TransfergesellschaftHat der Staat bei Schlecker versagt?

Es hätte eine Transfergesellschaft für entlassene Mitarbeiterinnen geben müssen, sagt der Gewerkschaftschef. Hätte nichts gebracht, widerspricht der Arbeitsforscher.

PRO: Michael Sommer, der DGB-Chef klagt: Bankern hilft man, Schlecker-Frauen nicht

Es werden keine frohen Ostern für die Schlecker-Beschäftigten. In diesen Tagen werden ihnen die Kündigungsschreiben zugestellt, sie müssen sich arbeitslos melden und fragen sich verzweifelt, wie es weitergehen soll.

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Die Angestellten von Schlecker, überwiegend Frauen, hatten es nie leicht. Lohndumping, Schikanen, Überwachung – Anton Schlecker, der trotz Pleite weich fällt, hat nichts ausgelassen, um seinen Beschäftigten das Leben schwer zu machen. Die Angestellten haben sich mutig zur Wehr gesetzt und trotzdem loyal ihre Arbeit getan. Jetzt setzt man über 10.000 von ihnen vor die Tür. Man lässt die Schlecker-Frauen über die Klinge springen, weil die Führungsriege der FDP ihre eigene Haut retten will. Sie sollten sich schnell nach einer »Anschlussverwendung« umsehen, beschied ihnen der FDP-Vorsitzende. Mit der grausigen Kälte, die aus diesen Worten spricht, ließe sich die Hölle einfrieren.

Es ist in diesem Zusammenhang wieder viel von Ordnungspolitik die Rede. Es sei ordnungspolitisch nicht vertretbar, eine Transfergesellschaft für die Schlecker-Beschäftigten mit staatlichen Bürgschaften zu stützen. Merkwürdig ist nur, dass die Ordnungspolitik immer nur dann beschworen wird, wenn es darum geht, Tausenden von Beschäftigten die helfende Hand zu verweigern. Die Liberalen, die sich gerade ordnungspolitisch aufblähen, hatten kein Problem damit, gierige Banker mit Milliarden zu retten.

Sie hielten es für geboten, die Hotelbranche mit einem völlig sinnfreien reduzierten Mehrwertsteuersatz zu beglücken. Und keinen der selbst ernannten Gralshüter der Ordnungspolitik scheint es zu stören, dass die milliardenschwere Drogeriekette von Anton Schlecker als »eingetragener Kaufmann« geführt wurde – als handele es sich um eine Pommesbude.

Mit der Transfergesellschaft hätte man Zeit gewonnen, sowohl für den Insolvenzverwalter als auch vor allem für die Beschäftigten. Sie hätten zumindest für eine Übergangszeit 80 Prozent ihres Gehalts bekommen. Und ihnen wäre die intensive Betreuung und Qualifizierung zuteil geworden, die sie brauchen und die sie auch verdient haben. Es ist leichtfertig, zu behaupten, die Betroffenen hätten gute Chancen, eine neue Beschäftigung zu finden. Viele Schlecker-Beschäftigte sind über fünfzig, das Durchschnittsalter beträgt Ende vierzig. Oft sind es alleinerziehende Mütter, die meisten sind familiär und regional gebunden. Sie können nicht einfach ihre Sachen packen und alles hinter sich lassen. Für viele endet die Suche nach Röslers »Anschlussverwendung« wahrscheinlich im Niedriglohn-Ghetto der Minijobs.

Es stimmt ja: Bei kleinen Firmenpleiten greift der Staat in der Regel nicht ein. Aber das ist doch kein Grund, auch in diesem Fall, in dem es um 10.000 betroffene Familien geht, die Hände in den Schoß zu legen. Die Politik hätte den Beschäftigten helfen können, wie sie es auch in anderen Fällen immer wieder getan hat. Aber sie tut es dieses Mal nicht, weil die FDP glaubt, dass mindestens fünf Prozent der Bevölkerung genauso gefühlskalt sind, wie sie selbst es ist.

So bleibt am Ende ein fataler Eindruck: Milliarden für die Banken, keinen Cent für die Schlecker-Beschäftigten. Die Großen lässt man laufen, die Kleinen lässt man hängen.

Leserkommentare
    • LudBri
    • 04.04.2012 um 16:27 Uhr

    Über die Krokodilstränen von von Sommer kann mach ich nur wundern.

    Verdi hat über mehr als zwei Jahren eine lang andauernde, diskreditierende Debatte über Schlecker in den Medien geführt. Dies geschah offensichtlich, ohne über die Wirkung und Konsequenzen dieser Kampagne nachzudenken. Nun fordert Verdi Staatshilfen für Schlecker, nachdem sie vorher in allerlei Diskussionen im Fernsehen das Image nicht nur von Herrn Schlecker persönlich sondern auch des ganzen Unternehmens beschädigt haben. Die Entlassungen der Mitarbeiter von Schlecker sind also durch Verdi mit zu verantworten denn Verdi hat es nicht verstanden, anstehende Probleme mit dem Unternehmen ohne die jetzt vorliegenden Konsequenzen zu lösen. Diese Arbeitslosen sind auch die Arbeitslosen von Verdi.

    5 Leserempfehlungen
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    Schlecker ist über sein Geschäftsmodell gestolpert, welche wie ein Schneeballsystem aufgebaut war.

    Nebenbei: Man muß schon eine merkwürdige Rechtsauffassung haben, wenn man gerade die Kritiker an den Zuständen bei Schlecker für das Scheitern verantwortlich machen will.
    Hätte A.Schlecker sich anders verhalten, dann hätte es auch nichts zu bekritteln gegeben.

    • Ranjit
    • 04.04.2012 um 17:00 Uhr

    Was wäre ihre Empfehlung? Stillschweigen über Missstände zu bewahren um keine Arbeitsplätze zu gefährden?

    Ich ehe es ganz anders. Schlecker hat Fehler gemacht - nicht die Arbeiterinnen sondern die Führung. Dann versuichten die manager auf dem rücken der Arbeitnehmer dieser Fehler auszugleichen. Das liessen sich diese nicht gefallen.
    Nun zahlen sie den Preis dafür.

    Als damals manche superschlauen Manager der Paketpost konkurenz machten indem sie Leute im Niedriglohn einstellten und die Post unterboten, meinten die auch, Arbeitsplätze wären vernichtet worden.

    Es sind vom Staat subventionierte Arbeitsplätze vernichtet worden - und das ist gut so.
    Hätten die Schleckermitarbeiter für einen Lohn unterhalb des Mindestlohnes arbeiten sollen? Wären dann nicht die anderen Firmen wie Aldi oder Lidl ... gefolgt und hätten eine neue Kaste der Niedrigstlohnempfänger geschaffen?

    Besser so als weiter Richtung organsierte Massenarmut steuern.

    Schlecker ist über sein Geschäftsmodell gestolpert, welche wie ein Schneeballsystem aufgebaut war.

    Nebenbei: Man muß schon eine merkwürdige Rechtsauffassung haben, wenn man gerade die Kritiker an den Zuständen bei Schlecker für das Scheitern verantwortlich machen will.
    Hätte A.Schlecker sich anders verhalten, dann hätte es auch nichts zu bekritteln gegeben.

    • Ranjit
    • 04.04.2012 um 17:00 Uhr

    Was wäre ihre Empfehlung? Stillschweigen über Missstände zu bewahren um keine Arbeitsplätze zu gefährden?

    Ich ehe es ganz anders. Schlecker hat Fehler gemacht - nicht die Arbeiterinnen sondern die Führung. Dann versuichten die manager auf dem rücken der Arbeitnehmer dieser Fehler auszugleichen. Das liessen sich diese nicht gefallen.
    Nun zahlen sie den Preis dafür.

    Als damals manche superschlauen Manager der Paketpost konkurenz machten indem sie Leute im Niedriglohn einstellten und die Post unterboten, meinten die auch, Arbeitsplätze wären vernichtet worden.

    Es sind vom Staat subventionierte Arbeitsplätze vernichtet worden - und das ist gut so.
    Hätten die Schleckermitarbeiter für einen Lohn unterhalb des Mindestlohnes arbeiten sollen? Wären dann nicht die anderen Firmen wie Aldi oder Lidl ... gefolgt und hätten eine neue Kaste der Niedrigstlohnempfänger geschaffen?

    Besser so als weiter Richtung organsierte Massenarmut steuern.

  1. Schlecker ist über sein Geschäftsmodell gestolpert, welche wie ein Schneeballsystem aufgebaut war.

    Nebenbei: Man muß schon eine merkwürdige Rechtsauffassung haben, wenn man gerade die Kritiker an den Zuständen bei Schlecker für das Scheitern verantwortlich machen will.
    Hätte A.Schlecker sich anders verhalten, dann hätte es auch nichts zu bekritteln gegeben.

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    • Ranjit
    • 04.04.2012 um 17:00 Uhr

    Was wäre ihre Empfehlung? Stillschweigen über Missstände zu bewahren um keine Arbeitsplätze zu gefährden?

    4 Leserempfehlungen
  2. auch wissen, dass die Transfergesellschaft eine Gewerkschaftsfirma sein sollte. Die möglichen Verluste dieser Transfergesellschft sollte der Steuerzahler tragen (durch die Bürgschaft der Länder). Einen möglichen Gewinn hätte sich die Gewerkschaft eingesteckt.
    Unter diesem Aspekt sind die Tränen von Herrn Sommer schlicht heuchlerisch. Ebenso heuchlerisch finde ich es, der FDP ihre zugegebenermaßen dämlichen Fehler (Hotelsteuer etc) vorzuwerfen. Und wenn sie dann zu ihren ordnungspolitischen Grundsätzen zurückkehrt (die man nicht gut finden muss), ist es auch wieder schlecht. Herr Sommer, mit so einer Argumentation können Sie niemanden überzeugen!

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    • bb1921
    • 04.04.2012 um 17:27 Uhr

    seit der Arbeitsmarktreform von Schröder und den Grünen. Der Herr Ökonom irrt in der Annahme, dass Jobcenter heute besser seien. Früher wurde auf die Qualifikation und die Arbeitsrechte geachtet, heute muss man JEDEN Job unabhängig von seiner Qualifkation annehmen. Man wird drangsaliert. Bei der BA kann sich jeder potentielle Arbeitgeber lustig wie er will in die interne Jobbörse eintragen . Es werden NUR diese Jobs vermittelt.Wer steht drin? Zu 99,99% Sklavenhändler, die oft die selben Jobs zu vergeben haben.Milchmädchen BA zählt nur die Anzahl der offenen Stellen, nicht die Qualität. Somit werden die Schlecker-Frauen im Niedriglohnsektor landen. akzeptierter Std.-Lohn BA liegt bei 3 EUR brutto. Jede Transfergesellschaft ist besser.

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  3. Ich bin gerade vom Einkaufen in der Schlecker-Filiale bei mir um die Ecke zurück. Diese Filiale hat zumindest noch geöffnet. Jetzt muss der Insolvenzverwalter schleunigst einen Investor finden, wenn der Fortbestand wirtschaftlich überhaupt sinnvoll ist. Das wäre eigentlich ein Fall für Nicolas Berggruen.

    Als Gralshüter der Ordnungspolitik ist die FDP spätestens seit den Erleichterungen für Hoteliers natürlich nicht mehr glaubwürdig. Ich glaube nicht, dass die FDP jetzt mit Ordnungspolitik punkten kann.

    Der Bankensektor hätte von vornherein vernünftig reguliert werden müssen. Hier hat die Politik kolossal versagt. Auch das gehört zu einer anständigen Ordnungspolitik. Zuletzt wäre m. E. nur der von Kenneth Rogoff vorgeschlagene kontrollierte Konkurs für die betroffenen Banken ordnungspolitisch vertretbar gewesen, bei dem die Aktionäre ihr Eigentum und ihr eingesetztes Kapital eingebüßt hätten.

    Das alles kann nicht als Rechtfertigung dafür herhalten, der Staat müsse jetzt den Fortbestand jedes Unternehmens, das Insolvenz anmelden muss, mit Transfergesellschaften unterstützen, wenn es denn nur groß genug ist. Die Insolvenz einer Drogeriemarktkette, so bitter das für die Betroffenen auch sein mag, ist für die Volkswirtschaft eine vernachlässigbare Größe. Die Liste der Kandidaten ließe sich um einige Unternehmen erweitern. Gestern hat das Solarunternehmen Q-Cells Insolvenz beantragt, nachdem zuvor schon Solarhybrid, Solar Millennium und Solon dieses getan hatten.

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  4. als Schröders SPD anfing die Arbeitslosenversicherung auszuhöhlen?

    als Schröders SPD das Arbeitslosengeld 2 abschaffte?

    als Schröders SPD die Anspruchszeit verkürzte für arbeitlos gewordene Arbeitnehmer, die 30 Jahre ihren Beitrag zur Arbeitslosenversicherung und zur Gewerkschaft bezahlt haben?

    als die Unternehmer viele Jahre lang die Erlöse durch Produktivitätssteigerungen alleine einsackten?

    Und jetzt meldet er sich publikumswirksam?

    Jetzt kann und sollte er auch schweigen und reflektieren, ob die Gewerkschaften an der steigenden Armut in Deutschland nicht auch mitverantwortlich sind.

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  5. Ich ehe es ganz anders. Schlecker hat Fehler gemacht - nicht die Arbeiterinnen sondern die Führung. Dann versuichten die manager auf dem rücken der Arbeitnehmer dieser Fehler auszugleichen. Das liessen sich diese nicht gefallen.
    Nun zahlen sie den Preis dafür.

    Als damals manche superschlauen Manager der Paketpost konkurenz machten indem sie Leute im Niedriglohn einstellten und die Post unterboten, meinten die auch, Arbeitsplätze wären vernichtet worden.

    Es sind vom Staat subventionierte Arbeitsplätze vernichtet worden - und das ist gut so.
    Hätten die Schleckermitarbeiter für einen Lohn unterhalb des Mindestlohnes arbeiten sollen? Wären dann nicht die anderen Firmen wie Aldi oder Lidl ... gefolgt und hätten eine neue Kaste der Niedrigstlohnempfänger geschaffen?

    Besser so als weiter Richtung organsierte Massenarmut steuern.

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