JobsucheDas Zitat... und Ihr Gewinn

Jean-Jacques Rousseau sagt: Um einen Liebesbrief zu schreiben, musst du anfangen, ohne zu wissen, was du sagen willst, und endigen, ohne zu wissen, was du gesagt hast. von 

Jeden Morgen, wenn der Briefträger kommt, reißt der Bewerber ihm die Post aus den Händen. Zusage oder Absage – das ist hier die Frage. Fast alle Bewerber verlegen sich aufs Warten, wenn das Vorstellungsgespräch geführt ist. Als hätten sie alles, was möglich war, für ihren Erfolg getan. Das stimmt aber nur fast. Denn das Tüpfelchen auf dem i versäumen sie derweil: ein Schreiben nach dem Vorstellungsgespräch. Ein solcher Brief oder eine solche Mail gibt Ihnen die Gelegenheit, sich noch einmal von der Masse abzuheben. Von zehn Bewerbern, die sich vorstellen, nutzen nur ein bis zwei diese Chance.

Martin Wehrle
Martin Wehrle

Der Coach Martin Wehrle ist Autor mehrerer Karrierebücher und gibt jede Woche Karrieretipps in der Kolumne "Das Zitat und Ihr Gewinn".

Aber schreiben Sie nicht ins Blaue, wie Jean-Jacques Rousseau es für Liebesbriefe empfiehlt. Vielmehr sollten Sie die Argumente, die für Sie sprechen, noch einmal zusammenfassen. Zählen Sie drei Gründe auf, warum Sie perfekt zu der offenen Stelle passen und sich schon auf Ihren ersten Tag freuen. Sie glauben ja gar nicht, wie wichtig ein solches Schreiben sein kann, gerade wenn sich zwei Bewerber ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefern. Wer schreibt, ruft sich ins Gedächtnis. So kann er den Eindruck, den andere Bewerber hinterlassen haben, oft überstrahlen. Noch dazu sendet er die Botschaft: Ich bin engagiert, ich will diesen Arbeitsplatz wirklich haben! Die Vorstellung, begehrt zu sein, schmeichelt einem Unternehmen.

Anzeige

Die Wirkung ist umso größer, je individueller Sie Ihr Schreiben halten. Sagen Sie, was Ihnen an Ihrem Vorstellungsgespräch gefallen hat, zum Beispiel die offene Diskussion über eine Fachfrage oder die anschaulichen Beispiele für die Unternehmensphilosophie. Und knüpfen Sie mit den drei Argumenten, die Sie für sich anführen, auch an Informationen an, die Sie erst im Vorstellungsgespräch erhalten haben – statt nur Ihren Bewerbungsbrief nachzuplappern.

Welche Form ist besser, Brief oder Mail? Ein Brief ist die größere Rarität, er erregt mehr Aufmerksamkeit. Die Mail sollten Sie vorziehen, wenn ein Bewerbungsverfahren kurz vor der Entscheidung steht und eine schnelle Wortmeldung gefragt ist.

Wer seinen Auftritt als Bewerber mit einem solchen Schreiben abrundet, bekommt zwar keinen Liebesbrief als Antwort – aber in vielen Fällen eine Zusage.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. Hier reden offensichtlich Typen vom Arbeitsleben, die selbst nicht darin eingebunden sind. Wären Wehrle Tipps neu oder sinnvoll, so könnte er sich doch selbst erfolgreich um einen hoch dotierten Posten bewerben?

    Denn wer in der Zeit werben muss, der muss arm dran sein.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Herr Wehrle hat es anscheinend geschafft, mit Unfug genug Geld zu verdienen, um ein Auskommen zu haben. Und genau das ist doch der Traum eines jeden jungen BWL-Abziehbildes.

    Und in der Zeit genieße ich inzwischen seine sonntäglichen Denkansätze, eine gepflegte Fazialpalmierung am Sonntag ist doch auch was schönes.

  2. wie sich viele Arbeitslose gegen "Jobangebote" vom Arbeitsamt wehren können, ohne eine Sanktion zu bekommen, Tipps und Tricks (legal natürlich).Fast alle "Arbeits"stellen, die seit Lerhman geschafen wurden, erfüllen nicht mal Mindeststandards des menschenwürdigen.
    Das würde viel mehr Menschen vor Schaden bewahren als das, was hier verfasst wurde.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Cando
    • 08. April 2012 12:14 Uhr

    Glaubt man einigen Kommentatoren auf Zeit-Online, so müsste man meinen, dass neuerdings jeder Artikel - ganz gleich in welchem Ressort - auf die Bedürfnisse eines Hartz IV-Empfängers, der vom Arbeitsamt menschenunwürdig gegängelt wird, ausgelegt sein sollte.

    Kürzlich erst las ich im Bereich "Auto", dass es wohl eine unverschämtheit sei, einen BMW oder Mercedes vorzustellen: Schließlich könnten sich dieses Auto viele Menschen nicht leisten.

    Ich möchte hier jetzt keinen "Klassenkampf" heraufbeschwören, doch gebe ich da zu bedenken, dass es eben ganz unterschiedliche Menschen gibt, die diese Zeitung lesen. Und nein: Ich verbringe meine Freizeit weder mit dem Golfspiel noch mit Porschefahren. Dennoch finde ich die Artikel von Herrn Wehrle durchaus interessant zu lesen - auch wenn ich ein solches Schreiben wohl kaum verfassen würde.

    Ich wünsche frohe Ostern,
    Cando

  3. "Jeden Morgen, wenn der Briefträger kommt, reißt der Bewerber ihm die Post aus den Händen. Zusage oder Absage – das ist hier die Frage."

    Die Bewerbungen laufen doch per Mail. Wissen Sie das denn nicht, Herr Coach ...
    Ständige Post vom Bewerber (am besten gleich jeden Tag!) wird zurecht als Belästigung einer überlasteten Personalabteilung empfunden und führt zum Ausschluss. Sollte man schon wissen ...

    Wie kommt ein solcher Text in die "Zeit"?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ...hat Herr Wehrle sich schon einmal irgendwo beworben?

    • Cando
    • 08. April 2012 12:14 Uhr

    Glaubt man einigen Kommentatoren auf Zeit-Online, so müsste man meinen, dass neuerdings jeder Artikel - ganz gleich in welchem Ressort - auf die Bedürfnisse eines Hartz IV-Empfängers, der vom Arbeitsamt menschenunwürdig gegängelt wird, ausgelegt sein sollte.

    Kürzlich erst las ich im Bereich "Auto", dass es wohl eine unverschämtheit sei, einen BMW oder Mercedes vorzustellen: Schließlich könnten sich dieses Auto viele Menschen nicht leisten.

    Ich möchte hier jetzt keinen "Klassenkampf" heraufbeschwören, doch gebe ich da zu bedenken, dass es eben ganz unterschiedliche Menschen gibt, die diese Zeitung lesen. Und nein: Ich verbringe meine Freizeit weder mit dem Golfspiel noch mit Porschefahren. Dennoch finde ich die Artikel von Herrn Wehrle durchaus interessant zu lesen - auch wenn ich ein solches Schreiben wohl kaum verfassen würde.

    Ich wünsche frohe Ostern,
    Cando

  4. ...halb totgelacht, als ich das durchgelesen habe. Darfs denn auch noch ein Strauss roter Rosen und eine Schachtel Pralinen sein, um die Schleimattacke abzurunden? Ich kenne den Personalchef des mittelständischen Unternehmens, bei dem ich arbeite, seit nun 20 Jahren. Der Typ ist so furztrocken und pragmatisch, und riecht die Lunte der eigentlich beabsichtigten Intention, die hinter einem solchen Schreiben steht, sofort. Resultat: Fremdschämen - Vorführen bei den Mitarbeitern - Allgemeines Lachen, bestenfalls ein "Och, das ist aber süß" - Eingang in Ablage Rund (Mülleimer).

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Und genau diese Aussage "Och, das ist aber süß" eines Personalchefs kann dazu führen, das bei der Endauswahl die Entscheidung auf genau diesen Bewerber trifft.

    Wohlgemerkt, vmtl. nicht bei einer Zeitarbeitsfirma oder einer Tätigkeit, welche eine gewisse maskuline Erscheinungsform benötigt. Jedoch bei einer Stellenausschreibung, bei welcher die kommunikativen Fähigkeiten im Vordergrund stehen.

    Gruss

    • Zack34
    • 08. April 2012 13:12 Uhr
    • Zack34
    • 08. April 2012 13:14 Uhr
    Antwort auf "Habe mich..."
  5. "Noch dazu sendet er die Botschaft: Ich bin engagiert, ich will diesen Arbeitsplatz wirklich haben!"
    Einen Brief? Das kann ja jeder!

    Sehr geehrter Herr Wehrle, meiner Erfahrung nach sendet eine Ankettung an den Betriebshaupteingang die Botschaft viel deutlicher und charmanter. Man zeigt nicht nur außerordentliches Engagement sondern hinterlässt auch den gewünschten, bleibenden Eindruck. Aber Vorbeilaufende immer freundlich grüßen, man möchte die Bewerbung schließlich auf eine subtile und freundlich Weise eindrücklich abrunden.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Serie Das Zitat und Ihr Gewinn
  • Schlagworte Gewinn | Jean-Jacques Rousseau | Botschaft | Brief | Gedächtnis | Information
Service