FeminismusDie neuen Nackten

Für den "Playboy" posieren oder oben ohne protestieren: Wenn Frauen sich heute ausziehen, halten sie sich für selbstbewusst und modern. Aber beherrschen sie das Spiel mit den Bildern wirklich? von 

"Unsere Brüste sind unsere Waffen": Femen-Aktivistinnen bei einer Protestaktion in Paris

"Unsere Brüste sind unsere Waffen": Femen-Aktivistinnen bei einer Protestaktion in Paris   |  © Kenzo Tribouillard/AFP/Getty Images

Die Frau, die an diesem Tag zur Königin wird, heißt Jessica. Sie ist 23 und sitzt auf einer Bierzapfanlage. Sehr bequem ist dieser Thron nicht, der Chrom ist kalt, und Jessica trägt kein Höschen. Dafür aber Stiefel bis zu den Oberschenkeln und ein Top, das nicht den üblichen Zweck eines Kleidungsstücks erfüllt, etwas zu bedecken. In der Münchner Bar Sehnsucht baumeln Büstenhalter von der Decke, das ist der Clou an dieser Kneipe: Für jeden BH, den ein weiblicher Gast dalässt, gibt es eine Runde Jägermeister. Jessica bewegt sich zu den Kommandos des Fotografen und der Fotoredakteurin. Sie öffnet den Mund, streckt den Kopf zwischen die alten BHs, in deren Fasern kalter Rauch hängt. Sie biegt die Wirbelsäule zum Hohlkreuz, dreht gleichzeitig die Beine zur Seite. "Mein Rücken kracht", sagt sie. "Wenn’s wehtut, sieht’s gut aus", sagt die Fotoredakteurin, lange, glatte Haare, Hornbrille, rein optisch mehr als anständig und auf gutmütige Art streng. In einem früheren Jahrhundert wäre sie vielleicht Gouvernante geworden.

Jessica Czakon, Tochter polnischer Eltern, ist in Berlin geboren und aufgewachsen, studiert Architektur in Kassel und hat bei einem Online-Casting des Playboys den Titel "Cybergirl des Monats" gewonnen. Ihr Preis: ein professionelles Nacktshooting. Mit einer Mercedes-S-Klasse ist Jessica vom Flughafen abgeholt worden, sie hat eine Nacht im Motel One spendiert bekommen und wird mit der S-Klasse wieder weggebracht. Noch drei Wochen, dann kommen ihre Fotos raus, online und später auch im Heft, dann ist die nackte Jessica eine öffentliche Figur.

Anzeige

Viele werden es nicht beachten, aber auf den Fotos, seitlich unter Jessicas linkem Busen, wird ein Tattoo zu sehen sein. Sie hat sich einen Schriftzug in ihrer eigenen Handschrift stechen lassen. Ein Cicero-Zitat auf Latein: Dum spiro spero , solange ich atme, hoffe ich.

Worauf hofft Jessica?

So ein Shooting sei viel Muskelarbeit, sagt sie in einer Pause, in eine karierte Bluse gehüllt. Ansonsten sei es sehr angenehm, das Team habe ihr die Angst genommen. Der Fotograf, der lobt: "Das Profil ist immer ganz gut bei dir." Die Stylistin, die Jessicas Körper mit Olivenöl aus der Spraydose einsprüht, für ein bisschen Glanz. Die Redakteurin, die immer neue Dessous aus ihrer Reisetasche zieht, damit Jessica sie an- und möglichst lasziv wieder auszieht. Jessica wirkt zufrieden, erwartungsfroh. Sie glaubt, dass ihre Fotos an der Universität nicht lange unentdeckt bleiben. Diese Bilder, findet sie, "sind eine Chance für mich. Ich hoffe, man merkt sich mein Gesicht." Sie sagt tatsächlich "Gesicht". Und dann sagt Jessica noch einen Satz, der dauernd fällt, wenn man mit Frauen spricht, die sich öffentlich ausziehen: "Mein Körper, das ist nicht meine Privatsphäre."

Eine Befreiung von kulturellen Zwängen

Das Mädchen von nebenan wird entblättert, und zum Vorschein kommt eine Königin – das ist die Philosophie des Playboy -Gründers Hugh Hefner . Und das ist es, worauf Jessica hofft. Sie, die ehrgeizig ist und Architektin werden will, die Kunstausstellungen mag, gerade ein Psychologie-Sachbuch verschlungen hat und hofft, dass sie später einmal Beruf und Familie miteinander vereinbaren kann. Der Traum von der nackten Königin ist auch ihrer. 40 Jahre nach der Gründung des Playboys in Deutschland, einem Land, das von einer Frau regiert wird, ist er immer noch nicht aus der Mode gekommen. Immer noch träumen ihn junge Frauen, die etwas erreichen wollen und die viel mehr zu bieten hätten als ihre Brüste. Sie sagen, sich öffentlich nackt zu zeigen sei für sie Ausdruck von Selbstbewusstsein.

Die deutschtürkische Schauspielerin Sila Sahin

Die deutschtürkische Schauspielerin Sila Sahin  |  © dpa

Als Sila Sahin , eine deutschtürkische Schauspielerin, sich 2011, im Thilo-Sarrazin-Jahr , für den Playboy auszog, wollte sie demonstrieren, dass das Klischee von der vermummten Türkin veraltet ist. Sie sagte: "Für mich sind diese Fotos eine Befreiung von den kulturellen Zwängen meiner Kindheit." Damit löste sie eine Medienwelle aus, die bis in die USA schwappte. Am Ende wurde Sila Sahin, eine Seriendarstellerin aus der RTL-Vorabendserie Gute Zeiten, schlechte Zeiten , in die Show des amerikanischen Late-Night-Talkers David Letterman eingeladen.

Etwas demonstrieren wollen auch die jungen, hübschen Aktivistinnen aus der Ukraine , die in den vergangenen Monaten international bekannt wurden, nachdem sie vor Dominique Strauss-Kahns Haus in Paris oben ohne im Zimmermädchen-Outfit protestiert hatten. Sie wollten ein Zeichen gegen Sexismus setzen. Sie gehen, immer mit blankem Busen, in aller Welt gegen alles Mögliche auf die Straße: gegen Armut, Magersucht, Wahlbetrug. In Kairo zog sich die junge ägyptische Bloggerin Aliaa Magda al-Mahdy aus Protest gegen das Patriarchat aus und musste danach untertauchen, Exil-Iranerinnen schickten ihr als Zeichen der Unterstützung ein Nacktvideo. Nacktheit scheint ein Kommunikationsmittel geworden zu sein, das Frauen für sich zu nutzen wissen, für ihre Selbstvermarktung, für ihre politische Botschaft. Frauen glauben, sie könnten sich der Medien bedienen, um das Bild ihres nackten Körpers mit einer neuen Bedeutung aufzuladen. Und mehr sein als nur nackt.

Kann das gutgehen? 

Die Playboy -Redaktion gehört zum Burda-Konzern und hat ihren Sitz im Münchner Arabellapark, in einem Gebäude mit dem Sex-Appeal eines Versicherungsbüros, bloß dass bei einer Versicherung keine Spitzenunterwäsche hinter Plüschsesseln auf dem Boden liegt wie hier in der Fotoredaktion.

Im Büro des Chefredakteurs steht eine mannshohe Bunny-Leuchtskulptur, das weltbekannte Logo des Playboys . Florian Boitin hat jetzt eine schwierige Aufgabe: Er will belegen, dass die Frauen, die sich für sein Magazin ausziehen, alles andere als Häschen sind. Er sagt: "Wir propagieren ein selbstbestimmtes Frauenbild." Keine Frau müsse sich für den Playboy ausziehen, wenn sie es tue, dann weil sie sich gern so sehe und nicht weil irgendein Mann das wolle.

Der Herr der Nackten ist 44, ein angenehmer, unkomplizierter Typ. Er trägt Jeans und Feincord-Jackett, verwuschelte dunkelblonde Haare mit ersten grauen Strähnen, Dreitagebart, Ehering und einen kleinen, vertrauensbildenden Bauch. Er amüsiert sich darüber, dass jede Frau, die er kennenlernt, ihn beobachtet: Ist er ein Jäger? Könnte er ein berufliches Interesse an mir haben? Beurteilt er mich danach, ob ich es in sein Magazin schaffen könnte?

Er weiß, dass er kein Hugh Hefner ist.

Keine Zote, keine Anzüglichkeit wird man öffentlich aus dem Mund dieses Chefredakteurs hören. Im Kosmos des Playboys ist alles clean, professionell, die Fotoredaktion ist ausschließlich weiblich. Es ist kein von Männern gemachtes Frauenbild, das der Playboy zeigt. So einfach ist es nicht.

Wenn man in den Heften aus vier Jahrzehnten deutschem Playboy blättert, kann man gut nachvollziehen, wie die Haut der Frauen über die Jahre glatter wird, wie nacheinander Bikinistreifen, Achselhaare, Schamhaare verschwinden. Aber dazugekommen ist auch etwas, nur ist es unsichtbar: die vielen im "Front Office" wegretuschierten Narben der Schönheitsoperationen und die eliminierten Falten der abgebildeten Frauen, die heute ein paar Lebensjahre mehr hinter sich haben als früher.

Mit der Zeit sind die Bilder immer sauberer, beinahe aseptisch geworden. Man kann es schon fast wieder prüde finden: perfekte Bodys, die sich niemals gehen lassen. Das Gegenteil von Ekstase. Man kann sich diese Körper nicht schwitzend vorstellen – nicht mal die der Sportlerinnen (in der Regel aus Randsportarten), die treue Lieferantinnen von Erotikbildern sind. Sie haben trainierte Muskeln und kein Geld – eine Art modernes Proletariat, dessen körperliche Arbeit darin besteht, sich auszuziehen. Kanutinnen, Fechterinnen, Kitesurferinnen. Besonders stolz, sagt Boitin, sei er auf die Ausgabe mit den Frauenfußballerinnen zur WM 2011. Fünf Spielerinnen, die leicht bekleidet in einen See steigen. Das Heft verkaufte sich blendend – obwohl nicht mal eine der Frauen an der WM teilnahm.

Der Playboy setzt auf Prominente. Denn unbekannte Nackte gibt es überall, vor allem im Internet. "Wir können nicht mehr so tun, als würden wir Männern zum ersten Mal eine nackte Frau präsentieren", sagt Boitin. Heute ist viel entscheidender, wer zu sehen ist, als was .

Die meisten Frauen verstehen ein Playboy -Angebot als Kompliment

Das ist, nebenbei, auch der Grund, warum die Bild -Zeitung gerade unter großem Applaus das Seite-1-Girl abgeschafft hat. Nicht weil es dem modernen Frauenbild widerspricht, sondern weil die Nackte von nebenan nicht mehr zieht, wie man aus der Marktforschung weiß. Marion Horn, einzige Frau der Bild- Chefredaktion, sagt: "Für die Leserinnen war die Frau auf Seite 1 nie ein Kaufargument, auch für Männer ist sie schon lange nicht mehr so rasend interessant. Wir sind eine Kaufzeitung – was keinen Kaufimpuls auslöst, hat auf der Seite 1 nicht unbedingt etwas zu suchen." Nackte gibt es jetzt weiter hinten in der Bild, gern auch Vorab-Fotos von Prominenten, die sich für den Playboy ausgezogen haben.

Die Eiskunstläuferin Kati Witt , angeheuert vom reichen US-Mutterblatt, verdiente mit ihrem Playboy -Shooting angeblich eine Million Dollar. Das ist 14 Jahre her. Totalausverkauf der Auflage, international. Das gab es zuvor nur bei Marilyn Monroe . Ein Cybergirl wie Jessica bekommt für ein Shooting – nichts. Jessica steht in der Nackten-Hierarchie ganz unten. Falls sie es schafft, ein Profi zu werden, ein echtes Playmate, würde Jessica als Hostess für Playboy -Events eingesetzt, wo sie im Bunnykostüm für gute Stimmung sorgen würde, für 500 Euro pro Abend. Geld, Glamour, Nähe zur Prominenz – das ist das Aufstiegsversprechen. Die moderne Aschenputtel-Variante: vom Nacktmodell zur Prominentengattin. Mirja du Mont, die Frau des Schauspielers Sky du Mont, war mal Playmate. Sie hat es geschafft. Veronika Skaf, die Frau des Schauspielers Heiner Lauterbach, auch.

Wenn man so will, ist es Florian Boitins Hauptaufgabe, Frauen dazu zu überreden, sich auszuziehen. Aber wie überzeugt man Frauen, die bereits prominent sind, davon, sich vor Tausenden Männern auszuziehen? Der Playboy -Chefredakteur schickt einen Blumenstrauß und einen Brief, ob man sich nicht mal treffen könne. Die meisten Frauen, sagt er, reagieren mit Neugier, "sie verstehen es als Kompliment", und das sei es ja auch.

Das Treffen ist entscheidend. Da muss er rauskriegen, welche Motivation sie treibt. Ist es die Eitelkeit? (Oft, sagt er.) Will sie zeigen, dass sie mit Jüngeren mithalten kann? (Frauen um die 40 denken meist: Wenn nicht jetzt, wann dann?) Will sie einen Film, eine CD, ein Produkt vermarkten? (Das hilft bei der Überzeugungsarbeit.) Macht sie es wegen des Geldes? (Selten, aber die Frauen testen natürlich ihren Marktwert.) 

Wenn er die Beweggründe der Frau kennt, ist es ein Kinderspiel. Plötzlich dreht sich das Gespräch schon darum, wie viel sie zu zeigen bereit ist, welches Image sie haben will. Boitins bestes Argument ist die Sicherheit. Die Frau zieht sich aus – aber während ein Paparazzo sie unvorteilhaft oben ohne auf einer Jacht abschießen würde, mit Zellulitis oder Hüftspeck, kann sie beim Playboy sicher sein, gut auszusehen. Sie glaubt, die Kontrolle zu haben. Sie wird in die Redaktion eingeladen, um die Fotos abzunehmen, die Bildauswahl zu besprechen, Retuschen, die PR-Strategie. Oft ist beim Shooting ein Fernsehteam von Bild dabei. Die Videos werden bei Bild Online, bei RTL, ProSieben, Vox laufen. Die Abdeckung der Society-Formate ist maximal. Alles für einmal ausziehen.

Welcher Star kann dieser Verführung widerstehen? Man muss ein ausgeprägtes Selbstwertgefühl haben, um gegenüber einer solchen Schmeichelei immun zu sein. Sehr viel im Kopf. Oder ein verdammt antiquiertes Schamgefühl. Denn heute schämt man sich nicht mehr dafür, nackt zu sein. Man schämt sich dafür, kein Geld zu haben. Oder nackt mies auszusehen.

Der Effekt eines Playboy -Auftritts lässt sich bei Google Insights for Search nachvollziehen. Anhand der Häufigkeit der Suchanfragen lässt sich darstellen, wie sich das Interesse an einer Person entwickelt. Die Kurve zum Erscheinungstermin des Playboys sieht jedes Mal aus, als schieße eine Aktie aus dem Nichts nach oben. Das Bekanntwerden, das Ins-Gespräch-Kommen über die Nacktheit funktioniert immer noch zuverlässig. Aber geht die Rechnung der Nackten wirklich auf?

Kati Witt und die Tatort -Kommissarin Simone Thomalla haben mit ihren Playboy -Aufnahmen ein enormes Echo hervorgerufen, reden wollen sie trotzdem nicht mehr darüber. Witt lässt nach einem langen E-Mail-Wechsel mit ihrer Agentin ausrichten, dass sie sich gegen das Gespräch entschieden habe: Die Sache sei zu komplex. Simone Thomallas Agentin sagt: "Das ist vorbei, das war eine einmalige Sache, diese Fotos sind zwei Jahre her." Auf die Nachfrage, ob sich Frau Thomalla denn von jenen Bildern distanzieren wolle, schmeißt die Agentin den Hörer auf. Sila Sahin ist nach etlichen Nachfragen nur zu einer schriftlichen Stellungnahme bereit. Warum, wenn doch alle so selbstbewusst sind, macht das Thema solche Angst?

Auch Jasmin Gerat hat lange überlegt, ob sie sich zu ihren Bildern äußern soll. Das war 1998, sie war 19. "Es ist, als wäre das eine andere Person gewesen", sagt sie nachdenklich. Und: "Ich kann es mir bis heute nicht logisch erklären, warum ich das gemacht habe."

Damals war Jasmin Gerat Moderatorin bei MTV. Man hatte sie mit 15 Jahren bei einem Modelwettbewerb entdeckt. Heute gehört sie zu den bekannteren deutschen Schauspielerinnen. Sie war in dem Kassenschlager Kokowääh zu sehen, gerade sind die Dreharbeiten zu Heute bin ich blond beendet, da spielt sie eine Nebenfigur, die Krebs hat. Auf dem iPhone zeigt sie Fotos, wie sie für ihre Sterbeszene geschminkt wird, mit Glatze und Schatten unter den Augen. Damals, im Playboy , war ihr Körper mit goldener Farbe überzogen. Sehr viel Glanz für 19 Jahre.

"So viel Kohle dafür, dass ich meine Brüste zeige!" Sie konnte es kaum glauben und möchte, als erscheine es ihr unanständig, auch heute noch nicht sagen, wie viel es war. "Es ist hart, mir das selbst einzugestehen, aber ja: Ich war käuflich damals." Und sie habe Lust auf Rock ’n’ Roll gehabt, eine Woche im Bus mit einem verrückten Fotografen von Los Angeles nach Las Vegas fahren. Ein cooler Trip mit Partys im Hotelzimmer, den sie nie vergessen werde. "Ich war so versunken in dieses Abenteuer, dass ich gar nicht darüber nachgedacht habe, dass diese Fotos ja veröffentlicht werden." Als das Magazin dann am Kiosk lag: Reaktionen von "Wow" bis Naserümpfen. Der Vorwurf, sich für die Karriere ausgezogen zu haben. Sie sagt: Eher habe sie Glück gehabt, dass es ihr nicht geschadet habe. "Heute hat man einen Stempel weg, wenn man solche Bilder macht." Sie sei da noch so durchgerutscht. "Damals war es noch was Besonderes. Wenn man ein Nacktshooting gemacht hat, war man alles andere als angepasst."

Die Bilder von damals gehören zu Jasmin Gerats Leben, sie steht dazu. Trotzdem, sagt sie, würde sie es heute nicht wieder machen. Und auf einmal ist ihre ganze Besonnenheit weg: "Es ist zum Heulen! Kein einziges Cover, auf dem eine Frau noch einen echten Busen hat! Alle sehen gleich aus!" Und beim Spazierengehen bleibt ihre fünfjährige Tochter an der Litfaßsäule stehen, wo eine Hardrockband mit einer Pornodarstellerin wirbt, und die Tochter bemerkt die grotesken Brüste nicht einmal, sondern sagt nur: Guck mal, Mama, der Glitzerrock! "Nackte Riesenbrüste sind das Normale. Das ist doch traurig", sagt Jasmin Gerat.

Es ist der Mittag nach der Oscar-Verleihung, Heike-Melba Fendel sitzt etwas übernächtigt im Berliner Restaurant Sale e Tabacchi . Fendel ist Gründerin der Schauspielagentur Barbarella Entertainment , ihre Aufgabe ist es, Klienten ins Gespräch zu bringen. Fendels Kartei ist voller Namen, die man aus Filmen mit Anspruch kennt: Matthias Brandt, Muriel Baumeister, Anna Thalbach, Esther Schweins, Joachim Król, Hanns Zischler. Ihren Klientinnen rät sie dringend von Nacktfotos ab.

Heike-Melba Fendel hat selbst als Schauspielerin gearbeitet, als Model. Jetzt ist sie 50 und immer noch schön. Lange blonde Locken, aufrechte Haltung, eine sehr spezielle Art, ein Stück Feige mit abgespreiztem Finger vom Teller auf die Gabel zu schieben, ohne dabei auszusehen, als hätte sie einen Adelstitel. Sie hat Ausstrahlung. Und sie weiß um die Gefahr, sich als Frau kritisch über jüngere Geschlechtsgenossinnen zu äußern, die sich ausziehen. "Ich will jetzt nicht sauertöpfisch sein, aber...", der Satz fällt dreimal im Gespräch.

Heike-Melba Fendel ist kein Sauertopf. Sie war selbst mal Playboy -Kolumnistin. Bis sie 25 war, hat sie Nacktaufnahmen gemacht, stellte sich für Performances unbekleidet in einen Käfig. Als sie in den achtziger Jahren in einem Hinterhof eine Nacktszene mit Helge Schneider in Feinripp-Unterwäsche drehte – für dessen Experimentalfilm Johnny Flash – und dafür 50 Mark Gage kriegte, fand sie das okay. Ein Problem bekam sie erst, als sie aus der Partywelt in die der ernsten Arbeit wechselte.

Sie begann, für die Musikzeitschrift Spex zu schreiben, und die Häme traf sie ungebremst. Spex veröffentlichte, ohne sie zu fragen, den Brief eines Lesers, der sinngemäß meinte, man solle lieber Fendel im luftigen Hemdchen abdrucken als ihre Texte. Bei einer Lesung wurde sie von der Bühne gejohlt: "Ausziehn! Ausziehn!"

Und noch heute kommt es vor, dass Männer in größeren Runden zu ihr sagen: "Ich hab dich in Johnny Flash gesehn." Natürlich recherchiert jeder, der es geschäftlich mit Fendel zu tun kriegt, im Internet. Und natürlich landet er bei diesen Bildern. "Ich lebe jetzt halt damit", sagt die Agentin – die Bilder aus dem Netz wegzubekommen ist unmöglich. "Ich konnte es damals nicht wissen. Aber eine 18-Jährige von heute weiß es. Und wenn sie in 20 Jahren Bundeskanzlerin werden will, dann weiß eben die ganze Republik, wie sie nackt aussieht."

Man könnte einwenden: In 20 Jahren wird es von allen möglichen Leuten Nacktbilder geben. Jede Gesellschaft definiert für sich, was sie erlauben will und was nicht. Und wir haben uns halt dafür entschieden, mit dem Prüderie-Quatsch aufzuhören. Wir sind doch aufgeklärt.

Sind wir? Durchschauen wir, was da geschieht?

Es ist etwas passiert mit dem Körper. Es ist üblich geworden, mit ihm zu handeln, als sei er eine Ware, die in endloser Stückzahl weltweit vertrieben wird. Frauen spekulieren mit ihm, sie investieren in ihn, er ist ihr Kapital. Es mag diese Entfremdung sein, die Nina Bott, Schauspielerin und Playboy -Covergirl vom Februar, sagen lässt: "Ein Nacktfoto ist für mich nichts Intimes. Intim ist für mich, wenn man mich mit meinem kleinen Sohn im Park fotografiert." Der Körper hat mit der Person offenbar nichts mehr zu tun. Die Frau zeigt ihre Hülle, aber nicht sich selbst. Deshalb sagt die Schauspielerin Ursula Karven im aktuellen Playboy : "Mein Körper ist mein Arbeitsmaterial." Da wäre es doch unklug, auf den Karrierekick zu verzichten, den so ein Nacktshooting verspricht. "Stimmt ja gar nicht", widerspricht die Agentin Fendel. "Mit einem Playboy -Shooting verbessert man die Auflage des Playboys , nicht die eigene Karriere."

In Fendels Augen sind Millionen von Google-Suchanfragen also – gar nichts?

"Natürlich steigern Sie die allgemeine Bekanntheit, natürlich kann eine selbst ernannte Schauspielerin, wenn sie auf dem Playboy -Cover war, ein paar Tausend Euro nehmen, wenn sie zu einer Shoperöffnung geht. Das kann sie sogar noch zwei, drei Jahre nach ihrem Auftritt. Aber sie hat mit diesen Bildern auch etwas anderes getan: Sie hat einen unsichtbaren Vertrag mit Milliarden potenziellen Betrachtern unterschrieben. Darin steht: Ihr dürft meinen Körper ansehen und mich darauf reduzieren."

Es ist der umgekehrte Nackter-Kaiser-Effekt: Den nackten Kaiser sieht das Volk angezogen. Die angezogene Frau sieht das Volk nackt. Diesen Blick muss man aushalten.

Auch Meret Becker muss das. Die Schauspielerin und Sängerin distanziert sich nicht von ihren Fotos, "ich mag die Pin-up-Ästhetik, ich bin Marilyn-Monroe-Fan", sagt sie. Sie erzählt aber auch, dass ihr Playboy -Auftritt noch nach 14 Jahren von Magazinen in Kurzbiografien erwähnt wird, während in solchen Texten nie auftaucht, dass sie die komplizierteste Schönberg-Partitur gesungen hat, mit den Berliner Philharmonikern unter der Leitung von Kent Nagano. Als der Playboy rauskam, erschien auch ihre CD, außerdem war sie schwanger. Berichtet wurde über ihr Baby, über die Fotos – aber so gut wie gar nicht über ihr Album. "In Fernsehinterviews wurde das, was ich über meine Arbeit zu sagen hatte, rausgeschnitten." Ein Erotikshooting hat eine große Wirkung, von der man sich im Zweifel wieder mühevoll emanzipieren muss. Das gelingt manchmal, wie bei Meret Becker, wie bei Iris Berben , deren Ruf als Schauspielerinnen nicht gelitten hat. Aber es gelingt nicht immer. Das Risiko ist groß.

Die Beispiele Andrea Sawatzki, 49, Simone Thomalla, 46, Ursula Karven, 47. Drei Frauen, die in die schwierigen Schauspielerinnen-Jahre gekommen sind und sehr viel in ihren Körper investiert haben: Arbeit, Verzicht, Geld, Schmerz. Jetzt können sie noch einmal zeigen, wie leistungsfähig ihr Äußeres ist. Wenn sie ehrlich sind, wissen sie: Die Nachfrage wird sinken, der Aktienkurs fallen. Irgendwann will die alternde Frau keiner mehr sehen. Das ist schlimm für jemanden, der von der öffentlichen Aufmerksamkeit lebt. Noch schlimmer ist es, dass das perfektionierte Bild ihres Körpers der realen Person Konkurrenz macht.

"Die Frauen müssen diesen idealisierten Bildern hinterherleben. Ich verbringe viel Zeit mit Schauspielerinnen. Ich weiß, wie grausam das ist", sagt Heike-Melba Fendel. "Ab Mitte 40 können sie nicht mehr gewinnen. Und berauben sich der Chance, in Würde zu altern." Gestern Nacht hat Fendel die Oscar-Gewinnerin Meryl Streep bewundert, die zeigt, wie eine Schauspielerin das schafft: in Würde altern. Eine Frau, die nie die Karte Nacktheit gespielt hat. Vielleicht auch, weil sie nie dem gängigen Schönheitsideal entsprach. Es hat sie in gewisser Weise unangreifbar gemacht.

Jedes Nacktbild ist ein Kontrollverlust. Wie mühsam es ist, die Kontrolle zurückzugewinnen, zeigt die Geschichte von Rike Schmid, einer von Fendels Klientinnen.

Rike Schmid, 32, ist gerade in der Vorabendserie Heiter bis tödlich zu sehen. In ihrer jungen Karriere ist sie überaus bewusst mit ihrem Körper umgegangen. Als ein Lifestyle-Journalist ihr bei einem Dreh riet: Du musst dich ausziehen, du musst was mit Bild machen oder mit dem Playboy , sonst sehe ich keine Chance, da hat sie das als Ansporn verstanden, gerade das nicht zu tun. Nackte Haut nur da, wo es künstlerisch sinnvoll ist, so lautete ihre Regel. Der folgt sie bis heute.

In dem Film Hitlerkantate hat sie eine Jüdin gespielt, die Schauspielerin werden will und es über die Aktfotografie versucht – ein verzweifelter Versuch, über den Körper einen Weg aus der Misere zu finden. So was kann man schlecht im Tweedkostüm darstellen. Es gab noch einen anderen Film, in dem sie sich mit freiem Oberkörper zeigte: Wir . Ein Mann und eine Frau haben eine Affäre, einmal sind sie nach dem Sex zu sehen. Schmid bat darum, dass beim Drehen dieser Szene keine Fotos gemacht werden. Ein Standbild aus dem Film landete trotzdem irgendwie im Internet, wo es sich verbreitete wie eine Epidemie. Server aus Panama zeigten es, bald tauschten sich Männer in Stammtischforen über die Größe von Rike Schmids Brüsten aus.

"Immer wenn ich jemanden kennenlernte, wusste ich: Der hat mich schon nackt im Internet gesehen", sagt Rike Schmid. Unangenehm, aber bald erfuhr sie, dass viele Schauspiel-Kolleginnen ähnliche Probleme hatten. Das stachelte sie an. Sie beauftragte einen Anwalt, der die Schmuddelseiten bei Internet-Suchmaschinen sperren ließ. Verlage forderte er auf, das Oben-ohne-Bild nicht mehr zu zeigen. Die meisten hielten sich daran, die Filmzeitschrift Cinema weigerte sich. Schmid ging durch zwei Instanzen und hat jetzt eine einstweilige Verfügung erwirkt. Im Sommer ist das Hauptsacheverfahren.

Sollte Rike Schmid recht bekommen, ist es damit nicht vorbei. Sie wird weiter darum kämpfen müssen, angezogen zu bleiben. Vor einiger Zeit wurde ihr ein Drehbuch angeboten, das ihr gefiel. Darin war auch eine Sexszene. Rike Schmid fragte, ob sie darüber mit dem Regisseur reden könne. Sie wollte wissen, warum er die Szene für notwendig hielt. Das ganze Angebot wurde zurückgezogen. Der Regisseur hatte sich aufgeregt. Was stellt die sich so an, die hat sich doch schon mal ausgezogen.

Rike Schmid sagt, sie sei "eher eine Feministin als keine". Es ist nicht einfach, Schauspielerin und Feministin zu sein. Sascha Schewtschenko und ihre Freundinnen sprechen das Wort Feministin stolz aus, ohne Fragezeichen in der Stimme. Und sie entkleiden sich pausenlos vor irgendwelchen Kameras, ohne zu zögern. Die Bilder ihrer Brüste sind weltweit verbreitet, Bild zeigt sie, Alice Schwarzers Emma . Sie sind ein Exportschlager aus der Ukraine.

Eine WG in einem runtergekommenen Plattenbau am Obolonski-Prospekt in Kiew . Der Putz fällt von den Wänden, bleierne Ödnis eines Kapitalismus ohne Kapital. An der Wand Fotos: hübsche junge Frauen Anfang 20 beim Ausgehen – Sonnenbrillen, Kussmünder, Eiswaffeln. Auf dem Fußboden Schmutzwäsche, auf dem Schminktisch Fläschchen, Döschen, Tuben. Die Zeit der großen Freiheit im Leben: Man ist erwachsen genug, um zu wissen, was man will, aber noch nicht zu erwachsen, um für etwas zu kämpfen, das man nicht bekommt.

Sascha, 24, sehr blond, sehr schlank, sehr geschminkt und sehr viel hübscher, als es der traditionelle westliche Feminismus erlaubt, sitzt mit einem Notebook auf den Knien auf einem Sofa zwischen Stofftieren und postet mit klackernden Fingernägeln irgendetwas auf Facebook. Oksana, 24, brünett und nicht geschminkt, mit sehr ebenmäßigem Gesicht, hockt im Schneidersitz auf einem ausgeklappten Sofa mit Minni-Mouse-Bettwäsche und zeichnet schlecht gelaunt zwei stilisierte Brüste in ein Skizzenheft. Inna, die dritte Schöne, blond wie Sascha, fläzt sich in einem Sessel und tippt auf einem ihrer beiden Handys herum, während sie das andere ans Ohr geklemmt hat. Gerade war das ukrainische Fernsehen da, die drei müssen gleich noch mal in die Stadt, die Fernsehleute wollen noch in einem Schuhladen drehen, "sie brauchen irgendeine Szene, die zu dem passt, was Frauen üblicherweise tun", sagt Sascha. Sie hält das nicht für ein Klischee, das nur Männern einfallen kann. Sie geht gern in Schuhläden.

Sascha, Inna und Oksana nennen sich topless activists . Das ist ihre Hauptbeschäftigung. Sascha und Inna haben studiert, Finanzwesen die eine, Journalismus die andere. Oksana ist Künstlerin. Sascha hat ihren Job aufgegeben, Inna hat ihn verloren wegen dem, was sie etwa einmal pro Woche tun: sich einen Blumenkranz ins Haar stecken und ihr Oberteil ausziehen. Wie Jessica aus Berlin bekommen sie dafür nichts – außer große Mengen der internationalen Währung Aufmerksamkeit.

Die Sache mit den Brüsten war Oksanas Idee. Oksana, die mit 13 ins Kloster gehen wollte, das Wunderkind, das mit acht schon auf einer Schule für Ikonenmalerei war. Oksana wurde Atheistin, als sie die Philosophie entdeckte. Sie trafen sich 2008, da waren die Aktionen ihrer Gruppe noch bekleidete Happenings für mehr Frauen- und Bürgerrechte in einem Macho-Staat. Sie gaben sich den Namen "Femen" , vom lateinischen femina , Frau. Oksana war für die Requisite zuständig. Sie hatten kein Geld, und Oksana dachte über etwas nach, das ein starkes Bild schaffen würde, ohne viel zu kosten. Auf dem Maidan, dem zentralen Platz von Kiew, dort, wo die Orangene Revolution losgegangen war, protestierten sie dagegen, dass es im Studentenwohnheim kein warmes Wasser gab. Sie wuschen sich im Brunnen, in Bikinis. Sie bekamen so viel Beachtung, so viel Presse wie nie zuvor. Da begriff Oksana.

Sascha war zunächst skeptisch, sie fand ihre Brüste zu klein, sie fürchtete, man würde sich lustig machen: Guck mal, die haben einen Jungen dabei. Die Sorge war unbegründet. Dreißig topless activists sind sie heute, Hunderte angezogene Aktivisten kommen dazu. Die Femen-Frauen haben ihr Hauptquartier im Kiewer Café Kupidon. Hier treffen sich jeden Tag alle Mitglieder, die Zeit haben und nicht gerade protestieren. Es könnte die Garderobe von Germany’s next Topmodel sein. Elegante Mäntel, Hüte, enge Hosen, High Heels, schöne Gesichter mit dramatisch geschminkten Augen, tiefe, starke Blicke. Und jede von ihnen hat irgendwas zu tippen, auf einem Handy, einem Notebook, einem iPad. Ein Mann sitzt auch dabei. "Ja, wir haben auch Männer", sagt Sascha, "im Hintergrund, als Berater, als Anwälte, als Denker. Wir Frauen wollen immer Harmonie, die Männer sagen uns, ihr müsst radikaler sein, deshalb sind sie wichtig. Außerdem holen sie uns aus dem Knast."

Im Kupidon diskutieren sie über die neuesten Nachrichten, beschließen die nächsten Aktionen. Sie verschicken ihre Fanartikel: Kaffeetassen mit dem Femen-Logo, Taschen mit Femen-Logo, T-Shirts mit einem Boobs’ Print, was irgendwie charmanter klingt als "Tittenabdruck". Ebenfalls im Sortiment: Brüste aus Gummi, Beate-Uhse-Ware. Man kann das für geschmacklos und idiotisch halten oder für einen Beweis, dass diese neuen Feministinnen Humor haben. Und dass ihnen jedes Mittel recht ist.

Draußen vor der Tür laufen die Spitzel der Regierung auf und ab, manchmal kommen sie rein. Sascha war dreimal im Gefängnis. Einmal einen Tag, das zweite Mal zwei Tage, das dritte Mal drei. Nichts gegen das, was Inna erlebt hat, die nach einem Protest in Weißrussland vom Geheimdienst verschleppt wurde. Sie haben ihr und zwei anderen Frauen die Augen verbunden, sie mit Öl übergossen und gedroht, wir zünden euch an, wir vergewaltigen euch. Sie haben ihnen mit Messern die Haare abgeschnitten. In Innas kurzes Deckhaar sind jetzt Extensions eingeknüpft – Inna macht weiter. Morgen reisen sie und Sascha nach Wien , die österreichischen Grünen haben sie zu einer Diskussion eingeladen. Wenn ihnen eine gleichgesinnte Organisation ein Ticket bezahlt, fliegen die Aktivistinnen hin und nutzen die Gelegenheit für eine kleine Aktion. Sitzt der Gastgeber in der Schweiz – wunderbar, dann sorgen sie eben beim Weltwirtschaftsgipfel in Davos für Aufruhr. Sitzt er in Italien, bietet sich die Fashion Week in Mailand für Proteste an. Jetzt also Wien. Nur: Wogegen ist man in Wien? Wie macht man diesen Besuch interessant für Journalisten, wie erschafft man das Bild, auf das alle warten? Brainstorming. Es wird ein langer Abend im Kupidon.

Als sie morgens um sechs am Flughafen von Kiew ankommen, haben Sascha und Inna zwei Stunden geschlafen. Aber sie sind bester Dinge, sie hatten doch noch eine Idee für Österreich.

Die Kombination von nackter Haut und Politik gab es schon mal. Die 68er hatten das Ausziehen zum revolutionären Akt erklärt. Am Ende mussten sie eingestehen, dass die Männer den Frauen und die Frauen sich selbst nur eingeredet hatten, dass es um Freiheit ging – in Wirklichkeit ging es um Sex. Das Busenattentat auf Theodor W. Adorno , bei dem drei Frankfurter Studentinnen sich vor dem Philosophen entblößten, war auch bloß ein Happening, das den Linken im Nachhinein peinlich war. Und in der Kommune 1 ging es eher polygam als politisch zu. Später, in den Achtzigern, gab es noch Cicciolina, die für die freie Liebe warb, ein Pornostar, der es ins italienische Parlament schaffte. Doch das ist nicht die Freiheit, die den Femen-Frauen vorschwebt. Genauso wenig wie die Freiheit der westlichen Feministinnen alter Schule, sich vom Schönheitsideal der Männer loszusagen. Pornografie und der Playboy sind für die Aktivistinnen Unterdrückung. Sie wollen ihren Körper zurückerobern, sagen sie. Aber sie bleiben doch den Symbolen der weiblichen Unterwerfung verhaftet.

Die Grünen haben Sascha und Inna in einem Hotel im jungen, coolen 7. Bezirk einquartiert. Judith Schwentner, Abgeordnete im Nationalrat und Frauensprecherin der österreichischen Grünen, wartet an der Rezeption. Sie ist gespannt auf diese neue Art von Feminismus : Geht das denn zusammen, Nacktheit und gegen Sexismus demonstrieren? "Von uns Grünen würde das jedenfalls keine machen", sagt Schwentner, als Sascha und Inna die Treppe herunterkommen. Maximaler clash of civilizations : wasserstoffblonde Haare bis zur Taille. Die Ukrainerinnen haben enge T-Shirts mit dem Femen-Logo angezogen, zwei Kreise, in der Mitte ein Strich – nur dass die Kreise heute rot-weiß gestreift sind wie die österreichische Flagge. Hautenge Jeans, die Augenbrauen schwarze Blockstriche, High Heels, mindestens zwölf Zentimeter. In Westeuropa sagt dieser Kleidungscode: Prostituierte! Judith Schwentner dagegen: Schmetterlingsbrosche am Revers, Wildleder-Schnürschuhe an den Füßen. Sie schnappt nach Luft.

Auf Innas High Heels deutend, bemerkt sie: "Es sind 20 Minuten Fußweg zum Grünen-Club, da müssen wir doch besser die Straßenbahn nehmen oder das Taxi."

"No problem, really", sagt Inna, "it’s like sneakers for me."

"Sure?" Frau Schwentners Gesicht verrät widerstreitende Gefühle. Dass die Gäste sich für ihre Aktionen entblößen, na gut. Aber müssen sie sozusagen außer Dienst so rumlaufen? Sie tritt von einem Fuß auf den anderen, mit der Straßenbahn ist es kompliziert, und Taxi ist für eine Grüne naturgemäß keine gute Option.

Später beginnt ein Interview-Marathon, der die gesamte österreichische Presse zwei Tage lang in Alarmbereitschaft hält. Vor allem die Fotografen. Sascha und Inna erzählen, wie jetzt, drei Monate vor Beginn der Fußball-EM , in Kiew massenhaft Massagesalons und Stripteasebars aufgemacht werden und wie Wohnungen zu Bordellen mutieren. Und sie erzählen, wie sie die EM verderben wollen, "wir wollen die Fußballfans am Flughafen empfangen und ihnen zuschreien, dass ukrainische Frauen keine Prostituierten sind, wir wollen aufs Fußballfeld rennen". Zum größten Teil aber geht es in den Gesprächen um nackte Oberkörper. Warum diese Art, zu protestieren? "Unsere Brüste sind unsere Waffen", sagt Sascha, "wir wollen zeigen, dass sie uns gehören." Immer wieder fällt der Begriff Primetime: "Busen sind jetzt in der Primetime in den Nachrichten zu sehen, nicht nur in erotischen Sendungen." Das soll also der Beleg dafür sein, dass die Femen-Frauen etwas erreichen. Ist sie das, die neue Revolution der Frauen: Titten zur Primetime? Ist das der Erfolg: dass Emma jetzt Nackte verkauft wie der Playboy ?

Wer sich im Internet über die Ukrainerinnen informiert, stößt auf viele Bilder und wenig Inhalt. "Wir haben keine Angst vor der Bilderflut", sagt Sascha. Die Fast-Food-Gesellschaft, an kurze Informationshäppchen gewöhnt, werde die knackigen Botschaften auf den Plakaten schon verstehen. Die Gruppe hat auch eine 63-jährige Aktivistin, sie protestiert ebenfalls nackt. Fotos gibt es nicht von ihr. Einmal gab es immerhin Bilder von einer außergewöhnlich dicken Aktivistin. Vielleicht wegen des Kuriositätenfaktors.

Es ist die junge, hübsche Nackte mit den Blumen im Haar – sie funktioniert. Ihretwegen sind die Medien da, auch die ZEIT. Das wissen Sascha und Inna natürlich. Bei der Pressekonferenz kommt jetzt ihr großer Moment. "Wir zeigen euch", sagt Sascha, "wie man einen Boobs’ Print macht." Sie zieht eine weiße Plastiktüte hinter dem Podium hervor und holt einen gelben und einen blauen Topf mit Plaka-Farbe heraus, zwei Pinsel und ein großes Stück Pappe. Dann – die Fotografen quittieren es mit Dauerfeuer – zieht Sascha ihr T-Shirt über den Kopf, und Inna beginnt, Saschas Brüste mit Farbe anzupinseln, eine Seite gelb, eine blau. Am Ende drückt Inna das Plakat gegen Saschas Busen. Fertig ist das Femen-Label! Die beiden überreichen das Kunstwerk nun der verlegenen Judith Schwentner. Sie, frauenpolitische Sprecherin einer Partei mit 50-Prozent-Quote, wird sich vor ihren Parteifreunden dafür rechtfertigen müssen. Zwei Frauen, die gegenseitig an den Brüsten rummachen. Besser hätte es der Playboy nicht hinkriegen können. (In der aktuellen Ausgabe zeigt der übrigens Bilder des ebenfalls ukrainischen Pop-Duos NikitA: zwei Frauen, die sich gemeinsam in erotischen Posen ablichten lassen. Ihr Running PR-Gag: Sie ziehen nackt durch die Straßen.)

Am Abend, bei einer Podiumsdiskussion, einigt man sich darauf, dass die Ukrainerinnen viel kämpferischer sind, als sie auf den von der Mainstream-Presse ausgewählten Bildern wirken. Die Grüne Schwentner beschließt, die Femen-Frauen zu mögen und für ihren Mut zu bewundern. Als Sascha und Inna die Zuhörerinnen einladen, mit ihnen oben ohne zu protestieren, will aber doch niemand mitmachen.

In den Boulevardzeitungen sieht man in den nächsten Tagen zwar viele Bilder der Aktivistinnen, aber keine Berichte über die entrechteten ukrainischen Prostituierten. Da sind die Busen-Aktivistinnen schon wieder abgereist. Wie berauscht von der Aufmerksamkeit, die sie bekommen, machen sie weiter, immer weiter. Oksana, die Ikonenmalerin, versucht in Moskau mit entblößtem Oberkörper, eine Wahlurne zu klauen. Inna und Sascha protestieren in Istanbul mit fliegenden Brüsten gegen häusliche Gewalt, ein Testballon für Aktionen in islamischen Ländern, ihr großer Traum. Im ukrainischen Fernsehen geht Sascha mit Fäusten auf einen Abgeordneten los, der sie als Prostituierte bezeichnet. Diese Frauen sind bereit, für die mediale Beachtung jeden Preis zu zahlen. Inna sagt: "Die Zeit, in der wir unsere eigene Geschichte schreiben können, ist kurz."

Schreiben Frauen so wirklich ihre Geschichte?

Das Bild einer nackten Frau ist stark. So stark, dass man darüber alles andere vergisst. Eine Frau, die sich auszieht, glaubt, mächtig zu sein. Doch es ist bloß die Macht des Bildes. Nicht ihre eigene. In Wirklichkeit erlaubt sie jedem, in ihr zu sehen, was er sehen will. Jeder kann auf nackte Haut projizieren, was ihm einfällt. Die Bilder reißen die Frauen mit – in einem Strom, dessen Ziel sie nicht bestimmen. Dessen Ziel sie nicht einmal kennen.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. Langer Artikel aber zu wenige Bilder ;)

    2 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • gerd-h
    • 03. April 2012 16:54 Uhr

    Entfernt. Nutzen Sie den Kommentarbereich bitte, um sich sachlich über den konkreten Artikelinhalt auszutauschen. Danke. Die Redaktion/kvk

  2. und das darf ich wohl erst als Rentner sagen, der aus dem erotischen Kreisel weitgehend ausgestiegen ist, besteht doch in folgender Paradoxie:

    1. weibliche Nacktheit hat - abhängig von verschiebbaren, aber nie gänzlich auflösbaren kulturellen Schamgrenzen hinsichtlich dessen, was und wieviel verdeckt wird - eine erotisierende Wirkung auf Männer.

    2. viele Frauen sind sich dessen bewusst und setzen dies bewusst ein.

    3. immer schon "genießen" dies viele Männer nur um den Preis eines ihnen von Priestern, Tanten, Müttern und Feministinnen eingetrichterten schlechten Gewissens. Ihre erotische Ansprechbarkeitr erhält dadurch oft etwas versteckt Unanständiges.

    4. Es gibt Frauen, die diese erotische Wirkung NICHT WOLLEN. Das ist ihr gutes Recht. Einige vermeiden sie durch unerotisches Auftreten.

    5. Der Feminismus fordert OFFIZIELL das Recht der Frau nach BELIEBIGEM Auftreten OHNE SEXUELLE WIRKUNG - oder dass die Männer eine solche zu erkennen geben (der Mann ist sonst "Spanner" oder "potenzieller Vergewaltiger").

    6. Diese Freiheit wäre zu haben durch generelle Senkung der Reizschwelle.

    7. Gleichzeitig gibt es aber Frauen, die diese Freiheit umdeuten in die Freiheit zu reizen und zugleich darüber zu bestimmen, ob sie Reizwirkung zulassen oder nicht. Der Mann als erotische Marionette.

    8. Taktische Nackheit ist das Spiel mit ihrer erotischen Wirkungsmacht.

    9. Eigentlich ist alles das gar nicht neu. Der Feminismus folgt da nur einem uralten weiblichen Machtpotenzial...

    2 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Vielen Dank dafür!

    Besonders Punkt 7 bringt es auf den Punkt:

    "7. Gleichzeitig gibt es aber Frauen, die diese Freiheit umdeuten in die Freiheit zu reizen und zugleich darüber zu bestimmen, ob sie Reizwirkung zulassen oder nicht. Der Mann als erotische Marionette."

    Genau darum geht es: den Männern vorzuführen, sie seien triebgesteuerte Hammpelmänner. Das ganze ist eine brutale feministische Machterweisung und insofern finde ich diese Bilder von den Oben-ohne-AktivistINNEN aus Moskau und Paris unerotisch.

    ad 5) dass dies "der feminismus" fordert ist nicht richtig. es gibt durchaus differenziertere und progressivere ansichten dazu aus feministischer sicht.
    die feministischen forderungen der liga alice schwarzer der 70er jahre (ohne deren bedeutung hier runterspielen zu wollen - schließlich bildeten deren forderungen und überlegungen die basis für tiefgreifende politische und gesellschaftliche veränderungen) haben sich längst umfassendst weiterentwickelt - schade, dass viele an ihrem alten "feindbild feminismus" festhalten.
    feminismus heute (sofern man bei der vielzahl feministischer strömungen überhaupt von "der feminismus" sprechen kann - korrekter wäre wohl mehrheitlicher konsens innerhalb des feminismus) ist weder sexual- noch erotikfeindlich.

    Brillantes Statement! Respekt! So war es immer, so wird es immer sein.

    "Der Mann als erotische Marionette."

    Auf den Punkt gebracht.

    • RGB
    • 03. April 2012 15:45 Uhr

    Entfernt. Bitte verfassen Sie sachliche Kommentare. Danke. Die Redaktion/kvk

    Sehr schöner Kommentar 2! Ich will den Grundwiderspruch feministischer Nacktheit noch einmal in meinen Worten ausdrücken:

    Weibliche Nackheit als Aufmerksamkeitserreger funktioniert genau deshalb, weil es ein auf Sexualität und damit Beziehung gerichtetes biologisches Signal ist. Eine neuere Richtung des Feminismus benutzt nun Nacktheit
    (a) um Aufmerksamkeit zu erregen und
    (b) behauptet gleichzeitig, dass dies nichts mit Sexualität oder Beziehung zu tun habe - und wer das anders empfinde entweder schmutzige Gedanken habe (Männer) oder prüde sei (Frauen). Dabei würde die Nacktheit, wäre es so wie behauptet, gar nicht funktionieren!

    Ein Double-Bind entsteht, der alle beschädigt zurücklässt:
    (a) Die Männer - wenn sie auf das Signal reagieren, sind sie Schweine, wenn nicht, Schlappschwänze - und dann
    (b) die Frauen, die sich nun wehren müssen, sie seien keine "sexuellen Objekte", obwohl die Wirkung dieser Nacktheit genau darauf beruht, dass sie sich als solche präsentieren.

    Frühere Gesellschaften haben sich geholfen, indem sie diese Art Nacktheit ächteten. Heute wird sie von Frauen als Kampfmittel oder für die eigene Karriere gebraucht (missbraucht?). Das ist geeignet, Männer zu demütigen, lässt aber (fairerweise) gelegentlich auch eine Frau verletzt und gedemütigt zurück.

    Was könnte helfen? Double Binds kann man nur brechen, indem man sie aufdeckt. Gedrucktes Sich-Schuldig-Fühlen von Männerseite hilft nicht; es spielt diesem Missbrauch von Sexualität nur in die Hände.

    Doublebind ist aus im erotischen Kreisel befindlicher weiblicher Sicht nicht wegzudenken, sondern wesentliches weibliches Machtinstrument, solange sowohl ökonomische als auch körperliche Überlegenheit männlich besetzt ist.
    Dabei ist das Hantieren mit double-bind auch für die weibliche Seite immer ein zweischeidiges Instrumentarium: wirkmächtig und gefährlich zugleich will es klug dosiert eingesetzt sein.
    Immerhin erzeugt ein Zuviel an double-bind regelmäßig Abneigung, Wut oder Gleichgültigkeit.

    Der marktschreierische Druck auf junge Mädchen ist heutzutage enorm: Vermarkte dich selbst! Zeig augenblicklich her, was Du hast und was Du kannst! Bestimme selbst über Dich! Lass Dich (sexuell) nicht unterkriegen!
    Bereits Grundschülerinnen wird heutzutage der Einstieg in die Welt der Sexualität über Abwehr derselben aufgezwungen.

    Was haben sie persönlich von der Pseudomacht über einen Mann, der, behandelt wie ein Hund, vor dessen Schnauze mit der unerreichbaren Wurst gewedelt wird, ob ihrer Reize folgerichtig in Wut statt Entzückung gerät?
    Oder von der konsekutiven Senkung der männlichen Reizschwelle, wenn nur noch stärkstes promiskuitives Geschütz ein erotisches Flämmchen zu entfachen vermag?

    Ich habe meinen halbwüchsigen Töchtern jedenfalls geraten, auf diese seltsam widersprüchlichen Forderungen weiblich klug antizyklisch mit Verhüllung statt Entblößung zu reagieren.
    Um damit das Lüpfen des Schleiers zum selbstgewählten Zeitpunkt selbstbestimmt in die Hand zu nehmen.

  3. schämmen nackt zu sein?

    Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Nibbla
    • 03. April 2012 14:41 Uhr

    ... einen lustigen Blog gelesen

    http://wortfluss.blog.com...

    • Zack34
    • 03. April 2012 11:29 Uhr
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Entfernt. Bitte achten Sie auf Ihren Umgangston und verzichten Sie auf Polemik. Danke, die Redaktion/se

    Sexy hängt doch nicht von nackten Busen ab, die sind ja sowieso nur für den Nachwuchs da.

  4. ...die Freiheit gemeint ist Verantwortung übernehmen zu dürfen ... Dann ist dieses Ausziehen nur Exibitionismus. Oder ganz profan eine Möglichkeit Geld zu verdienen. Die Femen Girls sind jetzt auf jeden Fall bekannter als ihre Komillitoninnen die den klassischen Ausbeuter-Model-Agentur-Weg gegangen sind.

    • PALVE
    • 03. April 2012 11:41 Uhr

    Der Zweck heiligt NICHT die Mittel, kann ich dazu nur sagen.
    Es gibt andere Wege, um sich Gehör und Anerkennung zu verschaffen.
    Allerdings braucht es dazu Köpfchen und Selbstwertgefühl, das ohne Äußerlichkeiten auskommt.

  5. Wer in einem kapitalistischen Land geboren wird der hat 3 Möglichkeiten:

    1. Aus schon vorhandenem Kapital noch mehr machen
    2. Kapital aus seinem Geist zu schöpfen
    3. Kapital aus seinem Körper zu schöpfen

    Warum sollte nun Punkt 2 gut sein und Punkt 3 verwerflich?
    Warum ist alles Körperliche verwerflich? Warum sich dafür rechtfertigen?
    Weil ich eine Frau bzw. einen Mann, dann nur auf Bilder seines Körpers reduziere?
    Das scheint mir ein schwaches Argument, denn einen Autor reduziere ich auch ausschließlich auf seine Schreibfertigkeit, denn ich kenne ihn ja nicht persönlich.

    Mir scheint es unfair nur denen Respekt zu zollen, die eine geistige Begabung haben.

    Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Es geht dabei ja nicht nur um die Frauen, die sich ausziehen. Es hat auch eine Wirkung auf die Frauen, die das nicht tun. Die in der Folge nämlich ebenfalls nur noch auf ihr Äußeres reduziert werden. Und gleichzeitig nach überzogenen Maßstäben bemessen. Ich weiß, das ist für Männer schwer nachzuvollziehen aber: das ist wirklich nicht schön, und außerdem ist es nicht leicht, dem ganzen Spektakel aus dem Weg zu gehen.

    Ich kann mich an eine Szene erinnern, als ich auf eine Freundin wartete, die ein Fotoshooting bei einem Fotografen hatte. Vor ihr sollte sich ein Model in Dessous ablichten lassen (was meine Freundin nicht getan hat ...). Bevor sie sich entkleidet hat, wurden die Töchter des Fotografen rausgeschickt - die gute Erziehung und so.

    Aber wenn man so durch die Straßen läuft, fragt man sich, wo da die gute Erziehung bleibt: Da kann man doch genügend Frauen in Dessous betrachten ...

    Und natürlich hat so etwas einen Effekt auf junge Mädchen, da sie ihren Wert in der Folge nur noch auf ihr Äußeres reduzieren.

    Und die Gutaussehenden werden sich aufgrund dieser Erziehung dann wieder ausziehen. Denn damit können sie dann ihren Wert unter Beweis stellen und ihr Selbstwertgefühl aufbessern.

    Ist das Freiheit?

  6. Kann Frau nicht selbst bestimmen was sie tut oder nicht?
    Ich finde nackte Frauen erotisch und daran wird sich - ob Feminismus oder nicht - in den nächsten Jahrzehnten sicherlich nichts ändern...

    Eigentlich nur verwunderlich dass man 5 Seiten Artikel braucht nur um Feminismus und Nacktheit in Einklang zu bringen...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ist offensichtlich, worum es in dem Artikel geht.

    Es geht ja darum, was Frauen sich damit antun, wenn sie sich _öffentlich_ ausziehen. Der Artikel bringt es ja gut auf den Punkt: die Mädels GLAUBEN, die Nacktheit verleihe ihnen Macht und verschaffe ihnen einen Vorteil.

    Nacktheit ist in Zeiten des Internets vor allem eines: Das Gegenteil von exklusiv. Das bekommt man millionenfach und überall serviert.

    Femen versucht, die Macht über die Zeichen zurückzuerobern. Das versuchen auch manche Musliminen mit dem Kopftuch: Das Zeichen mit neuer Bedeutung aufladen. Der sehr gute Artikel beweist, warum das wohl mit nackten Brüsten nicht gelingen wird, mit dem Kopftuch möglicherweise schon.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Models present creations from the Felder & Felder Autumn/Winter 2013 collection during London Fashion Week, February 15, 2013. REUTERS/Olivia Harris (BRITAIN - Tags: FASHION)

    Vom Rand des Laufstegs

    Aktuelle Berichte von den Schauen in New York, London, Mailand, Paris und Berlin auf ZEIT ONLINE

    • Kochblog: Nachgesalzen

      Nachgesalzen

      Die Meisterköche Karl-Josef Fuchs, Jürgen Koch und Christian Mittermeier verraten ihre Tipps und Tricks

      • : Hinter der Hecke

        Hinter der Hecke

        Eine Schrebergarten-Kolonie ist ein eigener Kosmos. Unser Kolumnist Ulrich Ladurner erforscht ihn und seine Bewohner mit Demut, Feinsinn und Humor.

        • ZEITmagazin: Heiter bis glücklich

          Heiter bis glücklich

          Oft sind es die einfachen Dinge, die uns heiter bis glücklich stimmen. Im "Heiter bis glücklich"-Blog stellt die ZEITmagazin-Redaktion täglich ihre Entdeckungen vor.

          Service