Amadou Sanogo ist Hauptmann der malischen Armee – und wohl der erste Putschist in der Geschichte militärischer Coups, der den amtierenden Präsidenten gar nicht stürzen wollte. Wenn man den Schilderungen aus der Hauptstadt Bamako glauben darf, fanden sich vergangene Woche meuternde Soldaten eher aus Versehen vor dem Präsidentenpalast wieder und beendeten die vom Westen stets hochgelobte Demokratie in Mali . Fürs Erste.

Über die Zukunft von Sanogo und seinem hastig berufenen Nationalen Komitee für die Wiedererrichtung der Demokratie und die Wiederherstellung des Staates kann man vorerst nur spekulieren. Über einen anderen zentralen Akteur aber lässt sich einiges sagen – obwohl oder gerade weil er seit über sechs Monaten tot ist : Muammar al-Gaddafi .

Mali zählte über Jahrzehnte zum Einflussbereich des selbst ernannten "Königs von Afrika ". Gaddafis Kreis politischer Freunde war dabei sehr divers: Nelson Mandela gehörte dazu, dessen Befreiungsbewegung ANC der Libyer förderte, als der Westen noch das Apartheidregime stützte; ebenso Liberias Ex-Staatschef Charles Taylor, Ugandas Diktator Idi Amin oder Rebellenführer aus Darfur . Bei keiner Gruppe aber genoss Gaddafi so viel Ansehen wie bei den Tuareg aus Mali und Niger . Sie stellten über Jahrzehnte die loyalsten Kämpfer und verteidigten ihn bis zum Ende der Diktatur.

Nun, nach dem Sturz Gaddafis, sind die Tuareg-Söldner in die Länder der Sahelzone zurückgekehrt – eingedeckt mit modernen Waffen aus libyschen Arsenalen. Im Norden Malis gründeten einige eine neue Aufstandsbewegung, die seit Januar gegen die überforderte Armee weite Gebiete unter ihre Kontrolle gebracht hat.

Verheizt in einem aussichtslosen Kampf

Genau deswegen waren Hauptmann Sanogo und seine Soldaten auf die Barrikaden gegangen: Sie wollen nicht in einem Konflikt verheizt werden, den sie gar nicht gewinnen können und den der amtsmüde Präsident Amadou Toumani Touré hätte politisch lösen müssen. Weswegen Sanogo den Tuareg-Rebellen als Erstes Friedensgespräche angeboten hat.

In den westlichen Medien tauchen die Tuareg meist als "edle Wüstensöhne" und Krönung eines Abenteuerurlaubs auf. In Wahrheit sind sie die ewigen Verlierer der Region, was sie bei der Suche nach Bündnispartnern nicht eben wählerisch gemacht hat. Wie die Kurden im Mittleren Osten waren sie nach der Kolonialzeit plötzlich über mehrere Staaten verteilt. Schwere Dürren in den siebziger Jahren beraubten sie ihrer Viehherden und damit ihrer Lebensgrundlagen. Viele zogen als Gastarbeiter in die Nachbarländer.

Gaddafi versprach ihnen nicht nur Jobs, sondern auch Unterstützung bei ihrem Kampf um politische Anerkennung. Tatsächlich aber nutzte er sie als Söldnertruppe für Kriege und Rebellionen, die er in anderen Ländern mit anzettelte.