Carsten Maschmeyer : Einfach nur reich

Carsten Maschmeyer verdient keine besondere Anerkennung.

Der Hannoveraner Unternehmer Carsten Maschmeyer hat einen Ratgeber in Buchform verfasst und sucht in diesen Tagen noch etwas mehr als sonst die Öffentlichkeit. Maschmeyer möchte als erfolgreicher Unternehmer anerkannt werden, und er sonnt sich im Glanz seines Geldes und in der Größe anderer (»Der frühere UN-Generalsekretär Kofi Annan nahm 2008 an einem Mittagessen in einem sehr illustren Kreis aus Wirtschaft und Politik bei mir zu Hause teil«). Maschmeyer ist wohl ziemlich eitel, aber das sollte man ihm nicht zum Vorwurf machen. Soll er doch.

Widerspruch ist aber angezeigt, wenn Maschmeyer heute als »einer der erfolgreichsten und faszinierendsten Unternehmer Deutschlands« (Klappentext) dargestellt wird und wenn er wegen seiner privaten Gewinne ein Vorbild sein will. Eine irgendwie bewunderungswürdige unternehmerische Leistung hat Carsten Maschmeyer nicht erbracht.

Er hat eine Firma mit dem irreführenden Namen Allgemeiner Wirtschaftsdienst (AWD) aufgebaut . Deren Geschäft war und ist das Vermakeln von Geldanlagen und Versicherungen, also nichts Besonderes. Das soziale Problem dabei ist, dass die Vermittler vom Geld ihrer Kunden einen übermäßig großen Teil für sich selbst abzweigen. Ihre Provisionseinnahmen richten sich nicht nach der Güte der Beratung oder dem Anlageerfolg, sondern nach ihrem Verkäufergeschick. Das System setzt finanzielle Anreize zur Falschberatung.

Maschmeyer rechnete es sich stets als großes Verdienst an, dass der AWD im Gegensatz zu anderen Vertriebsorganisationen die Finanzprodukte mehrerer Anbieter vermittelte, angeblich also ein »unabhängiger Finanzdienstleister« war. Das mit der Unabhängigkeit hat nie ganz gestimmt, denn die Berater waren sehr wohl abhängig von den Entscheidungen und Vorgaben der Geschäftsleitung, wie das Landgericht Hannover 2009 befand.

Nach der Übernahme des AWD durch die Schweizer Versicherung Swiss Life in den Jahren 2007 und 2008 konnte von Unabhängigkeit gar keine Rede mehr sein. Statt die von ihm oft gepriesene Eigenständigkeit des AWD zu sichern, hatte Maschmeyer Kasse gemacht. Er blieb aber im Vorstand und kündigte an: »Ich werde hier mindestens die nächsten zehn Jahre arbeiten.« Zwei Jahre später war er weg.

Swiss Life hat am AWD wenig Freude. Für Prozessrisiken mussten jüngst 47 Millionen Euro reserviert werden – Maschmeyers Erbe.

Für die früheren Aktionäre war der AWD eine Geldvernichtungsanlage. Wer die Aktien seit ihrer Ausgabe im Jahr 2000 bis zur Abfindung durch Swiss Life 2009 hielt, verlor fast die Hälfte seines Kapitals.

Maschmeyer selbst ist mit dem portionsweisen Verkauf des AWD reich geworden. Das Geld steckte er unter anderem in einen Fahrradhersteller, eine Pharmafirma und in Pflegeheime. Man kann das als Zeichen der Läuterung deuten. Oder als eine legale Form der Geldwäsche.

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Kommentare

70 Kommentare Seite 1 von 13 Kommentieren

So nüchtern sehe ich das auch

Seine neoliberalen Freude in der SPD und sonstwo haben ihm Möglichkeiten verschafft, und er hat sie genutzt. So wie Schlecker das für ihn und seinesgleichen geschaffenen Modell der Leiharbeit genutzt hat.

Völlig legal, das alles. Politisch gewollt. Ruhmreich nicht.

Unternehmer!!

Diese Pauschalisierung kann man so nicht stehen lassen.
Maschmeyer war kein Unternehmer im klassischen Sinn, jemand der etwas langfristiges schaffen will. Ihm ging es von Anfang an nur um den schnellen, kurzfristigen Gewinn - auch auf Kosten der Legalität. Ich kann mich noch an die Zeit Anfang der Neunziger in Hannover erinnern, wo er mit seinen Drückerkolonnen unterwegs war. Er hat nichts weiter gemacht als das Prinzip des Strukturvertriebes mit einem neutralen Anstrich zu versehen.

Er erinnert mich fatal an Rockefeller, die, nachdem sie die Welt ausgeplündert hatten, sich mit Centstücken an Kinder und Wohltätigkeit wieder die Absolution erkaufen wollen - vorausgesetzt es bringt Gewinn.

Warum immer diese Spaltung der Gesellschaft in "Gut" und "Böse"?

Mir geht diese Glorifizierung des "Arbeiters an sich" nur noch auf die Nerven. Ja klar, der Unternehmer will den Menschen ausbeuten. Das ist der Sinn der Sache. Darum wird er/sie Unternehmer. DAS ist die Motivation dahinter. Sind sie auch schonmal auf die Idee gekommen, dass Unternehmer auch nur Menschen sind?

Es gibt auch Millionen von Normalos in Deutschland, die zu nichts anderem als Dienst nach Vorschrift bereit sind? Denen es ebenso nur ums Geld geht, wie sie das dem bösen Unternehmer vorwerfen.

Warum muss es in Deutschland immer und immer wieder so extrem sein? Warum werden die Parteien hier immer gegeneinander ausgespielt? Warum ein Keil zwischen die Menschen getrieben? Oder sind Sie der Meinung, Unternehmer sind keine Menschen?

Ich möchte mich nach meinem Studium, also dieses Jahr, selbstständig machen und ein Unternehmen gründen. Zum Teil ist die Motivation natürlich auch finanzieller Erfolg. Aber auch selbstverwirklichung, etwas bewegen, Arbeitsplätze schaffen, eigener Chef sein, Kreativ sein, selber etwas erschaffen. Und um etwas zu erschaffen braucht man andere Menschen. Menschen, die man für die eigene Sache begeistern kann. Mir kommt es so vor als hätte die "typisch deutsche Mentalität" in allen Dingen immer etwas destruktives. Negatives.

Davon hat doch letzten Endes keiner etwas. Etwas mehr Gelassenheit sollte sein.

Unternehmer können *****löcher sein. Der gemeine Arbeiter aber genauso. Man sollte also aufhören die Realität so naiv zu verklären.

Es ist Ihnen zu wünschen,....

daß Sie ihre Vorstellungen so umsetzen können, wie Sie es in ihrem Kommentar beschreiben. Nur wird dies kein einfaches Unterfangen, weil, wie Sie auch hier im Forum lesen können, sehr unterschiedliche Auffassungen bestehen. Sowohl auf der einen, wie auf der anderen Seite der Medallie, die Sie beschrieben haben. Selbst Marschmeier hat hier Befürworter seiner Methoden. Aus eigener Erfahreung
( 35 Jahre Aussendienst im Invest.-Breich ) kann ich leider nur sehr wenige Unternehmer erinnern, die so gedacht und auch gehandelt haben, wie Sie es vorhaben. Warum sich die Menschen so schwer tun, vernünftig miteinader umzugehen, dies wäre ein weiteres Thema. Alles Gute!!!

Muss man das wirklich erklären, dass

M. nichts besonderes ist sondern nur einer, der auf Kosten vieler Menschen viel Geld machte und seit kurzem von scheußlicher 70er-Jahre-Frisur mit passendem Schnäuzer zu anderer Frisur plus Schauspielerin an seiner Seite wechselte.

Dass er geschickt im Umgang mit Menschen ist, ist klar. Dass er es in Hannover auch auf Menschen ausdehnte, die keinen AWD-Vertrag kauften sondern Politik oder Show machen, weiß auch jeder.

Besonders ist daran aber nicht viel und einen Autor gibt der Mann damit auch noch nicht ab.

Viel Wind um nichts.