Die Dosis macht das Gift. Diesen Ausspruch hat der Arzt Paracelsus im Mittelalter geprägt, und Toxikologen richten sich heute noch danach. Eine Substanz ist demnach nicht an sich giftig; erst wenn man eine bestimmte Menge davon zu sich nimmt, wirkt sie schädlich für den Menschen. Unterhalb dieses Grenzwertes gilt sie als harmlos.

Nach diesem Grundsatz haben die Toxikologen bisher auch das Bisphenol A bewertet. BPA wird oft als Weichmacher für Plastikprodukte bezeichnet, genau genommen aber ist es schlicht ein Grundbaustein des Kunststoffes Polycarbonat. Es kommt in Campinggeschirr genauso vor wie in Babyflaschen und in Konservendosen. Bewahrt man in solchen Behältern Essen oder Flüssigkeiten auf, können Spuren von BPA darauf übergehen, die man dann mitisst oder -trinkt. Das scheint zunächst nicht weiter schlimm: Eine tägliche Aufnahme von 50 Mikrogramm BPA pro Kilo Körpergewicht hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) für unbedenklich erklärt . Alles, was darunterliegt, müsste, frei nach Paracelsus, erst recht kein Problem sein.

Genau diese Schlussfolgerung stellen Umweltverbände und Verbraucherschützer jetzt infrage. »Hormone in der Babyflasche« überschreibt der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) seine Informationsbroschüre zum Thema Bisphenol A . Er warnt vor einem »Hormongift mit fatalen Folgen«, das besonders für Ungeborene und Säuglinge schädlich sei, genauso aber bei erwachsenen Frauen zu Brustkrebs führen könne und bei Männern die Spermienzahl vermindere. »Dem Konzept, mit den klassischen Methoden der Toxikologie einen sicheren Schwellenwert festlegen zu können, liegt eine These zugrunde, die widerlegt ist«, steht in der Broschüre. »Es darf daher nicht länger Basis für Risikobewertungen von Chemikalien sein.« Was ist von den Warnungen vor Bisphenol A zu halten, die auch in den Medien ein Dauerbrenner sind?

Die Grundlage für diesen Angriff auf die etablierte Toxikologie ist die sogenannte Niedrigdosis-Hypothese. Die besagt, dass Substanzen wie Bisphenol A schon in geringsten Konzentrationen den menschlichen Stoffwechsel beeinflussen können, auch wenn die Dosis mehrere Größenordnungen unter dem festgelegten Grenzwert liegt. Das soll sogar dann gelten, wenn sich bei höheren Konzentrationen im Tierversuch keine toxischen Wirkungen feststellen lassen.

Bei hartgesottenen Analytikern ruft die Niedrigdosis-Hypothese zunächst Kopfschütteln hervor. Eine schädliche Wirkung, die verschwindet, wenn man mehr von der Chemikalie aufnimmt? Da bewege man sich ja bald im homöopathischen Bereich. In homöopathischen Präparaten findet sich rein rechnerisch oft kein einziges Wirkstoffmolekül mehr.