ZEITmagazin: Herr Rehwaldt, Ihr Dresdener Architekturbüro hat viele Plätze in deutschen Städten entworfen und verschönert. Trügt eigentlich unser Gefühl, dass Plätze immer hässlicher werden?

Till Rehwaldt: Den Vorwurf höre ich häufig. Aber diese Aussage lässt sich nicht verallgemeinern, es ist ja nicht alles schlecht. Es ist nur viel schwieriger geworden, einen Platz schön zu gestalten.

ZEITmagazin: Woran liegt das?

Rehwaldt: An den immer vielfältiger werdenden Ansprüchen. Planung ist heute ein öffentlicher Prozess, es reden viel mehr Leute mit, und am Ende wird häufig alle Schönheit und Individualität abgeschliffen. Das Individuelle braucht mutige Verwaltungen, und die werden immer seltener.

ZEITmagazin: Sie klingen unzufrieden.

Rehwaldt: Ich fühle mich oft gezwungen und eingeschränkt. Alles, was wir planen, soll unbedingt praktisch sein. Für Experimente und Spielereien ist kaum noch Platz. Und die Anträge auf Fördermittel von EU , Bund und Ländern werden mit spitzem Bleistift meist von Leuten geprüft, die wenig ästhetische Bildung haben.

ZEITmagazin: Was hat sich noch verändert?

Rehwaldt: Auf jeden neu geplanten oder gestalteten Platz werden unglaublich viele Wünsche projiziert. Ein Platz soll grün sein. Kinder sollen spielen können, und auch Autos sollen da fahren. Er soll robust sein und gut gepflegt werden können, und ein Zirkuszelt soll zur Not auch noch drauf passen. Und dann ist es vielleicht auch noch gewünscht, das Regenwasser aufzufangen und auf dem Platz zu verwenden. Zu all den Ansprüchen kommen großes Sicherheitsdenken und der Kostendruck.

ZEITmagazin: Sind für diese Misere vor allem die Städte verantwortlich?

Rehwaldt: Sie kümmern sich zumindest nicht mehr genug um den öffentlichen Raum. Früher gab es in jeder Stadt Marktmeister oder Stadtgärtner, die darauf achteten, dass nichts kaputtging, wenn man Buden aufstellte oder einen Park intensiv nutzte. Sehen Sie sich mal das Pflaster am Berliner Gendarmenmarkt an. Es verfällt, weil es so beansprucht wird. Nach den heutigen technischen Vorschriften dürfte ein solches Mosaikpflaster, das aus den achtziger Jahren stammt, bei dieser intensiven Nutzung gar nicht mehr verlegt werden. Alles muss robust sein und billig, zur Not muss dann häufig Asphalt reichen.

ZEITmagazin: Und darauf stellt man dann unglaublich praktische, unbequeme Sitzmöbel?

Rehwaldt: Genau, diese unkaputtbaren Bänke. Sehr stören mich auch die riesigen Papierkörbe, die die Städte nun haben wollen. So elefantenhafte Blechteile, die nur einmal die Woche geleert werden müssen. Effektiv, aber plump und aufdringlich. In Berlin kommt dazu, dass die beliebten Plätze maximal vermarktet werden.