Konkret klingt das dann so: Grob gesagt, sei es ebenso "wahrscheinlich wie unwahrscheinlich", dass Veränderungen in der nordatlantischen Oszillation auf menschlichen Einfluss zurückgingen (die vorsichtige Formulierung "about as likely as not" steht dabei für Wahrscheinlichkeiten zwischen 33 und 66 Prozent). Hingegen sei es "sehr wahrscheinlich", dass der Anstieg der durchschnittlichen Meeresspiegel in der Zukunft die Sturmfluten höher auflaufen lasse ("very likely" bedeutet 90 bis 100 Prozent). Ein Unterkapitel, das die ZEIT den Klimaforschern um Hans von Storch vom Helmholtz-Zentrum Geesthacht vorgelegt hat, bewerteten diese positiv. Bei aller nötigen Auswahl und Verknappung sei die Darstellung "fachlich gut und ausgewogen", sagt von Storch.

Worauf sich Mitteleuropa laut SREX gefasst machen sollte, ist übrigens nicht überraschend: Öfters Hitzewellen, häufigere Starkregen, Gletscherschmelze in den Alpen , höhere Sturmfluten an der Küste.

Welche Maßnahmen nützen?

Im SREX- Bericht fehlt der Hinweis nicht, dass Anzahl und Ausmaß künftiger Extremwetterereignisse auch vom Treibhausgasausstoß abhängen – von den Menschen also.

Ihr Hauptaugenmerk richten die Autoren aber auf die Frage, wie man den Folgen von Wetterkapriolen vorbeugen kann, menschlichem Leiden und ökonomischen Schäden. Folgende Ansicht vertreten die Autoren mit "großer Zuversicht": Dass in den vergangenen Jahrzehnten die Opferzahlen und Schadenssummen gestiegen sind, lasse sich mit der steigenden Zahl potenziell Betroffener und mit den wachsenden ökonomischen Werten erklären. Ein Faktor dafür ist, dass ausgerechnet unsichere Orte die Menschen anziehen, etwa Flussdeltas, wo Sturm, Flut oder Hochwasser sich besonders verheerend auswirken.

Die Autoren listen eine Vielzahl an Maßnahmen auf, mit denen sich diese Verwundbarkeit reduzieren ließe. Darunter sind auch simple Empfehlungen für Entwicklungsländer, aber keineswegs ausschließlich. Beispiel Mitteleuropa: Hier sind Hitzewellen für Tausende Todesfälle verantwortlich. Diese Zahl ließe sich drastisch reduzieren, wenn die verwundbarste Bevölkerungsgruppe (allein lebende Senioren) vorbereitet würde. Man könnte sie etwa in eine Telefonkette einbinden oder regelmäßig von geschulten Gemeindehelfern besuchen lassen.

Nachdrücklich betonen die SREX- Autoren, dass Vorsorge am erfolgversprechendsten sei. Dazu gehörten auch Maßnahmen, die nicht auf ein spezielles Problem zugeschnitten seien, sondern mehrfach nützten. Am Beispiel einsamer alter Leute wird das augenscheinlich: Von engeren Sozialkontakten profitieren sie unabhängig vom Wetter. Selbst wenn die schlimmsten Extremwetter ausbleiben sollten, hätte sich die Vorsorge gelohnt. Die Autoren sprechen allgemein von "low-regrets measures" – Maßnahmen, die man hinterher kaum bereuen werde.

Und was sagt uns das alles?

Kann man einfach so Fluten, Stürme und Erdrutsche nach Starkregen ebenso wie alle Opfer und jede Zerstörung dem Klimawandel anlasten? Auch weiterhin nicht. Die Forscher sind zurückhaltend. Thomas Stocker von der Universität Bern nennt Hitzewellen und Kälteperioden als Klimawandelphänomene. Für viele andere Extreme aber sei die Datenlage (noch) zu unsicher. Für das zentrale Anliegen des Berichts ist es aber auch nachrangig, ob ohne globale Erwärmung etwa ein Tropensturm sicher, wahrscheinlich oder möglicherweise ausgeblieben wäre. Denn im Mittelpunkt stand bei SREX die Frage, wie Gesellschaften verhindern können, dass stärkere oder häufigere Extremereignisse zu mehr Schäden, Toten, Verletzten oder Obdachlosen führen. Die Antworten darauf klingen wenig spektakulär, dürften aber für Zivilschutzexperten, Regierungen und NGOs großen Nutzen bieten.

Wohlweislich unterstützt das Entwicklungshilfe-Musterland Norwegen eine Tournee von SREX- Forschern durch Lateinamerika, Asien und Afrika . Hinterher präsentieren die dann ihren Bericht in London – vor Vertretern der Versicherungsbranche.