IslamunterrichtGlaubenszeugnis

Unter deutschen Muslimen ist ein Streit darüber ausgebrochen, wer ihre Religion an Schulen unterrichten darf.

Nicht nur Englisch oder Mathematik sollen Muslime in der Schule lernen, sondern auch den Islam. Für dieses Recht macht sich Lamya Kaddor seit Jahren stark. Zusammen mit Kollegen hat sie das erste islamkundliche Schulbuch in deutscher Sprache verfasst und einen Koran für Kinder herausgegeben. Ende vergangenen Jahres erhielt die Religionspädagogin für ihren Einsatz die Integrationsmedaille der Bundesregierung.

Seit einiger Zeit beschleichen Kaddor jedoch Zweifel, ob der Weg zum regulären muslimischen Religionsunterricht noch der richtige ist. Als »äußerst besorgniserregend«, ja »unislamisch« bezeichnet sie die neusten Versuche, den Islam einzugliedern, und als »weit von jeder Unterrichtspraxis entfernt«.

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Kaddors Kritik gilt dem Beirat für den islamischen Religionsunterricht in Niedersachsen. Der hat unlängst festgelegt, wer die Botschaft des Propheten in Klassenzimmern in Hannover, Osnabrück oder Wolfsburg verbreiten darf. Die zukünftigen Lehrer sollen nicht nur ein Studium in Islamischer Religionspädagogik vorweisen, sondern ebenso »eine fortwährende Lebensweise nach der rechten islamischen Lehre«. Männliche Religionslehrer müssten darlegen, wo sie das Freitagsgebet besuchten, ihre Kolleginnen glaubhaft machen, dass sie sich in einer Moschee engagieren.

Das Bekenntnis der Bewerber allein reicht den Glaubenshütern nicht: Ohne Gutachten eines Imams oder Moscheevorstands soll in Niedersachsen keiner den Islam verkünden dürfen. So heißt es in der offiziellen »Lehrerlaubnis für Lehrkräfte des Unterrichtsfachs Islamische Religion«, die – so fürchten Kaddor und andere liberale Muslime – weitere Länder zum Vorbild nehmen werden.

Die niedersächsische Lizenz zum Lehren, arabisch »Ijaza« genannt«, ist der Öffentlichkeit bislang kaum bekannt; auch islamophobe Gruppen haben sie für ihre Hetzpropaganda noch nicht entdeckt. In muslimischen Kreisen jedoch sorgt die Lehrerlaubnis seit ihrer Veröffentlichung im Internet Ende Januar für Aufruhr. Von »Tugendwächtern« und einer »islamischen Sittenpolizei« ist die Rede. Die Ijaza sei ein »Dokument des Misstrauens«, das »Willkür Tor und Tür öffnet«.

In einer unveröffentlichten Stellungnahme, die der ZEIT vorliegt, wirft Harry Harun Behr, Professor an der Universität Erlangen-Nürnberg, dem Beirat vor, ihm fehle »ein grundlegendes Verständnis islamischer Religionspädagogik«. Die niedersächsischen Lehrer, die seit 2003 in einem Schulversuch Islamunterricht erteilen, fordern das Aufsichtsgremium auf, die Ijaza zu ändern: Sie gefährde die gute Zusammenarbeit zwischen den Lehrkräften und dem Beirat – und gleichzeitig das Prestigeprojekt der deutschen Integrationspolitik.

Seit den sechziger Jahren kommen muslimische Arbeitsmigranten nach Deutschland. 1984 bezeichnete die Kultusministerkonferenz die Einführung eines islamischen Religionsunterrichts als »überfällig«. Doch anders als katholische, evangelische, orthodoxe oder jüdische Kinder erfahren die mittlerweile 750.000 Muslime im schulpflichtigen Alter bis heute wenig über ihre Religion – im Rahmen eines ordentlichen Lehrfaches nirgendwo.

Leserkommentare
    • bugme
    • 13.04.2012 um 8:27 Uhr

    Warum sollen Männliche Religionslehrer darlegen, WO sie das Freitagsgebet besuchten, hingegen weibliche Religionslehrer, DASS sie sich in einer Moschee engagieren?

    Nebenbei sei angemerkt, dass es ja nicht nur Katholische Religionslehrer gibt. Hier wäre es interessant, wenn der Autor auch auf die Evangelische bzw. den Religionsuntericht anderer Christlicher Konfessionen eingehen würde, falls es noch weitere gibt, die in Deutschland Religion unterrichten

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    • YMB
    • 13.04.2012 um 15:55 Uhr

    "Warum sollen Männliche Religionslehrer darlegen, WO sie das Freitagsgebet besuchten, hingegen weibliche Religionslehrer, DASS sie sich in einer Moschee engagieren?"

    Weil es für muslimische Männer ein Gebot ist, freitags zur Moschee zu gehen, für muslimische Frauen aber nicht. Voll die Männerdiskriminierung, ich musste auch eben mal ne Stunde weg...
    Jedenfalls kann man deshalb davon ausgehen, dass ein praktizierender Muslim auch bestimmte Predigten hört - und da will man halt wissen, von wem - während eine praktizierende Muslima vielleicht eher zur Frauengruppe geht.

    • YMB
    • 13.04.2012 um 15:55 Uhr

    "Warum sollen Männliche Religionslehrer darlegen, WO sie das Freitagsgebet besuchten, hingegen weibliche Religionslehrer, DASS sie sich in einer Moschee engagieren?"

    Weil es für muslimische Männer ein Gebot ist, freitags zur Moschee zu gehen, für muslimische Frauen aber nicht. Voll die Männerdiskriminierung, ich musste auch eben mal ne Stunde weg...
    Jedenfalls kann man deshalb davon ausgehen, dass ein praktizierender Muslim auch bestimmte Predigten hört - und da will man halt wissen, von wem - während eine praktizierende Muslima vielleicht eher zur Frauengruppe geht.

    • pestei
    • 13.04.2012 um 8:41 Uhr

    Entfernt. Verzichten Sie auf unterstellende Äußerungen. Die Redaktion/mak

    12 Leserempfehlungen
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    Entfernt. Bitte verlinken Sie nicht auf Inhalte, die dazu dienen können, eine religiöse Gemeinde zu diffamieren. Die Redaktion/ds

    Entfernt. Bitte verlinken Sie nicht auf Inhalte, die dazu dienen können, eine religiöse Gemeinde zu diffamieren. Die Redaktion/ds

  1. 3 Leserempfehlungen
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    • bugme
    • 13.04.2012 um 9:30 Uhr

    :)

    • bugme
    • 13.04.2012 um 9:30 Uhr

    :)

    • bugme
    • 13.04.2012 um 9:30 Uhr

    :)

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    • Nibbla
    • 15.04.2012 um 21:42 Uhr

    Meine Erfahrung ist da ich beides erfahren durfte, dass ein guter Religionsuntericht wie Ethik ist. Ein schlechter hingegen Missionierung.

    Sprichts jetzt gegen Religionsuntericht. Da bin ich mir nicht sicher. Aber bin der Meinung, dass man jeder Zeit auch unterm Jahr wechseln sollen dürfen. (Musste dann noch volles Jahr warten)

    • Nibbla
    • 15.04.2012 um 21:42 Uhr

    Meine Erfahrung ist da ich beides erfahren durfte, dass ein guter Religionsuntericht wie Ethik ist. Ein schlechter hingegen Missionierung.

    Sprichts jetzt gegen Religionsuntericht. Da bin ich mir nicht sicher. Aber bin der Meinung, dass man jeder Zeit auch unterm Jahr wechseln sollen dürfen. (Musste dann noch volles Jahr warten)

  2. Aber das Thema bleibt:
    Wozu Religionsuntericht an den Schulen. Religion ist Privatsache, jeder nach seiner eigenen Lesart, aber bitte nicht an den Schulen. Wenn ich eine religiöse Erziehung für meine Kinder will, dann kümmere ich mich selbst drum, Möglichkeiten dafür gibt es 12 aufs Dutzend. Oder alternativ an den Schule im Rahmen eines Religionsunterrichts alle möglichen Variationen von Christentum ev/Kath über Hinduismus, Islam, Pantheismus, Scientology, Buddhismus, Daoismus etc. ad nauseam vorstellen. Eine unvollständige Auflistung religiöser Ausprägungen findet man hier:
    http://de.wikipedia.org/w...
    Ansonsten haltet es mit der Religion doch so wie mit einem männlichen Geschlechtsorgan:
    Viele haben es, sind stolz darauf und nutzen es mit Gleichgesinnten. Das sei ihnen gegönnt und ich habe auch nichts dagegen, aber wenn jemand versucht es mir oder meinen Kindern mit Gewalt den Hals hínunterzuschieben, dann reagiere ich darauf mit entsprechender Ablehnung.

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    • bugme
    • 13.04.2012 um 9:48 Uhr

    Ichkann sie Verstehen, ich wollte dies auch nicht. Aber ich weiss nicht, wie das bei ihnen gehandhabt wurde aber in Baden-Württemberg war der Religionsunterricht freiwillig. Ich gehe davon aus, dass dies auch für Muslimischen Religionsunterricht gilt.

    Und ich kenne es so, dass auch viele andere Glaubensrichtungen im Unterricht vorgestellt wurden. Der Lehrer hatte da eine ganz pfiffige Idee. Es wurde erst mal geschaut, was im eigenen Umfeld für religionen existieren und jeder durfte sich einen Glauben aussuchen, mit einem Vertreter davon einen Monat sprechen und auch eine Veranstaltung dieser Glaubensrichtung besuchen und am Ende ein Referat darüber abgeben.
    Keine Ahnung ob dies Lehrplan oder Eigeninitiative des Lehrers war - aber es hat die Toleranz gegenüber andersdenkenden durchaus erhöht.

    @LazarusLong

    Es zwingt Sie keiner Ihre Kinder in den Religionsunterricht zu schicken. Sie entscheiden selber wie ihre Kinder religiös gebildet werden sollen.
    Ab 14 dürfen diese selber entscheiden (in den meisten Bundesländern zumindest) ob sie einen konfessionellen Religionsunterricht oder Ethik/Philosophie belegen.

    Beides hat ein Für und Wieder - aber lassen Sie anderen Eltern die Wahlfreiheit ihr Kind in einen konfessionellen Unterricht zu schicken - das ist ein GRUNDRECHT.

    Und ich werde weiter dafür kämpfen, dass es als solches erhalten bleibt.

    • bugme
    • 13.04.2012 um 9:48 Uhr

    Ichkann sie Verstehen, ich wollte dies auch nicht. Aber ich weiss nicht, wie das bei ihnen gehandhabt wurde aber in Baden-Württemberg war der Religionsunterricht freiwillig. Ich gehe davon aus, dass dies auch für Muslimischen Religionsunterricht gilt.

    Und ich kenne es so, dass auch viele andere Glaubensrichtungen im Unterricht vorgestellt wurden. Der Lehrer hatte da eine ganz pfiffige Idee. Es wurde erst mal geschaut, was im eigenen Umfeld für religionen existieren und jeder durfte sich einen Glauben aussuchen, mit einem Vertreter davon einen Monat sprechen und auch eine Veranstaltung dieser Glaubensrichtung besuchen und am Ende ein Referat darüber abgeben.
    Keine Ahnung ob dies Lehrplan oder Eigeninitiative des Lehrers war - aber es hat die Toleranz gegenüber andersdenkenden durchaus erhöht.

    @LazarusLong

    Es zwingt Sie keiner Ihre Kinder in den Religionsunterricht zu schicken. Sie entscheiden selber wie ihre Kinder religiös gebildet werden sollen.
    Ab 14 dürfen diese selber entscheiden (in den meisten Bundesländern zumindest) ob sie einen konfessionellen Religionsunterricht oder Ethik/Philosophie belegen.

    Beides hat ein Für und Wieder - aber lassen Sie anderen Eltern die Wahlfreiheit ihr Kind in einen konfessionellen Unterricht zu schicken - das ist ein GRUNDRECHT.

    Und ich werde weiter dafür kämpfen, dass es als solches erhalten bleibt.

  3. Der Artikel offenbart das Dilemma des konfessionsgebundenen Religionsunterrichts- religiöse Organisationen (und im Fall des katholischen Unterrichts sogar ein anderer Staat mit bisweilen eigentümlichem Demokratieverständnis) können nicht nur bestimmen, was an deutschen Schulen und Universitäten mit Hilfe deutscher Steuergelder gelehrt (und an letzteren geforscht und veröffentlicht wird), sondern sie bestimmen auch das Privatleben von Lehrern und Universitätsangestellten. Der konfessionsgebundene Unterricht sollte wie z.B. in Skandinavien von einem Religionskundeunterricht ersetzt werden, der die kulturellen und sozialen Aspekte aller Religionen vermittelt. Religionslehre sollte Sache der Gemeinschaften sein. Wenn dort extremistische Ansichten verbreitet werden, ist das ein Fall für den Verfassungsschutz.

    3 Leserempfehlungen
    • bugme
    • 13.04.2012 um 9:48 Uhr

    Ichkann sie Verstehen, ich wollte dies auch nicht. Aber ich weiss nicht, wie das bei ihnen gehandhabt wurde aber in Baden-Württemberg war der Religionsunterricht freiwillig. Ich gehe davon aus, dass dies auch für Muslimischen Religionsunterricht gilt.

    Und ich kenne es so, dass auch viele andere Glaubensrichtungen im Unterricht vorgestellt wurden. Der Lehrer hatte da eine ganz pfiffige Idee. Es wurde erst mal geschaut, was im eigenen Umfeld für religionen existieren und jeder durfte sich einen Glauben aussuchen, mit einem Vertreter davon einen Monat sprechen und auch eine Veranstaltung dieser Glaubensrichtung besuchen und am Ende ein Referat darüber abgeben.
    Keine Ahnung ob dies Lehrplan oder Eigeninitiative des Lehrers war - aber es hat die Toleranz gegenüber andersdenkenden durchaus erhöht.

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    Antwort auf "Upps, falsche Taste"
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    Ich würde es nicht ganz so drastisch ausdrücken wie Lazarus (toller Name für Religionsdiskussion), aber es läuft auf dasselbe hinaus. Sicher ist Religionsunterricht freiwillig, sicher gibt es viele gute Religionslehrer, die auch andere Bekenntnisse behandeln. Das Hauptproblem bleibt, daß dieser Unterricht unter Kontrolle der jeweiligen Glaubensgemeinschaft steht und der Lehrer Mitglied dieser Gemeinschaft sein muß. Es sollte einen verbindlichen Religionsunterricht geben, der über alle Aspekte (Geschichte, Einfluß auf unsere Gesellschaft, Kultur etc.) der wichtigen Religionen aufklärt, sich aber nicht positioniert. Das schließt nicht aus, daß die jeweiligen Lehrer einer Gemeinschaft angehören.

    Ich würde es nicht ganz so drastisch ausdrücken wie Lazarus (toller Name für Religionsdiskussion), aber es läuft auf dasselbe hinaus. Sicher ist Religionsunterricht freiwillig, sicher gibt es viele gute Religionslehrer, die auch andere Bekenntnisse behandeln. Das Hauptproblem bleibt, daß dieser Unterricht unter Kontrolle der jeweiligen Glaubensgemeinschaft steht und der Lehrer Mitglied dieser Gemeinschaft sein muß. Es sollte einen verbindlichen Religionsunterricht geben, der über alle Aspekte (Geschichte, Einfluß auf unsere Gesellschaft, Kultur etc.) der wichtigen Religionen aufklärt, sich aber nicht positioniert. Das schließt nicht aus, daß die jeweiligen Lehrer einer Gemeinschaft angehören.

  4. Was hat Religionsunterricht in dieser Form mit Bildung zu tun?
    Hier sollen keine Religionswissenschaftler über die ethischen und historischen Hintergründe verschiedener Religionen vergleichend unterrichten, sondern gesinnungsgeprüfte Geistliche leicht beeinflussbaren Kindern und Jugendlichen eine staatlich sanktionierte Gehirnwäsche verpassen. Wenn Sie das unter Bildung verstehen und wenn dieses Bildungsverständnis repräsentativ für Deutschland ist, dann tut es mir wirklich leid um dieses Land.

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