Öffentlicher Dienst: 6,3 Prozent mehr – Und jetzt?
Was der Lohnabschluss im öffentlichen Dienst bedeutet: für weitere Tarifkämpfe, für den Aufschwung und die Inflation.
© dpa

Verdi-Chef Frank Bsirske
Lohnabschlüsse in Deutschland haben eine neue Zielmarke. Sie heißt 6,3 Prozent. Warnstreik war auf Warnstreik gefolgt, Verhandlung auf Verhandlung. Dann verständigten sich die Tarifparteien im öffentlichen Dienst vergangene Woche darauf, die Löhne schrittweise anzuheben – um insgesamt 6,3 Prozent. Ver.di-Chef Frank Bsirske spricht von einem »beachtlichen« Erfolg, während einige Arbeitgeberfunktionäre schon vor Stellenabbau warnen. Das klingt nach einem Erfolg der Arbeitnehmer. Doch welche Folgen hat der Tarifkompromiss, über den die ver.di-Mitglieder noch abstimmen müssen, wirklich? Ziehen andere Branchen jetzt nach? Befördert das Ergebnis den Aufschwung, oder belastet es ihn? Droht jetzt noch mehr Inflation? Die fünf wichtigsten Fragen und Antworten zum Tarifabschluss im öffentlichen Dienst:
Sind 6,3 Prozent zu viel für den öffentlichen Dienst?
Schon kurz nach der Tarifeinigung warnten einzelne Vertreter von Kommunen, dieser Abschluss könne sie zwingen, Jobs zu streichen oder Aufgaben an private Firmen zu vergeben. Schließlich hätten die klammen Kommunen kaum Spielraum für Lohnerhöhungen. Allerdings fällt die jetzt anvisierte Gehaltssteigerung nicht ganz so drastisch aus, wie sie auf den ersten Blick scheint. Die 6,3 Prozent mehr Lohn sollen erst nach mehreren Stufen erreicht werden. Die erste Stufe: 3,5 Prozent mehr, rückwirkend ab 1. März. Auf das ganze Jahr bezogen bedeutet das für die Arbeitgeber nach eigener Rechnung, dass ihre Kosten um 2,95 Prozent steigen. Im nächsten Jahr beträgt die durchschnittliche Belastung dann nur noch 2,12 Prozent. Und was im Jahr darauf herauskommt, hängt von dem Lohnabschluss ab, der sich an den jetzt bis Februar 2014 geltenden Tarifvertrag anschließen wird.
Eine deutliche Ausgabensteigerung ist also vor allem in diesem Jahr zu erwarten. Zuletzt haben aber die Kommunen auch ihre Einnahmen deutlich erhöhen können. Die gute Konjunktur macht sich unter anderem bei der Gewerbesteuer bemerkbar.
In diesem Jahr erwarten die Spitzenverbände der Kommunen daher, dass sie erstmals seit der Finanzkrise 2008 wieder einen Überschuss erzielen, in Höhe von rund zwei Milliarden Euro. Dabei ist ein Anstieg der Personalausgaben um 2,9 Prozent bereits einkalkuliert. Der ganz große Schock dürfte der Tarifabschluss daher nicht sein. Dessen ungeachtet bleibt das Problem bestehen, dass Bund, Länder und Gemeinden einen riesigen Schuldenberg vor sich herschieben.
Signalisiert dieser Abschluss eine Wende – ist endlich Schluss mit Reallohnverlusten?
Seit Jahren heißt es: Die Arbeitnehmer profitieren nicht vom Aufschwung. Nach Abzug der Inflation würden ihre Löhne sogar sinken. Tatsächlich gab es Reallohnverluste, nicht in allen Branchen, aber vielerorts, und das vor allem in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrzehnts. Inzwischen hat aber eine Trendwende eingesetzt. Schon seit zwei Jahren steigen die Löhne der durchschnittlichen Vollzeitarbeitnehmer wieder schneller als die Inflation. Laut Statistischem Bundesamt legten die Reallöhne im vergangenen Jahr um 1,1 Prozent zu, nach 1,5 Prozent im Jahr davor. So gesehen findet der Wandel zu besserer Bezahlung also längst statt.
Dieser Trend dürfte sich in diesem Jahr nochmals deutlich beschleunigen. Nun werden gleich in mehreren großen Tarifbereichen deutliche Gehaltssteigerungen erwartet. Nach den Angestellten von Bund und Ländern (rund 2 Millionen Beschäftigte) sind die Metall- und Elektroindustrie (3,6 Millionen) sowie die Chemieindustrie (0,4 Millionen) am Zug.
Muss die IG Metall mit ihrer Lohnrunde jetzt ver.di übertreffen?
Natürlich schauen Arbeitnehmer darauf, wie stark die Gehälter in anderen Branchen steigen. Die Frage ist nur: Wer guckt auf wen? In den vergangenen Jahren mussten Kindergärtnerinnen, Müllwerker und Verwaltungsangestellte oft zusehen, wie die Bezahlung in der Wirtschaft deutlich stärker anzog als bei ihnen. »Dieser Tarifabschluss jetzt«, sagt Michael Bräuninger, Konjunkturexperte am Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut, »ist eher der Versuch nachzuziehen. Der öffentliche Dienst reagiert auf die Industrie, nicht umgekehrt.« Dass das wiederum zu nochmals höheren Lohnabschlüssen etwa bei den Metallern führen werde, hält der Ökonom für unwahrscheinlich. Zwar erwarten die meisten Experten auch dort ein deutliches Lohnplus, aber eben nicht als Reaktion auf die Schwestergewerkschaft ver.di, sondern eher als Reflex auf die außerordentlich guten Geschäftszahlen und Erwartungen in der Metallbranche selbst.




Und feststellen das von dem erstreikten Geld nichts
bleibt .
Oder Private Unternehmen diese Aufgaben übernehmen werden
Wie nach allen Tariferhöhungen findet eine
allgemeine Preiserhöhung statt die
Teuerste Leben in der EU weiter verteuert!
Das ist FALSCH. Es wurden die gehälter von Bund + Kommunen verhandelt. Die Länder (mit Ausnahme Hessen und Berlins) bilden eine eigene Tarifgemeinschaft udn entsprechend laufen die Tarife zwischen Bund+Kommungen und Ländern seit Jahren auseinander. Der TVL (Tarif Länder) gilt noch bis Ende 2012 und lag in den letzten JAhren immer unter den Zuwächsen des Bundes und der Kommunen.
Man sollet dies immer klar trennen, da dies den meisten Menschen nicht klar ist.
Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Pauschalisierungen. Danke, die Redaktion/se
die keinem Tarif angehören gucken in die Röhre... Applaus!
und jeden Monat !!!Gewerkschaftsbeiträge!!! zahlen.
Von nichts kütt nichts!
Nicht neidisch auf die anderen schielen, selber was tun!
und jeden Monat !!!Gewerkschaftsbeiträge!!! zahlen.
Von nichts kütt nichts!
Nicht neidisch auf die anderen schielen, selber was tun!
was mich ein wenig zum schmunzeln gebracht hatte war dieser satz
"Laut Statistischem Bundesamt legten die Reallöhne im vergangenen Jahr um 1,1 Prozent zu, nach 1,5 Prozent im Jahr davor"
das ist schön, da haben viele menschen 20 euro im monat mehr bekommen...da kann man schön einkaufen von gehen *ironie aus*
es wird immer diskutiert welche auswirkung steigende löhne auf die wirtschaft haben. aber wie wäre es mal mit einer diskusion und analyse was steigende gewinne der aktienbesitzer für unsere wirtschaft bedeuten. den diese werden ja nur zu einem bruchteil reinvestiert sondern landen zum großteil auf dem finanzmarkt und werden dem produzierenden gewerbe entzogen. damit auch dem wirtschaftskreislauf. diese gewinne hatten in den letzen 20 jahren keinen realen verlust hinnehmen müssen wie die löhne und gehälter sondern sind exorbitant gestiegen.
einen guten Artikel der das Problem von vielen Seiten beleuchtet und nicht bewertet. es ist ja bei der Zeit oft so, dass es keine Artikel mehr gibt und nur noch kommentiert wird. Also vielen Dank für diese gute Ausnahme. Nach so einem Artikel kann sich jeder seine eigenen Gedanken machen.
statt die unteren Löhne zu verbessern, was vor allem die Aufgabe einer Gewerkschaft wäre fahren jetzt alle ein Stück nach oben. Proportional haben diejenigen mit höheren Löhnen mehr davon. Verdi hat Mühe zu kaschieren, dass sie die Forderung auf mindestens 200 Euro mehr still und heimlich fallen gelassen hat.
Und wenn die Kommunen tatsächlich mehr verdienen, dann trotz und nicht wegen der Politik.
Habe eben mal im Gehaltsrechner des ÖD zwei Fallbeispiele durchgerechnet:
Fall 1 Beschäftigte/r E 15Ü (höchste Geh.stufe)
Fall 2 Beschäftigte/r E 3(geringste Stufe E 1)
LSt.Kl. IV - 1 Kind
E 15Ü E 3
2011 Brutto 5399.48 1854.35
Netto 2920.79 1274.01
2012 Brutto 5593.61 1919.25
Netto 3000.79 1309.-
D.h. E15Ü hat als "Super-Ödi" grad mal € 80.- mehr 2012 in der Tasche als letztes Jahr, der E3 hat leider nur € 35.- mehr in der Tasche.
Lt. Herrn Bsirske war die "soziale Komponente leider beim Tarifabschluss nicht abbildbar"!
Wenn ich es recht sehe, sind die ÖDis doch für 6,5% für dieses Jahr 2012 auf die Strasse gegangen und nicht für 3,5% in diesem Jahr und 2,8 % verteilt im nächsten Jahr !
Nur mal am Rande, wenn wir zuwenig Geld auf dem Konto haben, weil wir halt am 26. im Monat auch noch Geld brauchen für Kinder, Essen, Sprit etc. berechnet uns die Bank nicht nur den Inflationssatz von 3% auf den nächsten Kto.Auszug, sondern satte 14 oder 16 Prozent. Meinte Herr Bsirske vielleicht sowas ähnliches, was er leider beim Tarifvertrag nicht abbilden konnte? Was haben wir eigentlich für Vertreter - ich denke es wäre doch auch für diese Damen und Herren vorstellbar (abbildbar), dass man z.B. im Tarifstreit sich mal vom Prozentrechnen verabschiedet - jeder Beschäftigte erhält brutto z.B. fix € 130.- mehr, der E15Ü hat dann netto wie der E3 annähernd € 60.- netto mehr in der Tasche. Das nenne ich gerecht.
gerecht, weil der Superödi dann weniger mehr bekommen würde als der DodelÖdi, ganz einfach weil Steuern und Abgaben bei seinem höheren gehalt heftiger zuschlagen.
Gerechtigkeit orientiert sich also Ihrer Meinung nicht nach Leistung, nicht nach Wichtigkeit für das Unternehmen, nicht nach Fachwissen oder gar Expertenwissen, nicht nach Ersetzbarkeit oder Austauschbarkeit, sondern nach dem individuellen privaten Bedarf? Und wird der ermittelt? Als ÖD-Angestellter kennen Sie da sicher die Formel für eine objektive(!) Ermittlung des persönlichen Bedarfs. Könnte dann sein, dass ein kinderloser Amtschef weniger kriegt als die kinderreiche Putzfrau. Wäre aber gerecht?!
In anderen Ländern kennt man die Mehrdeutigkeit des Begriffs, z.B. Verteilungsgerechtigkeit, Leistungsgerechtigkeit, soziale Gerechtigkeit und anderes mehr. Gerechtigkeit ist also subjektiv und erschließt sich immer nur dem einzelnen Betrachter: Was einem als gerecht erscheint, ist für den anderen, der gerade nicht betroffen ist, äußerst ungerecht.
"Gerechtigkeit gibt es nur auf der Schauspielbühne" (Schiller), ist als Wissen verloren gegangen!
gerecht, weil der Superödi dann weniger mehr bekommen würde als der DodelÖdi, ganz einfach weil Steuern und Abgaben bei seinem höheren gehalt heftiger zuschlagen.
Gerechtigkeit orientiert sich also Ihrer Meinung nicht nach Leistung, nicht nach Wichtigkeit für das Unternehmen, nicht nach Fachwissen oder gar Expertenwissen, nicht nach Ersetzbarkeit oder Austauschbarkeit, sondern nach dem individuellen privaten Bedarf? Und wird der ermittelt? Als ÖD-Angestellter kennen Sie da sicher die Formel für eine objektive(!) Ermittlung des persönlichen Bedarfs. Könnte dann sein, dass ein kinderloser Amtschef weniger kriegt als die kinderreiche Putzfrau. Wäre aber gerecht?!
In anderen Ländern kennt man die Mehrdeutigkeit des Begriffs, z.B. Verteilungsgerechtigkeit, Leistungsgerechtigkeit, soziale Gerechtigkeit und anderes mehr. Gerechtigkeit ist also subjektiv und erschließt sich immer nur dem einzelnen Betrachter: Was einem als gerecht erscheint, ist für den anderen, der gerade nicht betroffen ist, äußerst ungerecht.
"Gerechtigkeit gibt es nur auf der Schauspielbühne" (Schiller), ist als Wissen verloren gegangen!
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren