Euro-KriseFällt jetzt auch Madrid?

Die flaue Konjunktur könnte Spanien unter die Brüsseler Rettungsschirme zwingen.

Es ist exakt 15.51 Uhr, als das spanische Staatsfernsehen endlich die ersehnte Nachricht meldet: Die Zinsen sinken, die Investoren an den Finanzmärkten sind zufrieden. Das war vergangene Woche, die Regierung in Madrid hatte gerade den neuen Haushalt vorgestellt: Insgesamt 27,3 Milliarden Euro will sie einsparen. Infrastrukturprojekte werden zusammengestrichen, die Zuwendungen an die Ministerien gekürzt, die Steuern angehoben. Seit dem Ende der Diktatur 1975 sei in Spanien noch nie derart radikal gespart worden, sagte Wirtschaftsminister Cristóbal Montoro. Die Ruhe währte trotzdem nicht lange. Schon am Montag dieser Woche stieg das Misstrauen wieder.

Im Rest Europas beobachtet man sehr genau, wie die Spanier mit den Märkten ringen. Fällt Spanien, dann sind die eben erst erweiterten Rettungsschirme wohl bald schon wieder zu klein. Die Zukunft der Währungsunion – möglicherweise entscheidet sie sich in Madrid.

Anzeige

Es ist ein ungewöhnliches Land, das sich die Schuldenkrise als nächstes Opfer ausgesucht hat. Die spanischen Staatsschulden waren bislang nie ein Problem. Die Regierung in Madrid hat in den vergangenen Jahren immer alle Defizitvorgaben der Europäischen Union eingehalten, und selbst nach zwei Jahren Krise haben die Spanier mit knapp 70 Prozent der Wirtschaftsleistung weniger Schulden als Deutschland. Den neuen Fiskalpakt, mit dem die Bundesregierung künftige Krisen verhindern will, hätten die Spanier problemlos eingehalten. Der Absturz des finanzpolitischen Musterschülers ist deshalb für Berlin nicht nur eine finanzielle, sondern auch eine intellektuelle Herausforderung.

Die spanische Misere hat ihre Ursache nicht in staatlichen, sondern in privaten Schuldenexzessen. Mit der Einführung des Euro ging ein wahrer Geldregen über dem Land nieder. Die Europäische Zentralbank hielt die Zinsen niedrig, und jede Menge Kapital aus dem Ausland strömte nach Spanien – allein deutsche Banken hatten auf dem Höhepunkt des Booms fast 200 Milliarden Euro in dem Land verliehen – aktuell sind es noch 125 Milliarden. Die Spanier zapften die neuen Geldquellen fleißig an. Die Schuldenquote der privaten Haushalte stieg nach Berechnungen des Beratungsunternehmens McKinsey bis zum Jahr 2008 auf 85 Prozent der Wirtschaftsleistung. Das ist fast dreimal so viel wie vor dem Beitritt zur Währungsunion.

Fast jeder zweite Jugendliche ist heute ohne Arbeit

Mit dem billigen Geld wurden vor allem Immobilien finanziert. Die Hauspreise stiegen auf immer neue Höhen – und als die Blase platzte, konnten viele Spanier ihre Hypotheken nicht mehr bedienen. Die Ausfälle rissen tiefe Löcher in die Bilanzen von Banken und Sparkassen, die deshalb mit Krediten an die Unternehmen knausern. Und weil die überschuldeten Haushalte ihren Konsum einschränken müssen, lahmt die Konjunktur. Seit dem Ende des Immobilienbooms wurden rund drei Millionen Arbeitsplätze vernichtet. Die Erwerbslosenquote liegt aktuell bei 23 Prozent, fast jeder zweite Jugendliche ist ohne Arbeit.

Erst die Euphorie und dann der Absturz – Spanien ist ein Musterbeispiel für die vernichtende Wirkung von Spekulationsexzessen. Darunter leidet jetzt auch der Staat, denn die geringen Steuereinnahmen und die zusätzlichen Ausgaben für die Arbeitslosenunterstützung belasten den Etat.

Einen einfachen Ausweg aus der Krise gibt es nicht, auch weil dem Land eine wettbewerbsfähige Industrie fehlt, die den Platz der schrumpfenden Bauwirtschaft einnehmen könnte. Das viele Geld aus dem Ausland blähte nicht nur die Hauspreise, sondern auch die Gehälter auf. Wegen der hohen Lohnkosten tun sich die iberischen Unternehmen auf den Weltmärkten schwer, zumal die Entwicklung innovativer Produkte vernachlässigt wurde. »Spanien hat über seinen Möglichkeiten gelebt, und nun muss es abspecken«, sagt Carlos Díaz Güell, Professor an der Universidad Complutense in Madrid.

Leserkommentare
  1. @ Duckmichnichtweg (24.)

    Haben Sie schon mal was vom Grundgesetz gehört? Oder befinden Sie mit Frau Lötsch gerade auf den 1000 Wegen zum Kommunismus.

    Sie schlagen eine „globale Zerschlagung von Konzernen“ vor, wollen global die „großen Privatvermögen“ zerschlagen und dann die „wiederaufnahme einer wirklichen Sozialstruktur“.

    Mal eine direkte Frage, haben Sie noch „alle Tassen im Schrank“? Wollen Sie zur Durchsetzung Ihres globalen Systemwechsels einen „Weltkrieg“ anzetteln. Wie kann man denn nur einen derartigen Unsinn von sich geben. Vielleicht sind Sie aber auch nur auf den ersten Preis als Obertroll aus. Tut mir leid, aber das musste einmal sein!

    Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    [Haben Sie schon mal was vom Grundgesetz gehört? Sie schlagen eine „globale Zerschlagung von Konzernen“ vor, wollen global die „großen Privatvermögen“ zerschlagen und dann die „wiederaufnahme einer wirklichen Sozialstruktur“.]

    Wissen Sie, meine Aussage kann man auch im GG finden. Die Gründerväter des GG haben sich schon dabei etwas gedacht, als sie einige Passagen in das GG reingeschrieben haben.

    Zum anderen wozu gibt es wohl das Kartellamt?

    Ein Konzern der die größte Marktmacht in einem Bereicht besitzt ist sicherlich nicht machtwirtschaftlich. Das können Sie bei Ordoliberalen gerne nachlesen. Es macht nämlich keinen Unterschied, ob der Staat oder ein Konzern die alleinige Macht hat.

    [Wollen Sie zur Durchsetzung Ihres globalen Systemwechsels einen „Weltkrieg“ anzetteln.]

    Darauf beläuft sich vieles zur Zeit. Die ganzen Hassprädiger wachsen wie Pilze aus dem Boden. Sogar innerhalb der EU wird mehr gespalten als versöhnt. Was wohl passiert, wenn die Lage noch schlimmer wird?

    [Wie kann man denn nur einen derartigen Unsinn von sich geben. ]

    Ich weiß ja nicht von welchem Unsinn Sie hier schreiben, aber für eine wirkliche Diskussion kann IHR Kommentar wirklich nicht dienen, denn dieser beinhaltet nichts weiter als inhaltsleere Aussagen.

    Und lassen Sie das Wort "Kommunismus" lieber sein. Sie machen sich mehr lächerlich, wenn Sie für Konzerne ausprechen, aber gegen "Kommunismus" sind. Das ist nämlich das gleiche und hat mit einer Marktwirtschaft nichts zu tun.

    [Haben Sie schon mal was vom Grundgesetz gehört? Sie schlagen eine „globale Zerschlagung von Konzernen“ vor, wollen global die „großen Privatvermögen“ zerschlagen und dann die „wiederaufnahme einer wirklichen Sozialstruktur“.]

    Wissen Sie, meine Aussage kann man auch im GG finden. Die Gründerväter des GG haben sich schon dabei etwas gedacht, als sie einige Passagen in das GG reingeschrieben haben.

    Zum anderen wozu gibt es wohl das Kartellamt?

    Ein Konzern der die größte Marktmacht in einem Bereicht besitzt ist sicherlich nicht machtwirtschaftlich. Das können Sie bei Ordoliberalen gerne nachlesen. Es macht nämlich keinen Unterschied, ob der Staat oder ein Konzern die alleinige Macht hat.

    [Wollen Sie zur Durchsetzung Ihres globalen Systemwechsels einen „Weltkrieg“ anzetteln.]

    Darauf beläuft sich vieles zur Zeit. Die ganzen Hassprädiger wachsen wie Pilze aus dem Boden. Sogar innerhalb der EU wird mehr gespalten als versöhnt. Was wohl passiert, wenn die Lage noch schlimmer wird?

    [Wie kann man denn nur einen derartigen Unsinn von sich geben. ]

    Ich weiß ja nicht von welchem Unsinn Sie hier schreiben, aber für eine wirkliche Diskussion kann IHR Kommentar wirklich nicht dienen, denn dieser beinhaltet nichts weiter als inhaltsleere Aussagen.

    Und lassen Sie das Wort "Kommunismus" lieber sein. Sie machen sich mehr lächerlich, wenn Sie für Konzerne ausprechen, aber gegen "Kommunismus" sind. Das ist nämlich das gleiche und hat mit einer Marktwirtschaft nichts zu tun.

    • CPUX
    • 07.04.2012 um 20:56 Uhr

    Woher will er das denn wissen?Es sind noch längst nicht alle Wackelkandidaten über den Berg!Wenn wirklich kein weiteres Geld benötigt würde,können wir sofort den ESM Vertrag in die Tonne hauen.Aber daran wird festgehalten,koste es was es wolle.Seine Aussage dient lediglich dazu über Ostern den Finanzmärkten etwas Ruhe zu signalisieren.Außerdem hat doch die EZB unlängst erst ca. 1000Mrd. Euro an die Banken verschleudert als Signal: Es ist genug Geld da,ihr braucht es
    nur ab zu holen!

    2 Leserempfehlungen
  2. Es gab mal Boomstaaten in der EU,Irland,Spanien,Portugal usw
    bloss wo stehen diese Staaten heute,alle mit billigen EU-Ge-
    ldern finanziert.Immer das gleiche System nun mit den osteu-
    ropäischen Staaten,zur Zeit mit Rumänien und Bulgarien,bei
    den anderen Staaten gibts kein billiges Geld mehr und sie
    müssen Umdenken!Der Euro und die EU bringt auch durch die
    Billiglöhne die Weststaaten in Bedrängnis,subventioniert von
    Brüssel!Dieses System ist zum Scheitern verurteilt und nur
    mit Deutschland wird der Bankrott hinaus gezögert und der
    Gelddruckerei der EZB!

    3 Leserempfehlungen
  3. ... wenn behauptet wird, dass die Finanztransaktionssteuer die Lösung der Probleme ist. Sie wäre lediglich ein Tropfen auf dem glühenden Stein, denn das Geld, was zirkuliert ist Schuldgeld. Aus der Besteuerung von Schulden kann kein Pott mit Guthaben entstehen, zumal die Finanztransaktionssteuer viel zu niedrig wäre angesichts der galaktischen Schulden, die wegen der Zinslast niemals zurückgezahlt werden können. Das ist eine der Wahrheiten über das monetäre System, das wir praktizieren, über die nicht mehr hinweggesehen werden darf:
    Staatsschulden können nicht abgebaut werden. Da helfen auch neue noch so wenig verzinste Kredite nicht!

    Eine Leserempfehlung
    • Bus-x
    • 08.04.2012 um 0:16 Uhr

    Man sollte Banken und Investmentleute in die Haftung nehmen. s sind nicht die kleinen Leute die diese großen Träume bezahlen müssen. Diese Banker müssen auch bezahlen.

  4. @ 37:
    "One Zins fits all" für 17 Staaten ist gewiss absurd, und die EZB wird dies ohne weiteres zugeben, aber sie hat nun mal keine andere Wahl, denn Europas Ungleichgewicht großer und kleiner Staaten ist ja eingebaut. Auch die gemeinsame
    "Wirtschaftsregierung" kann daran nicht vorbei kommen.

    Das lässt sich einfach nicht mit den 12 genau gleich großen und Staatengrenzen überschreitenden Fed-Distrikten vergleichen, die am Jahresende ihre Bilanzen bzw. Salden gegeneinander ausgleichen.

    Antwort auf "Zustimmung"
  5. Die Autoren treffen den Punkt und schildern die Situation des spanischen Dramas (fast) ganz richtig. Nur zweierlei habe ich bei der Lektüre vermisst, nämlich ein Wort über die Ausweglosigkeit angesichts der Bestie der Spekulation (= die Gier der Märkte, die sind ja wir alle selber): solange massive Rendite aus dem heutigen Elend zu holen sind, können die Spanier zappeln, wie sie wollen - der Absturz bis zur Rettung ist unaufhaltsam. Schon wieder die sich selbst erfüllende Prophezeiung. Und nicht zuletzt : als im Artikel die Rede über den katastrophalen Zustand der spanischen Banken ist, wird unerwähnt gelassen, dass diese zahrzentelang verantwortungslos die Immobilienblase mit angefeuert haben. Spanien war ein Fest (eher eine Fata Morgana), und viele (alle?) haben mitgefeiert.

    • Puki
    • 08.04.2012 um 8:50 Uhr

    Die Entwicklung war doch mehr als Absehbar. Das alleinige Vorhandensein des Rettungsschirmes verhindert schon wirkliche Reformen und dazu das festhalten der Euro-Zone an den neoliberalen Sparparolen, wo doch die Empirie ziemlich eindeutig darauf hinweist das der Keynesianische Ansatz der Richtige wäre, mehr Staatskonsum allerdings mit dem Fokus dadrauf die jetzigen Ausgaben in wirtschaftlich besseren Zeiten auch wieder auszugleichen.
    Der europäische Ansatz "viel Ausgeben wenn wir es haben, sparen wenn es der Wirtschaft schlecht geht" hat sich als nicht wirksam bewiesen. Der Staatskonsum muss antizyklisch laufen, um die zyklischen Wirtschaftsreaktionen zukompensieren.

    Eine Leserempfehlung

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service