BehinderungenGefährliche Spermien

Nicht nur alte Mütter, auch alte Väter stellen für den Nachwuchs ein genetisches Risiko dar von 

Dass Männer noch im hohen Alter Väter werden können, bewiesen schon Pablo Picasso (mit 68 Jahren), Charlie Chaplin (73), Anthony Quinn (81) und Luis Trenker (96). Doch was Männer oft als Zeichen lebenslanger Vitalität deuten, beschert dem Nachwuchs ein gesundheitliches Risiko: Je älter ein Mann ist, desto häufiger sind seine Spermien durch neu entstandene Gendefekte belastet. Solche Mutationen können bei seinen Kindern zu autistischen Erkrankungen und intellektueller Behinderung führen.

Seit Langem ist bekannt, dass die Gefahr für ein Kind, durch Trisomie 21 (»Downsyndrom«) geistig behindert zu werden, mit dem Lebensalter der werdenden Mutter stark ansteigt. Das Alter des Vaters schien dagegen unerheblich für die Gesundheit des Kindes zu sein. Erst in letzter Zeit ließen epidemiologische Untersuchungen den Verdacht entstehen, dass zwischen dem Zeugungsalter des Vaters und dem Autismusrisiko seiner Kinder ebenso ein ursächlicher Zusammenhang besteht.

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Den Beweis für diese These entdeckten jetzt gleich vier Forschungskonsortien – drei US-amerikanische und ein deutsch-schweizerisches – bei ihrer Suche nach den Ursachen für intellektuelle Behinderung und Autismus in den Erbmolekülen betroffener Familien.

Defekte in mehr als tausend Genen könnten Autismus auslösen

Die Befunde der Genomforscher gründen auf einer umfassenden Genfahndung in weit über 600 Familien. Die meisten Familien stammen aus der Simons Simplex Collection (SSC), einer Kohorte aus über 2.600 nicht selbst erkrankten Eltern mit nur einem erkrankten Kind. Die Intelligenz dieser Kinder ist unterschiedlich stark entwickelt – manche sind schwerstbehindert, die meisten weisen moderate Einschränkungen auf, einige wenige erzielen bei Intelligenztests sogar überdurchschnittliche Ergebnisse.

Bei dem Vergleich der Gene von Eltern und ihrem betroffenen Kind suchten die Forscher nur nach neu entstandenen Veränderungen einzelner Genbausteine, sogenannten single nucleotide variants . Dass größere, Tausende bis Millionen Genbausteine umfassende Verluste oder Verdoppelungen in den Erbmolekülen zu autistischen Erkrankungen führen können, war bereits früher entdeckt worden.

Auf der Suche nach den Minimutationen stießen die Forscherteams in den Genen der betroffenen Kinder auf Hunderte höchstwahrscheinlich ursächliche Veränderungen, die bei den Eltern noch nicht zu entdecken und ganz offenbar erst bei der Bildung der Keimzellen entstanden waren. Selbst kleine Defekte können die in einem Gen gespeicherte Information vollständig zerstören. Vier Fünftel der in den Untersuchungen aufgespürten fatalen Mutationen konnten in den Körperzellen des männlichen Elternteils nicht aufgespürt werden, waren aber bei der Reifung des befruchtenden Spermiums entstanden. Solche sogenannten De-novo-Mutationen entdeckten die Wissenschaftler umso häufiger, je älter der Vater bei der Zeugung war. Oft waren Erbanlagen mutiert, die für die Ausbildung und die Funktion von Synapsen, den Nervenzellkontakten im Gehirn, notwendig sind.

Noch steht die Genetik intellektueller Behinderungen ganz am Anfang: Defekte in bis zu 1.000 Genen, die im Gehirn ihre Funktion entfalten, können nach Meinung der Fachleute zu einer tief greifenden Entwicklungsstörung des Zentralnervensystems führen.

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Leserkommentare
  1. Richtig interessant wäre es, wenn man erfahren würde, in welchem Ausmaß das Risiko bei älteren Vätern steigt und ob es ab einem bestimmten Alter besonders steigt. Ohne Quantifizierung kann eine solche Meldung eigentlich nur Gleichgültigkeit oder aber Panik zur Folge haben.

    Richtig scheint mir nur, dass heute der gesellschaftlich optimale Zeitpunkt zum Kinderkriegen und der biologisch optimale Zeitpunkt immer weiter auseinander gehen.

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    das ist schon seit mindestens den 80-ern so. Logisch bei dem Ausbildungs- und Arbeits*markt*system

  2. Dass mit höherem Alter das Risiko steigt ein behindertes Kind zu bekommen mag ja sein, aber wir hier in Deutschland brauchen Kinder. Und das Risiko, dass es wirklich mit einem schlimmen Gendefekt geboren wird, bleibt immer noch relativ klein.
    Ohne ordentliche Zahlen ist das wie mit dem Karottensaft und dem Krebs...

    Nicht alte Männer die Väter werden sind das Problem, sondern Männer die nie Väter werden. Bei Müttern gilt das auch.

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    Was denken Sie, was die heute kommenden Generationen die frisch ins Berufsleben einsteigen denken?

    Ich kann es Ihnen ganz klar sagen:
    Erstens werde ich, da ich kein MINT-Fach studiert habe von vorn herein schlechter gestellt sein. Das war meine persönliche Entscheidung, aber die Folge davon ist, dass ich wohl bis zu meinem 30. Lebensjahr von der schönen "Festanstellung" nur in Zeitungen lesen werde, da man mich lieber mit Hinblick auf "mangelnde Berufserfahrung" in irgendwelche Praktika stecken wird.

    Vorsorge fürs Alter wird so ebenso nicht gehen, sollte ich nicht vorher in Hartz 4 landen. Das war die fantastische Errungenschaft der politischen Elite die systematisch den Arbeitsmarkt prekarisiert hat und so jegliche Form privater Absicherung unterbunden hat.
    Im Gegenteil, Kinder sind entweder dann gut, wenn man nur auf Hartz 4 lebt, oder man hat mehr als genügend Geld durch Festanstellung.

    Dazu kommen seit Jahren steigende Unterhaltskosten, verbunden mit dem zu erwartenden Fall der wirtschaftlichen Gesamtlage in Europa.

    In privater Hinsicht ist es so, dass diese gesamte Emanzipations-Feminismus-und-was-weiß-ich-nicht-noch-alles-Debatte die Köpfe vieler Leute in meinem Alter so verdorben hat, dass ich ehrlich gesagt nicht glaube, dass die meisten Frauen in dem Alter überhaupt die geistige Reife geschweige denn Kapazität besitzen, um überhaupt für eine Familienplanung in Betrachtung zu kommen.

    Aber zum Glück gibt es ja noch das Ausland...

  3. sagt der erste:
    mir geht's schlecht, ich leide grad an homo-sapiens

    sagt der zweite:
    du, das hatte ich auch. tröste dich, das dauert nicht lange

    oder: wenn der homo-sapiens glaubt, er wäre klüger als die natur > ist er aber nicht

  4. aber muß nicht in Deutschland bei Schwangerschaft bereits seit Jahren im Fragebogen angekreuzelt werden, ob der Vater über 40 ist? Davon abgesehen sagt ein Artikel ohne Zahlen erst einmal relativ wenig.

    Zudem kommt Elternschaft in immer späteren Lebensabschnitten ja nicht von ungefähr.

    Wenn aber nun immer wieder Dinge festgestellt werden, welche eindeutig auf unser System als Verursacher verweisen, warum wird dieses dann nicht geändert. Sind all die Dinge welche sich gegen die Menschen richten gewollt?

    Wie sinnvoll sind überhaupt Diskussionen über Kopfschmerzen, gilt "Mit den Kopf gegen die Wand rennen" unantastbar als Volkssport und Olympische Disziplin?

    Fragen über Fragen - Antworten gibts übrigens auch.

  5. Man muss schauen, ob sich diese genetische Variation nicht auch ins positive ausgewirkt haben könnte. Evtl. stehen den 100 geschädigten auch 100 Genies gegenüber, sodass nur die Standardabweichung gegenüber dem, was als normal erachtet wird, erhöht ist.

  6. Nun, darum lässt man dann auch diverse Untersuchungen in der Schwangerschaft machen um das Risiko möglichst klein zu halten.
    Mein Kind dankt mir, dass es existiert.

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    wenn ihr kind schlau ist, dankt es niemandem. eltern sollten keine dankbarkeit erwarten, das geht nur schief. unvergessen, wie das kind eines freundes quakte (mit ca.4):
    "ich will aber nicht dankbar sein!"

  7. 15. soso.

    bemerkenswerterweise haben wir eine entwicklung, die diesen (seriösen?) daten entgegenläuft: immer mehr alte väter. ich selber bin erst mit 38 vater geworden.
    wenn es also opportun ist, jünger vater zu werden, dann müssen die rahmenbedingungen innerhalb der gesellschaft daraufhin angepasst werden.
    kinder kriegen ist hierzulande ein sch...geschäft. nix wie ärger und kosten.
    als ich jünger war, nur arbeit für ein jahr hier und ein jahr da bekam, ja welcher familie hätte ich denn das zumuten sollen?
    wenn ich das einer frau vorgeschlagen hätt, die hätte mich doch...! jedenfalls, wenn sie nicht geistesgestört vor verliebtheit gewesen wäre.
    abgesehen davon gibt es sooo viele gesundheitsrisiken, von denen keiner redet. in den usa ist der zusammenhang zwischen impfungen und kindererkrankungen völlig selbstverständlich, hier schmeissen einen ärzte raus, wenn man sein kind nicht mit euinem hammer-kombi-präparat gegen 6 infektionen gleichzeitig impfen lasen will.
    das ist verlogen, durch die bank.
    ich finde es sehr nervötend, immer wieder serviert zu bekommen, was alles für wen warum riskant ist. gewöhnt euch daran: nicht jedes kind ist gesund und an etwas sterben wir alle einmal. punkt

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    und die blauäugige Verliebtheit den ökonomisch-rationalen Beweggründen vorziehen.

    Ist schwierigig, wei wir alle anders erzogen worden sind und der gesellschaftliche Druck in eine andere Richtung preßt, leider.

    Dies zu erkennen erfordert Reife, sich dagegen zu stellen Mut, wahrscheinlich steckt man dann einige gesellschaftliche Anfeindungen ein, und häufig durchschaut man den Laden nicht wenn man jung ist.

  8. wenn ihr kind schlau ist, dankt es niemandem. eltern sollten keine dankbarkeit erwarten, das geht nur schief. unvergessen, wie das kind eines freundes quakte (mit ca.4):
    "ich will aber nicht dankbar sein!"

    Antwort auf "alte Väter"

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  • Schlagworte Pablo Picasso | Anthony Quinn | Charlie Chaplin | Eltern | Gehirn | Gendefekt
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