Kurzarbeit, Entlassungen, Insolvenzen: Die seit Langem erwartete Marktbereinigung hat die deutsche Solarindustrie mit Macht erwischt . Nach Solon, Solar Millennium und Solarhybrid ist jetzt mit Q-Cells ein weiterer Shootingstar einer Vorzeige- und vermeintlichen Zukunftsbranche insolvent , und ein Ende der Pleitewelle ist nicht in Sicht. Denn während die Photovoltaik weltweit einen ungeahnten Aufschwung erlebt – die Leistung der 2011 ans Netz angeschlossenen Solaranlagen lag um zwei Drittel über der Leistung der im Jahr davor installierten Module –, schrumpft der Marktanteil der Zellen made in Germany. Ausgerechnet im Zeichen der Fukushima-Katastrophe und der amtlichen Verkündung der Energiewende wird deutlich, dass die Solarindustrie in Deutschland keine große Zukunft hat.

Dabei sind nirgendwo mehr Solaranlagen aufgestellt worden als in Deutschland. Von den weltweit zehn größten Zellherstellern kommt aber inzwischen kein Einziger mehr aus dem Land der Solarweltmeister.

Wie schnell sich die Zeiten ändern! Vor gut zehn Jahren ging in einem Flecken namens Thalheim in Sachsen-Anhalt , dem "Land der Frühaufsteher", wie sich das ostdeutsche Bundesland selber nennt, im übertragenen Sinne die Sonne auf. Q-Cells hatte seine Zelte dort aufgeschlagen und wurde bald die Nummer eins bei der Herstellung von Solarzellen. 2010 war der Primus von einst in der Weltrangliste auf Platz sechs gerutscht, 2011 auf Platz dreizehn. Inzwischen ist die Firma pleite. Mehr als 2000 Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel.

So nachhaltig das Produkt ist, das aus Sonne Strom zaubert – für ein nachhaltiges Jobwunder reicht es nicht. Erstens sind Module zu einem Massenprodukt geworden, und zweitens hat die Solarindustrie gewaltige Überkapazitäten geschaffen. Dadurch sind die Preise noch stärker gesunken, als es allein Fortschritte in der Produktionstechnik und -organisation möglich machten.

2011 sind weltweit Module mit einer Leistung von knapp 28.000 Megawatt installiert worden. Die Solarbranche hat aber Zellen mit einer Leistung von 37.000 Megawatt hergestellt – und die Produktionskapazität hätte für noch mehr ausgereicht. Das verursachte einen enormen Preisrutsch: Um rund 40 Prozent sind die Modulpreise in gut einem Jahr gefallen. Viele Hersteller schafften es nicht, bei den Kosten mit diesem Preisverfall mitzuhalten. Erwischt hat es vor allem die Europäer, die im Vergleich zu den chinesischen Firmen allesamt klein sind. Selbst der größte in Europa produzierende Zellhersteller, Bosch Solar, ist im Vergleich zu den chinesischen Konkurrenten Suntech, Trina oder Yingli fast ein Zwerg. Nur Größe oder bedingungslose Kooperation, beispielsweise beim Einkauf, ermöglichen aber geringere Produktionskosten pro Stück, also die viel zitierten economies of scale.

Die Tage der Zellproduktion in westlichen Ländern sind gezählt – das verkünden inzwischen selbst Fans der Solartechnik wie der Chefredakteur des Branchenblattes Photon International. Die Solarunternehmen erwartet ein ähnliches Schicksal wie einst die Firmen der Unterhaltungselektronik – Saba, Telefunken , Grundig und andere. Sie werden verschwinden. Vielleicht bleibt der Markenname erhalten. Dokumentiert ist, dass die Solar-Fabrik AG Zellen des chinesischen Herstellers JA Solar verwendet. Die Freiburger sind damit Trendsetter. Bestenfalls werden deutsche Firmen asiatische Produkte in Zukunft kaufen und verkaufen, konfektionieren und laminieren. Sie werden mehr handeln, weniger produzieren.