Halle klang«, sagt Kapetanović heute. »Es war ein großartiger Moment.«

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Kapetanović stellt seine Frage nach dem Warum der Bombenfinanzierung direkt an Josef Ackermann , den Vorstandschef der Deutschen Bank. Und Ackermann antwortet, noch auf der Hauptversammlung. Er spricht von Mitgefühl, er sagt, er sei der Meinung, die Bank solle auf Geschäfte mit Streubombenherstellern verzichten.

Knapp sechs Monate nach der Hauptversammlung veröffentlicht das Geldinstitut eine Erklärung. Darin steht: »Die Deutsche Bank hat darüber hinaus jetzt entschieden, dass sie Geschäftsbeziehungen zu Unternehmen einstellen wird, die neben vielen anderen Produkten auch Streubomben produzieren.« Das ist das Versprechen, abgegeben am 9. November 2011.

Am 2. Februar 2012, anlässlich der Präsentation der neuesten Bilanzzahlen, sagt Ackermann gegenüber der ARD -Tagesschau: »Es gibt viele Dinge, die wir überprüft haben, die wir analysiert haben. So sind wir zum Beispiel aus der Finanzierung von Streubombenherstellern ausgestiegen.« Das ist die Aussage, die Bank habe ihr Versprechen gehalten.