Peter SjovallPerfekt chinesisch

Wie ein Schwede aus Malmö die Geschicke von Chinas größtem Bambusproduzenten lenkt – und um deutsche Aktienanleger wirbt.

Der chinesische Fahrer war zu schnell gefahren, der Hund hatte auf der sandigen Piste gestanden. Es war wohl der Wachhund eines Bauern. Es knallte, als der Hund die Stoßstange traf, es rumpelte kurz, als er unter den Wagen gezogen wurde. Ein Jaulen, dann lag das Tier, das weiße Fell in Blut getränkt, hinterm Auto im Staub. Irgendwo auf der Strecke zwischen der südchinesischen Stadt Fuzhou und den Wuyi-Bergen war das, zwischen Reisfeldern und winzigen Lehmhütten.

Kein guter Start in den Tag, an dem Peter Sjovall einer bunten Truppe aus chinesischen Mitarbeitern, deutschen Wirtschaftsprüfern und Journalisten die Plantagen von Asian Bamboo, Chinas größtem Bambusproduzenten, zeigen wollte. Während die Chinesen im Auto völlig ungerührt blieben, brach unter den Deutschen Tumult aus. Dem Tier helfen, den Hund vom Leid erlösen. Es flossen Tränen. Der Fahrer dachte gar nicht daran anzuhalten. Die Chinesen, irritiert vom deutschen Gebaren, wiederholten immer wieder, es sei doch nur ein Hund.

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Sjovall, Finanzchef von Asian Bamboo, machte aus der Not eine Lehrstunde in kulturellem Verständnis. Dem Fahrer erklärte er, dass er dem Hundebesitzer auf dem Rückweg eine Entschädigung zahlen müsse. Den Deutschen, die existenziellen Sorgen in der Provinz seien trotz Wirtschaftsboom immer noch groß, und ein Hund sei hier schlicht ein Sachwert. Und den Chinesen, dass Deutsche einen Hund als geliebtes Familienmitglied betrachteten. Alle waren erstaunt. Die Irritation verflog. Und plötzlich fand man sich gegenseitig wieder interessant.

Chinesische Studenten steckten ihn an mit ihrem Optimismus

20 Jahre lebt Sjovall nun schon in der Volksrepublik, pendelt zwischen Hongkong (Familie), Peking und Shanghai (Geschäftstermine) sowie Fuzhou (Büro). In dieser Zeit ist der Schwede zu einem geworden, den die Chinesen ein Ei nennen – außen weiß und innen gelb. Politisch korrekt ist das vielleicht nicht, aber es beschreibt ganz gut, wie er sich selbst oft fühlt: »Wenn ich mit Chinesen zusammen bin, mit ihnen diskutiere, denke ich nicht wie ein Schwede oder Europäer, dann bin ich ganz Chinese«, sagt er. Man glaubt ihm, denn Sjovall beherrscht Mandarin wie nur wenige Ausländer.

Bei einem Seminar in Bamberg hatte er erstmals chinesische Studenten kennengelernt. Diese versprühten Optimismus und die Lust, Neues zu entdecken. Er ließ sich anstecken von ihrer Aufbruchstimmung. »Ich war in meinem Leben noch nie weit gereist, aber plötzlich sicher: In China kann ich etwas erreichen, etwas erleben«, sagt Sjovall.

Sein Studium an der Stockholm School of Economics, einer renommierten Wirtschaftsuniversität, hatte er gerade abgeschlossen – und plötzlich keine Lust mehr, in seine beschauliche Heimatstadt Malmö zurückzukehren. Er wollte nicht mehr Banker werden, nur um es seinen Eltern – einem Buchhalter und einer Friseurin – recht zu machen. Er wollte nicht, wie seine Kommilitonen, über die schlechte Wirtschaftslage und die hohe Arbeitslosigkeit jammern. Er musste raus. Kurze Zeit später saß er im Flieger nach Hongkong.

Wenn der 43-jährige Vorzeigeskandinavier – groß, hellblond, blaue Augen – sich heute auf Chinesisch am Telefon meldet, wird er oft gefragt, aus welcher Provinz er stamme. Ein Jahr lang hat er dafür 14 Stunden täglich gebüffelt, an seiner Aussprache gefeilt, die komplizierten Schriftzeichen verinnerlicht. Das war 1993, ein Jahr nach seiner Ankunft in China.

Sjovall hatte sich vorgenommen, seine Karriere außerhalb eines internationalen Konzerns zu machen. Er suchte sich einen Job als Aushilfe in einer kleinen Unternehmensberatung. Ihn wurmte, dass Ausländer, die sich nicht fürs Land interessierten und ohne ihre einheimischen Assistenten hilflos waren, das dicke Geld machten.

Sjovall stieg vom Laufburschen zum Aktienhändler bei einer Investmentbank auf, wurde Berater bei der Kommunikationsagentur Brunswick Group und schließlich Finanzchef von Asian Bamboo. Was bewog ihn, den gut bezahlten Job bei Brunswick zu kündigen, um bei einer damals noch unbekannten Bambusklitsche einzusteigen?

Leserkommentare
  1. Für Europäer ist es nach wie vor schwer, sich ein Bild zu machen, was in China eigentlich abgeht. Da bleibt viel Raum für Vorurteile. Ja, die Chinesen sind agil, leistungsbereit, schnell, risikofreudig, und entsprechend wächst die Wirtschaft rasend schnell. Aber es gibt das andere, Korruption, Gewalt gegen einfache Menschen, Vetternwirtschaft... 54000 Quadratkilometer, das ist das Land von mindestens 70.000 Bauernfamilien. Ob die wirklich alle gerne ihr Land verpachten? Zu fairem Preis? Morgen lesen wir vielleicht "größter Fall von land grabbing". Vielleicht auch nicht. Ist das Glas halb voll oder halb leer? Viel Raum für Vorurteile, je nach Blickwinkel.

  2. Sorry, Hektar, nicht Quadratkilometer, aber dennoch:
    54.511 Hektar sind über 800.000 mu, das landwirtschaftliche Flächenmaß der Chinesen. Eine Familie hat häufig nicht mehr als 10 mu, 0,6 Hektar. Und der Bambus soll vermutlich großflächig wachsen, und nicht verstreut auf Mini-Parzellen. Riesige Plantagen? Ökologische Effekte? Die Rechnung hat viele Unbekannte, solange der Schwede nur die wirtschaftliche Dynamik bewundert und den Aktienkurs im Auge hat. Aber auch für Kritik müsste man viel mehr Details kennen.

  3. Die Plantagen sind nicht künstlich angelegt, sondern natürlich gewachsen. In der Gegend in Südchina in den Wuyi-Bergen wächst der Moso-Bambus, den Asian Bamboo erntet in gigantischen Bambuswäldern, in Größenordnungen, die wir uns hier nur schwer vorstellen können. Der Bambus wächst nach, wenn er abgeschlagen wird, eigentlich wie Gras in Riesenform. Dazu wird er nicht gedüngt oder mit Pestiziden bespritzt. Es ist also ein natürliches Produkt. Und keinem Menschen wird in diesem Fall dadurch Lebensraum weggenommen. Die Bauern verfügen pro Kopf über etwa 2ha Land, sie schließen sich in Bauernkooperativen zusammen und verpachten ihr Land gemeinsam.
    Erkundigen Sie sich doch am Besten über Asian Bamboo, deren Geschäftsmodell und Projekte, bevor Sie Gerüchte wie "Landraub" streuen und in den Raum werfen, dass die Bauern dort ihr Land nicht freiwillig verpachten und der Preis der gezahlt wird, nicht fair ist. Land in China gehört generell dem Staat. Auch die Bauern pachten ihr Land und verpachten es dann weiter. Zu den Pachtverträgen gibt es hier einige kurze Infos: http://www.asian-bamboo.c... Falls Sie dem Unternehmen selbst nicht trauen, können Sie sicher weitere Informationen von (deutschen) Analysten, Wirtschaftsprüfern oder der Deutschen Börse erhalten, wo das Unternehmen im Prime Standard gelistet ist. Ist etwas aufwendiger, aber besser, als einfach die gängigen Vorurteile zum Besten zu geben.

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