Arjen Robben (l.) und Franck Ribéry © Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images

Bei der Deutschen Fußball Liga GmbH ( DFL ) werden sie bald eine Party feiern. Wieder einmal versteigert sie Übertragungsrechte für Bundesligaspiele, und die Erlöse dürften diesmal noch höher als sonst ausfallen. Bis 15.30 Uhr am Montag müssen die Angebote bei der DFL eingegangen sein. Schon jetzt zeichnet sich ein erbitterter Bieterkampf ab – vor allem zwischen dem Bezahlsender Sky und der Deutschen Telekom. Noch hat die Telekom zwar nicht bestätigt, dass sie mitbieten wird. Aber bei dem chronisch klammen Sender Sky regiert auch so die Angst vor der Finanzkraft des Riesenkonzerns. Dass dessen Chef René Obermann auf einer Konferenz nun beiläufig ein hiesiges "Monopol beim Pay TV" kritisierte, darf man als Kampfansage werten.

Der Streit zwischen dem Bezahlsender und dem Telefonkonzern markiert den Beginn einer neuen Ära. Was ist Fernsehen? Wie wird es künftig konsumiert? Und wer verdient daran? Nicht nur die Telekom könnte den Wettbewerb im Fernsehgeschäft verändern. Auch der Computerkonzern Apple und die Internetfirma Google experimentieren bereits mit bewegten Bildern. Heute fürchtet Sky eine deutsche Telefonfirma – und morgen vielleicht schon einen amerikanischen Computerproduzenten.

Der aktuelle Streit um die Fußballübertragungsrechte ist politisch brisant, weil die Telekom früher ein Staatsunternehmen war und der Bund gemeinsam mit der staatseigenen Bank KfW bis heute 32 Prozent aller Aktien besitzt. "Es kann nicht sein, dass staatsbeherrschte Unternehmen wie die Telekom in diesem Wettbewerb Bundesligarechte ersteigern und anschließend private Rundfunkanbieter vom Markt verdrängen", zürnt daher Eberhard Sinner . Der medienpolitische Sprecher der bayerischen CSU-Landtagsfraktion in München geriert sich als Schutzpatron des ebenfalls in München beheimateten Senders Sky mit seinen rund 1.300 Arbeitsplätzen. In einem Punkt aber hat er recht: Presse- und Rundfunkfreiheit sind durch die Verfassung geschützt. Der Staat muss sich heraushalten.

Die DFL will die Fernsehrechte in drei Paketen versteigern. Die ersten beiden erlauben die Liveübertragung per Internet und Mobilfunknetz . Das dritte enthält die wirtschaftlich weitaus wertvolleren Rechte für die Übertragung per Satellit und Kabel. Um dieses dritte Paket dreht sich die Auseinandersetzung zwischen Sky und Telekom .

Die Liveübertragung der Bundesligaspiele per Kabel und Satellit ist das Kerngeschäft von Sky. Dafür zahlt der Sender bislang jährlich rund 250 Millionen Euro Lizenzgebühren an die DFL. Doch die Firma Sky, die zum Reich des australisch-amerikanischen Medienunternehmers Rupert Murdoch gehört, schreibt trotz finanzieller Unterstützung seines Großaktionärs und steigender Abonnentenzahlen noch immer Verluste. Verliert Sky bei der Auktion die Senderechte für die Bundesliga, droht dem Sender nach Prognosen von Branchenkennern das wirtschaftliche Aus.

Als Verband der 36 deutschen Erst- und Zweitligaclubs beteuert die DFL, den Auktionsprozess so transparent wie möglich gestaltet zu haben. Fußballfunktionäre halten das Verfahren zwar für kompliziert, bestätigen aber, dass die Zeiten, in denen sich jemand in laufende Verhandlungen einmischen und kurzerhand das beste Angebot überbieten könne, endgültig vorbei seien. Wer in der ersten Auktionsrunde einen von der DFL festgelegten Vorbehaltspreis überschreitet, kommt in die zweite, sogenannte Reservationsrunde. Dort wächst der Spielraum: Selbst wenn das Angebot eines Interessenten um bis zu 20 Prozent unter dem Höchstgebot liegt, kann er noch den Zuschlag bekommen. Vorausgesetzt, die Fußballclubs befinden sein Übertragungskonzept für besser.

Bei der Auktion möchten die Clubs mehr Geld einnehmen als bisher. Aber die meisten wollen offenbar auch lieber weiterhin mit Sky als mit der Telekom zusammenarbeiten. Man fürchtet einen weiteren Machtzuwachs des in der Liga ohnehin schon einflussreichen FC Bayern München – die Telekom ist der wichtigste Sponsor der bayerischen Kicker. Von Konzernchef Obermann wünschen sich die Clubs, dass er zu ihren Bedenken endlich Stellung nimmt. Manche sind einfach nur beleidigt, dass die Telekom nicht vorab mit jedem einzelnen Club spricht. "Bei uns war die Telekom nicht. Daraus schließe ich, dass wir kein wichtiger Verein sind", sagt etwa Wolfgang Holzhäuser , der Geschäftsführer von Bayer Leverkusen .

Ein Gutachten kommt den Telekom-Gegnern zupass

Die Telekom braucht den Fußball. Der Aktienkurs bewegt sich seit Jahren seitwärts, die klassischen Geschäfte laufen schleppend. Vor wenigen Monaten scheiterte auch noch Obermanns Plan, die US-Mobilfunktochter für rund 39 Milliarden Dollar zu verkaufen. Jetzt soll unter anderem der Ausbau des Fernsehangebots unter der Marke Entertain neues Geld einbringen. Für rund 40 Euro monatlich kann jeder bei der Telekom schon seit einigen Jahren eine kleine Kiste mieten und darüber sein Fernsehprogramm beziehen. Mehr als 1,5 Millionen Kunden haben Entertain bisher abonniert. Noch mehr könnten es werden, wenn Entertain seinen Abonnenten exklusive Inhalte bieten kann, die über das Standardprogramm hinausgehen. Und was wäre attraktiver als Fußball?