SiemensSonne, Wind und Verluste

Fehlkäufe, Lieferprobleme und Projektverzögerungen kosten Siemens Geld und Ansehen. von 

Es ist der größte industrielle Auftrag, der jemals in Deutschland vergeben wurde. Bis zu 300 Hochgeschwindigkeitszüge hat die Deutsche Bahn 2011 bei Siemens bestellt. In vier Jahren sollen die ersten Züge der neuen Generation, die vorläufig ICx heißt, in Betrieb genommen werden. Sie werden erst die normalen Intercitys ersetzen, die seit Jahrzehnten über die Gleise rollen. Später werden die ICEs der ersten und zweiten Generation ausgetauscht.

Für 220 Züge zahlt die Bahn rund sechs Milliarden Euro. Die Mega-Order kann sich auf zehn Milliarden Euro erhöhen, wenn die Bahn weitere, technisch besser ausgestattete oder längere Züge bestellt.

Anzeige

Für beide Konzerne geht es bei diesem Auftrag um viel Geld – und um ihr Ansehen.

Bahnchef Rüdiger Grube , ein Industrieveteran, der 2009 aus dem Vorstand von Daimler auf den Chefsessel des Staatskonzerns wechselte, hat sich bei dem Geschäft erheblich besser abgesichert, als es bei früheren Großbestellungen der Bahn üblich war.

Die Verträge mit der Bahn umfassen 8.000 Seiten, wobei die Siemens-Manager manche Kröte schlucken. Die Entwicklung der neuen Züge muss der Konzern selbst finanzieren, Geld fließt vonseiten der Bahn erst mal nicht. Bevor die Züge in Serienfertigung gehen, durchlaufen zwei Exemplare einen 14-monatigen Probebetrieb. Die Bahn will prüfen, ob sie einwandfrei funktionieren.

Nach Erfahrungen mit störanfälligem Material hat sie gegenüber Siemens auf eine grundsätzlich neue Risikoverteilung gedrungen. Zehn Prozent des Kaufpreises behält Grube sogar ein, bis die Züge sieben Betriebsjahre absolviert haben.

Der Technikvorstand der Bahn, Volker Kefer, verglich die früher gelieferten Züge mit "grünen Bananen, die erst beim Kunden reifen". Mit dieser Praxis soll Schluss sein. Kefer weiß, wovon er redet. Bevor er 2006 zur Deutschen Bahn kam, hatte er 23 Jahre für Siemens gearbeitet.

Die Bahn hat mit Siemens schlechte Erfahrungen gemacht . Auf die ersten von 16 neuen ICE-3-Zügen, die schon im vergangenen Winter hatten eingesetzt werden sollen, wartet sie bis heute. Die Bahn will die Züge im grenzüberschreitenden Frankreichverkehr rollen lassen und besteht darauf, dass Siemens sie mit Zulassungen für Deutschland und Frankreich liefert, wie es vertraglich vereinbart ist. Daran hapert es. Die Probleme liegen bei Zulieferern von Zugsicherungstechnik, die Siemens beauftragt hatte.

Die Bahn ist allerdings auf neue Züge dringend angewiesen, sie hat keine Reserven. Seit einem Unfall in Köln 2008 müssen die Züge viel häufiger zur Ultraschallkontrolle der Achsen in die Werkstätten.

Zum Winterfahrplan 2012/13 würden etwa zehn Züge zur Verfügung gestellt, hat Siemens-Chef Peter Löscher der Bahn nun versprochen.

Aber mit den Ankündigungen und Prognosen des Siemens-Vorstandsvorsitzenden ist es so eine Sache. Löscher versteht sich darauf, die Zukunft des weltweit tätigen Infrastrukturgiganten in leuchtenden Farben zu zeichnen. Die Gegenwart ist weniger strahlend.

Sicher, der Konzern steht gut da. Vergangenes Jahr steigerte er seinen Umsatz um sieben Prozent auf 74 Milliarden Euro und erzielte einen Reingewinn von 6,3 Milliarden Euro. Die Aktionäre wurden auch nicht schlecht bedient, immerhin 41 Prozent seines Gewinnes schüttete Siemens ihnen aus. Im neuen Geschäftsjahr (das bei Siemens schon im Oktober begann) konnte der Konzern wenigstens beim Umsatz weiter zulegen. Der Gewinn schrumpfte.

Leserkommentare
  1. Bringt allen Beteiligten vom Hersteller bis zum Verbraucher eben nur Verluste.
    Das kommt, wenn man statt wirtschaftlichen Interessen der Politik folgt, die leider nichts von Wirtschaft versteht, wie man am Haushalt erkennen kann.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    .. sonst heisst es immer, das EEG sei eine Gelddruckmaschine.

    Und welche "Politik" hat bei Siemens die Entscheidung zum Kauf von Solel Solar getroffen?

    (Herrman Scheer übrigens, der den Fehlschlag vorhersah - DER war Politiker.)

  2. .. sonst heisst es immer, das EEG sei eine Gelddruckmaschine.

    Und welche "Politik" hat bei Siemens die Entscheidung zum Kauf von Solel Solar getroffen?

    (Herrman Scheer übrigens, der den Fehlschlag vorhersah - DER war Politiker.)

    Antwort auf "Die hochgelobte EEG"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ein Solar-Enthusiast.

    • IQ130
    • 31. März 2012 22:18 Uhr

    Siemens sucht professionell Steuerschlupflöcher und Subventionen von D, EU und an den jeweiligen Gewerbe-Standorten.

    Damit reduziert Siemens seine Steuerlast.

    Heute wäre es eher richtig, innovative Produkte mit strukturierter Priorität zu entwickeln. Das erforderte Weitsicht. Doch kann man weder Weitsicht noch Struktur in der Geschäftspolitik erkennen.

    Der Tunnelblick auf Steuerlastsenkung und billige Kredite vernebelt die Hirne der Manager.

    Leider.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • TDU
    • 01. April 2012 8:56 Uhr

    Bei den Erneurbearen gibts wenig Innovation eben deswegen. Bewahrende Subventionitis statt Markt und Technikentwicklung. Dennoch ist Deutschland Exportweltmeiter, eben Meister buten nicht binnen.

    • joG
    • 01. April 2012 10:55 Uhr

    ....die Deutschland bürokratisch erzeugte und von den Vorteilen der starken Integration in die politischen Strukturen der BRD in großen Teilen gelebt. Das bedeutet nicht, dass der Konzern nicht auch gute Technologie hatte. Aber das war nicht der Grund weshalb man der Firma höhere Preise als der Konkurrenz einräumte. Auch nicht im Ausland, wo die Spitze der Korruption ja auch deutlich sichtbar wurde. Das war das alte Geschäftsmodell und ähnelte dem der Landesbanken darin, dass er eigentlich nicht auf die Zufriedenheit von Kunden abstellte, sondern auf ungesehenes Geschehen in Düsterwald.

    Seit einigen Jahren versucht der Vorstand das das alte Modell zu berichtigen. Das ist, stellen sie fest (wie bei der BayernHyp auch im übrigen) nicht so einfach, wie man sich das zunächst denkt. Die Kultur illegitimer Geschäfte hat eine Kultur, die alle Schichten und Winkel einer Organisation durch fließt und in diesem Fall über Jahre schuf und ausrichtete. Das zu ändern ist wie eine Sisyphus Arbeit und erfordert Jahrzehnte und ungeheure Mengen Geld wenn es überhaupt zu machen ist.

    Zukäufe sind oft ein Versuch, der scheitern muss, weil Zukäufe eine ganz spezifische Kultur erfordern, die sich nicht ex Nihilo einstellt. Sie müssen auch integriert werden. Aber in was, wenn der Hauptkörper todkrank ist? Ich habe nichts gegen Siemens. Aber sie sind nach den Prinzipien der Deutschland AG geordnet und das Modell ist kaputt.

  3. 4. wieso

    glauben die das die netzbetreiber schlecht abgestimmt waren?
    die haben den anschluss doch ziemlich gut verzögert?
    oder musssten sie schlieslich doch noch kabel ziehen?

  4. wie toll sich diese Zukunftsenergie gegenwärtig rechnet.
    So wird Geld ökologisch einwandfrei vernichtet. Bravo!

    • TDU
    • 01. April 2012 8:56 Uhr

    Bei den Erneurbearen gibts wenig Innovation eben deswegen. Bewahrende Subventionitis statt Markt und Technikentwicklung. Dennoch ist Deutschland Exportweltmeiter, eben Meister buten nicht binnen.

    • Fuji
    • 01. April 2012 9:47 Uhr

    ... Herr Jungbluth, Sie malen zwar die Einstiegsprobleme von Siemens in die Erneuerbaren Energien in dunklesten Farben. Übrigens haben gerade fast alle Hersteller solarthermischer Kraftwerke arge Probleme, da die PV gegenwärtig und auf absehbare Zeit günstiger ist und die Kosten auch schneller senken kann.

    Sie haben allerdings doch glatt vergessen zu erwähnen, dass das neue Atomkraftwerk in Finnland (EPR) aufgrund der Kostenexplosion um mehr als 100% (bis heute) bei Siemens Rückstellungen in Höhe von ca. 1 Mrd. Euro erzwingt.

    Damals waren Areva und Siemens doch tatsächlich so naiv, einen AKW-Prototypen zum Festpreis zu verkaufen. Naja, vermutlich hätte ihn ja sonst gar keiner gekauft...

  5. ein Solar-Enthusiast.

    Antwort auf "Seltsam"

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service