Wolfgang Bosbach : "Man macht es nie allen recht"

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Wolfgang Bosbach über politische Einzelgänge – und wie man sie aushält

DIE ZEIT: Sie wissen sehr gut, wie viel Ärger der Widerstand gegen die Fraktionsdisziplin bringen kann – als einer von wenigen aus Ihrer Partei stimmten Sie im Bundestag gegen den EU-Rettungsschirm. Was raten Sie einem Kollegen wie Thomas Colditz?

Wolfgang Bosbach: Ohne ein gewisses Maß an Disziplin geht es auch in der Politik nicht, aber dabei darf die Gewissensfreiheit eines Abgeordneten nicht unter die Räder kommen. Man kann es nie allen recht machen, daher muss ein Politiker stets mit Kritik, gelegentlich sogar mit Anfeindungen leben. Aber wenn die Bürger das Gefühl bekommen, da verleugne jemand seine Überzeugung, ist das viel schlimmer als Ärger mit Kollegen der Partei.

ZEIT: Selbst wenn man, wie Colditz, damit womöglich eine Regierungskrise offenbart?

Bosbach: Die meisten Entscheidungen sind rein zur Sache. Wenn es aber um grundsätzliche politische Weichenstellungen geht und es eine Kollision zwischen der Erwartungshaltung der Fraktion und der eigenen Überzeugung gibt, kann ich nur raten: Hören Sie auf Ihre innere Stimme! Jeder möchte ein guter Kollege sein, die Fraktion nicht in Schwierigkeiten bringen. Aber man sollte nie gegen das eigene Gewissen entscheiden. Ob es sich um eine Gewissensentscheidung handelt, muss jeder Abgeordnete selbst entscheiden. Das kann nicht von oben diktiert werden.

ZEIT: Wie hält man das durch?

Bosbach: Es ist wichtig, eine stabile Basis zu haben – privat wie politisch. Bei Bosbachs spielt die Politik zu Hause so gut wie keine Rolle, da bleiben die Probleme vor der Haustür. Und die Parteibasis hat immer fest zu mir gestanden.

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