SachbuchProvokationsprofi

Henryk Broder fordert nun "Vergesst Auschwitz!" von Alexander Cammann

Achtung, aufgehorcht, Ihr korrekt Unkorrekten: Ist der Publizist und Blogger Henryk M. Broder etwa ein übler Holocaust-Verharmloser? »Auch der Führer hat nur dazu aufgerufen, die Welt von den Juden zu befreien. Von Vernichtung war keine Rede. So wie Ahmadinedschad sich heute eine ›World without Zionism‹ wünscht«, heißt es bei Broder , der selbst im Wunsch, den iranischen Präsidenten korrekt aus dem Persischen zu übersetzen, »eine PR-Aktion zugunsten der nächsten Endlösung« diagnostiziert.

Broders neues Buch heißt Vergesst Auschwitz!, aber das mit dem Vergessen klappt eben nicht. Zu Broders Rhetorik gehört die Logik, in der er etwa bekennt: »Mich interessieren die toten Juden nicht«, nachdem er fünfzehn Seiten zuvor an die »Eltern meiner Eltern« erinnert hat, »die in Rauch aufgegangen sind«. Die Professionalität des Provokateurs zwingt ihn, Widersprüchlichkeiten zu ignorieren, sonst wäre seine erfolgreiche Dauerbrennerrolle als Krawallschachtel vom Dienst rasch ausgespielt. Im neuen Buch finden Fans reichlich Sätze, die man außer in den Blogs nirgendwo vernimmt – wo Broder draufsteht, ist auch Broder drin, ein nunmehr seit Jahrzehnten erprobtes, höchst verlässliches Markenprodukt made in Germany.

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Vergesst Auschwitz! ist schillernd bis irrlichternd, mal schal und ermüdend, mal ganz witzig – und mit einigen scharfen Beobachtungen aus den Skandälchen der letzten Jahre. Broder seziert die Vorgänge um den skurrilen Protestler Walter Hermann, der mit seiner »Kölner Klagemauer« täglich Israels Politik gegenüber Palästinensern attackiert; er stellt seine Sicht der Dinge auf den Fall des geschassten RBB-Moderators Ken Jebsen dar, inklusive der ekelhaften Mails, die Broder nach seiner Aktion gegen Jebsen bekam.

Zweifellos legt er dabei Finger in Wunden: Allein die vielen Demo-Fotos mit antiisraelischen Transparenten (»Stoppt Holocaust in Gaza «), die er abbildet, offenbaren genug finsteren Wahn, ebenso die in der Linkspartei grassierenden antizionistischen Ressentiments. Bizarr wird es, wenn er dem Berliner Zentrum für Antisemitismusforschung Relativierung des Holocaust vorwirft, weil die Forscher Vorurteilsstrukturen von Islamophobie und Antisemitismus vergleichen. Auf jeder Seite wird deutlich, dass er die Buchüberschrift keineswegs ernst nimmt, auch wenn er lautstark Auschwitz , diesen »Rummelplatz des Schreckens«, von dessen Besuch er abrät, »dem Erdboden gleichmachen« möchte, um das gesparte Geld lieber an die letzten Opfer zu geben. Ja und dann?

Bedenkenswerten Beobachtungen wie denen, dass sich die Deutschen weder um Tibeter noch Nordkoreaner so viel Sorgen machten wie um die Palästinenser, folgt noch immer die rhetorische Eskalation. Das »obsessive Interesse an der Israel-Frage« bei den Deutschen sowie deren Solidarität mit Arabern und Palästinensern speise sich vor allem aus einer Quelle: »dem Wunsch, irgendjemand möge den Job zu Ende bringen, den die Nazis nicht vollendet haben, um die Deutschen von ihrem exklusiven Kainsmal zu befreien«. Als Provokation möchte er dies ausdrücklich nicht verstanden wissen: »Ja, ich meine es nicht nur so, ich bin davon überzeugt.« Gegen solche Überzeugung lässt sich nicht viel sagen. Siehe oben: Argumentationslogik braucht er nicht. Und wir erholsamerweise bei ihm meist ebenso wenig.

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Leserkommentare
  1. 4. Broder

    Er ist ein Lobbyist eigener Interessen und Mitglied der Achse des Guten. Er hetzt gegen Muslime und wirft ihnen kollektiv alles mögliche an den Kopf und verehrt jene, die es ihm gleich tun. Er ist nicht authentisch und objektiv schon gar nicht. Was er anderen vorwirft, bspw. den Muslimen, ständig beledigt zu sein, trifft mehr auf ihn zu als auf alle anderen.

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  2. seit seinem legendären Auftritt im US-Look, um beim deutschen Fernsehpublikum für den Angriff der USA auf den Irak die Werbetrommel zu rühren, ein Kriegshetzer.
    Sein Brot verdient er damit, den Deutschen die jüngere Geschichte vor die Nase zu halten. Für ihn hat sich der Holocaust auf jeden Fall gelohnt (um es mit Broders spitzer Feder zu umschreiben).

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  3. Der Mann ist inzwischen so dermaßen durchschaubar, dass es unendlich langweilt. Provokateur? Haha. Manchmal erinnert er an den Pinguin von Uli Stein, der ein Schild mit der Aufschrift "Dagegen!" hochhält.

    Herr Broder, verschonen Sie uns einfach, es schläfert ein.

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  4. Die Debatte um Günter Grass' seltsames Israel-Gedicht zeigt mal wieder, dass nicht genehme Israel-Kritik von entsprechender Seite gerne und pauschal mit Antisemitismus-Vorwürfen gekontert wird.

    Vollkommen unabhängig von der lyrischen Qualität oder dem Inhalt von Grass' sonderbarem Produkt, ist es doch verwunderlich, dass nirgendwo die argumentative Qualität der israelischen Reaktion analysiert wird. Es gehöre "zur europäischen Tradition, die Juden vor dem Pessach-Fest des Ritualmords anzuklagen", schreibt der israelische Botschafter. Ein Vorwurf, der m.E. in seiner Schwachsinnigkeit und Perfidität nur sehr schwer zu überbieten ist.

    Solange dies der Fall ist, solange die Diskussionskultur also derart extrem asymetrisch ist, habe ich persönlich gar keine Lust, mich in irgendeiner Weise mit Israel oder den Juden zu befassen. Nicht etwa, weil ich irgendetwas gegen Juden oder Israel hätte, sondern einfach, weil jede unbedarfte Diskussion von vornherein erstickt wird und eine "Diskussion", in der nur erwünschte Fragen erlaubt sind, sinnlos ist.

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    und machen deren Bemühungen um das Ersticken jeder Diskussion erst erfolgreich.

    In Israel gibt es deutlich andere Positionen, die zudem unter der aktuellen rechtsgerichteten Regierung unter Beschuß stehen. Z.B. Naomi Chazan - auf der Konferenz 'Fremde Freunde' der HB-Stiftung zur Frage, wie Kritik an israelischer Politik geübt und die friedensorientierten Kräfte gestärkt werden können 'Love us, embrace us and critisize us!'

    Herr Broder trägt dazu bei, daß Israel in Deutschland monolithisch wahrgenommen wird. Als Nation, die aus dem Trauma der Shoah heraus für immer Opfer bleibt, unabhängig davon, wie gewalttätig sich das manifestiert. Nicht nur, daß die Zuweisung eines Opferstatus eine Beleidigung der Israelis ist, dieser Blick auf Israel führt auch zu Nachsicht mit der Kriegstrommelei gegen Iran, der Besatzung der 'Autonomiegebiete', der Siedlungspolitik.

    Diese Sicht verstellt den Blick auf die undemokratischen Entwicklungen in Israel, wie z.B. das Verbot zum Boykottaufruf von Produkten aus Siedlungen oder die Gesetzesvorlage, nach der israelische Menschenrechts-NGOs nicht mehr aus dem Ausland finanziert werden dürfen. Sie ignoriert, daß im vergangenen Sommer 450.000 Menschen, jeder 7. Israeli, gegen soziale Ungerechtigkeit und Verfall der Demokratie auf der Straße war.

    Broder ist für mich spätestens seit dem Zeitpunkt nicht mehr Teil des demokratischen Diskurs, als er seine von Breivik verwendeten Texte sofort nach den Attentaten in Norwegen erneut veröffentlichte.

  5. Folgenden Satz schrieb Herr Broder in seinem Buch "Der ewige Antisemit":
    "Der Unterschied zwischen einem Antisemiten und einem Nicht-Antisemiten liegt darin, dass es beim Nicht-Antisemiten länger dauert, bis er sich als Antisemit zu erkennen gibt."

    Mehr brauche und will ich zu dieser Person nicht sagen.

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  6. Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Beleidigungen. Danke, die Redaktion/ls

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  7. und machen deren Bemühungen um das Ersticken jeder Diskussion erst erfolgreich.

    In Israel gibt es deutlich andere Positionen, die zudem unter der aktuellen rechtsgerichteten Regierung unter Beschuß stehen. Z.B. Naomi Chazan - auf der Konferenz 'Fremde Freunde' der HB-Stiftung zur Frage, wie Kritik an israelischer Politik geübt und die friedensorientierten Kräfte gestärkt werden können 'Love us, embrace us and critisize us!'

    Herr Broder trägt dazu bei, daß Israel in Deutschland monolithisch wahrgenommen wird. Als Nation, die aus dem Trauma der Shoah heraus für immer Opfer bleibt, unabhängig davon, wie gewalttätig sich das manifestiert. Nicht nur, daß die Zuweisung eines Opferstatus eine Beleidigung der Israelis ist, dieser Blick auf Israel führt auch zu Nachsicht mit der Kriegstrommelei gegen Iran, der Besatzung der 'Autonomiegebiete', der Siedlungspolitik.

    Diese Sicht verstellt den Blick auf die undemokratischen Entwicklungen in Israel, wie z.B. das Verbot zum Boykottaufruf von Produkten aus Siedlungen oder die Gesetzesvorlage, nach der israelische Menschenrechts-NGOs nicht mehr aus dem Ausland finanziert werden dürfen. Sie ignoriert, daß im vergangenen Sommer 450.000 Menschen, jeder 7. Israeli, gegen soziale Ungerechtigkeit und Verfall der Demokratie auf der Straße war.

    Broder ist für mich spätestens seit dem Zeitpunkt nicht mehr Teil des demokratischen Diskurs, als er seine von Breivik verwendeten Texte sofort nach den Attentaten in Norwegen erneut veröffentlichte.

    8 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Antisemitismus"
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    • u.t.
    • 06. April 2012 11:08 Uhr

    "Herr Broder trägt dazu bei, daß Israel in Deutschland monolithisch wahrgenommen wird."

    Na, das ist aber immer auch Verantwortung der Zuhörer, des deutschen Publikums, finden Sie nicht?
    Wer so dumm ist, Broder als repräsentativ zu sehen, dem kann auch nicht geholfen werden. Noch schlimmer, wenn man nicht zu dumm ist, sondern sich den Broder gerne und bewusst als Greuelgestalt für eine bestimmte Gruppe vornanstellt.

    Ansonsten stimme ich Ihnen zu, dass es sehr traurig ist, dass die soziale Protestbewegung in Israel von dieser unglückseligen Regierung Netanyahu übertönt wurde, mit neuer Kriegs- und Bedrohungsangst.
    Denn diese Bewegung thematisiert das, was Israel dringend tun müsste, anstatt dauernd fanatische Siedler in der Westbank zu protegieren.

    Da gebe ich Ihnen Recht, so kann man es bestimmt sehen.

    Wahrscheinlich muss einem der Vorwurf des Antisemitismus einfach egal sein.

    Ehrlich gesagt kotzt es mich an, dass die schon nahezu penetrant selbstgerechte Reaktion von israelischer Seite keinerlei kritischer Prüfung von den deutschen Medien unterzogen wird.

  8. In Wahrheit kennt Broder nur ein Thema: Die Verteidigung der israelischen Siedlungspolitik - um jeden Preis.

    Broder schreckt dabei tatsächlich vor keiner Provokation zurück, sein beliebtestes Mittel, der Vorwurf des Antisemitismus. Er rückt systematisch jeden Kritiker in diese Ecke und liefert dazu die absurdesten Begründungen: Gerade die Linken in Deutschland, die die Nazivergangenheit aufarbeiten wollen, seien die eigentlichen Antisemiten. Broder wünscht sich offenbar eine Öffentlichkeit, die vor lauter Schuldgefühl und der Angst, als antisemitisch zu gelten, den Mund nicht mehr aufmacht.

    Dabei wird die israelische Siedlungspolitik nicht nur in Deutschland kritisiert, auch in Schweden, dass Zehntausende Juden im 2.Weltkrieg gerettet hat, in Frankreich (besonders von Juden), sogar von israelischen Juden. Natürlich findet Broder auch hierfür eine Erklärung: Diejenigen Juden, die Israel kritisieren, seien von einem unerklärlichen Selbsthass getrieben. Logisch.

    Wenn die politische Argumentation nicht mehr ausreicht, wird eben Tiefenpsychologie oder persönliche Verunglimpfung zur Hilfe gezogen.

    Wir sollten uns von Leuten wie Broder weder provozieren noch einschüchtern lassen und uns natürlich weiterhin zu Themen wie der israelischen Siedlungspolitik zu Wort melden (natürlich auch zu Nordkorea, China und dem Sudan).

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  • Schlagworte Henryk M. Broder | Sachbuch | Antisemitismus | Blog | Blogger | Die Linke
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