Stilkolumne: Auf die Spitze getrieben
Tillmann Prüfer über Makramee

Die schönste Art, alles und nichts zu zeigen: Makramee-Spitzenkleid von Valentino, für 3.140 Euro
Spitze gibt es, weil es Fransen gab. Vor langer Zeit begannen die Wohlhabenden, die Fäden, die am Rand des Gewebes herausfransten, kunstvoll zu verknüpfen. So entstanden schmucke Borten an den Kleidungsstücken. Später erleichterte man die Sache, indem man die Spitze separat knüpfte und anschließend an die Gewänder nähte.
Noch heute gilt Spitze, vor allem die aus dem Orient stammende Makramee-Knüpftechnik, als kunstvolle Handarbeit. So ist es nicht verwunderlich, dass die Spitze zurzeit ein großes Comeback erlebt – und nicht nur als Verzierung von Unterwäsche, sondern als Grundstoff kompletter Outfits. Besonders Dolce & Gabbana haben in jüngerer Zeit immer wieder zur Makramee-Spitze gegriffen und sie mit feinen Stoffen und Leopardenprints kombiniert, um die Hochwertigkeit ihrer Produkte zu demonstrieren. Bei Valentino sind in der Sommerkollektion etliche Kleider in Makramee geknüpft.
In Zeiten, da die großen Modemarken sich von allerlei Discountern bedrängt sehen, werden solche optischen Codes sehr wichtig. Man ist nur bereit, für etwas viel Geld zu bezahlen, das auch wertvoll aussieht. Und egal, ob das durchbrochene Spitzengeflecht in Pariser Ateliers oder in Bangladesch hergestellt wurde, es wirkt stets beeindruckend. Mit Makramee hat man auch eine Möglichkeit, sexy aufzutreten, ohne zu offenherzig sein zu müssen. Die Spitze zeigt ebenso viel Haut, wie sie verbirgt. Sie ist immer ein Spiel zwischen Verstecken und Präsentieren, Haut und Stoff, Licht und Schatten. Spitzenstoffe sind für den Typ Frau gemacht, die ihre Reize einsetzt, ohne sich auszuliefern. Ein Frau, wie sie übrigens von der Modeschöpferin Coco Chanel vorhergesehen wurde.
Die Designerin, die selbst aus einfachen Verhältnissen stammte und es stets verstand, sich mit den richtigen Männern zu umgeben, hatte Folgendes vorhergesagt: Jene jungen Frauen, die in den Pariser Clubs tanzten, nur mit Spitze, Strumpfband und BH bekleidet, würden die Gesellschaft auf eine neue Mode vorbereiten, auf die Mode des freien Körpers. Egal, wie man den Körpereinsatz in der Mode bewerten mag – da hat sie recht gehabt. Allerdings hatte Chanel auch gesagt, dass keine Frau Jeans mag. Das war weniger prophetisch.











Soll das wirklich Makramee sein? Oder ist das nicht eher "Plauener Spitze"? Es scheint, daß der Begriff Makramee im Moment für einige Spitzenarten herhalten muß.
Fragen Sie mal in Plauen nach!
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