Salmond ist ein hartgesottener Machtpolitiker
MacDonald verstand auch seinen Namen als Verpflichtung. 1692 ermordete eine Miliz des Clans Campbell in einem Hochlandtal 38 MacDonalds. Das Massaker von Glencoe lebt als Beispiel übler Niedertracht in der nationalistischen Folklore fort, weil die Campbells mit der britischen Krone verbündet waren. Feinde im Innern. Vor der örtlichen Kneipe hängt dort bis heute ein Schild »Kein Zutritt für Campbells«. Als Tony Blairs Spindoktor und Chefstratege Alistair Campbell dort vor einigen Jahren einkehrte, beschied ihn der Wirt mit den Mundartworten, »can ya nae read«, »können Sie nicht lesen?«, und wandte sich wieder seinen Gästen zu.
Schlachtenfeier mit Whisky, Dudelsack und vaterländischen Reden
Ein zweites, tief im Nationalbewusstsein verankertes Datum liegt noch weiter zurück – der 24.Juni1314. MacDonald zog sich zu jedem Jahrestag seine beste Tweedjacke an und ließ sich von seiner Frau nach Stirling im schottischen Süden chauffieren. Dort feiern die Nationalisten alljährlich die gegen England ausgetragene Schlacht von Bannockburn mit Whisky, Dudelsackklängen und vaterländischen Reden. Sie endete mit einem schottischen Sieg. Sie jährt sich in dem Jahr, in dem Ministerpräsident Salmond sein Plebiszit abhalten will, zum 700. Mal.
Salmond macht sich die zurechtinterpretierte Geschichte unbeschwert zunutze. Doch in erster Linie ist er ein hartgesottener Machtpolitiker. Ich traf ihn zum ersten Mal 1984, er war Sachverständiger für Nordseeöl der Royal Bank of Scotland, ein damals 30-jähriger umgänglicher und versierter Mann. Drei Jahre später zog er ins Unterhaus ein. Heute dominiert Salmond die SNP und Schottland, wie Franz Josef Strauß einst die CSU und Bayern dominierte. Sein Land, glaubt Salmond, gehöre in die erste Liga der Nationen. Es könne der, gemessen am Pro-Kopf-Einkommen, sechstreichste Staat der Welt werden. Als Irland boomte, galt Salmond dessen neoliberales Wirtschaftsmodell als Vorbild. Jetzt träumt er vom sozialdemokratischen Schulterschluss mit Norwegen. Außer der Unabhängigkeit sind für ihn alle Prinzipien austauschbar. Nicht umsonst ist die SNP ein inkongruentes Zuhause für Edinburgher Bildungsbürger und Glasgower Slumbewohner, für Pazifisten und Künstler, für Banker, Fischer und Farmer. Was sie eint, ist allein der Glaube an die moralische Überlegenheit des schottischen Wesens über das perfide Albion.
In Meinungsumfragen sprechen sich freilich nach wie vor nur wenig mehr als 30 Prozent für einen unabhängigen Staat aus. Salmond hat einen Ausweg aus dem Dilemma ersonnen. Er will die für seine Botschaft besonders empfänglichen 16- und 17-Jährigen wählen lassen. Und das Referendum soll eine dritte Option offerieren, die Möglichkeit steuerpolitischer Autonomie, »devo-max« genannt.
Eigentlich keine schlechte Option: Sie würde die Landesregierung zu finanzpolitischer Vernunft zwingen. Aber darum geht es dem Nationalistenführer nicht. Wenn drei Varianten zur Auswahl stünden, spaltete sich das antinationalistische Votum. Ein Drittel der Bevölkerung könnte am Ende dem Rest seine separatistische Vision aufzwingen. Salmond wäre am Ziel.
Im Nachhinein erwies sich Margaret Thatcher als Salmonds erster großer Glücksfall. Zwar verkündete sie die Lehren des schottischen Nationalökonomen Adam Smith und stand moralphilosophisch dessen konservativen Heimat viel näher als dem ausschweifenden London. Doch die Eiserne Dame machte sich in den Jahren ihrer Selbstüberhebung mit der versuchten Einführung einer völlig irren, auf Schottland beschränkten Kopfsteuer derart unbeliebt, dass die Torys als politische Kraft im Norden der Insel implodierten. Das Echo ihres kristallscharfen Tonfalls hallt bis heute wie ein unsägliches Kreischen nach.
Das 1997 neu geschaffene schottische Parlament haben die Nationalisten Tony Blair zu verdanken. Der setzte in seinen Sturm-und-Drang-Jahren eine völlig unausgereifte Übertragung zentraler Machtbefugnisse nach Edinburgh durch. Das Unterhaus hat im Norden der Insel nur noch in übergeordneten Politikbereichen wie Verteidigung, Außenpolitik, konstitutionellen Fragen und Finanzen die Oberhoheit. Bildung, Gesundheitswesen und Sozialpolitik werden in Edinburgh bestimmt. Doch schottische Abgeordnete stimmen nach wie vor über englische Bildung, das englische Gesundheitswesen und englische Sozialpolitik ab. Oft bilden sie das Zünglein an der Waage.





Meine Geografie-Kenntnisse sind ja nicht die besten, zugegeben. Aber soweit ich mich erinnere, ist Großbritannien die große Insel in der Nordsee, auf der England, Wales und Schottland liegen. Wenn das so ist, dann dürfte es äußerst aufwändig werden für Schottland, sich von Großbritannien abzuspalten.
Eventuell meinten Sie die Abspaltung von England?
Großbritannien ist das Staatenkonstrukt aus England, Schottland und Wales.
Geographisch gesehen, nennt man die Insel: Britische Inseln. Dementsprechend ist es auch keine Abspaltung von England somdern polititsch korrekt von dem Staatenkonstrukt Großbritannien.
Liebe Grüße
Es würde sich ja aber von England, Wales und Nordirland abspalten, also vom (dann verbleibenden Rest-) Vereinigten Königreich...
Ich empfehle dieses Video zum Unterschied zwischen Great Britain, United Kingdom, England, British Empire etc...
http://www.youtube.com/wa...
MfG
Joyce
."Im nördlichen Hochland lebte in seiner Vorstellung die Seele der schottischen Nation fort. In der Gàidhealtachd, der Urheimat der Gälen. Nicht, dass MacDonald des Gälischen mächtig war. Das ist kaum jemand in der SNP. Doch es gehört zum guten Ton, sich ein paar Brocken der alten Keltensprache zuzuwerfen. Und so zu tun, als ob die ihnen von den Engländern entrissen worden sei. In Wirklichkeit hörten die Einheimischen einfach auf, sie zu benutzen. Mein Schwiegervater sprach sie noch. Seinen Kindern brachte er bloß noch ein paar gälische Verse bei."
Wir wollen mal nicht vergessen, daß nach 1745 nicht nur die schottische Nationaltracht sondern auch die Sprache verboten wurde. Man fragt sich, warum ein Lohnschreiber, der aber auch gar nichts über die Geschichte Schottlands weiß, sich bemüßígt fühlt, darüber zu schreiben. [...]
Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/ls
Großbritannien ist das Staatenkonstrukt aus England, Schottland und Wales.
Geographisch gesehen, nennt man die Insel: Britische Inseln. Dementsprechend ist es auch keine Abspaltung von England somdern polititsch korrekt von dem Staatenkonstrukt Großbritannien.
Liebe Grüße
Es würde sich ja aber von England, Wales und Nordirland abspalten, also vom (dann verbleibenden Rest-) Vereinigten Königreich...
Ich empfehle dieses Video zum Unterschied zwischen Great Britain, United Kingdom, England, British Empire etc...
http://www.youtube.com/wa...
MfG
Joyce
."Im nördlichen Hochland lebte in seiner Vorstellung die Seele der schottischen Nation fort. In der Gàidhealtachd, der Urheimat der Gälen. Nicht, dass MacDonald des Gälischen mächtig war. Das ist kaum jemand in der SNP. Doch es gehört zum guten Ton, sich ein paar Brocken der alten Keltensprache zuzuwerfen. Und so zu tun, als ob die ihnen von den Engländern entrissen worden sei. In Wirklichkeit hörten die Einheimischen einfach auf, sie zu benutzen. Mein Schwiegervater sprach sie noch. Seinen Kindern brachte er bloß noch ein paar gälische Verse bei."
Wir wollen mal nicht vergessen, daß nach 1745 nicht nur die schottische Nationaltracht sondern auch die Sprache verboten wurde. Man fragt sich, warum ein Lohnschreiber, der aber auch gar nichts über die Geschichte Schottlands weiß, sich bemüßígt fühlt, darüber zu schreiben. [...]
Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/ls
"Großbritannien und Nordirland" ist ein Staat, der sich aus einer Union vormaliger eigenständiger Königreiche gebildet hat. Dies waren England, Schottland, Wales und Nordirland. Schottland will hier jetzt aus dieser Union/Nation ausscheren.
Freilich wird auch die geografische Insel als "Großbritannien" bezeichnet, im allgemeinen aber auch etwas undeutlich der oben erwähnte Staat.
Irgendwie hat ist beim Schreiben der erste Namensteil abhanden gekommen, der Staat heißt "Vereinigtes Königreich Großbritannien und Nordirland" ...
"Das 1979 neu geschaffene schottische Parlament..." 1997 war das.
Sie haben natürlich Recht: 1997 muss es heißen (und tut es jetzt auch). Haben Sie Dank für den Hinweis.
Grüße, Markus Horeld
Sie haben natürlich Recht: 1997 muss es heißen (und tut es jetzt auch). Haben Sie Dank für den Hinweis.
Grüße, Markus Horeld
meinerseits :) Sollte oben natürlich "Falsche Jahreszahl" heißen.
Großbritannien ist das Staatenkonstrukt aus England, Schottland und Wales.
Geographisch gesehen, nennt man die Insel: Britische Inseln. Dementsprechend ist es auch keine Abspaltung von England somdern polititsch korrekt von dem Staatenkonstrukt Großbritannien.
Liebe Grüße
Ein selten schlecht recherchierter und einseitiger Artikel. Schottland konservativ? die SNP ist zwar separatistisch aber ansonsten eher links. Das schottische Parlament wurde nicht 1979 geschaffen. wahrscheinlich ein tippfehler und der Author meint 1997, dem Jahr der devolution. aber selbst das stimmt nicht, weil das parlament erst aufgrund des scotland acts von 1998 erschaffen und erst 1999 gewählt wurde.
Eigene Kompetenzen haben die Schotten zwar erhalten aber sind bei der Umsetzung stark von Whitehall abhängig, wo die Einflüsse stark gesunken sind, inbesondere bei der Finanzierung und bei EU Fragen. Aber für solche details müsste man auch mal außerhalb vom Daily Telegraph recherchieren.
Es würde sich ja aber von England, Wales und Nordirland abspalten, also vom (dann verbleibenden Rest-) Vereinigten Königreich...
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