OsternWiederauferstehung und Frühjahrsputz

Was die großen Religionen zu Ostern eint von 

Alle paar Jahre fallen wie in diesem das christliche und das jüdische Osterfest (Pessach) zusammen. Mit etwas ökumenischem Eifer darf man auch Nowruz ("Neuer Tag") einreihen. Obwohl kein muslimischer Feiertag, wird er in weiten Teilen der islamischen Welt, vor allem im Iran , rund um den Frühlingsanfang begangen. Lessings Ringparabel ("Alle sind Gott gleich lieb") mal anders; der gemeinsame Nenner ist der Frühling, das Wiedererwachen der Natur nach langer Winternacht.

Jeder macht’s auf seine Weise. Christen gedenken des Opfertodes und der Wiederauferstehung Jesu . Die Juden feiern die Befreiung aus pharaonischer Knechtschaft und die Wiedergeburt im Gelobten Land. Iraner und verschiedene Schia-Sekten erfreuen sich am Sieg des Lichts über die Dunkelheit.

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Aber allen gemeinsam ist das Urthema der Auferstehung: des Sohnes Gottes, des jüdischen Volkes, der Natur. Die drei Religionen haben voneinander geborgt – und alle zusammen von älteren Kulturen, die von dem einen und einzigen Gott keinen blassen Schimmer hatten.

Das christliche Abendmahl ist der jüdische Seder, das Festessen am Vorabend von Pessach. Die Matze, das ungesäuerte Brot, ist zum "Leib Christi" geworden, der Wein, der den Juden die Freiheit symbolisiert, zum "Blut, das für euch vergossen wird". Neue Bedeutungen, uralte Symbole, die auf das gemeinsame mythische Erbe verweisen: Befreiung, Erweckung, Erlösung verheißen die Überwindung des Todes.

Fruchtbarkeitssymbole beherrschen alle drei Feste. Gepriesen wird das Reifen der ersten Saat, symbolisiert durch das frische Grün, das an keinem Tisch fehlen darf. Bei Ostern und Pessach spielen das Ei und das neugeborene Lamm einen zentralen Part; bei Nowruz sind es Gersten- und Linsensprossen. Alle zelebrieren sie den Urmythos des ewigen Lebens.

Übrigens geht jedem dieser drei Feste der Frühjahrsputz (bei den Juden sogar als rituelle Pflicht) voraus, auch dieser ein Symbol des Neuanfangs. Heidnisch oder monotheistisch? Es tut nichts zur Sache, ist doch der Glaube an die Überwindung von Elend, Angst und tiefster Nacht allen gemein, den Natur- wie den abrahamitischen Religionen.

An Ostern, Pessach und Nowruz begrüßen alle den Frühling, der für die tiefreligiöse Erfahrung der Transzendenz steht. Muss man dazu an Gott glauben? Heute leben wir wie die alten Israeliten im Zeitalter der Wanderschaft, wo die Völker sich mischen und reiben. 

Im Buch Exodus, dem Überwindungsmythos schlechthin, steht: "Die Fremdlinge sollt ihr nicht unterdrücken, denn ihr wisst um der Fremdlinge Herz, dieweil ihr auch Fremdlinge in Ägyptenland gewesen." Ob Heide, Christ oder Muselmann – dieses Ethos ist eine aktuelle Verpflichtung für alle, gläubig oder nicht.

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Leserkommentare
    • TDU
    • 08. April 2012 16:38 Uhr

    "Ob Heide, Christ oder Muselmann – dieses Ethos ist eine aktuelle Verpflichtung für alle, gläubig oder nicht".

    Im Gegensatz zu damals entscheiden jetzt zunehmend deren Stellvertreter. Nach Besitz und Geld, nach Geberhoheit, aber nicht nach "kommt und macht was draus".

  1. Das Pessachfest der Juden als jüdisches "Oster-"fest zu beschreiben, finde ich etwas seltsam. Denn der Auszug aus Ägypten hat ja nichts mit Ostern und der Auferstehung an sich zu tun. Es fiel nur damals (und woihl heute) zufällig in eine Zeit, dass am Hauptfesttag des Pessach Jesus starb bzw. auferstand. Wenn das Judentum Pessach als Todesstag Christi feiern würden oder seine Auferstehung, würde es wohl auch Ostern heißen und nicht Pessach...
    Zur Bildunterschrift: Samariter sind doch noch mal eine eigene Religionsgemeinschaft. Das Pessach der Samariter fällt nicht immer mit dem jüdischen Pessach zusammen. Vielleicht weiß ja jemand, ob dies auch zufällig mit Ostern 2012 zusammenfällt?
    Ansonsten finde ich diese Zusammenstellung ziemlich interessant. Es gibt wohl immer mehr Parallelen als man denkt...

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    "Ostern" heißt lateinisch "pascha" von hebräisch pessach (eingedeutscht: Passah)

    "Das deutsche Wort "Ostern" und das englische Easter haben die gleiche sprachliche Wurzel, deren Etymologie verschieden erklärt wird." s.hier:
    http://de.wikipedia.org/w...

    Sinngemäß hat der Autor die zugrunde liegenden Gemeinsamkeiten der 3 abrahm. Religionen i.S. naturreligiöser ursprünglicher Auferstehungsfeste der "Morgenröte" (german. Frühlingsgöttin "Osteria") zutreffend erklärt.

  2. Zwecks Glaubwürdigkeit sollten sie, Herr Joffe, auch respektvoll über andere Religionen sprechen und auch andere dazu ermutigen.
    "Muselmann" ist ein abwertender und veräppelnder Begriff, es sollte "Muslim" oder "Moslem" heißen.

    Antiislamismus und Antisemitismus stehen einander in nichts nach.

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    Manchmal hilft etwas Bildung.

  3. wie kommen Sie dazu?
    Es ist ein Wort aus der Zeit vor den Migranten, die nun wohl unsere deutsche Sprache ändern wollen.

  4. Wieso sollte Muselmann abwertend sein?
    Ist es doch selbst ein altes persisch/türkisches Wort für einen gläubigen Moslem.
    Und wenn man schon dabei ist, heißt die Glaubensgemeinschaft Samaritaner, nicht Samariter

  5. Wenn dann müsste es Muselmân heißen. Dabei wird das s wie ein ss gesprochen. Dieser Begriff wird unter Kurden, Perser und andere Iranische Völker benutzt. Auf türkisch heißt es Müslümân.
    Dieser Begriff wird aber nicht von der Mehrheit der muslimischen Bevölkerung benutzt und viele lehnen dieses auch ab. Wenn wir nach dem Konsens der muslimische Gemeinschaft gehen muss man einen männlichen Gläubigen der den Islam praktiziert Muslim und eine Gläubige Muslima nennen.
    Dieser Name wird vom Islam abgeleitet. So ist jeder der den Islam praktiziert ein(e) Muslim/Muslima.

    • samyka
    • 08. April 2012 23:57 Uhr
    7. Nowruz

    Nowruz ist ein altes zoroastrisches Fest. Es wurde schon lange vor dem Islam in Persien gefeiert. Dass sich das schiitische Verbreitungsgebiet und die Nowruzfeiern überschneiden, hat absolut nichts miteinander zu tun. Die Schia hat sich eben vor allem im alten Gebiet Persiens zur hauptsächlichen islamischen "Konfession" entwickelt - nicht zuletzt auch als Alleinstellungsmerkmal gegenüber den Arabern. Nowruz wird im gesamten ehemaligen Groß-Persien gefeiert (Iran, Afghanistan, Turkmenistan, Azerbaidschan etc.)wie auch im Siedlungsgebiet der Kurden. Es verbindet diese Länder heute noch, wie auch in vielen dieser Länder iranische Sprachen gesprochen werden. Einige der Bräuche wurden dann von den Nachbarländern übernommen.

  6. eine veraltete Bezeichnung für Muslime, heutzutage meist scherzhaft oder abwertend gebraucht" (wiki)Geldstrafe: "Muselmann" ist offiziell eine Beleidigung
    Begriff stammt aus der Lagersprache der Nazi-Konzentrationslager - wird heute noch im deutschen Lied gesungen
    Nach eine Melung von shortnews (vom 19.08.09)hatt ein in Neufahrn (bei München) lebender Tunesier sich in seiner Identität als Muslim gedemütigt gefühlt, als ein 38-Jähriger Kfz-Händler aus Maisach ihn in einer E-Mail als "Muselmann" betitelt hatte. Der Neufahrner Muslim hat nach einer unbeantworteten Anfrage, was das solle, Anzeige erstattet.

    Danach verurteilte ihn das Amtsgericht zu einer Geldstrafe von 1.200 Euro. (Nur zum Vergleich: Der Mörder von Marwa musste wegen seinen islamfeindlichen Beleidigungen 780 Euro zahlen).

    http://www.merkur-online....

    "Der Hintergrund des Streits begann mit einer Anfrage des 28-jährigen Tunesiers bei jenem Kfz-Händler, ob er ein Auto 3.000 Euro unter dem angegebenen Wert haben könne. Der Händler fühlte sich mokiert und bezeichnete ihn im Hinblick auf seinen arabischen Namen einen "Muselmann"."

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