Ein Kinderbuch? Nein, es tut nur so. Ein Unterhaltungsbuch? Ja, das auch. Ein politisches Buch? Unbedingt. Die Illustratorin und Autorin Alexandra Klobouk, 28 Jahre alt, aufgewachsen in Regensburg, Grafikdesign-Studium in Berlin-Weißensee, hat keine Angst vor heiklen Themen. Im Gegenteil: Sie liebt es, das Schwere mit dem Leichten zu verbinden. Aufklärende Unterhaltung, unterhaltende Aufklärung, beides trifft auf ihre Bücher zu. 2010 veröffentlichte sie Istanbul mit scharfer Soße, eine gezeichnete Liebeserklärung an eine Stadt voller Widersprüche, in der sie sieben Monate lang gelebt hat. "Zauberhaft", schwärmte die Frankfurter Allgemeine. Das Buch hat Klobouk verfasst, weil sie über sich selbst erschrocken war, "überall die Tatort-Türkenklischees, die ich im Kopf hatte, bevor ich nach Istanbul gezogen bin". Dort erlebte sie ein junges, modernes, aufstrebendes Land, in das sie sich verliebte, und andererseits eine Gesellschaft, die sich Modernem verweigert. Ihre beste Freundin Duygu trug in ihrer Heimatstadt Izmir ganz selbstverständlich kurze Hosen – in Istanbul bekam sie Ärger mit jenen Teilen der Bevölkerung, die aus Anatolien in die Stadt gezogen sind. Deshalb wollte Klobouk trotz aller Liebe nicht für immer dort wohnen bleiben.

Nun also ihr zweites Buch, Polymeer – eine apokalyptische Utopie, erschienen wieder bei Onkel und Onkel in Berlin. Ein schweres Thema, die Umweltverschmutzung der Weltmeere, knallig erzählt, als unterhaltsame Abenteuergeschichte eines Holländers, der eines Morgens aufwacht und feststellt, dass sein Land untergegangen ist. Warum hat sie dieses ernsthafte Thema so spielerisch erzählt? "Ich will nicht moralisieren", sagt Alexandra Klobouk in ihrem leichten bayerischen Dialekt, "aber ich will, dass sich Menschen auch mit den unangenehmen Themen beschäftigen, die sie sonst am liebsten verdrängen."

Um diese Bilder malen zu können, hat sie monatelang geübt, "vor allem Wasser so zu zeigen, dass es aussieht wie Wasser, ist gar nicht so leicht". Sie hat dann vor allem van Gogh kopiert, und irgendwann war sie schließlich so weit. Die Bilder haben eine eigene Ästhetik, weil sie Collagen sind aus Zeichnungen und Fotos. Klobouk hat dabei improvisiert: Die Fischernetze beispielsweise sind eigentlich Tomatennetze aus dem Supermarkt. Nach ihrer Zeit in Berlin und Istanbul ist Alexandra Klobouk vor einem halben Jahr mit ihrem Freund nach Lissabon gezogen und arbeitet von dort aus. Eine Geschichte, die in Portugal spiele und von der sie das Gefühl habe, "dass sie mehr erzählt, als nur die Schönheit der Stadt zu beschreiben", sei ihr noch nicht eingefallen, sagt sie. Aber das kann noch kommen, vor zwei Wochen ist sie in eine WG mit Portugiesen gezogen, auch, um wirklich portugiesischen Alltag zu erleben. Gearbeitet und recherchiert hat sie trotzdem. Im Herbst erscheint bei C. H. Beck ein wissenschaftliches Buch, Der Islam für Kinder und Erwachsene, das sie illustriert. Wieder ein heikles Thema. Wie gemacht für Alexandra Klobouk.