Erbguttest: Der Preis der Selbstverwirklichung
Müssen wir Tests ablehnen, die früh Behinderungen bei Föten aufdecken?
© Johan Ordonez/AFP/Getty Images

Ein Kind mit Down-Syndrom auf dem Welttag des Down-Syndroms in Guatemala Stadt
Die Eltern von Kindern mit Downsyndrom kennen diese Blicke. Mitleid schwingt darin mit und ein Vorwurf: Warum habt ihr dieses Kind bekommen? Freunde oder Verwandte fragen manchmal ganz direkt: »Habt ihr da nichts gemacht? Heute sind solche Behinderungen doch kein Schicksal mehr, sondern vermeidbar. Ihr ruiniert doch euer Leben.«
In Zukunft, befürchten viele, werden die missachtenden Blicke noch zunehmen. Denn bald soll ein neuer Test es werdenden Eltern leichter machen, Kinder mit Trisomie 21, dem Downsyndrom, erst gar nicht zur Welt zu bringen. Bislang gibt es nur eine sichere Möglichkeit, Trisomie 21 im Mutterleib festzustellen: durch eine Fruchtwasseruntersuchung um die 15. Schwangerschaftswoche herum, die für den Fötus nicht ungefährlich ist. Hat eine Frau diesen Test nicht gemacht, können schwere Fälle von Trisomie erst durch eine Ultraschalluntersuchung sieben Wochen später entdeckt werden. Die Eltern müssen dann zu einem Zeitpunkt, an dem ein Fötus schon lebensfähig ist, entscheiden, ob sie das Kind bekommen oder abtreiben.
Der neue Bluttest dagegen ist schon in der 10. Schwangerschaftswoche möglich. Risikolos, schmerzfrei und zu einem Zeitpunkt, da die Mutter das werdende Kind im Bauch noch nicht spürt. Allerdings zu einem Preis, den sich nicht jeder leisten kann: Um die 1.000 Euro wird der Test wohl kosten.
Vergangene Woche auf dem Welttag Downsyndrom stand der Test im Zentrum der Diskussion. Die Kritiker befürchten, dass nun noch mehr Föten, bei denen das Downsyndrom diagnostiziert wird, abgetrieben werden als bisher. Sie empfinden den Test als diskriminierend, weil er Menschen mit Downsyndrom das Lebensrecht abspreche.
Das ist, natürlich, ein ungerechter Vorwurf. Selbstverständlich kann man die Abtreibung behinderter Föten billigen und zugleich das grauenhafte Ansinnen, behinderte Menschen zu ermorden, scharf zurückweisen. Im Streit um die Trisomie 21 geht es um etwas anderes. Es gibt erbliche Erkrankungen, die ihre Opfer zu einem kurzen und schmerzerfüllten Leben verurteilen. Dies sind die Fälle, auf die sich Anhänger eugenischer Vorstellungen berufen. Man muss ihren Überlegungen nicht folgen, um ihr Motiv anzuerkennen: Sie wollen unnötiges Leid verhindern.
Menschen mit Downsyndrom aber können unbestreitbar ein erfülltes, glückliches Leben führen. Niemand kann sich auf ihr Wohlergehen berufen, wenn er sich für die Abtreibung eines Fötus mit Trisomie 21 entscheidet oder eine solche Entscheidung durch Einführung einer neuen Diagnosetechnik erleichtert. Daher rührt die Empörung der Kritiker.
Allerdings entscheidet sich schon heute kaum eine Frau für ihr Kind, wenn sie erfährt, dass es am Downsyndrom leiden wird. 90 Prozent aller Föten mit dieser Diagnose werden abgetrieben. Und zwar zu einem weitaus späteren Zeitpunkt, als es der neue Bluttest zulässt. Man mag es als traurig für eine Gesellschaft erachten, dass sie Andersartigkeit, auch Schwäche, nicht akzeptiert. Aber wer würde über Eltern urteilen wollen, die sich gegen ein behindertes Kind entscheiden? Das Leben mit einem solchen Kind erfordert Kraft, von der nicht jeder weiß, ob er sie hat. Familien zerbrechen daran und Lebenspläne.





Es will ja niemand die Christen daran hindern, behinderte Kinder zur Welt zu bringen. Wenn Sie das gerne tun wollen, bittesehr (sehen Sie, wie demütig ich bin?).
Was aber inakzeptabel ist, ist, wenn Gläubige Nichtgläubigen vorschreiben wollen, was sie zu tun haben. Da würde man sich von den Religiösen wirklich etwas mehr Demut wünschen.
Bei einer frühzeitigen Abtreibung wird nunmal kein Mensch getötet, sondern ein primitives Lebewesen. Verwerflich ist das also nicht.
...hat ist es natürlich durchaus berechtigt darüber nachzudenken, ab wann ein Baby ein Mensch ist und damit unveräußerliche Menschenrechte hat.
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genau so sieht es aus.
Toleranz korreliert offenbar viel stärker mit Nichtgläubigen als mit Gläubigen.
...hat ist es natürlich durchaus berechtigt darüber nachzudenken, ab wann ein Baby ein Mensch ist und damit unveräußerliche Menschenrechte hat.
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genau so sieht es aus.
Toleranz korreliert offenbar viel stärker mit Nichtgläubigen als mit Gläubigen.
...hat ist es natürlich durchaus berechtigt darüber nachzudenken, ab wann ein Baby ein Mensch ist und damit unveräußerliche Menschenrechte hat.
"In einer humanistischen Gesellschaft haben die Eltern auch das Recht auf gesunde Kinder."
Und was "gesund" ist, das entscheidet das "humanistische Weltgericht"?
Und vor dem kann man dieses "Recht" auch einklagen, wenn das Baby vom Wickeltisch gefallen und anschließend schwerbehindert ist? Das macht das dann "heile"?
Oder bekommt man dann einfach ein Zertifikat "Recht auf ein behindertes Kind"? Und das kann man sich dann an die Wand hängen?
Das nennt sich wohl "humanistische Verblendung"!
...
genau so sieht es aus.
Toleranz korreliert offenbar viel stärker mit Nichtgläubigen als mit Gläubigen.
@ Bugme: Mit einem Schöpfergott zu rechnen meint noch nicht Christ zu sein. Aber, zweitens erachte ich Demut als zwingend verbunden mit einer höheren Kraft oder Macht (oder eben einem Gott). Ich meine, Sie verwechseln insofern Toleranz ggü. Andersdenkenden mit Demut. Schließlich freue ich mich für Sie, dass niemand auf die Idee kam, Sie im Stadium eines primitiven Lebewesens abzutreiben. Wäre do h schade um diese Kontroverse gewesen, oder?
Wenn die Zukunft wird wie in GATTACA erzählt, dann habe ich keine Angst vor der Zukunft - im Gegenteil. Schlussendlich ist der Protagonist trotz seiner negativen Indikation in der Lage die hohen Ansprüche der Tests zu erfüllen, die Mission erfolgreich zu beenden und seinen Traum zu verwirklichen, einfach indem er sich "reinschummelt" und den Willen hat. Damit sagen die Tests nichts über die wirklich wichtigen Eigenschaften aus. Vor solchen Tests habe ich keine Angst. Eine akkurate Vorhersage würde mir deutlich mehr Angst machen.
Natürlich ist es die Entscheidung der Eltern ob sie sich ein Leben mit einem behinderten Kind vorstellen können oder nicht. Da sie diejenigen sind, die ihr Leben vollständig umstellen müssen. Aber trotzdem denke ich auch, dass Menschen, die sich ein Kind wünschen und es schon lieben wenn es noch im Mutterleib, sich dafür entscheiden das Kind so zu nehmen wie es ist und einen derartigen Test deswegen erst gar nicht durchführen lassen würden.
Allgemein sehe ich die Tendenz in der Menschen so scheinbar leicht und schnell über Leben und Tod entscheiden können als eine gefährliche Entwicklung. Auf legale Art und Weise wird auf vielen Ebenen über den Wert eines Menschenlebens entschieden und es steht nicht mehr an erster Stelle ein Menschenleben zu beschützen.
Stimmen sie doch mal unverbindlich ab, wie sie diese medizinische Entwicklung beurteilen:
http://www.pollphin.de/po...
Es gibt kein Recht auf ein gesundes Kind. Die typische Zeitgeist-Mentalität irrtümlicherweise zu glauben, man habe Rechte, die nicht bestehen. Was leistet man denn,um sich so ein Recht zu verdienen oder was hat jemand vernachlässigt, der es nicht verdient?
Kein Test kann mit Sicherheit Krankheiten ausschließen, denn es gibt viele obskure und seltenen Erkrankungen, die von diesen Untersuchungen überhaupt nicht berücksichtigt werden.
Ich hatte eine völlig unauffällige Schwangerschaft, keiner in unseren Familien hatte je irgendeine Fehlbildung und erst als meine Kleine vier Monate alt war, hat man diverse Defizite und schließlich ein sehr seltenes Syndrom festgestellt, das sich gar nicht intra-uterin diagnostizieren ließe.
Auch bei Fruchtwasseruntersuchungen werden immer nur die gängigen Syndrome untersucht. Also, woher nehmen Sie dieses Recht auf ein gesundes Kind? Es ist reines Glück, für das jeder, dem es wiederfährt dankbar sein muss, ob nun der Natur oder einem Gott ist Einstellungssache, aber es ist keine Eigenleistung und schon gar kein Recht, das man vor Gericht einfordern kann.
Wir leben gut mit unserer Kleinen, es ist nicht einfach, aber es geht. Oft fragen mich Menschen, warum ich nicht abgetrieben habe-mir hat man keine Wahl gelassen-aber ich frage mich selbst, ob ich es getan hätte, wenn man frühzeitig etwas bemerkt hätte. Ehrlichgesagt - ich weiß es nicht.
Aber heute würde ich meinen Schatz auf keinen Fall töten oder tauschen, das weiß ich mit Sicherheit.
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