Gartenkultur: So viel Draußen war nie
Wer eine Kultur verstehen will, muss in ihre Gärten schauen. Bei uns ist da zu erkennen: Wir haben noch viel zu tun
© Peter Macdiarmid/Getty Images
Bis vor wenigen Jahren boten Balkons, Terrassen und Gärten in Deutschland meist ein tristes Bild: Regengegerbte Fichtenholzmöbel und Klappliegen standen herum, irgendwo vielleicht noch ein Sonnenschirm in einem Plastikständer, in den man Wasser füllen musste. Meist gab es auch stapelbare Stühle aus weißem Plastik. Schon fast als frivol galt der Besitz einer Hollywoodschaukel.
Heute kann man sich unter freiem Himmel ein ganzes Wohnzimmer einrichten, inklusive Sofa mit regendurchlässigen Polstern, Lounge-Tisch und Stehlampe. Der italienische Hersteller Cassina hat sogar Möbelklassiker, wie den Sessel LC1 von Corbusier, in einer Outdoor-Version aufgelegt (wie auf unserer Titelseite zu sehen). Was drinnen funktioniert, soll auch draußen möglich sein.
Überhaupt, so viel Draußen war nie: Kaum stellen die ersten Cafés ihre Tische vor die Tür, sind alle Plätze besetzt, auch wenn die Gäste sich in Wolldecken hüllen müssen, um die Kälte zu ertragen. In den Städten konkurrieren junge Familien um Schrebergärten, in Baulücken werden Guerilla-Beete angelegt. Ständig kommen neue Magazine heraus, die sich mit der Gartenkultur beschäftigen.
Wer etwas über unser Verhältnis zum Garten wissen will, muss Günther Vogt fragen. Der Liechtensteiner ist einer von Europas bedeutendsten Landschaftsarchitekten. Gerade plant er einen Park in der Hamburger HafenCity, auch für die Begrünung des stillgelegten Flughafens Tempelhof in Berlin hat er ein Konzept entworfen. Private Gärten entwirft er nur noch für enge Freunde. »Es ist einfach zu viel Arbeit«, sagt er. »Es hat mich schon ein halbes Jahr gekostet, herauszufinden, was die Menschen überhaupt wollen. Denn während die meisten Menschen ziemlich genaue Vorstellungen davon hätten, wie ihre Wohnung gestaltet sein soll, seien sie beim persönlichen Grün komplett fantasielos: »Die meisten wissen nur, dass der Garten pflegeleicht sein soll – dabei besteht ein Garten vor allem aus Pflege.« Einige Kunden, sagt Vogt, wünschten sich sogar, dass der Garten immer blühen solle. Denen müsse er erst einmal erklären, dass es Jahreszeiten gibt.
»All die prächtigen Gärten, die Menschen vor Augen haben, sind das Ergebnis unendlich langer Beschäftigung – und eines großen Wissens um die Pflanzen, die darin gedeihen«, sagt der Landschaftsplaner. Heute widme man seinem Garten viel zu wenig Zeit. Die Städter wollten alles haben mit wenig Aufwand, die Infrastruktur vor der Tür und die romantische Wildnis hinter dem Haus. Sie möchten im Supermarkt Papayas aus Neuseeland kaufen und im Pflanztopf auf dem Balkon eigene Tomaten ernten.
Wie eine Gesellschaft ihre Gärten gestaltet hat – daran konnte man schon immer viel über ihre Werte ablesen. Von den ältesten Gärten der Geschichte wissen wir, dass sie in Regionen mit wenig Wasser gediehen. So wird der legendäre Garten Eden in Mesopotamien verortet. Die Sumerer machten etwa 4000 vor Christus ihr trockenes Land durch Bewässerung fruchtbar und pflanzten Dattelpalmgärten. Prächtige Gärten gab es auch schon 2500 Jahre vor Christus in Ägypten. Im Schatten der Pyramiden wurden Teiche angelegt, und Wein wurde angebaut. Einen Garten zu haben bedeutete damals, Wasser zur Verfügung zu haben, und das nicht zu knapp – das Grün war ein Symbol des Überflusses. In diesem Sinne lässt sich eine Linie ziehen von den Ursprüngen der Urbarmachung trockener Landstriche bis heute. So markierte etwa die Stadt Dubai ihren Aufstieg durch das Anlegen von üppigen Golfplätzen mitten in der Wüste – den Herrschergärten unserer Tage.
Die Römer waren so stolz auf die domestizierte Natur, dass sie Jagdszenen mit modellierten Buchsbäumen darstellten. Die griechischen Philosophen Epikur, Platon und Aristoteles ließen sich in ihren Gärten inspirieren. Und Theophrast baute selbst Gemüse an – er gilt als Begründer der Botanik.








"Heute kann man sich unter freiem Himmel ein ganzes Wohnzimmer einrichten, inklusive Sofa mit regendurchlässigen Polstern, Lounge-Tisch und Stehlampe."
Sowas hatte meine Oma schon Ende der 50er Jahre ...
moechte ich auch gerne mal im supermarkt kaufen. eine tropische frucht und ein exotisch klingendes land machen noch lange keine gleichung die aufgeht.
Die rote Papaya ist tropisch und kann problemlos (und bevorzugt) roh verzehrt werden, die gelben werden normalerweise gekocht und eingemacht, zum rohen Verzehr sind die eher ungeeignet.
Gelbe Papayas wachsen auch noch unter subtropischem bis gemaessigtem Klima, z.B. in Chile.
Die rote Papaya ist tropisch und kann problemlos (und bevorzugt) roh verzehrt werden, die gelben werden normalerweise gekocht und eingemacht, zum rohen Verzehr sind die eher ungeeignet.
Gelbe Papayas wachsen auch noch unter subtropischem bis gemaessigtem Klima, z.B. in Chile.
Als ich noch von einem eigenen Garten geträumt habe, dachte ich, die meiste Arbeit entstehe durch Unkrautjäten.
Nach mehreren Jahren mit einem eigenen Garten musste ich feststellen: Unkrautjäten ist nicht das, was die Arbeit ausmacht. Noch nicht einmal im Gemüsegarten, wenn man mulcht.
"Arbeit" ist es, ständig sein Wissen über Pflanzen zu erweitern, richtig hinzuschauen und die richtigen Schlussfolgerungen zu ziehen - und entsprechend zu verarbeiten.
Ich hatte mir Rosen an einer Stelle vorgestellt, an der es sehr zugig ist. Die Rose hat sich auch sehr tapfer geschlagen, aber trotz Brennesseljauche ist Blattläuse und ihre Pilzkrankheit nicht losgeworden. Jetzt, an ihrem neuen Standort, geht es ihr besser.
Gärtern stellt einen unweigerlich vor quasi-philosophische Entscheidungen: Wohin mit den Schnecken, die man lebend aufsammelt, weil man kein Schneckenkorn verwenden will? Sollte man ihnen einen kleinen Anteil des Gemüses kampflos überlassen? Symbolisch sozusagen?
Wieviel "Unkraut" = Wildpflanzen, die sich selbst ansiedeln, duldet und möchte man im Beet? Bekämpft man dies durch regelmäßiges Hacken oder überlässt man ein Beet einfach mal sich selbst, mit Neugier darauf, was sich so ansiedelt? (Letzteres kann ich sehr empfehlen. Gerade blühen bei mir wunderschöne wilde Hornveilchen.)
So oder so, man wird zur Philosophin oder zum Philosophen beim Gärtnern.
genau so ist es - Garten stellt einen ständig vor Grundsatzfragen, Garten ist ein Biotop der Philosophie - ich möchte meinen nie mehr missen, trotz der vielen Arbeit - er beschenkt mich täglich und noch ein guter Tipp für Ihre Rosen: Bananenschalen sammeln, mit Butter bestreichen, damit der Zersetzungsprozeß beschleunigt wird und dann ab ins Erdreich Ihrer Rosen einarbeiten - Sie werden sehen, wie Sie beblüht werden ob des Calziums und Caliums - Servus aus Österreich habs eilig muss in den Garten!
Es hat Spaß gemacht, Ihren Kommentar zu lesen.
MfG
Zack34
Graben Sie leere Blechdosen ins Beet und füllen Sie dieses mit Bier. Die Schnecken sterben einen fröhlichen Tod, man erspart sich das Schneckenkorn und die Schleimspuren der verendenden Weichtüren.
Die Qualität bzw. der Preis des Bieres hat keinen Einfluss auf den Erfolg der Methode.
genau so ist es - Garten stellt einen ständig vor Grundsatzfragen, Garten ist ein Biotop der Philosophie - ich möchte meinen nie mehr missen, trotz der vielen Arbeit - er beschenkt mich täglich und noch ein guter Tipp für Ihre Rosen: Bananenschalen sammeln, mit Butter bestreichen, damit der Zersetzungsprozeß beschleunigt wird und dann ab ins Erdreich Ihrer Rosen einarbeiten - Sie werden sehen, wie Sie beblüht werden ob des Calziums und Caliums - Servus aus Österreich habs eilig muss in den Garten!
Es hat Spaß gemacht, Ihren Kommentar zu lesen.
MfG
Zack34
Graben Sie leere Blechdosen ins Beet und füllen Sie dieses mit Bier. Die Schnecken sterben einen fröhlichen Tod, man erspart sich das Schneckenkorn und die Schleimspuren der verendenden Weichtüren.
Die Qualität bzw. der Preis des Bieres hat keinen Einfluss auf den Erfolg der Methode.
Das soll nun keine Kritik an dem Artikel sein, der ganz nett geworden ist. Aber von Paradiesgärten sind wir doch insgesamt weit entfernt .. bis auf die wenigen, die ein Gespür dafür haben, so wie Leanders vielleicht.
In Deutschland, in der 70er-Jahre-Siedlung, wo meine Eltern wohnen, beobachte ich eine entsetzliche Verödung der Vorgärten. Fast alle alten, hohen Bäume sind abgeholzt worden. Vorgärten wurden Autostellplätzen geopfert oder ansonsten zementiert mit ein paar Blumenkübeln darauf. Immer wenn ich das sehe, komme ich auf die Idee, dass jede Kommune den "Grünen Gartenzwerg" als Anti-Preis für den häßlichsten Vorgarten vergeben sollte. Jahr für Jahr wird ein neuer Preisträger gekürt, in dessen Refugium der Zwerg dann an gut sichtbarer Stelle ein Jahr lang Position bezieht. Mir ist dabei klar, dass es Gärten gibt, die pflegeintensiv sind. Aber man kann sie auch so gestalten, dass sie wenig Mühe machen, z.B. mit Bodendeckern und Rosen, wie es meine Mutter getan hat.
Es ist, wie es im Artikel beschrieben wurde, ein Mangel an Phantasie - und leider auch ein Mangel an Bewusstsein dafür, was für ein Geschenk ein Garten darstellt. Und zwar eines, das auch eine Verpflichtung beinhaltet, nämlich einen ökologischen Raum, einen Lebensraum für Tiere und Pflanzen zu schaffen, einen Raum der Biodiversität.
Ich war kürzlich im Botanischen Garten in Rom, und da sieht man dieses Kunstwerk im Frühjahr, während die Bäume und Wiesen blühen, ein Spiel aus Farben und Flächen zu erzeugen. Dies gilt besonders für die japanischen Gärten mit ihrer Harmonie, dem Versuch, auf begrenztem Raum eine komplexe Landschaft entstehen zu lassen, sanft gewellt, fließend, mit den Klängen des Wassers, erfrischend für die Sinne. Und das verweist darauf, dass Gartengestaltung tatsächlich Ausdruck von Kultur und Selbstverständnis, abe auch Seele ist. Pflanzen sind etwas Lebendes. Sie nur jahreszeitlich bedingt im Supermarkt zu kaufen und dann wegzuwerfen, sie also zu konsumieren, erscheint mir ziemlich traurig. Ich persönlich erfreue mich an ihrem Werden und Vergehen, an all den jahreszeitlichen Veränderungen, die ja auch unser Leben letztlich prägen.
Einen Paradiesgarten anzulegen, bedeutet auch, sich der Natur, die man gewissermaßen in den Garten geholt hat, zu überlassen, nur zaghaft hier und da zu gestalten. Dafür gibt es ein sehr schönes Beispiel im Frühjahr: den Malkastenpark in Düsseldorf.
Schauen Sie ihn sich an. Ich war vor langer Zeit dort, aber damals sah er so aus, als würde dort ein Gärtner ganz unsichtbar, zart wirken, so dass man's kaum sieht. Ich hoffe, dieser Gärtner ist noch da und wirkt dort wie von Zauberhand.
Garten soll wenig Arbeit machen, Hauptsache der Rasen ist kurz, vielleicht noch ein paar Gräser und Büsche. Es darf nichts mehr blühen, den Blühen im Garten bedeutet Sorge tragen, sich kümmern.....und macht Arbeit. Garten ist mittlerweile nur mehr Grundstück, dass leicht pflegbar sein muss - so schade und öde für Schmetterlinge, Bienen und Menschen.
Garten soll wenig Arbeit machen, Hauptsache der Rasen ist kurz, vielleicht noch ein paar Gräser und Büsche. Es darf nichts mehr blühen, den Blühen im Garten bedeutet Sorge tragen, sich kümmern.....und macht Arbeit. Garten ist mittlerweile nur mehr Grundstück, dass leicht pflegbar sein muss - so schade und öde für Schmetterlinge, Bienen und Menschen.
Die rote Papaya ist tropisch und kann problemlos (und bevorzugt) roh verzehrt werden, die gelben werden normalerweise gekocht und eingemacht, zum rohen Verzehr sind die eher ungeeignet.
Gelbe Papayas wachsen auch noch unter subtropischem bis gemaessigtem Klima, z.B. in Chile.
liest man nicht alle Tage.
liest man nicht alle Tage.
genau so ist es - Garten stellt einen ständig vor Grundsatzfragen, Garten ist ein Biotop der Philosophie - ich möchte meinen nie mehr missen, trotz der vielen Arbeit - er beschenkt mich täglich und noch ein guter Tipp für Ihre Rosen: Bananenschalen sammeln, mit Butter bestreichen, damit der Zersetzungsprozeß beschleunigt wird und dann ab ins Erdreich Ihrer Rosen einarbeiten - Sie werden sehen, wie Sie beblüht werden ob des Calziums und Caliums - Servus aus Österreich habs eilig muss in den Garten!
Danke für den Tipp bzgl. der Bananen! :-) Ich habe gerade welche im Haus und werde es morgen sofort ausprobieren...
Danke auch an @9 zack34. :-)
Danke für den Tipp bzgl. der Bananen! :-) Ich habe gerade welche im Haus und werde es morgen sofort ausprobieren...
Danke auch an @9 zack34. :-)
Garten soll wenig Arbeit machen, Hauptsache der Rasen ist kurz, vielleicht noch ein paar Gräser und Büsche. Es darf nichts mehr blühen, den Blühen im Garten bedeutet Sorge tragen, sich kümmern.....und macht Arbeit. Garten ist mittlerweile nur mehr Grundstück, dass leicht pflegbar sein muss - so schade und öde für Schmetterlinge, Bienen und Menschen.
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