GlaubeDarf man sich seinen Glauben selbst basteln?

Immer mehr Menschen praktizieren Religion als Patchwork. Ihre Kritiker warnen vor postmoderner Beliebigkeit.

Pro: Maximilian Probst plädiert für den freien Gebrauch der Religion: Ihr Sinn ist, dass sie Menschen verbindet

Religionen fallen nicht vom Himmel. Religionen sind Menschenwerk, und wer an eine der großen Weltreligionen glaubt, der glaubt an eine Handvoll Menschen, die sich aus dem, was sie zu ihrer Zeit vorfanden, eine neue, zuerst einmal: ihre eigene Religion zusammengebastelt haben. Jene wahre Religiosität, wie sie uns die Stifter lehren, zeichnet sich darum durch eine gewisse Gelassenheit, Lässigkeit oder auch Nachlässigkeit im Umgang mit den Regeln aus. Genau darin hat ihr Aufbruch bestanden. Problematisch werden Religionen hingegen dann, wenn die Bastelei an ihrem Grund verschleiert wird, als seien sie aus einem Guss: unantastbar, der Zeit enthoben.

Eine solche dem freien Gebrauch entzogene, von der Macht beschlagnahmte Religion erstarrt im Innern. Das führt im besten Fall zu ihrer Musealisierung, im schlimmsten zu jener Kompensation durch Aggression, deren Blutspur sich durch die Geschichte zieht. Wollen wir diese ideologische Verhärtung der Religion konterkarieren, müssen wir sie als eine Art potenzierter Literatur betrachten, als Fiktion, die wir durchschauen und der wir dennoch Glauben schenken.

Anzeige

Religiöse Bastelei geschieht genau in diesem Geiste. Sie ist aber Gott sei Dank kein abstraktes Programm, sondern meist eine schlichte Lebensnotwendigkeit. In unserer globalisierten Welt teilen viele eine Erfahrung, die auch ich gemacht habe: Liiert mit einer Japanerin, umtobt von zwei halb japanischen Kindern, empfinde ich religiöse Reinheitsgebote als Gift.

Angenommen, meine Kinder interessierten sich für Religion. Sollten sie sich dann entscheiden müssen zwischen Christentum und Buddhismus? Sollten sie sich der Logik des Entweder-oder unterwerfen, die alles sauber sortieren zu müssen glaubt: in Freund oder Feind, drinnen oder draußen, fremd oder heimisch?

Absurd erscheint mir das auch, weil es in Japan längst tradiert ist, morgens Shintoist, mittags Buddhist und abends Christ zu sein. Und mehr noch, weil ich den Sinn von Religion nur darin erkennen kann, dass sie Menschen verbindet, nicht voneinander trennt. Deshalb verfängt auch der Einwand nicht, selbst gebastelte Religionen drehten sich stumpf ums eigene Selbst. Das mag es geben, weil sich alles, was gut ist, missbrauchen lässt. Ernsthaft aber ist Religion nur als spirituelles und moralisches Leben zu haben: weil die Idee eines ganz anderen, höchsten Prinzips zugleich den Weg zu den anderen, zu den Nächsten und Fernsten, bahnt und bestimmt.

Nicht also zur privaten Problemlösung bastelt man sich sein religiöses Ding. Man tut es, um einen eigenen Zugang zur Idee der Liebe und des Friedens auf Erden, ja zum Universellen zu finden. Einer, der von diesem Paradox wusste, war Kafka. In seiner Parabel Vor dem Gesetz wird einem ängstlichen, autoritätsgläubigen Mann lebenslang der Eingang zum Heiligtum des Allgemeinsten verwehrt. Als er im Sterben liegt, schreit ihn der Torhüter an: »Dieser Einlass war nur für dich bestimmt. Ich gehe jetzt und schließe ihn.« So weit sollten wir es nicht kommen lassen.

Leser-Kommentare
    • _bla_
    • 09.04.2012 um 8:42 Uhr

    "Natürlich darf jeder glauben was er will. Das ist ein Gebot der Toleranz und es steht ja so auch im Grundgesetz."

    Ihnen muss doch eigentlich klar sein, das "darf" sich hier nicht auf eine juristische Zulässigkeit bezieht? Ähnlich wie die Frage, ob man Fleisch essen darf. Juristisch ist die Sache klar, und diese juristische Lage will auch praktisch niemand ändern, dennoch gibt es viele gute Gründe, die den einzelnen Menschen davon überzeugen können, dass man Fleisch nicht essen darf.

    "Was überhaupt nicht geht ist Mission und Bekehrung - ich jedenfalls verbitte mir eine derartige Belästigung."

    Juristisch ist Mission und Bekehrung aber selbstverständlich auch erlaubt.

    3 Leser-Empfehlungen
    Antwort auf "Natürlich..."
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ...ist hier der wichtigere. Die Eingangsfrage 'Darf man sich seinen Glauben selbst basteln' ist insofern absurd.

    Auch mit Ihrer zweiten Anmerkung haben Sie leider recht. Mission ist juristisch erlaubt - ungeachtet dessen, daß es sich im weniger schlimmen Fall um ärgerliche Belästigung und im schlimmsten Fall um die Zerstörung kultureller Identitäten handeln kann.

    ...ist hier der wichtigere. Die Eingangsfrage 'Darf man sich seinen Glauben selbst basteln' ist insofern absurd.

    Auch mit Ihrer zweiten Anmerkung haben Sie leider recht. Mission ist juristisch erlaubt - ungeachtet dessen, daß es sich im weniger schlimmen Fall um ärgerliche Belästigung und im schlimmsten Fall um die Zerstörung kultureller Identitäten handeln kann.

  1. ...und kopiere "Heaven Is Hell" von ACCEPT:

    We swear it on the bible
    If wanted on the Koran
    It's always good for trouble
    To have a holy ghost

    We have made the decision
    There is forgiveness, if you need
    But this is not in this world
    You have to wait and wait

    There is no - no other way
    You can't just believe what you want
    No other way - no no
    You can read it in the book, what's good or bad

    Heaven is there where hell is
    And hell is down on earth, oh yes it is

    You shouldn't kill your brother
    Except if he doesn't know what's right
    If he can't love your heaven
    Ah, it's a mercy for him to die

    And that it's so much better
    Than to live without redemption
    This is easy to do so
    And you can read how it works

    All you need - is the holy ghost
    Oh, he will comfort you
    No other way - no no
    That's how they're cheating you
    And make believe what's good or bad

    Heaven is there where hell is
    And hell is down on earth

    I'm sure we all know them: Those perverts, they're everywhere. Mmh, we're talking straight about facts: You know deep inside what's right or wrong. The world stinks, and the paradise is a sewer. They sell shit for gold
    and you have to take what you've got.

    Heaven is never in heaven - and hell is down on earth
    Heaven is there where hell is - and hell is down on earth

    Oh, don't you think that heaven is there where hell is
    And hell is down on earth
    Heaven is there where hell is
    Then heaven is down on earth, hahaha

  2. Das große Problem mit Religionen ist doch, dass sie vornehmlich als Machtinstrument missbraucht werden. Von daher ist der Hinduismus / Buddhismus noch am angenehmsten.

    Ein weiteres Problem ist, dass es viele Menschen gibt, die ein mehr oder weniger großes psychisches Leiden haben, oftmals sogar eine Persönlichkeitsstörung. Kommen diese in die "richtigen Fänge", führt das meistens zu einem Radikalismus, der zu der oben erwähnten Blutspur führt.

    Grundsätzlich ist nichts dagegen einzuwenden, wenn jemand "glaubt". Freiheit ist auch immer die Freiheit des Andersdenkenden. Im positiven Sinne kann religion durchaus verbindend sein, solange das nicht zu der erwähnten radikalen Grundhaltung führt. Diese Gefahr besteht aber leider immer.

    Das religiöse Bedürfniss des Menschen ist aus meiner Sicht aber eher ein ganz individuelles. Es soll Halt geben und Kraft das Leben zu meistern. Es ist schon erstaunlich wie viele Menschen das "brauchen".

    Eine Leser-Empfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "Das große Problem mit Religionen ist doch, dass sie vornehmlich als Machtinstrument missbraucht werden."

    Haben Sie dieses Gefühl auch mit dem heutigen Christentum in Deutschland? Ich denke, dass der Artikel doch eher darauf gemünzt ist.

    Aber dazu muss man sagen, dass auch die Psychologie, viele Teile der Philosophie, der Rationalismus, der Darwinismus usw... ebenfalls als Machtinstrumente missbraucht wurden und werden. Konsequenterweise lehnen Sie diese wahrscheinlich auch ab...

    Hier wird immer wieder die Ursache bzw. Absicht mit dem Mittel verwechselt. Verwerfenswert ist die Absicht, mit gewissen Mitteln Macht auszuüben und nicht das Mittel zum Zweck. Sonst müssten Sie auch Messer ablehnen, da man damit töten kann...

    "Das große Problem mit Religionen ist doch, dass sie vornehmlich als Machtinstrument missbraucht werden."

    Haben Sie dieses Gefühl auch mit dem heutigen Christentum in Deutschland? Ich denke, dass der Artikel doch eher darauf gemünzt ist.

    Aber dazu muss man sagen, dass auch die Psychologie, viele Teile der Philosophie, der Rationalismus, der Darwinismus usw... ebenfalls als Machtinstrumente missbraucht wurden und werden. Konsequenterweise lehnen Sie diese wahrscheinlich auch ab...

    Hier wird immer wieder die Ursache bzw. Absicht mit dem Mittel verwechselt. Verwerfenswert ist die Absicht, mit gewissen Mitteln Macht auszuüben und nicht das Mittel zum Zweck. Sonst müssten Sie auch Messer ablehnen, da man damit töten kann...

  3. Ist es nun Angst vor der Festlegung, wie der Autor Schwarz meint, oder nicht vielmehr eine tatsächliche Auseinandersetzung mit Religiosität anstelle der doch recht bequemen Übernahme des lokalen Mehrheitsglaubens? Womit dann auch die eigene Ausandersetzung damit, die schwierig und langwierig werden kann und zudem nicht immer Ergebnisse zeitigt, vermieden wird?
    Im übrigen möchte ich differenzieren zwischen der Religiosität des Menschen und der Religion der Organisation. Wenn jemand für sich an einen Gott glaubt, so ist das dessen eigene Sache. Wenn aber die eine Organisation wie katholische Kirche verlangt, man solle bitte schön auch an die Heiligkeit derselben Glauben - ist das nicht die erste Stufe zum Mißbrauch eines Glaubens? Ist es überhaupt vertretbar, einen Glauben in eine unweigerliche zum Dogmatisumus neigende Organisation zu überführen, welche daraufhin als einzige die alleinige Interpretation der Glaubensbotschaft übernimmt und all jene verfolgt die diese selbst konstruierte Interpretationshoheit in Frage stellen?
    Von außen betrachtet sind alle Religionen gleichermaßen lächerlich. Dennoch schaffen es alle Religionen, die ich kenne, Regeln für den Alltag aufzustellen welche ein friedvolles Miteinander fördern.

    Nächstenliebe, Ehrfurcht vor der Natur - das sind die wesentlichen Zutaten einer Religion.

    Um auf einen Kommentar von weiter vorne noch einzugehen:
    Wenn es einen Gott gäbe, bräuchte kein Mensch eine Religion.

    2 Leser-Empfehlungen
  4. ... den Menschen, je nach ihrer eigenen Disposition, mit den verschiedensten Inhalten füllen. Für manche ist er ein objektives (von ihnen getrenntes) Gegenüber, mit dem man eine Beziehung der Liebe oder der (Ehr)furcht, häufiger noch der Angst unterhält. Ist Gott irgendwo in der Welt oder das absolut Jenseitige?
    Für andere ist er ein alles durchdringendes Schöpfungsprinzip, so dass es nichts und niemand außerhalb davon geben kann. Es gibt Gott als allumfassende Liebe, als transpersonalen Erfahrungsraum und noch als eine ganze Menge anderer Vorstellungen.
    Wieder andere meinen, dass man alle Vorstellungen von Gott fahren lassen muss. Was bleibt dann übrig? Ein leerer Begriff? Eine wirkliche Erfahrung? Die Wirklichkeit wie sie ist, wie manche Zenlehrer sagen?

    In einer Religion wie dem Christentum sagen viele dasselbe, und jeder Einzelne kann trotzdem eine andere Vorstellung von Gott haben.
    Viele basteln sich ihre eigene Religion aus Versatzstücken zusammen, und was dabei herauskommt, muss trotzdem nicht die eigene, persönliche Erfahrung widerspiegeln.

    Warum sprechen all diese "Gläubigen" so selten in eigenen Worten von Gott?

    Ich fange lieber im Kleinen an. Ich frage erst mal danach, wer ich als Mensch bin, was Menschsein für mich bedeutet, wie ich meine Menschlichkeit lebe. Dann wird sich das mit Gott schon von selber klären.

    2 Leser-Empfehlungen
  5. Wenn sich die Menschen einmal mit dem Kern der Religionen beschäftigen würden, als lieber längst sinnentleerte Bräuche und Rituale zu pflegen, würden sie merken, dass alle Religionen das gleiche Ziel haben: Gott.
    Religionen kommen und vergehen wieder. Die Wahrheit bleibt und sucht sich eben neue Wege, sich zu offenbaren.
    Worin sich Religionen unterscheiden ist lediglich die Wahl der Mittel, Gott zu erreichen.
    Und warum soll man dazu nicht buddhistische Meditationsformen auch als Christ benutzen, wenn es einem hilft?
    Oder vedische Weisheiten mit der Bibel vergleichen und dabei einen Sinn in manchen Sätzen entdecken, der einem sonst verborgen geblieben wäre?

    Wenn ich Religion allerdings nur zwecks einer Gruppenzugehörigkeit betreibe, ist ein Kegelclub vermutlich besser für mich geeignet.

  6. ...ist hier der wichtigere. Die Eingangsfrage 'Darf man sich seinen Glauben selbst basteln' ist insofern absurd.

    Auch mit Ihrer zweiten Anmerkung haben Sie leider recht. Mission ist juristisch erlaubt - ungeachtet dessen, daß es sich im weniger schlimmen Fall um ärgerliche Belästigung und im schlimmsten Fall um die Zerstörung kultureller Identitäten handeln kann.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • _bla_
    • 09.04.2012 um 16:29 Uhr

    "Die Eingangsfrage 'Darf man sich seinen Glauben selbst basteln' ist insofern absurd."

    Die Frage ist meiner Meinung nach etwas missverständlich formuliert, denn eigentlich beschäftigen sich ja pro- und contra Seite nicht mit einer juristischen oder ethischen Fragestellung, sondern mit der Frage, wie sinnvoll zwei unterschiedliche Herangehensweisen an das Finden einer eigenen religiösen Identität sind. Ich finde beide Seite legen hier durchaus bedenkenswerte Argumente für ihre Position vor. Die Wahrheit scheint mir daher irgendwo dazwischen zu liegen: Weder völlig wildes rumbasteln noch ein dogmatische Übernehmen bekannter Positionen ist sinnvoll. Eine sinnvolle Position sollte sowohl bewährte Traditionen aufnehmen, gegenüber neuem offen sein und insgesamt konsistent sein.

    "Mission ist juristisch erlaubt - ungeachtet dessen, daß es sich im weniger schlimmen Fall um ärgerliche Belästigung und im schlimmsten Fall um die Zerstörung kultureller Identitäten handeln kann."

    Im besten Fall ermöglicht Mission aber auch es die Welt aus einem ganz neuen Sichtwinkel zu sehen und kann gerade die erhoffte Hilfe bei der Sinnsuche sein, die ein Mensch sich schon lange gewünscht hat. Friedliche Mission ist nichts anderes als Werbung, mit allen Vor- und Nachteilen die Werbung auch sonst mit sich bringt.

    • _bla_
    • 09.04.2012 um 16:48 Uhr

    Das Thema "Zerstörung kultureller Identität" finde ich sehr schwierig. Denn streng genommen wird auch die kulturelle Identität zerstört, wenn man bspw. Ehrenmorde bekämpft. Oder wenn man die furchtbare Tradition der Beschneidung weiblicher Genitalien bekämpft. Beides finde ich unbedingt nötig, auch wenn damit ein Teil der bisherige Kultur verschwindet.

    Oder denken sie an Stammesreligionen in denen ein Medizinmann eine wichtige Rolle spielt: Die Einführung moderner Medizin kann hier die bisherige kulturelle Identität stark schädigen. Als Außenstehender mag es da naheliegend sein, auf die Einführung der modernen Medizin zu verzichten, schließlich kann es sehr interessant sein die bisherige Kultur kennen zu lernen, dass die Mitglieder sehr unter dem Fehlen wirksamer Behandlungsmöglichkeiten leiden wird da schnell mal verdrängt.
    Eine andere Weltsicht und andere Werte können durchaus auch im Interesse der Leute sein.

    • _bla_
    • 09.04.2012 um 16:29 Uhr

    "Die Eingangsfrage 'Darf man sich seinen Glauben selbst basteln' ist insofern absurd."

    Die Frage ist meiner Meinung nach etwas missverständlich formuliert, denn eigentlich beschäftigen sich ja pro- und contra Seite nicht mit einer juristischen oder ethischen Fragestellung, sondern mit der Frage, wie sinnvoll zwei unterschiedliche Herangehensweisen an das Finden einer eigenen religiösen Identität sind. Ich finde beide Seite legen hier durchaus bedenkenswerte Argumente für ihre Position vor. Die Wahrheit scheint mir daher irgendwo dazwischen zu liegen: Weder völlig wildes rumbasteln noch ein dogmatische Übernehmen bekannter Positionen ist sinnvoll. Eine sinnvolle Position sollte sowohl bewährte Traditionen aufnehmen, gegenüber neuem offen sein und insgesamt konsistent sein.

    "Mission ist juristisch erlaubt - ungeachtet dessen, daß es sich im weniger schlimmen Fall um ärgerliche Belästigung und im schlimmsten Fall um die Zerstörung kultureller Identitäten handeln kann."

    Im besten Fall ermöglicht Mission aber auch es die Welt aus einem ganz neuen Sichtwinkel zu sehen und kann gerade die erhoffte Hilfe bei der Sinnsuche sein, die ein Mensch sich schon lange gewünscht hat. Friedliche Mission ist nichts anderes als Werbung, mit allen Vor- und Nachteilen die Werbung auch sonst mit sich bringt.

    • _bla_
    • 09.04.2012 um 16:48 Uhr

    Das Thema "Zerstörung kultureller Identität" finde ich sehr schwierig. Denn streng genommen wird auch die kulturelle Identität zerstört, wenn man bspw. Ehrenmorde bekämpft. Oder wenn man die furchtbare Tradition der Beschneidung weiblicher Genitalien bekämpft. Beides finde ich unbedingt nötig, auch wenn damit ein Teil der bisherige Kultur verschwindet.

    Oder denken sie an Stammesreligionen in denen ein Medizinmann eine wichtige Rolle spielt: Die Einführung moderner Medizin kann hier die bisherige kulturelle Identität stark schädigen. Als Außenstehender mag es da naheliegend sein, auf die Einführung der modernen Medizin zu verzichten, schließlich kann es sehr interessant sein die bisherige Kultur kennen zu lernen, dass die Mitglieder sehr unter dem Fehlen wirksamer Behandlungsmöglichkeiten leiden wird da schnell mal verdrängt.
    Eine andere Weltsicht und andere Werte können durchaus auch im Interesse der Leute sein.

  7. Meine Damen und Herren,

    ich muss euch widersprechen - ich schreibe also nicht, um mich mit euch über euer Thema zu unterhalten; ganz absonderlich ist mein Fall: Ich will euch um ein Thema ärmer machen, soll heißen - der Gedanke des Patchworks in der Religion ist so gar nicht ein Fall für den wahrhaftigen Menschen mit Tugend und Verstand.

    Die Religion ist schon immer eine Antwort auf die letzten Fragen gewesen - die die Rationalität nicht erklären kann; diese wären etwa die Frage nach dem ersten Beweger von Arestoteles,dem sogenannten Teleologie des Lebens oder alles Lebendigen, der Unendlichkeit, die schon lange im verdacht steht eine Eigenschaft des ersten Bewegers, alias Gott, zu sein. Sie hören nicht auf - sie kommen und gehen nicht.

    Von dem Blickpunkt, dass eben Religion für jeden ein Erklärungsmodell für diese letzten Fragen sein soll, die zusätzlich das Modell für die Begründung - soll hier nicht als logischer Grund, sondern eher ein Bewegungsgrund für die Seele körperlich zu handeln, so wie es auch der Herr Schopenhauer treffen von Ethikern verlangt hat, der Ethik und Moral sein.

    So könnte man sagen, dass der Patchwork genau das doch für die breite Masse möglich macht. Es gibt keine Verfolgung und sonstiges mehr. Sie nehmen sich das was ihnen plausibel scheint! Hier sehe ich aber die Gefahr, ach nein so schlimm nicht, nur ein Sich-Vormachen. Ob die breite Masse dieser Abstraktion überhaupt fähig ist, bezweifele ich reichlich.

    Schäfchenmode sage ich!

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service