ErbguttestDer Preis der Selbstverwirklichung

Müssen wir Tests ablehnen, die früh Behinderungen bei Föten aufdecken? von 

Ein Kind mit Down-Syndrom auf dem Welttag des Down-Syndroms in Guatemala Stadt

Ein Kind mit Down-Syndrom auf dem Welttag des Down-Syndroms in Guatemala Stadt  |  © Johan Ordonez/AFP/Getty Images

Die Eltern von Kindern mit Downsyndrom kennen diese Blicke. Mitleid schwingt darin mit und ein Vorwurf: Warum habt ihr dieses Kind bekommen? Freunde oder Verwandte fragen manchmal ganz direkt: "Habt ihr da nichts gemacht? Heute sind solche Behinderungen doch kein Schicksal mehr, sondern vermeidbar. Ihr ruiniert doch euer Leben."

In Zukunft, befürchten viele, werden die missachtenden Blicke noch zunehmen. Denn bald soll ein neuer Test es werdenden Eltern leichter machen , Kinder mit Trisomie 21, dem Downsyndrom, erst gar nicht zur Welt zu bringen. Bislang gibt es nur eine sichere Möglichkeit, Trisomie 21 im Mutterleib festzustellen: durch eine Fruchtwasseruntersuchung um die 15. Schwangerschaftswoche herum, die für den Fötus nicht ungefährlich ist. Hat eine Frau diesen Test nicht gemacht, können schwere Fälle von Trisomie erst durch eine Ultraschalluntersuchung sieben Wochen später entdeckt werden. Die Eltern müssen dann zu einem Zeitpunkt, an dem ein Fötus schon lebensfähig ist, entscheiden, ob sie das Kind bekommen oder abtreiben.

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Der neue Bluttest dagegen ist schon in der 10. Schwangerschaftswoche möglich. Risikolos, schmerzfrei und zu einem Zeitpunkt, da die Mutter das werdende Kind im Bauch noch nicht spürt. Allerdings zu einem Preis, den sich nicht jeder leisten kann: Um die 1.000 Euro wird der Test wohl kosten.

Vergangene Woche auf dem Welttag Downsyndrom stand der Test im Zentrum der Diskussion. Die Kritiker befürchten, dass nun noch mehr Föten, bei denen das Downsyndrom diagnostiziert wird, abgetrieben werden als bisher. Sie empfinden den Test als diskriminierend, weil er Menschen mit Downsyndrom das Lebensrecht abspreche .

Das ist, natürlich, ein ungerechter Vorwurf. Selbstverständlich kann man die Abtreibung behinderter Föten billigen und zugleich das grauenhafte Ansinnen, behinderte Menschen zu ermorden, scharf zurückweisen. Im Streit um die Trisomie 21 geht es um etwas anderes. Es gibt erbliche Erkrankungen, die ihre Opfer zu einem kurzen und schmerzerfüllten Leben verurteilen. Dies sind die Fälle, auf die sich Anhänger eugenischer Vorstellungen berufen. Man muss ihren Überlegungen nicht folgen, um ihr Motiv anzuerkennen: Sie wollen unnötiges Leid verhindern.

Menschen mit Downsyndrom aber können unbestreitbar ein erfülltes, glückliches Leben führen . Niemand kann sich auf ihr Wohlergehen berufen, wenn er sich für die Abtreibung eines Fötus mit Trisomie 21 entscheidet oder eine solche Entscheidung durch Einführung einer neuen Diagnosetechnik erleichtert. Daher rührt die Empörung der Kritiker.

Allerdings entscheidet sich schon heute kaum eine Frau für ihr Kind, wenn sie erfährt, dass es am Downsyndrom leiden wird. 90 Prozent aller Föten mit dieser Diagnose werden abgetrieben. Und zwar zu einem weitaus späteren Zeitpunkt, als es der neue Bluttest zulässt. Man mag es als traurig für eine Gesellschaft erachten, dass sie Andersartigkeit, auch Schwäche, nicht akzeptiert. Aber wer würde über Eltern urteilen wollen, die sich gegen ein behindertes Kind entscheiden? Das Leben mit einem solchen Kind erfordert Kraft, von der nicht jeder weiß, ob er sie hat. Familien zerbrechen daran und Lebenspläne.

Leserkommentare
    • sauce
    • 01. April 2012 15:16 Uhr

    Niemand hat das RECHT auf ein gesundes Kind.Kinder sind keine Ware die fehlerlos geliefert werden muß!So ein "Recht" ist auch gar nicht zu verwirklichen.... man kann nicht jede Einschränkung pränatal feststellen - und auch ein unauffällig geborenes Kind kann durch Krankheit oder Unfall auf Dauer mit Einschränkungen leben müssen (die Eltern übrigens auch!) ... soll man sie dann einschläfern?
    Down-Kinder sind nicht krank. Sie entsprechen nur nicht in allen Punkten den geltenden "Standards".Es gibt auch etliche Dinge, die sie besser können als "normale" Menschen.Sie machen die Welt wärmer.
    Jede Familie muß für sich selber entscheiden, ob sie die zusätzlichen Belastungen durch ein besonderes Kind tragen kann. Solange man sich aber für so ein Kind entschuldigen muß, wird es betroffenen Familien unnötig schwer gemacht.
    Ich wünsche mir eine Welt, die Abweichungen als Bereicherung empfindet und nicht als Einschränkung.

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    volle Zustimmung und meinen Respekt.

    Genau so sehe ich das auch! Danke für Ihre deutlichen Worte!

    http://de.wikipedia.org/w...

    Lesen Sie das mal durch.
    Sagen Sie immernoch, diese Kinder seien nicht krank?

    Ich bin nicht dafür, dass es T21-Kinder nicht gibt, aber die Eltern sollten das Recht haben zu entscheiden, ob sie sich eine so schwere Behinderung zutrauen.
    Die Kinder bleiben nunmal nicht Kinder. Sie brauchen ihr Leben lang Pflege. Dass nicht jeder sich das aufhalsen möchte, kann ich voll und ganz nachvollziehen.

    Aber Sie haben Recht, wer sich dazu entschieden hat, sein Kind trotz Behinderung zu bekommen, sollte sich dafür nicht rechtfertigen müssen.

  1. ...bei Trisomie21-Früherkennung bleiben. Solche Krankheiten wie Mukoviszidose oder andere Quälereien braucht kein Mensch (wobei hier mglw. zukünftig Gentherapie zum Einsatz kommen kann).

    >>Müssen wir diese Tests ablehnen ?<<

    Nein, müssen wir natürlich nicht. Warum sollte man das tun, unsinnige religiöse Argumente jetzt mal beiseite gelassen?

    Wir müssen dies Tests den werdenden Eltern allgemein zugänglich machen. Und dann müssen sich diese entscheiden: wollen wir das wirklich?
    Geht es uns 'nur' um ein Kind oder geht es uns auch um ein gesundes Kind?

    Das müssen wir tun als Gesellschaft - ihren Mitgliedern die Wahl ermöglichen und sie auch wählen lassen. Denn die einzige echte Freiheit ist die Freiheit der Wahl.

    29 Leserempfehlungen
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    "Denn die einzige echte Freiheit ist die Freiheit der Wahl."

    Sie haben vielleicht Freiheit definiert, aber nicht die Verfassung, die eine funktionierende, gesunde Gesellschaft brauch.

    Es leuchtet absolut jedem sofort ein, dass Straßenverkehr mit völliger Freiheit nie funktionieren könnte und genauso ist es natürlich mit vielen weiteren Belangen des Zusammenlebens.

    Es bedarf gewisser Regeln! - Und es ist wichtig zu fragen, wo diese herkommen. Von Aberglaube? Von Gottbefohlenheit? Oder doch lieber durch den Vernunft legitimierten Verstand?

    Eine wesentlich genauere und bessere Definition von Freiheit: "Freiheit bedeutet nicht tun und lassen zu können, was man will, sondern die Möglichkeit, nein zu sagen."

    Frei nach Voltaire glaube ich.

    Schönen Sonntag!

    und bei der Abwägung der Rechtsgüter

    1.) Recht auf Leben

    oder

    2.) Recht auf ein unbekümmertes, bequemes Leben möglichst ohne jedweden Probleme, noch dazu auf Kosten des Rechts des Lebens anderer

    sollte doch wohl dem ersteren die höhere Priorität eingeräumt werden.

    Hallo Zivilisationswächter, Hallo @dragbert ,
    .
    K4 auf Seite 1 hat die meisten Leserempfehlungen bekommen, K5 vom Leser @dragbert - er vertritt die Gegenposition - hat nur etwa halb so viele. Jetzt kann man abschätzen, welche Ergebnisse Abstimmungen über Gesetze haben werden, die diese Tests betreffen. Man kann aber immer noch nicht wissen, was die ZO-Leser so denken.
    .
    @dragbert fragt: "Machbar darf aber doch nicht unser Leitfaden bei moralisch, ethischen Fragen sein?!"
    Ebenso schwierig ist diese Frage: "darf denn ein Mehrheitsvotum unser Leitfaden bei moralisch-ethischen Fragen sein?!"

    ... da geb ich Ihnen Recht.
    Es geht aber in dieser Debatte nicht darum, Krankheiten zu verhindern, sondern das Leben von Menschen, die solche Krankheiten haben.
    Hier Ihnen also ein Argumantationsfehler unterlaufen.

    • nanina
    • 01. April 2012 14:34 Uhr

    In einer humanistischen Gesellschaft haben die Eltern auch das Recht auf gesunde Kinder.
    Darüber zu debatieren finde ich abstrus, das wäre nur mit religiöser Verblendung zu begründen

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    • sauce
    • 01. April 2012 15:16 Uhr

    Niemand hat das RECHT auf ein gesundes Kind.Kinder sind keine Ware die fehlerlos geliefert werden muß!So ein "Recht" ist auch gar nicht zu verwirklichen.... man kann nicht jede Einschränkung pränatal feststellen - und auch ein unauffällig geborenes Kind kann durch Krankheit oder Unfall auf Dauer mit Einschränkungen leben müssen (die Eltern übrigens auch!) ... soll man sie dann einschläfern?
    Down-Kinder sind nicht krank. Sie entsprechen nur nicht in allen Punkten den geltenden "Standards".Es gibt auch etliche Dinge, die sie besser können als "normale" Menschen.Sie machen die Welt wärmer.
    Jede Familie muß für sich selber entscheiden, ob sie die zusätzlichen Belastungen durch ein besonderes Kind tragen kann. Solange man sich aber für so ein Kind entschuldigen muß, wird es betroffenen Familien unnötig schwer gemacht.
    Ich wünsche mir eine Welt, die Abweichungen als Bereicherung empfindet und nicht als Einschränkung.

    Ich teile die Aufassung von Sauce ergänzt um die Frage, was eigentlich "religiöse Verblendung" genau sein soll und gerade in diesem Zusammenhang?

    Ich jedenalls gehe davon aus, dass wir Geschöpfe eines wie auch immer gearteten Schöpfergottes sind und als solche genau die Sensibilität im Umgang mit der Schöpfung wahren müssen, mit der dieser Zeit-online Artikel vorgeht, damit Leben gelingt. Dies allerdings jenseits einer (Wahn-)vorstellung einer perfekten, am besten Menschen gemachten, Welt. Ach, gäbe es doch ein Recht auf Demut...

    An Ihrem Beitrag wird sehr schön deutlich, dass humanistisch etwas ganz anderes ist als human, danke.

    kann mich meinen Vorkommentatoren nur anschließen.

    Hier von einem Recht auf "gesunde" Kinder zu sprechen, ist einfach Augenwischerei. Durch Abtreibungen werden nicht etwa aus kranken Kindern Gesunde gemacht, sondern im Gegenteil werden die einen einfach aussortiert. Wer das vertretbar findet, soll das offen sagen und begründen - aber nicht die schwierigen Teile der Fragestellung einfach mit dem Buntstift übermalen.

    Überhaupt finde ich, dass die PID-Diskussion eigentlich nichts genuin Neues bringt, sondern Fragen, die auf einem anderen Gebiet - der Abtreibung - einfach nicht mehr offen diskutiert werden, in Form einer Stellvertreterdiskussion verdeckt erneut auf den Plan ruft.

    als das Rechtsgut "gesundes Kind", das es ohnehin in dieser Form niemals geben kann?

    Ich frage mich, woher so ein Recht kommen soll.
    Wie ist es zu begründen? Hat es irgendeinen ethischen Hintergrund?
    Oder einen rein egoistischen?
    Und wer sagt, dass Familien mit behinderten Kindern unglücklicher sind?
    Sehr oft erleben sie gerade durch das Leid eine ganz andere Tiefe des Lebens.

    Ich kenne einige Familien mit behinderten Kindern und oftmals weist gerade der Behinderte, der Hilfe braucht, den anderen den Weg zu einem tieferen Sinn des Lebens. Und diese Leute leben deutlich intensiver und vielleicht auch glücklicher als die, die steril, gesund und langweilig Vor-Sich-Hin-Vegetieren (und oftmals aus Sinnleere erkranken).

    genau. Deshalb sollte Eltern natürlich auch erlaubt werden, ihre Kinder zur Adoption freizugeben, in einem Kinderheim abzuliefern oder notfalls zu 'erlösen', wenn sie sich erst nach Lieferung als nicht 1-A-Ware herausstellen. Nicht jeder Produktionsfehler kann schließlich vor Geburt festgestellt werden und manche Makel am Produkt entstehen erst durch Unfälle oder Krankheiten. Dieses unzumutbare Schicksal sollte kein erwachsener Mensch erdulden müssen. SWchl8ießlich gibt es in einer 'humanistischen' Gesellschaft ein Recht auf ein gesundes Kind.

    • joG
    • 06. April 2012 12:09 Uhr

    ....Kinder, die nicht von Anfang bis zum Ende furchtbar viel kosten aber nie etwas werden beitragen können? Warum sollten die Eltern bevorzugt gesehen werden? Wir sind hier in Deutschland und in Deutschland haben wir eine Solidaritätsgesellschaft. Und Solidarität geht in beide Richtungen.

    Wären die Kinder bereits geboren, könnte man sagen: "Nun Gut!" aber sie sind nicht geboren. Wir haben uns bereits vor langer Zeit dazu entschlossen moralische Werte tradierter Glauben zu verwerfen. Faktisch kann jede Frau ihr Kind auf Verlangen weg machen lassen. Vielfach geschieht das, so ich das Schrifttum verstanden habe aus finanziellen und gesellschaftlichen Gründen, also aus solchen Motiven, wie wir sie bei Totschlag als "niedere" bezeichnen. Warum sollte also die Gesellschaft sich die Kosten ins Haus holen? Warum sollte eine einzelne Frau, die uU kaum die ethischen oder wirtschaftlichen Zusammenhänge versteht den Foetus töten dürfen aus niederem Motiv die Gesellschaft aber nicht.

    • cissa
    • 10. April 2012 9:43 Uhr

    Und was macht man, wenn ein Kind, das gesund auf die Welt kam, einen Unfall erleidet und nachher behindert wird. Beruf man sich auf sein "Recht auf gesunde Kinder" und lässt man es schnell töten?

    • b12321
    • 12. April 2012 21:46 Uhr

    "In einer humanistischen Gesellschaft haben die Eltern auch das Recht auf gesunde Kinder."

    Und was "gesund" ist, das entscheidet das "humanistische Weltgericht"?

    Und vor dem kann man dieses "Recht" auch einklagen, wenn das Baby vom Wickeltisch gefallen und anschließend schwerbehindert ist? Das macht das dann "heile"?
    Oder bekommt man dann einfach ein Zertifikat "Recht auf ein behindertes Kind"? Und das kann man sich dann an die Wand hängen?

    Das nennt sich wohl "humanistische Verblendung"!

  2. Sie schreiben "Ich kann in Worten nicht ausdrücken welch Bereicherung genau diese Menschen in meinem Leben waren!"

    Und da seh ich den Knackpunkt: waren.

    Diese Menschen sind offenbar nur zeitweilig in Ihr Leben getreten - und ich zweifle nicht daran, dass sie eine Bereicherung gewesen sind, wenn Sie das für sich festgestellt haben. Aber genau das ist der Punkt, Sie haben diese Menschen nur für eine gewisse Zeit begleitet.
    Ihre Eltern jedoch begleiten sie ein Leben lang. Ein Mensch mit Down-Syndrom hat zumeist nicht das gleiche, einfache Leben wie der Großteil der Menschen. Das bedeutet besondere, stärkere Aufmerksamkeit der Eltern, des Umfelds. Auch Geschwister müssen sich darauf einstellen, meist muss sich ein gesamtes Familien-Gefüge nach dem einen Menschen richten. Und das kann schlauchen, stressen, sehr anstrengend sein, an der Frusttoleranz kratzen, Tränen herbei führen, gar Zweifel. Ein Leben lang.

    Manche Familien, manche Menschen sind stark genug dafür. Andere nicht. Da kann man sagen, so oft man will, dass Menschen mit Trisomie 21 glücklich leben können - es hängt auch vom Umfeld und dessen Unterstützung ab. Wenn da was nicht stimmt, dann wird ein solcher Mensch nicht zwangsläufig erfüllt leben.

    Und allein deswegen - auch zum Wohl des Kindes!! - Ja zum Test.

    Die Abtreibung von Föten ist gesellschaftlich anerkannt, wenn die Mutter dem psychisch überhaupt nicht gewachsen ist. Und bei Trisomie-21-Befund ist dies plötzlich eine verpöhnte Schwäche?

    17 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Meine Antwort: Ja!"
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    ... "waren" ist missverständlich. Ich habe einen behinderten Sohn.

    Und zu all dem was Sie noch schreiben: genau, es steht und fällt mit dem Umfeld, der Gesellschaft. Mit einem Test, ist ein Wall gebrochen, der Fragen zulässt wie: "Muss doch nicht sein, so ein Kind", "Sie hätten wie Wahl gehabt". Und im meinen schlimmsten Tagträumen, sehe ich Gerichtverfahren in ca. 20 Jahren vor mir, bei denen es um die medizinische Versorgung eines Behinderten geht die vielleicht nicht gezahlt wird, weil man diese Kosten ja eigenlich auch hätte "vermeinden" können.

    • sauce
    • 01. April 2012 16:10 Uhr

    Ein Gentest zum Wohl des Kindes???? Wie das?
    Entweder das Kind ist gesund. Dann ist der Test unnötig.
    Oder er zeigt eine genetische Abweichung an - und dann wird abgetrieben. Ist das das Wohl des Kindes??
    Es gibt nur ganz wenige genetische Erkrankungen, bei denen die Kinder so sehr leiden, daß man sich vielleicht fragen könnte, ob es zu ihrem "Wohl" wäre wenn sie nie geboren würden. Down-Kinder um die es in diesem Test vor Allem geht, gehören ganz gewiß nicht dazu!
    Ich möchte nochmal betonen daß ich keine Frau/Familie verurteile, die sich gegen ein Kind entscheidet - unabhängig davon ob es gesund ist oder ob eine Schwangerschaft aus anderen Gründen unzumutbar erscheint. Ich verurteile aber den Umgang mit Menschen und ihren Familien die ihre Stärken abseits der Leistungsgesellschaft haben und die abnehmende Bereitschaft, Schwächere in der Gesellschaft mitzutragen.
    Das gabs in Deutschland übrigens schonmal!

    dann nehme ich den auf Sie gerichteten Aufhänger als solchen zurück!

    Ich würde es jedoch nicht als "Wall-Brechen" sehen. Ich sehe es eher als Möglichkeit der Eltern, abzuwägen, ob sie dem Kind die Zukunft und das Umfeld bieten können, welches es verdient.

    Als krasses Beispiel könnte man z.B. eine 15-Jährige nehmen, die ungewollt schwanger wird, der vermeintliche Freund trennt sich, die Eltern entziehen die Unterstützung, das Mädchen hat keine Ausbildung, keinen Job und bekommt ein Kind mit Down-Syndrom. Das bringt die Welt erstmal ins Wanken und selbst die finanzielle und soziale Unterstützung, die die Mutter vom Staat bekommt und teils gerichtlich vom Vater verlangen kann, macht es nur bedingt leichter. Ist das Mädchen auch nur ansatzweise überfordert, wird für das Kind nicht richtig gesorgt werden können.

    Und das lässt sich runterbrechen auf alle möglichen Fallkonstellationen, in denen die Eltern des Kindes sich nicht in der Lage sehen für das Kind zu sorgen. In meiner Familie gibt es ein Mädchen mit Down-Syndrom und das ist für die Familie ein Vollzeit-Job neben Beruf und Schule. Die Familie habt sich dafür entschieden und stehen dazu, aber sie sagen auch, dass sie nicht wüssten, ob sie sich wieder für das Kind entscheiden würden, wenn ein Test den Befund ergäbe.

    Die Eltern sollte die Wahl haben. Und die Wahl vom Rest respektiert werden.

    Das "Wohl" dieses Kindes besteht in diesem Fall in der Nicht-Existenz, denn dieses Kind wird nie leben dürfen.

    Ich wage nicht zu urteilen über Eltern, die sich für die Abtreibung eines behinderten Kindes entscheiden.

    ABER: Ich persönlich lebe lieber mit der Unsicherheit. Ich habe in zwei Schwangerschaften nichts getestet und - Gott sei Dank - zwei gesunde Kinder. Aber auch diese können später schwere Unfälle oder chronische, möglicherweise tödliche Erkrankungen bekommen, drogenabhängig oder psychisch auffällig werden.
    Ein Kind zu bekommen bedeutet immer, sich auf das nicht planbare einzulassen.
    Auch mit gesunden Kindern kann eine Familie überfordert sein, zerbrechen, können Lebensträume platzen und viele Dinge anders laufen, als man sich das wünscht.
    So ist das nun mal, wenn man sich fürs Kinderkriegen entscheidet. Nicht alles im Leben ist planbar.

    Klar, man kann den Fortschritt nicht aufhalten. Aber man kann selbst entscheiden, wie weit man ihn nutzt.

    Ich habe sehr getrauert, als ich eine Fehlgeburt hatte. Wenn ich mir nun noch vorstelle, ich hätte mich selbst aktiv dafür entscheiden müssen, ein Kind nicht zu bekommen, weiß ich nicht, ob ich mit dem Schmerz hätte leben können. Ich empfehle auch Freunden grundsätzlich, diese Tests nur zu machen, wenn sie sicher sind, dass sie abtreiben würden.

    Ich kann mir auch vorstellen, dass die Akzeptanz für Eltern behinderter Kinder sinkt, nach dem Motto "Seid ihr doch selber schuld dass ihr das Kind bekommen habt".

    Ich habe das so verstanden, dass es ein Plädoyer für einen menschlicheren Umgang mit Behinderten war. Nachdem es schon Trisomie 21 Betroffene mit Hochschulabschluss gibt, bin ich da extrem nachdenklich.

    Wir haben alle unsere Vorstellungen davon, was ein Mensch leisten sollte, damit er ein nützliches Mitglied unserer Gesellschaft werden kann. Allein die Bezeichnung "nützliches Mitglied der Gesellschaft" halte ich für für höchst bedenklich. Hauptsächlich, weil wir das mit irgendwelchen nützlichen Beiträgen für die Gesellschaft verknüpfen.

    Das Bedenkliche daran ist, dass die Definition von "nützlich" rein willkürlich ist. Wenn man ganz ehrlich zu sich selbst ist, dann hat alles seinen Nutzen. Kategorisierungen sind immer relativ: Es braucht einen Vergleichswert. Um besser als irgendwer zu sein, braucht es eben jemanden, der schlechter ist. Allein das rechtfertigt die Existenz des Schlechteren. Es wird als Maßstab gebraucht.

    Zudem habe ich einen weiteren Grund für meine Schwierigkeiten mit solchen Tests als Grundlage für die Entscheidung zu Abtreibungen: Die Kinder selbst.

    Ich habe viele Berichte über von Trisomie 21 Betroffene gesehen. Was mir dabei auffiel ist, dass diese häufig über etwas verfügen, was zunehmend selten wird: Ein sonniges Gemüt.

    Es wäre möglich, dass das genau das ist, wovon wir möglichst viel bräuchten. Ich kann mich nicht zu einer eindeutigen Hltung zu diesem Test durchringen, glaube aber, dass ich ihn im Bedarfsfall nicht in Anspruch genommen hätte.

    • Seyid
    • 02. April 2012 16:54 Uhr

    "Die Abtreibung von Föten ist gesellschaftlich anerkannt, wenn die Mutter dem psychisch überhaupt nicht gewachsen ist. Und bei Trisomie-21-Befund ist dies plötzlich eine verpöhnte Schwäche?"

    Gesellschaftlich arnerkannt?
    Mag ich zu bezweifeln.

    Und laut Gesetz ist das Abtreiben verboten, sofern keine professionelle Beratung genommen worden ist. Und selbst nach der Beratung gilt der Schwangerschaftsabbruch als eine Straftat, die jedoch dann, wichtig, straffrei ist.

  3. Ein klares "Ja"

    Wer die Sicht einer betroffenen Familie mal genauer betrachten möchte, dem empfehle ich sehr den Film von Katja Baumgarten - Mein kleines Kind

    Sehr deutlich wird da auch, wie manipulativ Beratung von Ärzten in Wirklichkeit ist.
    Aber mein Ablehnen von solchen Test hat viele andere Gründe. So möchte ich in keiner so armseligen Welt leben die keine Menschen mit Behinderungen wie das Down-Syndrom mehr kennt. Ich kann in Worten nicht ausdrücken welch Bereicherung genau diese Menschen in meinem Leben waren!
    Und freilich auch so pathetische Überlegungen wie: es gibt Fragen die nie gestellt werden dürfen, weil es die Seele des Einzelnen oder auch die eines Paares einfach überfordert. Wir latschen einfach mit zu großen Schritten des “Machbaren”.... Machbar darf aber doch nicht unser Leitfaden bei moralisch, ethischen Fragen sein?!

    Es gilt doch vielmehr, den Familien die betroffen sind, das Leben zu erleichtern, sie nicht weiterhin von außen zu behindern. Das ist meiner Meinung nach der wesentliche Schritt den die Gesellschaft tun muss.

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    Sie schreiben "Ich kann in Worten nicht ausdrücken welch Bereicherung genau diese Menschen in meinem Leben waren!"

    Und da seh ich den Knackpunkt: waren.

    Diese Menschen sind offenbar nur zeitweilig in Ihr Leben getreten - und ich zweifle nicht daran, dass sie eine Bereicherung gewesen sind, wenn Sie das für sich festgestellt haben. Aber genau das ist der Punkt, Sie haben diese Menschen nur für eine gewisse Zeit begleitet.
    Ihre Eltern jedoch begleiten sie ein Leben lang. Ein Mensch mit Down-Syndrom hat zumeist nicht das gleiche, einfache Leben wie der Großteil der Menschen. Das bedeutet besondere, stärkere Aufmerksamkeit der Eltern, des Umfelds. Auch Geschwister müssen sich darauf einstellen, meist muss sich ein gesamtes Familien-Gefüge nach dem einen Menschen richten. Und das kann schlauchen, stressen, sehr anstrengend sein, an der Frusttoleranz kratzen, Tränen herbei führen, gar Zweifel. Ein Leben lang.

    Manche Familien, manche Menschen sind stark genug dafür. Andere nicht. Da kann man sagen, so oft man will, dass Menschen mit Trisomie 21 glücklich leben können - es hängt auch vom Umfeld und dessen Unterstützung ab. Wenn da was nicht stimmt, dann wird ein solcher Mensch nicht zwangsläufig erfüllt leben.

    Und allein deswegen - auch zum Wohl des Kindes!! - Ja zum Test.

    Die Abtreibung von Föten ist gesellschaftlich anerkannt, wenn die Mutter dem psychisch überhaupt nicht gewachsen ist. Und bei Trisomie-21-Befund ist dies plötzlich eine verpöhnte Schwäche?

    • FE-92
    • 01. April 2012 18:46 Uhr

    wieso Sie eine Welt ohne bzw. mit weniger Kindern mit Down-Syndrom als "armselig" bezeichnen. Dann könnte man auch sagen, dass die Behandlung von Krankheiten oder das Verabreichen von Schmerzmitteln unterlassen werden muss, weil der Mensch sonst verlernt, mit Krankheiten und Schmerz umzugehen, denn diese gehörten nun mal zum Leben dazu.

    Außerdem ist noch zu sagen - das betrifft nicht Ihren Kommentar -, dass Leute, die Angst vor der Frage "Warum haben Sie das Kind denn überhaupt ausgetragen?" haben, sich fragen sollten, ob sie nicht doch lieber hätten kinderlos bleiben sollen.
    Es gibt zurecht viele Eltern, die gegen diesen Test eintreten, weil sie ihr Kind lieben, wie es ist. Warum aber haben dann so viele Angst vor einer solchen Frage? Wenn man heute gegen diesen Test ist, muss man doch auch in Zukunft den Mut haben, ein entschlossenes "Weil es mein Kind ist, ein lebendiges Wesen!" auf diese Frage entgegnen zu können, auch wenn das dann eventuell nicht mehr den gesellschaftlichen Normen entsprechen könnte.

    Ich kann nur sagen, dass ich aus von anderen Foristen hier bereits genannten Gründen für diesen Test bin. Ich denke nicht, dass es gut ist, diesen Test abzulehnen, weil manche befürchten, dass in 20 Jahren der Film "GATTACA" Realität ist. Eine Einschränkung sollte hinterher noch immer möglich sein, keine Frage.

  4. Kinder haben ein Recht auf Eltern, auf Erwachsene, nicht anders herum!Man hat generell kein Recht auf einen Menschen (außer als Kind auf die Fürsorge Erwachsener)! Weder auf einen Partner/ eine Partnerin, noch auf Freunde und schon gar nicht auf ein Kind!
    Unter dem Gesichtspunkt ist die Forderung nach einem Recht auf ein gesundes Kind doppelt absurd. Sie bestehen in einer humanistischen Gesellschaft auf ein Recht auf andere Menschen??? Und was ist mit den Menschen auf die Sie Ihrer Meinung nach ein Recht haben, gilt der Humanismus auch für sie?
    Solche Einstellungen machen mich ziemlich betroffen und ich frag mich, ob jemand der seine Mitmenschen liebt, wirklich so denken kann.
    Ich kanns verstehen, wenn ein Paar nach langem Gewissenskonflikt ein behindertes Kind abtreibt, weil sie sich der Aufgabe nicht gewachsen fühlen. Aber generell ein Recht einzuklagen auf ein gesundes Kind finde ich einfach bodenlos.
    Liebe Leute wir leben im 21. Jh, es kann doch nicht sein, dass nach jahrhunderter langen Diskriminierung und Ermordung von Behinderten, jetzt, wo schon die Inklusion an den Schulen eingeführt wird, es immer noch so ein Gedankengut gibt! Unfassbar!
    Das zeigt, wie wichtig die inklusive Beschulung behinderter und nicht behinderter Kinder ist!

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  5. ... und sollten selber über ihre Zukunft und das ihrer Kinder entscheiden dürfen. Dies darf ihnen keiner verbieten.

    Ich bin unter 30 Jahre und hatte schon ne Chemotherapie hinter mir. Dadurch könnte mein Erbgut geschädigt sein. Das macht sich blöd, wenn man noch einen Kinderwunsch hat.

    Denn ich will nicht mein GANZES Leben für ein Kleinkind sorgen müssen.
    Soll ich nun keine Kinder mehr zeugen? Ein solcher Test könnte mir und meiner Freundin mehr Sicherheit geben. Ergo könnten wir dann einem Kind das Leben schenken. Ohne Test würde es dieses vielleicht gar nicht geben.

    Und ein Wort zu den tollen Dokumentationen. Es mag zwar einige glückliche Familien geben, aber diese Filmchen zeigen nicht die (wahrscheinlich) zahlreichen Fälle, wo die Eltern schlichtweg überfordert sind und ihre Kinder an Heime abgeben. Eine solche Dokumentation ist halt nur eine Sicht der Dinge und die muss auch nicht immer 100 % stimmen.

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    sollte sich der eventuelle Kinderwunsch erfüllen.

    "Denn ich will nicht mein GANZES Leben für ein Kleinkind sorgen müssen."

    Wenn Sie Nachwuchs haben, dann werden Sie feststellen, dass Sie sich das ganze Leben darum sorgen, egal ob gesund oder krank und zwar freiwillig.

    Ein Cousin, mit dem ich als Kind oft die Sommerferien bei Omma verbrachte hat Trisomie 21, was wir früher ohne Umstände und Hintergedanken noch mongoloid nennen konnten.
    Er war sicher kein einfacher Spielkamerad, aber wir hatten eine schöne Zeit.
    Ich bewundere die Familie meines Onkels, die dieses Kind, trotz aller damit verbundenen Schwierigkeiten, als Bereicherung empfindet und daran stärker wurde.
    Und der junge Mann, der er heute ist, ist glücklich in seiner Welt. Das ist alles worauf es ankommt.

    Was meiner Meinung nach eher behandelt gehört, das ist dieser elitäre Wahn von Gesundheit, Schönheit und des ständigen Funktionierens in einer perversen Leistungsgesellschaft.

    MfG
    AoM

  6. ... "waren" ist missverständlich. Ich habe einen behinderten Sohn.

    Und zu all dem was Sie noch schreiben: genau, es steht und fällt mit dem Umfeld, der Gesellschaft. Mit einem Test, ist ein Wall gebrochen, der Fragen zulässt wie: "Muss doch nicht sein, so ein Kind", "Sie hätten wie Wahl gehabt". Und im meinen schlimmsten Tagträumen, sehe ich Gerichtverfahren in ca. 20 Jahren vor mir, bei denen es um die medizinische Versorgung eines Behinderten geht die vielleicht nicht gezahlt wird, weil man diese Kosten ja eigenlich auch hätte "vermeinden" können.

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