Der beste Weg, um eine Verschwörungstheorie anzuheizen, ist...? Genau! Sie en détail auseinanderzunehmen. Sachlich. Womöglich gar mit plausiblen Argumenten.

Insofern bestärkt die Nasa gerade nach Kräften die schwärmerische Idee vom baldigen Weltende. Jawohl: Weltuntergang , Apokalypse, game over, zappenduster.

Am 21. Dezember 2012, drei Tage vor Weihnachten, soll es so weit sein. Am 13.0.0.0.0, dem letzten Tag des Maya-Kalenders , soll der Gott Bolon Yokte Kuh vom Himmel herabsteigen. Auf ihn beruft sich eine weltumspannende Gemeinde von Apokalyptophilen. Offenbar wächst sie stark – jedenfalls sah die Nasa sich gezwungen, ein Video zu veröffentlichen , in dem ein Planetenforscher ein für alle Mal erklärt, wofür der herabsteigende Gott gerade nicht stehen könne:

1. Nicht für den mysteriösen Planeten Nibiru . Der könne nicht am 21. Dezember mit der Erde kollidieren, denn es gebe ihn gar nicht.

2. Nicht für die Sonnenaktivität. Die erreiche ihr nächstes Maximum erst im Mai 2013. Allzu gefährlich sei sie auch nicht.

3. Nicht für einen Polsprung , den Wechsel von Nord- und Südpol also. Der dauere Jahrmillionen, was ihn recht harmlos mache.

4. Nicht für eine besondere Planetenkonstellation. Es gebe am 21. Dezember keine.

Man muss nicht von eins bis vier zählen können, um sich vorzustellen, wie überzeugend das auf Endzeitanhänger wirkt! Für Glaubwürdigkeit dürfte auch nicht eben sorgen, dass die Nasa ihren Film mit einer Zeichnung des Planeten Nibiru beginnen lässt, über die rot und fett der Schriftzug »top secret« gestempelt wurde – streng geheim. Schließlich kursieren bereits Gerüchte, die Weltraumforscher im Dienste der US-Regierung verheimlichten Hinweise auf das Weltenende ganz bewusst, um eine Panik zu verhindern. Just diesen Unsinn dürften sie nun befeuert haben.

Was die Maya zu alldem sagen? Es wird von Maya-Nachfahren in Guatemala berichtet, die keine Reporterfragen nach dem Tag X mehr beantworten wollen. Und die alten Maya? Altamerikanisten können nur immer wieder schlaumeiern, am 21. Dezember ende lediglich ein 400 Jahre zählender Zyklus. Nicht etwa der erste, sondern der dreizehnte im Mayakalender. Und am 22. beginne dann eben der vierzehnte Zyklus .

Was für eine große Idee ist der Weltuntergang, und wie nüchtern ist, was Forscher dieser Schwärmerei entgegenhalten: etwa dass die Maya selbst gar nicht von der Apokalypse gesprochen haben. Dass es die Spanier waren, die mit dem Gerede vom nahen Jüngsten Gericht im Mayaland einrückten. Dass der ganze 21.-12.-2012-Mythos ein Kind von New Age und kreativer Archäologie ist. Dass die Zeitrechnung der Maya mindestens bis in das 50. Jahrhundert unseres Kalenders geht...

So etwas überzeugt vielleicht Nasa-Forscher. Wer aber fest an das Unglück des Weltuntergangs glauben will, der weiß: Immerhin ist jener 21. Dezember, an dem der dreizehnte vierhundertjährige Zyklus endet, ein Freitag.

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