UnternehmensberatungenUnd morgen nach Paris

Große Beratungsfirmen sind begehrt. Auf 220 Stellen gibt es schon mal 10.000 Bewerbungen. von Friederike Lübke

Als Erstes musste sich Jonas Gößling einen Anzug kaufen. Damit saß er dann nervös vor zwei Geschäftsführern und erklärte ihnen eine Stunde lang, wie sie ihr Marketing verbessern könnten. Er und seine Kommilitonen überzeugten, die Geschäftsführer übernahmen das Konzept der Studenten. Ein erhebender Moment für den 25-jährigen Gößling – und eine Bestätigung für seinen Wunsch, nach dem Wirtschaftsingenieur-Master Unternehmensberater zu werden.

Seit anderthalb Jahren bereitet er sich in der studentischen Unternehmensberatung Company Consulting Team der Technischen Universität Berlin auf seinen Beruf vor. Dafür trifft er sich regelmäßig mit Kommilitonen in einem Turmraum im Obergeschoss. Zehn Stunden in der Woche arbeitet er hier, wenn ein Projekt ansteht, können es auch 30 werden – mehr Zeit, als er unten in den Seminarräumen verbringt.

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Etwa 120 solcher studentischen Unternehmensberatungen gibt es in Deutschland. Firmen profitieren von ihnen, weil sie günstig sind. Die Studenten sammeln einen Pluspunkt für ihren Lebenslauf und erste Berufserfahrung, denn sie tun all das, was auch später zu ihren Aufgaben als Unternehmensberater gehören wird: Jonas Gößling wirbt Unternehmen an, entwickelt Strategien, wie sie ihre Arbeitsabläufe oder ihren Absatz verbessern können. Es reizt ihn, Probleme zu lösen. Da jedes Unternehmen anders arbeitet, muss er sich dabei immer wieder in neue Kommunikationsformen und Organisationsabläufe hineindenken – wenn die Zeit drängt, auch mitten in der Nacht. Gößling sieht das gelassen: »Wenn man in der Arbeit aufgeht, kann man das auch 60 Stunden die Woche machen«, sagt er.

Die Zahl der Unternehmensberatungen ist groß – und sie wächst wieder. Nachdem die Wirtschaftskrise 2009 auch den Beraterfirmen Einbußen bescherte, stieg der Umsatz der Branche im vergangenen Jahr in Deutschland erstmals über 20 Milliarden Euro, so eine aktuelle Marktstudie des Bundesverbands Deutscher Unternehmensberater (BDU). Für 2012 rechnet er weiter mit Wachstum, zumindest wenn das auch für die Wirtschaft gilt. »Früher ging es der Beratung immer gut. Heute geht es der Beratung nur noch gut, wenn es auch der Wirtschaft gut geht«, sagt der Präsident des BDU, Antonio Schnieder. Denn wachsende Unternehmen investieren in Beratung, beispielsweise um neue Geschäftsfelder zu erschließen. Bei schlechter Wirtschaftslage wird in diesem Bereich gespart.

Die Branche wächst

Bei mehr als der Hälfte der Beratungsfirmen handelt es sich um kleinere Unternehmen oder selbstständige Berater mit einem Jahresgehalt unter 250.000 Euro. Das Bild vom Mann im Anzug, der mit Trolley und Laptop um die Welt jettet, haben dagegen die internationalen Unternehmen geprägt. McKinsey macht in Deutschland den höchsten Umsatz und beschäftigt die meisten Mitarbeiter, darauf folgt im Ranking des Marktforschungsinstituts Lünendonk die Boston Consulting Group. Beide schweigen darüber, was sie ihren Mitarbeitern bezahlen. Laut der Vergütungsberatung PersonalMarkt bekommen Berufsanfänger in den großen Beratungsfirmen knapp 59.000 Euro im Jahr, bei kleineren Beratungsfirmen sind es im Durchschnitt 47.000 Euro. Wer vom Berufseinsteiger zum Junior- und zum Seniorberater und schließlich zum Partner aufgestiegen ist, kann bei großen Beratungsfirmen mit bis zu 386.000 Euro im Jahr rechnen, bei kleinen Unternehmen liegt der Verdienst nicht einmal bei der Hälfte.

Auch Jonas Gößling hat es deshalb auf eine der großen Unternehmensberatungen abgesehen. »Die Arbeit macht mir vor allem Spaß, aber natürlich lockt mich auch die Möglichkeit eines schnellen Aufstiegs und überdurchschnittlichen Gehalts«, sagt Gößling. Um genommen zu werden, helfen ihm die vielen Stunden im Turmzimmer allein noch nicht, er muss auch seinen Einser-Notenschnitt halten. Auf das Bewerbungsverfahren will er sich drei Monate lang vorbereiten, denn die Plätze sind begehrt. Dort wird er dann Probeaufgaben wie diese zu lösen haben: Angenommen, eine Firma steckte in folgenden Schwierigkeiten – was würden Sie tun?

10.000 Bewerbungen sind im vergangenen Jahr bei McKinsey eingegangen, 220 Beraterstellen wurden besetzt. In diesem Jahr sollen es 240 sein. Ein überdurchschnittlich guter Abschluss und Auslandserfahrungen werden vorausgesetzt. Das Studienfach ist dagegen zweitrangig: Weniger als die Hälfte der Neueinsteiger bei McKinsey hat BWL studiert. Auch Sinologen, Germanisten oder Psychologen können Unternehmensberater werden.

Leserkommentare
  1. Vergleichen Sie Berater-Standard vorgehen, ganz besonders mit den "gerade von der Uni" -Leuten mit den Angaben aus Jobs Biographie hinsichtlich Management.

    Ganz Grundgesetzlich braucht es neben fundiertem Fachwissen aus dem Studium (was beim Bachelor eher fehlt) auch so einiges an themenspezifischen Fachwissen.

    Das kann ein Berater prinzipbedingt gar nicht haben, es sei den er hat in den letzten 2 Jahren ausschließlich alle Konkurrenzfirmen beraten.

    Ganz besonders Betriebswirte haben nach meiner bisherigen (Gott sei Dank begrenzten) Erfahrung Probleme die technisch-physikalischen Grundlagen von Produkten und Produktionsprozessen verstehen. Auch mangelt es oft an sozialwissenschaftlicher Allgemeinbildung oder wenigsten einer guten Menschenkenntnis um Kunden und Angestellte sinnvoll einzuschätzen.

    Ich möchte externe Beratung nicht als grundsätzlich sinnfrei brandmarken, aber da stimmen irgendwo die Relationen zwischen Gehalt und Habitus auf der einen und dem Nutzen auf der anderen Seite nicht mehr.

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    ...die werden dann geholt, wenn es dem Top-Management darum geht,

    a) ihre eigenen Entscheidungen (für deren kompetente Findung sie ja angeblich bezahlt werden) erstmal überhaupt zu finden ODER Entscheidungen durchzusetzen, die sie selbst mit ihrem eigenen Standing nicht durchbekommen (beim Aufsichtsrat oder Investoren),

    b) um die Verantwortung für ihre (Nicht-)Entscheidungen (mit der ihre Vergütung regelmäßig gerechtfertigt wird) auf jemanden abwälzen zu können, insbesondere gern bei unangenehmen Entscheidungen mit Tragweite,

    c) um unternehmerische Risiken (mit denen ihre Vergütung ebenfalls regelmäßig gerechtfertigt wird) nach Möglichkeit gänzlich zu vermeiden (und dafür so viel Geld auszugeben, dass sich die Amortisation garantiert auf unrentable Zeiträume verschiebt)und nicht zuletzt

    d) um ihren Netzwerken, von denen sie später noch zu profitieren hoffen oder schon profitiert haben, etwas zukommen zu lassen.

  2. ...die werden dann geholt, wenn es dem Top-Management darum geht,

    a) ihre eigenen Entscheidungen (für deren kompetente Findung sie ja angeblich bezahlt werden) erstmal überhaupt zu finden ODER Entscheidungen durchzusetzen, die sie selbst mit ihrem eigenen Standing nicht durchbekommen (beim Aufsichtsrat oder Investoren),

    b) um die Verantwortung für ihre (Nicht-)Entscheidungen (mit der ihre Vergütung regelmäßig gerechtfertigt wird) auf jemanden abwälzen zu können, insbesondere gern bei unangenehmen Entscheidungen mit Tragweite,

    c) um unternehmerische Risiken (mit denen ihre Vergütung ebenfalls regelmäßig gerechtfertigt wird) nach Möglichkeit gänzlich zu vermeiden (und dafür so viel Geld auszugeben, dass sich die Amortisation garantiert auf unrentable Zeiträume verschiebt)und nicht zuletzt

    d) um ihren Netzwerken, von denen sie später noch zu profitieren hoffen oder schon profitiert haben, etwas zukommen zu lassen.

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    Sie schrieben

    "die werden dann geholt, wenn es dem Top-Management darum geht,

    a) ihre eigenen Entscheidungen [...] durchzusetzen, die sie selbst mit ihrem eigenen Standing nicht durchbekommen (beim Aufsichtsrat oder Investoren),"

    Schon 'mit Unternehmensberatern oder Führungskräften zu tun gehabt? Kein Top-Management dieser Welt verbeißt sich in Entscheidungen, die bei Aufsichtsrat oder Investoren nicht durchzubekommen sind.

    Unternehmensberater werden geholt, um Entscheidungen gegen Mitarbeiter durchzusetzen und hinterher sagen zu können, wir konnten ja nicht anders...

  3. früher einmal bei DILBERT:" Wenn man 'betrügen' und 'verraten' kombiniert,
    erhält man "beraten."
    "Ich bin hier, um Sie zu beraten."
    "Hört sich teuer und sinnlos an - einverstanden."

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  4. Sie schrieben

    "die werden dann geholt, wenn es dem Top-Management darum geht,

    a) ihre eigenen Entscheidungen [...] durchzusetzen, die sie selbst mit ihrem eigenen Standing nicht durchbekommen (beim Aufsichtsrat oder Investoren),"

    Schon 'mit Unternehmensberatern oder Führungskräften zu tun gehabt? Kein Top-Management dieser Welt verbeißt sich in Entscheidungen, die bei Aufsichtsrat oder Investoren nicht durchzubekommen sind.

    Unternehmensberater werden geholt, um Entscheidungen gegen Mitarbeiter durchzusetzen und hinterher sagen zu können, wir konnten ja nicht anders...

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    "Kein Top-Management dieser Welt verbeißt sich in Entscheidungen, die bei Aufsichtsrat oder Investoren nicht durchzubekommen sind."

    Ich sprach auch nicht von "Wiedervorlage von Entscheidungen" - da würde ich Ihnen Recht geben. Sondern von der "Ersterarbeitung".

    Es läuft doch so: Beratung XYZ erstellt ein Papier, in dem als Ergebnis die Vorstellung eines oder mehrerer Vorstände als die einzig Richtige präsentiert wird. Nehmen die Shareholder an, hat der Vorstand sein Ziel erreicht. Lehnen sie ab und irgendwas geht schief oder funktioniert in Zukunft nicht so, wie es geplant war, kann man sagen "klar, damals wollte ich was ändern / es so und so machen, aber ihr habt ja nicht zugestimmt".

  5. Klingt gewaltig, ist aber eine Luftnummer wie vieles in der Beraterbranche.

    Hallo Herr Lübke, schon mal 'was von Brüchen und Kürzen gehört (Haupt-, Real-, Gymnasiumsschule ca. Klasse 6)?

    Das sind 500 Bewerbungen auf 11 Stellenangebote. Nun machen wir noch einen genialen Schritt: wir runden und sagen das beim Ergebnis dazu: etwas mehr als 50 Bewerber auf ein Stellenangebot.

    Und damit sehen wir, dass die jungen Herren Berater gerade einmal in die Nähe von dem kommen, was in vielen anderen Berufen Gang und Gäbe ist.

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  6. Grundsätzlich glaube ich, schadet es nicht, sich externe Beratung zukommen zu lassen. Nur drängt sich der Verdacht auf, die Beratung unterliegt gewissen Moden und führt letztlich dazu, dass alle Unternehmen die gleiche Ausrichtung haben und es sich so letztlich wieder aufhebt. Der angebliche Vorteil ist dann kein Vorteil mehr, wenn die Beratung mehr oder minder für alle gleich ausfällt. Eine Zeit lang waren Unternehmenszukäufe en vogue, um sich später dann wieder auf seine Kernkompetenzen zurück zu schrauben.

  7. ein sinnfreier Artikel über die Berater, den niemand braucht. Die Klischees (überehrgeizige Jugendliche, harte Auswahlverfahren, tolle Entwicklungschancen u. Gehälter, Klienten im AUsland...), die in dem Artikel angesprochen werden, hören sich an, als seien sie der AUtorin von McKinsey diktiert worden.
    Natürlich darf auch der übliche Hinweis auf "work-life-balance", die die Beratungen jetzt angeblich entdeckt haben, fehlen.
    Gibt es eigentlich offizielle Zahlen, wieviele der Strategieberater wirklich nicht aus den Wirtschaftswissenschaften (oder IT-Fächern im Bereich der IT-Beratung) kommen?
    Im Gegensatz zu den üblichen Werbestatements der Beratungen glaube ich, dass der Anteil verschwindend gering sein dürfte.

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  8. "Berater sind wie Eunuchen. Sie wissen wie es geht!"

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