Galileo-Mission : Es hat gefunkt

Die beiden ersten Satelliten des europäischen Navigationssystems Galileo funktionieren. Nun fehlen noch 22 weitere.
Diese Illustration zeigt die ersten beiden Satelliten der Esa-Mission Galileo. © P. Carril/Esa/dpa

Für den Höhepunkt der Feierstunde sorgte ein Freudscher Versprecher des Gesandten der Europäischen Kommission. Der Satellitennavigationsexperte Kris Vanderhauwaert lobte den »bemerkenswerten Fortschritt in den letzten zwölf Jahren« und korrigierte sich prompt: »Äh, in den letzten zwölf Monaten.«

Es ging um das europäische Navigationssystem Galileo – das bisher vor allem mit Verzögerungen und Kostensteigerungen von sich reden gemacht hatte. Eigentlich sollte es bereits 2008 in Betrieb gehen . Jetzt konnte zumindest die volle Funktionsfähigkeit der beiden ersten Galileo-Satelliten gefeiert werden, die im Oktober 2011 gestartet waren .

Rund 100 Experten der Europäischen Raumfahrtagentur Esa , Vertreter der Zulieferindustrie und Endgerätehersteller waren dafür ins belgische Redu gereist. Hier, in einem abgeschiedenen Hochtal der Ardennen, stehen gewaltige Parabolantennen für Funktionstests. Deren Ergebnisse sind ermutigend. Auf allen drei Frequenzbändern zeigten die empfangenen Signale die gewünschte scharfkantige Form. »Daneben hatten wir nichts, was über das Grundrauschen hinausgegangen wäre«, sagte der Esa-Systemingenieur Marco Falcone.

Das Grundrauschen ist in Redu besonders gering. Brüssel und Luxemburg , die nächstgelegenen Großstädte, sind mit ihren Mobilfunkmasten, Radiosendern und Radaranlagen mehr als 100 Kilometer entfernt. Seit über 40 Jahren nutzt die Esa die Funkstille der Ardennen für Satellitentests. Für Galileo wurden drei zusätzliche Antennen gebaut, die größte hat einen Durchmesser von 20 Metern und wiegt 140 Tonnen. Auch bei starkem Wind darf sie sich nur um wenige Millimeter verschieben, sonst würden ihre Daten unbrauchbar.

Exakte Signale sind die Voraussetzung für eine exakte Navigation. Und sie sind nötig, damit sich die verschiedenen Systeme nicht gegenseitig stören. Galileo und das amerikanische GPS werden ihre Signale im gleichen Frequenzbereich ausstrahlen. Navigationsgeräte können dann beide Systeme gleichzeitig nutzen. Statt mit einer Abweichung von 10 bis 20 Metern wird die Position so bis auf einen Meter genau angezeigt, auch in der Vertikalen. Erstmals wird damit eine zuverlässige Navigation innerhalb von Gebäuden möglich. Denn aus der exakten Höhenangabe kann das Empfangsgerät errechnen, in welchem Stockwerk es sich befindet.

Eine deutliche Verbesserung der Zuverlässigkeit und Genauigkeit soll Galileo zudem für die Navigation unter dicht belaubten Alleebäumen und in Häuserschluchten bringen. Dort stören meist Reflexionen der abgestrahlten Signale. Auch deren Verhalten wird in Redu vermessen.

Bisher unmöglich sind dagegen Tests der Notruffunktion. Künftige Galileo-Navigationsgeräte sollen einen Hilferuf mit exakter Standortangabe direkt an einen der Satelliten funken können. Von dort soll er innerhalb von Sekunden an den zuständigen Rettungsdienst weitergeleitet werden. Die ersten beiden Galileo-Satelliten haben die dafür nötige Technik allerdings noch nicht an Bord. Sie sollte ursprünglich von China zugeliefert werden. Doch den entsprechenden Vertrag hat die Esa wieder gekündigt, als China mit dem Aufbau eines eigenen Navigationssystems namens Compass begann.

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Kommentare

22 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

...wissenschaftliche Grenze ?

Die des Jammers und der Peinlichkeit ?

Ich bin da wirklich über die ganz banalsten Anwendungen dazu gekommen, wenn man so will. Noch bevor das, wirklich gut geheim gehalten, quasi über Nacht per PKW-Navi zum allgemeinen Thema wurde, mit dem man auch was anfangen kann wenn man nicht die Welt umsegelt oder sich in Wüsten tumelt um die Freizeit totzschlagen. Wobei es ja immer sehr günstig in der Vita festzuhalten ist, daß man dabei evtl. benötigte Rettungskräfte, nicht sinnlos in der Gegend herumschickte. Eben weil genaue Positionen dieses also verhindern helfen, ist das ganze einfach faszinierend.

Da die Ankündigung zu Galileio schon zur Verbesserung des GPS führte frge ich mich aber doch wozu mehr als ein solches System nötig sein soll, wenn es nur einen Globus dazu gibt ?

Unabhängigkeit...

...die europäische Unabhängigkeit vom Globus ?

Ich meckere ja wirklich ungern in dem Bereich herum, aber es war wirklich ein ziemlich langer beschwehrlicher Weg, ein globales Positionssystem zu entwickeln das mittel Längen und Breitengraden auch von allen akzeptiert wurde.

Das war selbstverständlich ziemlich abstrakt, doch dabei liegt die Betonung auf ein globales Positionssystem.
Das mit GPS und Relativiätstheorie dieses auch technisch gut nutzbar ist, ist ein riesen Schritt in verhältnismäßig kurzer Zeit gewesen.

Wo auch immer was mit GPS gestützter Technik zu finden ist, wo ist denn da eine russische oder chinesische Konkurrenz zu sehen ?

Internationale GPS Alternativen

"wo ist denn da eine russische oder chinesische Konkurrenz zu sehen?"

Oh, die gibt es tatsächlich. Das gemeinhin als GPS bezeichnete Satelliten-Navigationssystem ist das US-amerikanische NAVSTAR GPS. Aktuell in Betrieb ist jedoch auch das russische System, GLONASS. Und tatsächlich schrauben auch tatsächlich die Chinesen an einem eigenen System namens Beidou.

Übrigens existieren auch jetzt schon bereits GPS Geräte, die munter auf mehreren Systemen basieren. Die neue Garmin eTrex Reihe, sehr populär unter Wanderern, Geocachern etc., positioniert beispielsweise parallel mit NAVSTAR, GLONASS und ist bereits für Galileo vorbereitet.

unverständlich

Es ist definitiv nicht nur ein geodätisches System weltweit im Einsatz. Es ist gut, dass Bereiche wie die Luftfahrt sich auf WGS84 geinigt haben. Aber anspnsten brauchen Sie nur in z.B. in die Schweiz zu fahren. Dortige Landeskarten werden in CH1903(+) verbreitet.
Mit GPS hat dies aber eigentlich nichts zu tun, da natürlich alle System in sich umrechenbar sind. Ich begrüße mehrere Systeme, die Konkurrenz wird zu einigen Verbesserungen führen.

Zum Artikel direkt:
"Ungelöst ist ein Streit zwischen China und der EU um die Nutzung des Frequenzbereichs, der in beiden Navigationssystemen für ein verschlüsseltes Signal verwendet wird, das ausschließlich staatlichen Sicherheits- und Rettungsdiensten zur Verfügung steht. Die Tests in Redu haben gezeigt, dass die Signale sich gegenseitig kaum beeinflussen; würde aber ein Land den Frequenzbereich des anderen gezielt stören, wären stets beide Dienste lahmgelegt – eine Vorstellung, die vor allem dem Militär nicht gefällt."
Das kann nur einem kriegerischen Militär nicht gefallen. Eine Pattsituation ist doch toll! Die potentielle Gegenseite China kann das System nicht sabotieren, und eine dritte Partei muss abwägen, ob Sie wirklich von beiden Parteien wichtige Infrastruktur stören will. Das ist eine schöne kleine Hürde.