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Wirtschaftsprüfer sind gefragt. Unter den großen Firmen herrscht ein Wettstreit um die besten Köpfe. von Thomas Dierkes

Friedemann Loch ist ein mittelgroßer, eher schmaler Mann. Im Sommer wird er 45. Beinahe wirkt er etwas zu feingliedrig für die Rüstung der Bank- und Geschäftsleute, den dunklen Dreiteiler. »Nie im Leben hätte ich gedacht, dass ich mal bei einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft arbeiten würde«, sagt er. Arzt werden, das ja, Arzt wie sein Vater. Direkt nach dem Abitur machte Loch auch tatsächlich den Medizinertest – entschied sich dann aber noch einmal um: für eine Banklehre. Aus Neugier, sagt er und erzählt von einer kurzen Sturm-und-Drang-Phase im Investmentgeschäft. Später folgte ein BWL-Studium.

Heute arbeitet Loch bei PricewaterhouseCoopers (PwC), einem der Branchenriesen. Oder besser: Er arbeitet wieder hier. Denn Loch war vor ein paar Jahren schon einmal bei der Firma angestellt gewesen. Als es mit der Karriere nicht mehr so richtig vorwärtsging, wechselte er zur Konkurrenz. Dort blieb er zwei Jahre und ließ sich dann wiederum abwerben – von seiner alten Firma PwC.

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Wer bei den Großen mitspielen will, hat nur vier Unternehmen zur Auswahl

Solche Wechsel sind normal in dieser Branche. Wer bei den Großen mitspielen will, hat eigentlich nur vier Unternehmen zur Auswahl: die Big Four der Wirtschaftsprüfungsunternehmen. Neben PwC zählen dazu KPMG, Deloitte und Ernst & Young. Ist das harte Examen zum Wirtschaftsprüfer erst einmal geschafft und hat man dann noch ein paar Jahre Erfahrung vorzuweisen, klingelt bei vielen das Telefon.

Dann könnte beispielsweise Michael Proft am anderen Ende der Leitung sein. Proft arbeitet als Headhunter in Frankfurt, seine Spezialgebiete sind Unternehmensberatung und Wirtschaftsprüfung. Er weiß: Wirtschaftsprüfer können erwarten, dass es mit ihrer Karriere stetig vorangeht. »Wenn dem nicht so ist, gehen sie häufig zu einem Kunden oder in eine andere Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, wo sie bessere Chancen sehen, Partner zu werden«, sagt Proft. Etwa die Hälfte der Wirtschaftsprüfer wechseln nach ihrem Examen den Arbeitgeber. Und das Buhlen um qualifizierte Fachkräfte wird wohl noch zunehmen: Gegen Ende des laufenden Jahrzehnts werden rund ein Fünftel weniger Absolventen der Wirtschaftswissenschaften erwartet.

Ganz besonders gefragt sind schon heute Spezialisten – wie Friedemann Loch. Er hatte sich bereits am Anfang seiner Berufslaufbahn vermehrt mit Bankenaufsichtsrecht befasst. Was für andere staubtrocken klingen mag, nennt Loch »eine intellektuelle Herausforderung«. Er half Banken, Lösungen für neue aufsichtsrechtliche Maßgaben zu finden, arbeitete sich bei PwC vom Assistant zum Senior und schließlich zum Manager hoch. Damit begann eine Zeit, in der regelmäßig Headhunter anriefen. »Da war dann eben eines Tages einer dabei, der fragte, ob ich nicht in einer verantwortungsvollen Rolle bei einer großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft eine tolle Karriere machen möchte«, erzählt Loch. »Da habe ich gesagt, ich bin in einer verantwortungsvollen Rolle, ich bin bei einer tollen Gesellschaft, so viele Große gibt es in Deutschland nicht. Ich sehe das so: Es gibt nur zwei, über die wir ernsthaft reden können, bei der einen arbeite ich, und wenn Sie die andere meinen, dann können wir weiterreden.«

Der Headhunter hat weitergeredet.

Zu diesem Zeitpunkt hatte Loch das Gefühl, bei PwC etwas auf der Stelle zu treten. »Dann kommt einer und erzählt von den saftigen roten Kirschen, die auf dem Nachbargrundstück in den Bäumen hängen«, sagt er. »Man wechselt ja nicht bergab, die Möglichkeiten eines weiteren Vorankommens wurden in dem Moment von KPMG konkreter skizziert.« Außerdem gab es natürlich einen Gehaltsanreiz, erzählt Loch. Und die Aufgaben lockten ihn: »Ich sollte im Rahmen der Jahresabschlussprüfungen mit aufsichtsrechtlichen Sachverhalten intensiv zu tun haben. Das ist natürlich spannend: Jahresabschlussprüfung in der Finanzmarktkrise. Die mussten ja schauen: Wie kriegt man jemanden wie den Loch?«

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