GlobalisierungDie tägliche Wasserschlacht

USA gegen China, Europa gegen USA: Die Welt verstrickt sich in Handelskriege. Bedrohen sie unseren Wohlstand? von  und

US-Präsident Barack Obama

US-Präsident Barack Obama  |  © Getty Images

Barack Obama lässt gerade in Washington eine neue Behörde einrichten. Trade Enforcement Center wird sie heißen, Büro zur Durchsetzung des Handels, und amerikanische Firmen bei Geschäften in aller Welt unterstützen. Wenn Geschäftspartner gegen amerikanische Interessen verstoßen, sollen die Beamten Alarm schlagen, und der Präsident organisiert schnell die Gegenwehr. Gerade jetzt seien die US-Exporteure allerlei "unfairen Praktiken" ausgesetzt, sagt Obama.

Tatsächlich gab es schon lange nicht mehr so viel Streit zwischen den Handelsnationen. Erst am Wochenende protestierte der amerikanische Handelsbeauftragte Ron Kirk bei der Welthandelsorganisation (WTO) in Genf : Die Europäische Union subventioniere trotz mehrfacher Beschwerden und Urteile immer noch ihren Flugzeugbauer Airbus . Ein Untersuchungsausschuss in Washington soll schon mal über mögliche Sanktionen nachdenken .

Anzeige

Zuvor, Mitte März, zogen die USA , die EU und Japan gemeinsam vor die WTO und verklagten China , weil das Land die Ausfuhr wichtiger Spezialrohstoffe (Seltene Erden) beschränke. Dagegen verkauften die Chinesen der Welt zu Dumpingpreisen viel zu viele Solaranlagen, meinten die Amerikaner zudem – und verhängten Strafzölle auf die Kollektoren made in China .

Bei Politikern und Handelsstrategen aus aller Welt hat ein Gesinnungswandel eingesetzt. Man flirtet wieder mit dem Protektionismus. Mal beschwert man sich über zu viel Export und mal über zu wenig, mal über unfaire Subventionen und ein andermal über wettbewerbsverzerrende Steuern. Die Begründungen sind verschieden, der Trend ist aber eindeutig: Die Welt streitet über den Handel, und die Stimmung wird gereizter.

Vor ein paar Wochen warnten die Chefs der großen europäischen Luftfahrtunternehmen Airbus, Lufthansa , MTU Aero Engines und Air Berlin bereits vor einem Zeitalter "größerer Handelsauseinandersetzungen". Handelskriege brächen aus, und sie selbst säßen zwischen den Fronten: Seit die EU sich in den Kopf gesetzt hat, ausländische Fluggesellschaften zu Klimaschutzabgaben zu zwingen , haben China , Russland und 24 weitere Staaten Vergeltung angedroht. Peking soll schon über die Stornierung eines Großauftrages für A380-Flugzeuge nachdenken, Moskau den Entzug von Überflug-, Start- und Landelizenzen für europäische Airlines erwägen.

Immer, wenn in irgendeinem wichtigen Land der Wahlkampf tobt, geht es neuerdings auch gleich gegen den Handel. In Frankreich hat Nicolas Sarkozy ein Acheter Européen-Programm gefordert, und in den USA erklärte Barack Obama beim Besuch einer Autofabrik: "Ich mag kein Zeug, das dort (in China ) produziert und dann hier verkauft wird. Die Sachen sollen hier produziert und dort verkauft werden." Zusammengenommen, urteilt Rolf Langhammer vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel, sei das "schon ein recht scharfer Giftcocktail".

Handelsexperten der in England und der Schweiz operierenden Denkfabrik Global Trade Alert haben festgestellt: 2012 gab es dreimal mehr Maßnahmen zum Schutz von Märkten als zu ihrer Liberalisierung. Spitzenreiter beim Erlassen neuer Handelsschranken sind ausgerechnet die erstarkenden Schwellenländer . Argentinien liegt vorn mit 192 neuen Regeln zur Importbegrenzung, Russland folgt mit 172 knapp dahinter, China und Brasilien sind kaum zaghafter.

Leserkommentare
  1. Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Polemik. Danke, die Redaktion/ls

  2. .erinnern, wie die herrschende Klasse davon schwadronierte das man nie und nimmer in einen Projektionismus verfallen wird. Nun ein paar Monate später ist der Handelskrieg schon Alltag. Wirtschaftskriege sind die Vorboten von militärischen Kriegen.....Die Gesetzmäßigkeiten wirken eben ob man will oder nicht.....

    3 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    endet das ganze nahe moskau
    wie immer...

  3. "Vor einem Jahrzehnt wäre solches Verhalten allgemein geächtet worden. Damals war sich die Welt nahezu einig, dass ein möglichst freiheitlich organisierter Welthandel allen nutzt."

    Mit keinem Geldsystem der Welt, wird sich ein Importstaat, von seinen Staatsschulden befreien können!

    Wenn das endlich mal Eingesehen würde, wird auch Verstehen können, das nur Internationale Arbeitsteilung (Ausgleichender Handel untereinander) die Lösung sein kann!

    China kann mit seinen Dollar Exportüberschüssen auf der ganzen Welt Einkaufen! Mit Türkischen Lira nur in der Türkei, oder er findet dafür einen anderen Einkäufer für Türkische Produkte, der in einer anderen Währung Tauscht!

    Wenn das Geld von Arm nach Reich (über Gewinne und Zins nur für die Anwesenheit von Geld) Importiert wird, nimmt die Kaufkraft der Armen immer weiter ab!

    Auch da muss es zu einem Ausgleich kommen!

    Alles schon Beschrieben:

    Die Staaten schaffen Geld ohne Zinsbelastung, und schleusen es als Bürgergeld und Zuschuss für die Sozialversicherungsysteme, in den Geldkreislauf. Wenn die Reichen vererben müssen, wird das Geld wieder aus dem Kreislauf genommen. Das war jetzt stark vereinfacht, sollte aber jeder Verstehen können!

    Ausgeglichener Welthandel, und von den Staaten organisierte Umverteilung, von Reich nach Arm = ewiger Kreislauf!

    Die Reichen können trotzdem Reicher werden, da das Geld von den Armen immer nach Reich fließt!

    Eine Leserempfehlung
  4. "Wenn Geschäftspartner gegen amerikanische Interessen verstoßen, sollen die Beamten Alarm schlagen, und der Präsident organisiert schnell die Gegenwehr. Gerade jetzt seien die US-Exporteure allerlei »unfairen Praktiken« ausgesetzt, sagt Obama."

    Was bitte schön exportieren denn die USA außer Waffen schon großartig? Und da läuft das Geschäft doch ziemlich gut.
    Und Konsumgüter lassen die USA fast nur noch in China fertigen. Inzwischen sind die Amerikaner doch nicht mal mehr in der Lage, einen Kühlschrank zu bauen.
    ...geschweige denn funktionierende Wahlautomaten...

    6 Leserempfehlungen
  5. ... ist, dass das Problem mit den EU-Subventionen allen bekannt ist und immer wieder in den Medien erwähnt wird. Dann aber irgendwie keine richtige Reaktion darauf folgt. Zumindest habe ich nichts davon mitbekommen.

    Vielleicht braucht man auch hier ein Gedicht à la "Was gesagt werden muss". Das seine Wirkung vielleicht nicht aus dem Grund hat, weil es etwas ausspricht, das ohnehin schon ausgesprochen ist. Sondern weil es mit Nachdruck kritisiert, weil es Apellcharakter hat und mit seiner Deutlichkeit die Politiker aus dem Tiefschlaf rüttelt.

  6. Die USA erleben zur Zeit wie die von ihnen begonnen Praktiken auf sie zurueckfallen, weil China und die vereinigte EU inzwischen so selbstbewusst geworden sind, dass sie einer immer schwaecher werdendenen USA die Stirn bieten. Wenn die USA ihren Fluggesellschaften gesetzlich verbieten, in Europa Gebuehren zu bezahlen dann finde ich es nur gerecht, wenn die EU dem nicht gleich nachgibt.

    Mag sich jemand erinnern wie die USA europaeische Fluggesellschaften und Banken zur Herausgabe von Informationen zu ihren Kunden und zur Zahlung zusaetzlicher Gebuehren gezwungen hat? Da wurde auch mit harten Bandagen gekaempft, nur dass die USA jetzt ploetzlich ihre eigenen Methoden zu schmecken bekommen.

    2 Leserempfehlungen
  7. Seit den 1970ern ist es das Ziel immer neuer Welthandelsrungen gewesen, den weltweiten Dumpingwettlauf zu befördern (GATT, WHO), damit die Waren und Dienstleistungen immer billiger werden - auf Kosten der arbeitenden Menschen und der Umwelt.
    Kaum geraten die eigenen Industrien so unter Druck, dass man nicht einfach die Mitarbeiter dumpen kann (Lohnsenkung, Leiharbiet,...), wir der gute, alte Protektionismus wiederentdecket...

    2 Leserempfehlungen
  8. endet das ganze nahe moskau
    wie immer...

    2 Leserempfehlungen

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Schlagworte Barack Obama | Airbus | Europäische Union | WTO | China | Eurasische Union
Service