Weltklimarat-BerichtExtrem vorsichtig

Vor dem letzten Klimagipfel empfahl der Weltklimarat Maßnahmen zum Schutz vor Wetterkapriolen. Jetzt liegt die komplette Studie vor. Von Stefan Schmitt von 

Worum geht’s?

Stürme, Fluten, Dürren oder Hitzewellen – wie kann sich die Menschheit besser gegen solche extremen Wetterereignisse wappnen? Unter dieser Leitfrage steht die fast 600-seitige Veröffentlichung Managing the risks of extreme events and disasters to advance climate change adaption (kurz: SREX ). Am Mittwoch dieser Woche hat sie der Weltklimarat IPCC in Genf vorgestellt. Es geht darin auch um die Frage, ob und wie die globale Erwärmung Wetterkapriolen verstärken wird. Treten diese künftig häufiger auf – oder vielleicht auch seltener? Wissenschaftlich ist das komplex, politisch birgt es Streitpotenzial, wie sich schon vor vier Monaten gezeigt hat.

Was geschah bisher?

Mitte November 2011 hatte der IPCC eine Vorabversion von SREX präsentiert, eine summary for policy makers – eine Zusammenfassung für politische Entscheidungsträger auf 20 Seiten. Das war an sich nicht ungewöhnlich, auch seine alle fünf bis sieben Jahre erscheinenden Sachstandsberichte stellt das Gremium häppchenweise vor: über mehrere Monate hinweg in Zusammenfassungen und Teilberichten der drei Arbeitsgruppen. Erst zuletzt erscheint dann das komplette Werk.

Anzeige

Die Vorabversion von SREX aber erntete Kritik, weil sie just drei Wochen vor dem Weltklimagipfel in Durban erschien. Aus Kreisen, die den menschlichen Beitrag zur globalen Erwärmung bis heute in Zweifel ziehen, ertönte prompt der Vorwurf, eine Klimaforscherweltverschwörung male die Klimakatastrophe an die Wand , um den Gipfel zu beeinflussen.

Auch aus der entgegengesetzten Richtung kam Kritik: Klimaschutzaktivisten monierten, Diplomaten hätten die SREX- Zusammenfassung weichgespült. Tatsächlich war sie kurz zuvor in der ugandischen Hauptstadt Kampala verabschiedet worden. Über jeden einzelnen Satz hatten die Delegationen dort befunden (auch das ist typisch für IPCC-Summarys).

Worauf fußt das alles?

SREX ist eine literature review, eine Auswertung der vorhandenen wissenschaftlichen Literatur. Über 200 Experten aus mehr als 60 Ländern suchten nach Studien zu den Fragen: Wie haben sich seit 1950 weltweit die Wetterkapriolen entwickelt? Welchen Einfluss hatte die globale Erwärmung ? Welchen hat sie künftig? Wo sind die Menschen verwundbar, wie können sie sich wappnen? Naturwissenschaftliche Fragen bilden also nur die Grundlage für ökonomische, soziale und politische Erwägungen. Die Autoren verstehen ihr Werk als Handreichung zum Risikomanagement.

Wie sehen die Prognosen aus?

Eine Wettervorhersage für den Weltuntergang würde man sich anders vorstellen. Auch wenn ausreichend Elemente für böse Überraschungen enthalten sind: Wirbelstürme und Dürren, Hochwasser und Sturmfluten, starke Wellen, Küstenerosion, Gletscherschmelze und Bergbewegungen, Sand- oder Staubstürme, Tauwetter im Permafrost und dazu Veränderungen der großen zyklischen Wetterphänomene wie Monsun oder El Niño im Pazifik. Ihnen allen widmeten sich Arbeitsgruppen.

Deren Antworten fallen indes so differenziert aus, dass sich jeder Katastrophismus-Vorwurf erübrigen dürfte. Zumal die Forscher extrem vorsichtig formulieren. Klar, ein Vergleich von mehr als tausend Studien zu allerhand Extremwettern gemahnt zwangsläufig an Äpfel und Birnen. Damit nicht alles in einen Topf geworfen wird, sorgen die Autoren vor. Bei jeder Vorhersage verraten sie ihre Zuversicht in die wissenschaftliche Gültigkeit einer Aussage beziehungsweise geben ein Maß für die Ungewissheit des Eintretens einer Prognose an.

Leserkommentare
  1. Skeptizismus in der CO2-Frage ja zwangsläufig in Zusammenhang mit Lobbyismus der Konzerne zusammenhängen muss, frage ich mich ernsthaft, ob das Lager der Gläubigen sich überhaupt bewusst ist, dass sie nicht minder einer Lobby folgen, die nicht unbedingt weniger mächtig ist, als jene der bösen Energiekonzerne.

    5 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    sehen Sie den ganzen Vorgang doch positiv.

    Bei vielen Hypothesen zu dem Thema ist eine Kausalitätsprüfung praktisch nicht möglich.

    Aber genauso wie ARGO eine deutliche Verbesserung durch in-situ Daten bzgl. Wärmehaushalt der Meere liefert (wenn auch methodenbedingt recht langsam) so lassen sich die Behauptungen zu Extremwetterereignissen an Land sehr genau hinsichtlich Häufigkeit oder Intensität prüfen!

    Da muss eigentlich keine Lobbydebatte mehr geführt werden?

    MfG Karl Müller

  2. sehen Sie den ganzen Vorgang doch positiv.

    Bei vielen Hypothesen zu dem Thema ist eine Kausalitätsprüfung praktisch nicht möglich.

    Aber genauso wie ARGO eine deutliche Verbesserung durch in-situ Daten bzgl. Wärmehaushalt der Meere liefert (wenn auch methodenbedingt recht langsam) so lassen sich die Behauptungen zu Extremwetterereignissen an Land sehr genau hinsichtlich Häufigkeit oder Intensität prüfen!

    Da muss eigentlich keine Lobbydebatte mehr geführt werden?

    MfG Karl Müller

  3. "Ich möchte ja nicht in eine Region fahren, in der ich mit solchen extremen Wetter Ereignissen konfrontiert werde..."

    Na als umweltbewusster Konsument, müssen Sie sich um ihr Urlaubsziel keine Sorgen machen, denn nur eine Reise mit dem Zug innerhalb Europas ist wirklich umweltbewusst. Der El Niño über dem Pazifik dürfte Sie wenig stören, weil eine Flugreise dorthin alles andere als Umweltbewusst ist.

    Antwort auf "Ich hoffe doch mal"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "...nur eine Reise mit dem Zug innerhalb Europas ist wirklich umweltbewusst." Wenn, dann richtig! Man kann auch nach Paris, Rom, Prag, Kopenhagen etc LAUFEN. Artgerecht und umweltschonend. Auf gehts.

  4. "...nur eine Reise mit dem Zug innerhalb Europas ist wirklich umweltbewusst." Wenn, dann richtig! Man kann auch nach Paris, Rom, Prag, Kopenhagen etc LAUFEN. Artgerecht und umweltschonend. Auf gehts.

  5. was sind solche? Wer legt fest, was EXTREM ist?

    Wenn ich mir die durch Erosion entstandenen Täler hier anschaue, muss ich feststellen, dass die anscheinend erschreckenden Fließgeschindigkeiten und Wassermassen unserer Flüsse zur Flut 2002 bei weitem nicht in der Lage wären, solches terraforming zu betreiben. Da ist noch vieles mehr möglich gewesen. Wirkliche Extreme.

    Diese Flut 2002 hätte dreihundert Jahre früher niemanden gejuckt ausser ein paar Mühlenbetreiber -aber vielleicht nicht mal die, weil die Mühlen hier nie direkt am Flusslauf waren, sondern über Mühlgräben gespeist wurden. Man hätte 3 Tage lang eben den verkehr eingestellt und das wärs gewesen.

    Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    eben! Und genau an den Erosions- und Sedimentationsvorgängen ist gut einschätzbar was in welcher Größenordnung wie oft an Abflussereignissen vorkommt.

    Wegen eben dieser Kontrollmöglichekeiten halten sich die Freunde der unreflektierten Spekulation natürlich besser zurück.

    Denn beispielsweise hatte die Prüfung der karibischen Sturmsedimente für 6000a aus Bohrungen eben keinen Hinweis auf Intensitätsänderungen (sieht man aus der Aufbereitung des Materials) oder Häufigkeit ergeben. Hätte es solche Änderungen gegeben, wären diese in den Sedimenten dokumentiert!

    MfG Karl Müller

  6. Ein Tornado wurde in deutschen Landen schon immer als Windhose bezeichnet. Das hat nichts mit Verniedlichung oder Intensitätsstärke zu tun. Tornado kommt aus den spanischen und bedeutet nichts anderes als "drehen und wirbeln". Wir sprechen also über etwas, was es in Deutschland in der Vergangenheit schon immer gab. Das in Deutschland Wein wächst ist nur natürlich. Es ist eine gemässigte Pflanze.
    Und was Ihre Bananen- und Feigenbäume betrifft, so sind das Hybride, in Labors gezüchtete Neusorten, die gegen Kälte weniger empfindlich sind. Dass das Klima sich ändert, stellt niemand infrage. Nichts bleibt wie es ist. Es werden auch wieder kühlere Zeiten kommen. So wie in der Vergangenheit auch.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Langsam reichts!"
  7. eben! Und genau an den Erosions- und Sedimentationsvorgängen ist gut einschätzbar was in welcher Größenordnung wie oft an Abflussereignissen vorkommt.

    Wegen eben dieser Kontrollmöglichekeiten halten sich die Freunde der unreflektierten Spekulation natürlich besser zurück.

    Denn beispielsweise hatte die Prüfung der karibischen Sturmsedimente für 6000a aus Bohrungen eben keinen Hinweis auf Intensitätsänderungen (sieht man aus der Aufbereitung des Materials) oder Häufigkeit ergeben. Hätte es solche Änderungen gegeben, wären diese in den Sedimenten dokumentiert!

    MfG Karl Müller

    Antwort auf "Extremereignisse"
  8. Es ist schon beeindruckend mit wieviel ignoranz und arroganz der Mensch durchs Leben geht. Einerseits glaubt er Herr und Meister über die Welt und alles darauf existierende zu sein, andererseits wischt er die von ihm entstandenen negativen Folgen mit einem müden lächeln zu seite.

    Die Folgen unseres Handels auf das Weltklima einfach abzutun, kleinzureden oder gar anzuweifeln ist schon eine bemerkenswerte Fähigkeit unserer Spezies.

    Wenn man sich auch nur oberflächlich, aber mit offenen Augen und Ohren mit dem Thema Klimawandel beschäftigt, lernt man schnell, dass es ohne Zweifel die größte Bedrohung in der Geschichte der Menscheit ist.
    Alle Anzeichen deuten auf einen wahrhaftig katastrophalen Wandel hin, der unsere gesamte Zivilastion bedroht.

    Gerade Kommentare wie "kurze hose im Sommer, alles paletti" können einen mit ihrer kompletten ignoranz über Zusammenhänge schon verzweifeln lassen. Ein Anstieg von 2-4 Grad Celsius in den nächsten 50 Jahren klingt erstmal harmlos, führt aber zu MASSIVEN dürren und ähnlichen extremen, die wiederum zu hungersnöten auf der ganzen Welt führen wird. Das bedeutet auch Europa, auch Deutschland, auch Sie und ihre Nachbarn!

    Und dann sind die Naturbewussten Deutschen auch noch so schlau sich aus reiner Unwissenheit und sensationalismus die Wege gegen die Katastrophe selbst zu verbauen. Wenn man schon hört wie gegen Atomkraft und Gentechnik gewettert wird, zwei sachen die extrem wichtig für unser Überleben sind, kann man fast heulen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "Einbildung ist keine Bildung!"

    Sic!

    MfG Karl Müller

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Schlagworte Dürre | Flut | Hochwasser | Norwegen | Afrika | Alpen
Service