Schadstoffe im PlastikTägliche Dosis

Bisphenol A kommt in Plastikgeschirr vor und kann von dort ins Essen gelangen. Toxikologen streiten, wie schädlich die Chemikalie ist. von Josephina Maier

Die Dosis macht das Gift. Diesen Ausspruch hat der Arzt Paracelsus im Mittelalter geprägt, und Toxikologen richten sich heute noch danach. Eine Substanz ist demnach nicht an sich giftig; erst wenn man eine bestimmte Menge davon zu sich nimmt, wirkt sie schädlich für den Menschen. Unterhalb dieses Grenzwertes gilt sie als harmlos.

Nach diesem Grundsatz haben die Toxikologen bisher auch das Bisphenol A bewertet. BPA wird oft als Weichmacher für Plastikprodukte bezeichnet, genau genommen aber ist es schlicht ein Grundbaustein des Kunststoffes Polycarbonat. Es kommt in Campinggeschirr genauso vor wie in Babyflaschen und in Konservendosen. Bewahrt man in solchen Behältern Essen oder Flüssigkeiten auf, können Spuren von BPA darauf übergehen, die man dann mitisst oder -trinkt. Das scheint zunächst nicht weiter schlimm: Eine tägliche Aufnahme von 50 Mikrogramm BPA pro Kilo Körpergewicht hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) für unbedenklich erklärt . Alles, was darunterliegt, müsste, frei nach Paracelsus, erst recht kein Problem sein.

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Genau diese Schlussfolgerung stellen Umweltverbände und Verbraucherschützer jetzt infrage. »Hormone in der Babyflasche« überschreibt der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) seine Informationsbroschüre zum Thema Bisphenol A . Er warnt vor einem »Hormongift mit fatalen Folgen«, das besonders für Ungeborene und Säuglinge schädlich sei, genauso aber bei erwachsenen Frauen zu Brustkrebs führen könne und bei Männern die Spermienzahl vermindere. »Dem Konzept, mit den klassischen Methoden der Toxikologie einen sicheren Schwellenwert festlegen zu können, liegt eine These zugrunde, die widerlegt ist«, steht in der Broschüre. »Es darf daher nicht länger Basis für Risikobewertungen von Chemikalien sein.« Was ist von den Warnungen vor Bisphenol A zu halten, die auch in den Medien ein Dauerbrenner sind?

Studien-Streit

Hormonell wirksame Chemikalien wie Bisphenol A (BPA) könnten zu Fettleibigkeit und Diabetes führen – so lautet die neueste Meldung des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Die Beweislage ist in diesem Fall allerdings dürftig: Die Umweltschützer berufen sich auf eine Veröffentlichung der britischen Umweltorganisation ChemTrust.

Bei deren »Report« handelt es sich aber nicht um eine Forschungsarbeit, sondern um eine zusammenfassende Auswertung mehrerer Studien. Dass BPA beim Menschen Fettleibigkeit oder Diabetes auslöst, konnte in keiner der zitierten Arbeiten nachgewiesen werden. Der ChemTrust spricht daher auch nur von einem möglichen Zusammenhang. Versuche an Nagern haben zwar gezeigt, dass BPA den Stoffwechsel der Tiere beeinflussen kann, aber schon weil unser Körper BPA ganz anders verarbeitet, sind die Ergebnisse nicht direkt auf den Menschen übertragbar.

Die Grundlage für diesen Angriff auf die etablierte Toxikologie ist die sogenannte Niedrigdosis-Hypothese. Die besagt, dass Substanzen wie Bisphenol A schon in geringsten Konzentrationen den menschlichen Stoffwechsel beeinflussen können, auch wenn die Dosis mehrere Größenordnungen unter dem festgelegten Grenzwert liegt. Das soll sogar dann gelten, wenn sich bei höheren Konzentrationen im Tierversuch keine toxischen Wirkungen feststellen lassen.

Bei hartgesottenen Analytikern ruft die Niedrigdosis-Hypothese zunächst Kopfschütteln hervor. Eine schädliche Wirkung, die verschwindet, wenn man mehr von der Chemikalie aufnimmt? Da bewege man sich ja bald im homöopathischen Bereich. In homöopathischen Präparaten findet sich rein rechnerisch oft kein einziges Wirkstoffmolekül mehr.

Leserkommentare
  1. "Toxikologen streiten, wie schädlich die Chemikalie ist."

    Definitiv ist sie schädlich,und für bestimmte Organismen(Immumabwehr,Säuglinge,kleine Haustiere etc) kann die Unschädlichkeit auch in homöopathischen Dosen nicht ausgeschlossen werden.
    ..wie kann man da noch über die Dosierungen diskutieren,dahinter stecken rein wirtschaftliche Interessen und es wird Zeit dass
    diese nicht mehr Vorrang haben dürfen/sollen/müssen in verantwortungsbewußten Gesellschaften.

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    Auch die Wirkung von Mertriten Treffer direct auf den Metschen kann nicht ausgeschlossen werden.

    Nur hat die fast einen gleiche Warscheinlichkeit wie eine homöopathischen T1000 Dosis.

    Wo nichts mehr drin ist kann auch nichts wirken.

    So auch hier wenn ein stoff nur in 100-200 Molekülen in den Körper gelangt und dann auch noch 1000 Fach schwächer Wirkt als Botenstoffe. Die ja selbst im Körper immer in 1.000.000 bis 100.000.000 fachen Molekülanzahlen vorkommen.

    Ist doch die Frage ob es sich eher um Messungenauigkeiten handelt oder um einen Protzess im körper der noch nicht zu 100% erforscht ist. Aber der Körper kann sich selbst heilen und so die Moleküle eintsorgen auch wenn sie mal ins Blut gelangt sind. Dafür sind die Fresszellen verantwortlich, und der Körper reinigt sein Blut unnterbrochen.

    So das ein Molekül was ins blut gerät erkannt und Makiert wird von Körper und bem nächsten zyklus des Blutes ausgesondert wird. so ist also auch die 1000 fach schwächere Wirkung nur kurtzfristig und in 1 woche verschwunden.

    • GDH
    • 27. September 2012 14:22 Uhr

    Ganz am Ende des Artikels steht richtigerweise die Frage nach den Alternativen. Eine Substanz zu verbieten, weil sie im Prinzip Schaden anrichten kann, lohnt nicht (und nein, ich meine das jetzt nicht nur wirtschaftlich).
    Erwiesenermaßen sicherere Alternativkunststoffe gibt es offenbar nicht. Um festzustellen, ob Glasflaschen besser sind, müssen Sie das Risiko quantifizieren (um , nur z.B., die höhere Gefahr durch scharfkantigere Splitter beim Brechen von Glas gegenzurechnen).

    Die Vorstellung, man könnte alles verbieten, was gefährlich ist, trifft nicht die Realität. Wenn wir garnicht mehr essen und trinken (und schließlich müssen die Nahrungsmittel irgendwie verpackt und transportiert werden), sterben wir noch früher.
    Ohne Zahlen zur Größenordnunng der Gefahr lässt sich auch nicht sagen, ob der zusätzlichen Verkehrsabgase durch den Transport schwererer Glasgefäße (statt Plastik) nicht sogar mehr Opfer fordern...

    • nun ja
    • 31. März 2012 10:42 Uhr

    Emission aus Glas oder Plastik gleichsetzen?

    Hier wird mal wieder die Mücke zum Elefant gemacht, in der Absicht das beide gleich groß erscheinen.

    "Er wirkt leicht genervt von der ganzen BPA-Diskussion."
    Typisch unseriöse Äußerungen eines genervten Wissenschaftlers.

    • snm81
    • 31. März 2012 10:47 Uhr

    oder auch nicht. das ist eine ziemlich schwierige thematik die tief in unsere fortschritts und innovationsideologie hineinreicht.
    was wenn es so ist? wenn diese substanz bspw die fruchtbarkeit senkt (gibt ne schöne doku) und weitere fatale folgen hat? was wenn ba blo0 eine dieser substanzen ist, deren langzeitwirkung auf organismus und ökosystem fatal wäre?
    blödsinn natürlich deshalb den fortschritt einzustellen aber in gewisser weise blockiert die eigenart unseres gesellschaftssystems zugleich eine objektive auseinandersetzung mit dem thema. kommt da ein kleines forscherlein aus seiner experimentalgrube gekrochen und deutet eine schlimme wirkung eines kommerziell lukrativen stoffes oder einer technologie an, so wird er so prompt von fragwürdigen gegengutachten bombardiert oder akademisch-mafiös mundtot gemacht. schafft er es ans rettende ufer in die arme der "gegenverbände" aus umwelt und verbraucherschutz, nimmt er alsdann an einem politischen spiel um wahrheitsdefinitionen teil bei dem ihm wohl auch bald hören und sehen vergeht.

    schwierig schwierig

  2. Man hätte vielleicht erwähnen können, dass die aktuelle Diskussion nicht von einer Broschüre des BUND ausgelöst wurde, sondern von einem Übersichtsartikel führender amerikanische Forscher in der sehr seriösen Fachzeitschrift "Endocrine Reviews" (http://edrv.endojournals....).

    Eine Leserempfehlung
  3. Wirksamkeit oder Schädlichkeit einer Substanz ist nicht nur eine Frage der Dosis, sondern auch des Zusammenwirkens verschiedener Substanzen.

    Ein ganzes Heilkraut wie Kamille wirkt nicht genau gleich wie die einzelnen daraus extrahierten Bestandteile. Eine Kombination von Heilkräutern wirkt wieder anders als jedes Heilkraut einzeln für sich genommen.

    Von daher erscheint es mir seltsam, die Frage nach der Schädlichkeit oder Unschädlichkeit von Plastik an einem einzelnen Bestandteil wie Bisphenol A festzumachen. Zielt die eigentlich interessante Frage nicht darauf ab, welche Langzeitfolgen ein Produkt, das in dieser chemischen Zusammensetzung in der Natur nicht vorkommt, für unsere Gesundheit, aber auch für die Umwelt hat?

    Diese Frage kann im Augenblick noch niemand eindeutig beantworten, denn wir befinden uns noch in der Phase einer global angelegten Studie.

    2 Leserempfehlungen
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    eine Einzelsubstanzbewertung in einem Mehrstoffsystem die über mögliche synergistische Effekte, oder den Nachweis des Nichtvorhandenseins desselben, keine Auskunft gibt, ist grundsätzlich als hoch zweifelhaft anzusehen!

    Auch sind je nach Expositionspfad immer kumulative Effekte zu berücksichtigen......

    was zum letzten Punkt führt:

    @ Red: Bitte immer Konzentration und Dosis sauber auseinanderhalten, denn "niedrige Konzentration" heißt nicht zwingend niedrige "Dosis"!!!

    MfG Karl Müller

  4. Auch die Wirkung von Mertriten Treffer direct auf den Metschen kann nicht ausgeschlossen werden.

    Nur hat die fast einen gleiche Warscheinlichkeit wie eine homöopathischen T1000 Dosis.

    Wo nichts mehr drin ist kann auch nichts wirken.

    So auch hier wenn ein stoff nur in 100-200 Molekülen in den Körper gelangt und dann auch noch 1000 Fach schwächer Wirkt als Botenstoffe. Die ja selbst im Körper immer in 1.000.000 bis 100.000.000 fachen Molekülanzahlen vorkommen.

    Ist doch die Frage ob es sich eher um Messungenauigkeiten handelt oder um einen Protzess im körper der noch nicht zu 100% erforscht ist. Aber der Körper kann sich selbst heilen und so die Moleküle eintsorgen auch wenn sie mal ins Blut gelangt sind. Dafür sind die Fresszellen verantwortlich, und der Körper reinigt sein Blut unnterbrochen.

    So das ein Molekül was ins blut gerät erkannt und Makiert wird von Körper und bem nächsten zyklus des Blutes ausgesondert wird. so ist also auch die 1000 fach schwächere Wirkung nur kurtzfristig und in 1 woche verschwunden.

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  5. eine Einzelsubstanzbewertung in einem Mehrstoffsystem die über mögliche synergistische Effekte, oder den Nachweis des Nichtvorhandenseins desselben, keine Auskunft gibt, ist grundsätzlich als hoch zweifelhaft anzusehen!

    Auch sind je nach Expositionspfad immer kumulative Effekte zu berücksichtigen......

    was zum letzten Punkt führt:

    @ Red: Bitte immer Konzentration und Dosis sauber auseinanderhalten, denn "niedrige Konzentration" heißt nicht zwingend niedrige "Dosis"!!!

    MfG Karl Müller

  6. hört man mal dies und mal jenes und die Diskussion darüber kommt nicht zum Verstummen. Aus gutem Grund, denke ich und ich kann dem Kommentator @Bulldogge mit seinem K5 dazu nur zustimmen. Ich versuche deshalb als Verbraucher, möglichst wenig Kunststoffe in meinen Körper und die der meinigen eindringen zu lassen.Keine Flüssigkeiten aus Plastikflaschen und möglichst nichts Eingeschweißtes. Ich finde es da auch nicht gut, daß z.B. die leckeren Seitan-Würstchen im Bio-Laden alle in Plastik eingeschweißt sind. Das widerspricht doch eigentlich dem Bio-Engagement. Vollständig kann man dem Sch.-Kunststoff hier auf der Erde heute sowieso nicht entgehen, aber jeder kann und sollte da seinen Obulus in Form von Protest-Konsumenten-Verhalten beitragen, genauso, wie gegen die Massentierhaltungsindustrie.

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  • Schlagworte Plastik | Brustkrebs | Chemikalie
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