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Soziale Netzwerke könnten in Unternehmen viel mehr Nutzen stiften – woran hakt es?

Facebook, Xing, YouTube, Twitter: Das kennt man jetzt inzwischen. Soziale Netzwerke haben im Privatleben einen Siegeszug hinter sich. Auch an Arbeitsplätzen werden sie häufiger benutzt denn je, aber eine große Frage tut sich heute auf: Können Unternehmen in ähnlicher Weise davon profitieren? Und was müsste sich dafür ändern?

Es ist zunächst einmal gar nicht schwer, sich unternehmerische Nutzungsarten vorzustellen – in Ansätzen werden sie ja auch schon hier und da praktiziert. Die Marketingabteilungen nutzen häufig bereits Daten aus Sozialen Netzwerken, um Marktforschung zu betreiben und Image- und Werbebotschaften noch gezielter zu platzieren. Hier bieten sich insbesondere Soziale Netzwerke wie Facebook, MySpace und studiVZ an, die persönliche Informationen über die Teilnehmer sammeln und eine Auswertung ermöglichen.

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Soziale Netzwerke werden auch zur Personalakquise genutzt, wofür sich vor allem Netzwerke wie LinkedIn und Xing anbieten, denen sich Lebensläufe, berufliche Interessen sowie die berufliche Vernetzung der Teilnehmer entnehmen lassen. Schließlich lassen sich Soziale Netzwerke auch für den Service nutzen: Dienste wie Twitter sind bei Unternehmen denkbar, indem Rückrufaktionen oder Aktualisierungen digitaler Produkte verbreitet werden.

Guido Schryen

lehrt als Professor Wirtschaftsinformatik an der Universität Regensburg.

All dies stößt aber noch an enge Grenzen. Zwei grundlegende Anforderungen stellen Unternehmen im Gegensatz zu rein privaten Nutzern. Allen voran die Datenintegration: Informationen aus Sozialen Netzwerken sind in aller Regel sehr umfangreich, sie müssen wiederholt erhoben und effizient analysiert werden. Dafür müssten die Schnittstellen der Sozialen Netzwerke mit den Geschäftsprozessen und der IT-Infrastruktur von Unternehmen enger abgestimmt werden.

Wenn Unternehmen sich an die Sozialen Netzwerke »anschließen« wollen, bedarf es technisch stabiler und langfristig verfügbarer Schnittstellen, die auch gut von den jeweiligen Netzwerkbetreibern dokumentiert werden. Im Idealfall würde es sogar Standards für den elektronischen Datenaustausch geben, die von den marktrelevanten Netzwerkbetreibern unterstützt werden. Solche Standards existieren in anderen Geschäftsbereichen längst für die Vernetzung von Unternehmen untereinander, in Branchen wie der IT, der Logistik, Telekommunikation und Finanzdienstleistungen.

Ein verlässlicherer, automatisierter Zugriff auf Soziale Netzwerke wäre nicht nur für Unternehmen von Vorteil. Auch den Betreibern Sozialer Netzwerke selber würde er ein ökonomisches Potenzial eröffnen, das bisher nicht erkannt oder vernachlässigt wurde: eine Erweiterung des Geschäftsmodells um kostenpflichtige (und datenschutzrechtlich abgesicherte) Zugriffe auf Benutzerdaten sowie Dienstangebote zur Marktforschung, Personalakquise oder Werbung.

Ebendas ist die zweite große Hürde: der Datenschutz. Unternehmen unterliegen bei der Akquise, Speicherung und Weiterverarbeitung von Informationen rechtlichen Anforderungen – sowohl bei Daten über ihre eigenen oder künftigen Mitarbeiter wie auch bei Daten von Kunden oder Geschäftspartnern.

Dafür brauchen Unternehmen mehr Rechtssicherheit. Bislang ist sogar umstritten, ob Personalchefs sich Informationen aus Facebook beschaffen dürfen, wenn sie sich über einen Bewerber informieren. Dieses Defizit wurde zwar erkannt und mit dem Entwurf eines Gesetzes zur Regelung des Beschäftigtendatenschutzes adressiert – es ist jedoch (noch) nicht in Kraft getreten. Mit dem Entwurf befasst sich derzeit der Innenausschuss des Bundestages, bevor er in vermutlich geänderter Form erneut im Bundestag diskutiert wird.

Über die Unsicherheit im bundesdeutschen Geltungsbereich hinaus zeigt sich die rechtliche Unsicherheit auch im europäischen Kontext, der für international operierende Unternehmen relevant ist. Hier ist die Europäische Union gefordert, ihre Datenschutzrichtlinien (insbesondere die Richtlinie 95/46/EG) auf Soziale Netzwerke auszuweiten und auf eine homogene europaweite Umsetzung einzuwirken. Beides zusammengenommen erklärt, warum die Nutzung Sozialer Netzwerke im Unternehmenskontext bisher noch weit hinter den Möglichkeiten zurückbleibt.

 
Leserkommentare
    • Nibbla
    • 16.04.2012 um 19:50 Uhr

    dass besonders an der Uni Facebook sehr nützlich ist, da man immer jemand erreicht wenn man eine Frage hat und man Termine mitbekommt etc.
    Aber ob ich als Unternehmen mit Facebook zusammenarbeiten will. Ich weiss ja nicht. Dann will man doch sicher sein das niemand mitliest.

  1. Wer hat schon einmal gemessen und Erfolg nachweisen können?
    - Anzahl Neukunden/Monat vorher/nacher
    - Umsatz vorher/nachher
    - durchschnittliche Kundenbindung vorher/nachher

    In vielen Fällen ist es nur der "Glaube" an das Neue und Moderne.
    Ich habe schon an Podiumsdiskussionen zum Thema teilgenommen, bei denen sich herausstellte, daß vom Podium fast niemand einen eigenen facebook-Account hatte.
    Wenn man die Kommunikation der "Freunde" auf facebook verfolgt, wird man keine Absichtserklärungen für den Kauf eines Produktes finden. Palaver, Palaver, Palaver.
    Dabeisein ist alles. Glauben Einige, die den Hintergrund der Datensammelsysteme nicht durchschaut haben.

    10 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    @Aquarius2 - Kommentar 2

    Diskussionen um den Return on Investment gibt es mittlerweile einige im Zusammenhang mit der Nutzung von Social Media in Organisationen. Und mit Zahlen lässt sich wirklich nur schwer einen Nutzen belegen.

    Ich finde aber, das ist ähnlich lächerlich, wie ein Telefongespräch oder eine Geschäftsbesprechung auf einen ROI hin untersuchen zu wollen? Diese Versuche sind Ausdruck eines noch immer vorherrschenden Scientismus, wonach nicht existent ist, was sich nicht in Zahlen belegen lässt.

    @Aquarius2 - Kommentar 2

    Diskussionen um den Return on Investment gibt es mittlerweile einige im Zusammenhang mit der Nutzung von Social Media in Organisationen. Und mit Zahlen lässt sich wirklich nur schwer einen Nutzen belegen.

    Ich finde aber, das ist ähnlich lächerlich, wie ein Telefongespräch oder eine Geschäftsbesprechung auf einen ROI hin untersuchen zu wollen? Diese Versuche sind Ausdruck eines noch immer vorherrschenden Scientismus, wonach nicht existent ist, was sich nicht in Zahlen belegen lässt.

  2. Zwei ganz wesentliche Punkte werden in dem Artikel unterschlagen:

    1. viele Unternehmen nutzen Soziale Netzwerke deshalb nicht, weil diese die Gefahr von nicht zu kontrollierenden Shit-Storms in sich bergen. Schlimmstenfalls kann ein Shit-Storm für das Unternehmen katastrophal enden: in einem Käuferboykott und somit der Pleite.

    2. viele Unternehmen betreiben gegenüber ihren Kunden einseitige "Kommunikation": wenn man dem Kunden "etwas kommuniziert", dann heisst das nicht, dass sich daraus ein beiderseitiges Gespräch ergibt. Im Gegenteil - "etwas kommunizieren" ist ein Anglizismus: es lautet bekanntgeben, etwas anordnen. Kritik und Gespräche werden nicht geduldet - den Rest erledigen die Rechtsabteilungen und die Anwälte. Etwas ähnliches ist der "Kundendialog" im Rahmen des "Dialogmarketings".

    Wir sehen - es gibt gute Gründe für Unternehmen, NICHT in den sozialen Netzwerken aktiv zu sein. Der Kunde ist nämlich nicht nur König - er ist auch erbitterter Gegner. Und die Konkurrenz schläft nicht - auch von dort muss man mit lancierten Kampagnen durch PR-Agenturen in Form des sogenannten "Astroturfings" rechnen.

    8 Leserempfehlungen
    • p77a
    • 16.04.2012 um 20:34 Uhr

    offensichtlich hat keiner der Kommentatoren den Artikel verstanden :-D

    2 Leserempfehlungen
  3. Daß soziale Netzwerke im Privatleben einen Siegeszug hinter sich haben stimmt, wenn wir die Anzahl der Teilnehmer und wahrscheinlich auch der Kontakte messen.

    Die Rechnung wird noch folgen: Sozialpädagogen warnen schon vor einer Welle psychischer Störungen, da die Reife der vorwiegend heranwachsenden Nutzer nicht mit der Komplexität und den Möglichkeiten der Netzwerke Schritt hält. In ein solches Netzwerk eingebunden zu sein ist nicht nur Genuß, die Kehrseite in Form von Lügen und Mobbing wird nicht nur bei den Betroffenen zu Stress führen, sondern auch bei allen anderen Vermeidungsstrategien erfordern, die erhebliche Energie binden wird. Mal ganz abgesehen von dem suchtfördernden Potenzial der Netzwerkspiele, die wie berichtet erklärtermaßen genau das zum Ziel haben: Abhängigkeit.
    Die Betreiber kassieren, die Allgemeinheit wird die Rechnung zahlen müssen.

    Und für Unternehmen wird das nicht bedeutend anders sein - die Pflege der Accounts bindet signifikant Energie, der Nutzen ist nicht nachweisbar, aber sicherlich entstehen Nachteile, wenn man nicht auf den Zug aufspringt und sich damit als vermeintlich gestrig einordnen lassen muß.

    6 Leserempfehlungen
  4. Fehlt nur noch, dass der Arbeitgeber fragt, warum man kein Handy ...äh... Facebook-Account hat.

    4 Leserempfehlungen
    • Laru
    • 16.04.2012 um 21:07 Uhr

    In einem vernünftigen Unternehmen muss jeder der mit sensiblen Daten zu tun hat eine Geheimhaltungserklärung unterschreiben. Diese ist mit Social Networks nicht zu vereinbaren.

    Fertig... mehr braucht man da nicht zu erklären...

    Desshalb bleiben die Unternehmen nicht einer Marktlücke fern, sondern tun gut daran von einer Gefahr für das Unternehmen fern zu bleiben.

    6 Leserempfehlungen
  5. Nachdem zu beginn dieses Jahrtausend die IT-Blase mit einem lauten Knall geplatzt ist und es sich herausstellte, dass in vielen IT-Unternehmen nur heiße Luft steckt, zögern viele sich diesem Bereich nochmals anzunehmen. Es gab durchaus einen zweiten Versuch. Mit der schönen Avatarwelt "Second Life" dachten viele wieder ihre Investitionen heraus zu bekommen. Aber auch dieser Markt erwies sich als Blase. Facebook hat zwar über 800 Mio. Nutzer, aber das heißt noch lange nicht, dass aus diesen auch Käufer werden. Es fehlt an einer richtigen Strategie und an innovativen Köpfen. Mit Unternehmen wie Instagram lässt sich gut Schlagzeile machen, aber einen echten Markt besaßen sie vor dem Ankauf durch Mark Zuckerberg auch nicht.

    In vielen Entscheidungsetagen ist es leider so, dass man dort gerade den Umgang mit Handy und Tablett-PC lernt. Das man diese Technologien effektiv einsetzen kann, hat bis auf Apple kein Unternehmen so richtig bewießen. Diese Technologien werden zwar in eigenen Produkten umgesetzt, aber aus der Ideologie eine effektive Kundenansprache zu machen, dass konnte viele noch nicht abkupfern.

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