Fundraiser: Haben Sie mal eine Million?
Wenn ihre Hochschule Geld braucht, ist Fundraiserin Angela Poth zur Stelle
Vor ein paar Jahren sollte Angela Poth eine Laufbahn für den Uni-Sport finanzieren. Poth vermietete kurzerhand die Bahnkurven an Sponsoren. Darunter war auch ein Student, der noch in Aachen eingeschrieben war, aber bereits an einer anderen Uni promovierte. »Er war begeistert, endlich die Kurve zu kriegen«, erzählt Angela Poth lachend. Gute Geschichten sind ihr Kapital. Als Fundraiserin wirbt sie für die RWTH Aachen schon mal Millionenbeträge im Jahr ein.
Knapp ein Drittel der deutschen Hochschulen beschäftigt inzwischen Fundraiser. Damit ist ihre Zahl in den letzten Jahren zwar gewachsen, im Vergleich zu den USA oder Großbritannien aber immer noch gering. »Unis wollen durch Fundraising oft unattraktive Dinge finanzieren, ein marodes Gebäude sanieren, zum Beispiel«, erzählt Angela Poth. Wenn ihr jemand damit kommt, Fundraising sei doch nur eine beschönigende Umschreibung für Klinkenputzen, wird die 33-Jährige energisch. »Das stimmt definitiv nicht. Sponsoren haben schließlich auch etwas von ihrem Engagement: Kontakt zu Studierenden und Professoren etwa. Sie erleben Wissenschaft live. Am besten funktioniert Fundraising, wenn nicht nur die Uni, sondern auch der Sponsor profitiert.«
Fundraiser sind die Marketingspezialisten ihrer Hochschule. Sie entwickeln Ideen, um Unternehmen, Stiftungen oder Privatleute dazu zu bringen, der Uni Geld zur Verfügung zu stellen – angefangen von kleinen Einzelspenden bis hin zu Summen in Millionenhöhe, um beispielsweise teure Geräte anzuschaffen.
»Viele Unis glauben, dass automatisch die Millionen auf dem Konto eingehen, sobald sie einen Fundraiser einstellen«, erzählt Angela Poth. »Dabei geht es beim Fundraising darum, langfristige Beziehungen aufzubauen«, sagt Poth. »Das braucht Zeit.« Ihr bislang größter Erfolg war eine Spende von 40 Millionen Euro, die ein großer Energieversorger der Uni, über zehn Jahre verteilt, für ein Forschungszentrum zur Verfügung stellte.
Warme und kalte Kontakte
Zu Poths Tagesgeschäft gehören auch die Deutschlandstipendien. Damit werden begabte Studenten finanziell unterstützt – zur einen Hälfte vom Staat, zur anderen von der Hochschule. Knapp 130 private Förderer stellen der RWTH hierfür momentan Geld zur Verfügung. Hinzu kommen 50 Sponsoren, die der Universität für andere Projekte Geld spenden. »Wir behandeln jeden Spender gleich, egal welchen Betrag er uns zur Verfügung stellt«, sagt Angela Poth. Alle Sponsoren werden regelmäßig zu Sommerfesten, Alumnitreffen oder anderen Veranstaltungen der Uni eingeladen.
Vom Schreibtisch aus lässt sich das Geld allerdings nicht einsammeln. »Ich bin viel unterwegs, ein Nine-to-five-Job ist das nicht«, sagt Angela Poth. Unterstützt wird sie von einer Sekretärin und drei Kollegen, die sich um Kontakte zu den Alumni der Uni kümmern. Ihre eigenen Kontakte baut Poth in der Regel über Veranstaltungen auf: beispielsweise auf großen Alumnitreffen der Uni, die in unterschiedlichen Städten in ganz Deutschland stattfinden, und über Veranstaltungen der Stadt Aachen oder der Industrie- und Handelskammern. »Wenn ein Unternehmen als Sponsor interessant ist, laden wir Vertreter zu Veranstaltungen unserer Universität ein«, erzählt die Fundraiserin. »Wichtig ist, einen persönlichen Kontakt herzustellen. Bis wir jemanden um eine Spende bitten, vergehen mehrere Treffen.«
Kontakte zu potenziellen Sponsoren unterteilt sie in warm und kalt. Handelt es sich um einen kalten Kontakt, gab es bislang keine Beziehung zum Unternehmen. Bei warmen Kontakten existiert bereits eine Verbindung zwischen Uni und möglichem Spender. Die geht aber nicht immer von Poth selbst aus: »Die ganze Uni muss Fundraising-fit sein, damit wir erfolgreich sein können«, sagt sie. »Gerade in Aachen arbeiten viele Naturwissenschaftler. Professoren und Dozenten haben oft gute Kontakte in die Wirtschaft. Schließlich haben sie für ihre Institute früher selbst Fördermittel eingeworben.« Solche »warmen Kontakte« kann die Fundraiserin schneller um eine Spende bitten.





...gebe sie aber nicht her!
"Fundraiser" - klingt das nicht toll? Fundraising-Manager? Head of Fundraising? Chief executive officer of finance and fundraising (CEOFF)? Mittelakquisiteur? Wer wäre das nicht gern? Klingt wie ein höchst honoriger Job.
Kommen wir der Sache näher: Spendensammler, Geldbeschaffer, Klingelbeutelschwenker: ist ehrliches Deutsch - und klingt schon gar nicht mehr so toll...
Nennen wir das Kind dann vollends beim Namen "Bettler", "Almosen-Sammler", und leisten uns einen kleinen pejorativen Ausrutscher wie "Drittmittel-Stricher" - ja, dann ist der Spaß aber vorbei.
Dann doch lieber ein hirnvernebelnder, Dignität heuchelnder Euphemismus, am liebsten aus dem business-Schwafel-Englisch - und zack, ist die Welt wieder in Ordnung.
die besonders gern und gut in Elfenbeintürmen gedeiht und die da erwarten lässt, es würde auch ohne Anstrengung auskömmliche Mittel regnen können, der Gießkannengott werde es schon richten.
Bevor Sie sich weiter über böse Anglizismen echauffieren, könnten Sie sich ja zunächst mal grundsätzlich mit dem Begriff und der Funktion des Fundraising beschäftigen.
die besonders gern und gut in Elfenbeintürmen gedeiht und die da erwarten lässt, es würde auch ohne Anstrengung auskömmliche Mittel regnen können, der Gießkannengott werde es schon richten.
Bevor Sie sich weiter über böse Anglizismen echauffieren, könnten Sie sich ja zunächst mal grundsätzlich mit dem Begriff und der Funktion des Fundraising beschäftigen.
Meine Hochschule fällt halb auseinander, dutzende Professoren werden entlassen, Studiengebühren wurden abgeschafft...
Da kann man neidisch werden auf gewisse US-Unis mit ihrem Milliarden-Etat, die sich eigene Stadien bauen können. Auf der anderen Seite halte ich es für nicht vertretbar, jedes Semester tausende Dollar Studiengebühren bezahlen zu müssen, sodass nur die reichsten der Reichen dort einen Platz finden. Aber man muss mal überlegen: Woher kommt dieses Geld, was die haben und wir nicht?
Es ist doch höchstwahrscheinlich so, dass dort Papa, der Multimillionär ist, alles bezahlt, weil er einen Bombenjob in der Wirtschaft hat. Demnach müsste das, was an unseren Unis fehlt ja letztendlich bei uns in den Wirtschaftsunternehmen stecken. Darum halte ich es für eine gute Idee, wenn von dort auch wieder etwas zurück an die Unis gelangt (möglichst ohne den Umweg über Papa).
die besonders gern und gut in Elfenbeintürmen gedeiht und die da erwarten lässt, es würde auch ohne Anstrengung auskömmliche Mittel regnen können, der Gießkannengott werde es schon richten.
Bevor Sie sich weiter über böse Anglizismen echauffieren, könnten Sie sich ja zunächst mal grundsätzlich mit dem Begriff und der Funktion des Fundraising beschäftigen.
Wo gibt es denn nur diese Jobs. Noch lieber wäre mir aber Bundespräsident mit Ehrensold. einfach genial!
Ach noch was. Chef der Landeslottogesellschaft, das würde ich auch gern nehmen. Bitte melden...
Natürlich ist ein Euro in der Uni besser aufgehoben als bei CDUCSUSPDFDP. Trotzdem bleiben Zweifel am System selbst.
Jeder von der Uni eingesammelte Euro wird registriert und es erfolgt gerne ein Streichkonzert überflüssiger Mittel(!) von staatlicher Seite.
[...]
Fundraising sucht edle Spender. Die Politik in die Pflicht zu nehmen scheint anstrengender zu sein.
Gekürzt. Bitte bemühen Sie sich um eine sachliche Wortwahl. Danke. Die Redaktion/ag
Bildung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und sollte nicht dem good-will Einzelner oder den Geschäftsinteressen der Firmen überlassen werden, zumal diese wohl meißt nur bedingt mit denen der Bildungseinrichtung oder gar der Schüler/Studenten übereinstimmen...
Aber frei und unbeschwert (denken) Lernende sind offenbar gesellschaftlich nicht erwünscht. Stattdessen produzieren wir intellektuelle Stopfgänse, die sponsorengefällig unkritisch und wirtschaftlich optimiert durch die Einrichtungen geschleust werden...
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