Welch überflüssige Aufregung um die Vorratsdatenspeicherung, die nun in Kraft getreten ist! Da wird von einem Eingriff in die Privatsphäre gefaselt, gar von der Einschränkung der persönlichen Freiheit. Selbst der Sicherheitsaspekt dieses großartigen Gesetzes, der doch nun wirklich jedermann einsichtig sein müsste, wird angezweifelt. Wo doch selbstredend die meisten Gauner und Terroristen ihre Untaten per SMS ankündigen. Der Liebsten noch rasch »Geh mich jetzt sprengen« zu simsen ist sogar gängige Praxis unter Selbstmordattentätern.

Und überhaupt: Wer nichts zu verbergen hat, dem kann es doch nichts ausmachen, dass der Staat auch über sein elektronisches Liebesgeflüster Bescheid weiß. Mit Ausnahme bei Affären vielleicht, die nach Diskretion verlangen. Aber es ist ja die moralische Pflicht des Staates, jedwedes sündige Treiben auszumerzen. In Zeiten zunehmender Überalterung und damit verbundener Vergesslichkeit hilft die neue Überwachung sogar aus mancher Notlage: Irrtümlich gelöschte SMS können jetzt beispielsweise bei der zuständigen Behörde nachgefragt werden.

Auch für ältere Personen, die mit der neuen Technik nicht mehr Schritt halten können, kommt dieses Gesetz gerade recht. Wer etwa bei seinem Smartphone den Weckdienst nicht zu aktivieren vermag, muss sich nun nur an das Innenministerium wenden. Der zuständige Vorratsdatenspeicherer holt dann sicherlich die Senioren gerne rechtzeitig zur Jause aus dem Schlaf. Ein Ministerium für Weckrufe also – wo soll da bitte das Problem sein?