LiebeskolumneMuss er von seinen Vorurteilen lassen?

Jede Woche beantwortet der Paartherapeut Wolfgang Schmidbauer eine große Frage der Liebe. Diesmal: Muss er von seinen Vorurteilen lassen?

Die Frage: »Wir als Schwule haben doch selbst genug auszuhalten«, sagt Gerd zu seinem Freund Peter, »ich verstehe nicht, warum du bei jeder Gelegenheit über andere herziehst. Über Lehrer zum Beispiel – ich kann diese Klischeevorstellungen nicht mehr hören!« Seit zwei Jahren sind Gerd und Peter ein Paar, gegenwärtig suchen sie eine gemeinsame Wohnung.

»Du findest also nichts dabei, dass diese Menschen Kinder quälen und ein Vierteljahr lang Urlaub machen?«, gibt Peter zurück. »Das sind doch die dümmsten Vorurteile!«, antwortet Gerd. Daraufhin sagt Peter beleidigt: »Wenn du mich für dumm hältst, solltest du es dir gut überlegen, mit mir zusammenzuziehen.«

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Wolfgang Schmidbauer antwortet: Wie viele Personen überschätzt auch Gerd die Macht der Intelligenz über das Vorurteil. Gebildete Menschen haben nicht mehr oder weniger radikale Vorurteile als ungebildete. Sie verteidigen diese nur mit mehr Eloquenz.

Liebeskolumne
Lesen Sie hier alle bisherigen Ratschläge von unserem Paartherapeuten Wolfgang Schmidbauer

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Vorurteile wehren Ängste vor Vielfalt ab, die als verwirrend und bedrohlich empfunden wird. Peter traut sich ein differenziertes Urteil über Lehrer nicht zu. Wenn ihn Gerd für dumm erklärt, belastet er ihn zusätzlich. Er sollte vorsichtig widersprechen und um Aufklärung bitten: »Ich bin anderer Ansicht. Es gibt in jedem Beruf Versager; warum regst du dich speziell über die Lehrer auf und wirfst sie alle in einen Topf?«

Die Liebeskolumne

Wolfgang Schmidbauer ist einer der bekanntesten deutschen Paartherapeuten. Was er in seiner täglichen Praxis erfährt, lesen Sie im Interview mit ZEIT ONLINE. Sein aktuelles Buch Partnerschaft und Babykrise ist im Gütersloher Verlag erschienen.

Haben Sie auch eine "große Frage der Liebe"? Schicken Sie eine Mail an liebeskolumne@zeit.de

 
Leserkommentare
  1. 1. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Pauschalisierungen. Wir wünschen uns eine differenzierte Diskussion von Argumenten. Danke, die Redaktion/au.

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    Warum Gerd mit Peter zusammenziehen will, bleibt ein Rätsel. Peter strapaziert pubertäre Schemata, als wäre er tatsächlich erst 14 Jahre alt. Seine Perspektive auf Lehrer ist immer noch die von der Schulbank aus. Ob Vorurteile immer aus Angst resultieren, ist die Frage, tatsächlich sind sie ja auch sehr praktisch. Ängstlich ist natürlich auch Peter, der sich nicht eingestehen will, dass die gemeinsame Wohnung eventuell keine so gute Idee ist, weil seine Partnerwahl den Aspekt des Zusammenlebens und -redens auf intellektuell adäquatem Niveau nicht berücksichtigt hat. Das Selbstbild wird dann natürlich weniger beschädigt, wenn man statt auf sich selbst zu schauen, aus einer scheinbar überlegenen Position heraus die Defizite des Partners analysiert und dann dort pädagogisch tätig wird. Nur: Peter "muss" natürlich gar nichts, schon gar nicht sich ändern. Er fühlt sich durch Gerd vermutlich auch nicht belastet, sondern bloss genervt. Frau Koch empfiehlt daher: Macht doch einfach weiter das, was Spaß macht. Den Partner zu optimieren ist in der Regel vergebene Liebesmüh.

    Warum Gerd mit Peter zusammenziehen will, bleibt ein Rätsel. Peter strapaziert pubertäre Schemata, als wäre er tatsächlich erst 14 Jahre alt. Seine Perspektive auf Lehrer ist immer noch die von der Schulbank aus. Ob Vorurteile immer aus Angst resultieren, ist die Frage, tatsächlich sind sie ja auch sehr praktisch. Ängstlich ist natürlich auch Peter, der sich nicht eingestehen will, dass die gemeinsame Wohnung eventuell keine so gute Idee ist, weil seine Partnerwahl den Aspekt des Zusammenlebens und -redens auf intellektuell adäquatem Niveau nicht berücksichtigt hat. Das Selbstbild wird dann natürlich weniger beschädigt, wenn man statt auf sich selbst zu schauen, aus einer scheinbar überlegenen Position heraus die Defizite des Partners analysiert und dann dort pädagogisch tätig wird. Nur: Peter "muss" natürlich gar nichts, schon gar nicht sich ändern. Er fühlt sich durch Gerd vermutlich auch nicht belastet, sondern bloss genervt. Frau Koch empfiehlt daher: Macht doch einfach weiter das, was Spaß macht. Den Partner zu optimieren ist in der Regel vergebene Liebesmüh.

  2. Warum Gerd mit Peter zusammenziehen will, bleibt ein Rätsel. Peter strapaziert pubertäre Schemata, als wäre er tatsächlich erst 14 Jahre alt. Seine Perspektive auf Lehrer ist immer noch die von der Schulbank aus. Ob Vorurteile immer aus Angst resultieren, ist die Frage, tatsächlich sind sie ja auch sehr praktisch. Ängstlich ist natürlich auch Peter, der sich nicht eingestehen will, dass die gemeinsame Wohnung eventuell keine so gute Idee ist, weil seine Partnerwahl den Aspekt des Zusammenlebens und -redens auf intellektuell adäquatem Niveau nicht berücksichtigt hat. Das Selbstbild wird dann natürlich weniger beschädigt, wenn man statt auf sich selbst zu schauen, aus einer scheinbar überlegenen Position heraus die Defizite des Partners analysiert und dann dort pädagogisch tätig wird. Nur: Peter "muss" natürlich gar nichts, schon gar nicht sich ändern. Er fühlt sich durch Gerd vermutlich auch nicht belastet, sondern bloss genervt. Frau Koch empfiehlt daher: Macht doch einfach weiter das, was Spaß macht. Den Partner zu optimieren ist in der Regel vergebene Liebesmüh.

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