GeschlechterverhältnisDas verteufelte Geschlecht
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Männlichkeit ist die Kurzformel für Missstände aller Art

Sollten wir daraus folgern, dass die Herren Gabriel und Steinmeier einen minderen Anteil an Menschlichkeit besitzen als die Damen Nahles und Kraft? (Wobei, sorry, Letztere dank ihrer Schuldenpolitik keinen Zutritt zum Anti-Testosteron-Club der Ausputzfrauen erhalten sollte.) Und wann wäre dieser Logik nach eine Gesellschaft endlich hinreichend unmännlich, also menschlich: Wenn sie 50 Prozent oder 33 oder 17,3982 Prozent Männlichkeit enthielte? Und wie viel enthält noch mal die jetzige?

Ach, darum geht es auch nicht? Aber worum dann? Worum genau?

Womöglich sind diese Aussagen ja nur zu verstehen, wenn und weil sie eben nichts Genaues meinen. Weil sie nur ein vages Unbehagen äußern, einen groben Vorwurf, der davon lebt, immer unpräzise und daher stets irgendwie plausibel zu sein. Doris Lessing, die große feministische Autorin, beklagte, die Abwertung des Männlichen sei »so sehr Teil unserer Kultur geworden, dass sie kaum noch wahrgenommen« würde. Betäubendes, betäubtes Hintergrundrauschen.

Männlichkeit muss gar nicht erst durch nachprüfbare Kausalketten mit dem Unerwünschten verknüpft werden. Sie erfüllt eine viel schlichtere Aufgabe: Sie ist die Kurzformel für Missstände aller Art. So wie wir gelernt haben, schneller Reize wegen Bildschirme und Plakatwände mit nackten Frauen zu füllen, so haben wir uns antrainiert, jedem Problem einen männlichen Defekt beizugesellen, der es irgendwie verursacht haben soll. Kausalitätspornografie.

Das erlaubt es, über Männer so pauschal und abfällig zu sprechen wie über keine andere Gruppe. Oft genügt für die Verurteilung der bloße Verdacht. Als der frühere Chef des Internationalen Währungsfonds, Dominique Strauss-Kahn, am 14. Mai 2011 in New York verhaftet worden war, weil eine Hotelangestellte behauptet hatte, von ihm vergewaltigt worden zu sein, wusste Amerikas Alpha-Kolumnistin Maureen Dowd in der New York Times schon am nächsten Tag, dass sich DSK »wie ein Bure« (Apartheid!) und »Primitiver« (Barbarei!) im »Höhlenmenschen-Stil« (Neandertaler!) auf »eine hart arbeitende, gottesfürchtige, junge Witwe« (Engel!) gestürzt hatte. Der Spiegel entlarvte nach dem Vorfall den Mann gar als »des Menschen Wolf« (Feind der Menschheit!). Kurze Zeit später ließen die Staatsanwälte alle Vorwürfe gegen Strauss-Kahn fallen.

Es geht nicht darum, diesen Politiker zu verteidigen. Wie man heute weiß, hat er häufig zumindest den Respekt für Frauen vermissen lassen. Es geht darum, zu bemerken, dass einem Mann blindlings eine Vergewaltigung zugetraut wird. Einer Frau aber nicht einmal eine Lüge. Artikel über die Niedertracht der Hotelangestellten sind jedenfalls nicht bekannt, wären indes ebenso evidenzfrei denkbar gewesen. Aber natürlich würden die Leser sie als nicht satisfaktionsfähige Dummheit durchschauen. Geht es dagegen um Männer, adeln wir den Hirnriss zur Erkenntnis: Gerade weil nichts Genaues bekannt ist über die Geschehnisse in Suite 2806 des New Yorker Sofitel, füllen wir das Vakuum mit dem Fantasiebild vom bösen Mann. Geht es um Abscheuliches, dient er als beliebteste Ursache.

Der antimaskuline Reflex lässt sich noch einige Niveaustufen absenken, um dann zu einem formlosen Faul- und Tumbheitsverdacht zu werden, wie ihn gerade beispielhaft der Philosoph Richard David Precht in der Für Sie äußerte: »Die Anzahl der Männer, die mit einem Bier vor dem Fernseher Fußball gucken und einfach nur glücklich sind, ist nun wirklich größer als die Anzahl der Frauen bei einer vergleichbaren Tätigkeit.« Wobei im Dunkeln blieb, a) woher die Statistik stammt und b) was unter einer vergleichbaren Tätigkeit zu verstehen ist: Haar-Extensions einkleben, Germany’s next Topmodel gucken und dabei Baileys schlürfen oder mit der Freundin die neuesten Abenteuer aus den Feuchtgebieten betratschen? Wenn es um Männer geht, begeben sich halt auch Philosophen auf Augenhöhe mit Mario Barth.

Und da wir schon ein bisschen geprobt haben: Versuchen wir einmal, im Duktus der Männerphobie über andere soziale Gruppen zu sprechen. »Wer die menschliche Gesellschaft will, muss die Gesellschaft der Juden überwinden.« Oh Gott! »Das Zeitalter der Östrogene muss beendet werden.« LOL, oder für die Älteren unter uns: haha. »Schwarze sind Tiere.« Oh nein – aber wenn es sich um schwarze Männer handelt, dann ist es vielleicht doch sagbar.

Ach, das ist jetzt aber maßlos übertrieben? Und wenn es das ist, warum spicken wir dann Artikel über Männer mit solchen Maßlosigkeiten? Es ist notwendig, für die Antwort ein wenig auszuholen. 

Feministinnen gelten landläufig als Hauptschuldige am verbreiteten Männerhass. Mal sollen die radikalen Varianten der Post-68er für unser schäbiges Männerbild verantwortlich sein, mal wird die erste Welle der Frauenbewegung Ende des 19. Jahrhunderts als Quelle genannt. Beides ist falsch. Der Feminismus hat die Ideologie der bösen Männlichkeit nicht erfunden, er hat diese nur für eigene Zwecke genutzt und oft sogar richtige und politisch segensreiche Schlüsse daraus gezogen. 

Das Stereotyp vom unmoralischen, gewalttätigen, sexuell unersättlichen Mann ist weit vor dem Feminismus entstanden, an einer historischen Schlüsselstelle: zu Beginn der Moderne, um 1800. Die Geburt des maskulinen Zerrbildes ist also unmittelbar mit der Geburt der modernen Gesellschaft verbunden, seither schreiten beide, Moderne und verteufelte Männlichkeit, gemeinsam und untrennbar durch die Historie. Das Unbehagen an der Moderne wurde zum Unbehagen am Mann. Und umgekehrt. 

Und wir müssen an den Startpunkt zurückgehen, um uns von diesem Missverständnis zu befreien.

Leserkommentare
  1. ... aufgefallen dass, egal wie sehr ich mich anstrenge, mir bis zurück in die 90er Jahre kein Werbespot einfällt in dem nicht der Kerl in irgendeiner Form der Dämliche/Doofe ist. Der letzte wirklich coole Hund, der Marlboro-Mann, ist ja dann auch noch verboten worden.

    Mann stelle sich vor dass wäre die mediale Darstellung von Frauen, was wäre das Geschrei gross!

    Vielleicht schauen Ja deswegen so viele Männer Frauenverachtende Pornos - aus Trotz.

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    dann als Sexhäschen rumhoppeln und die aufgepeppten Lippen zum Schmollmund formen.

    Vorurteil dein Name ist Mensch!!

    Im Großen und Ganzen gibt es Deppen in jeder Fraktion.
    So ist der Mensch eben.

    Das Problem sind die Männercliquen die unter sich bleiben wollen und keine Frauen dabei haben wollen wenn sie kungeln.
    Egal obs in der Wirtschaft oder in der Religion ist.

    Da frage ich mich schon, welches Frauenbild viele Männer denn so haben.Und woher das stammt?

    Und wenn sie sich dann so benehmen, wie sie sich benehmen, dann müssen sie sich nicht wundern wenn man verachtet.

    Allerdings finde ich es witzig, da auch die Zeitungen und die Medien zum großen Teil von Männern gesteuert werden, wie dieses Bild über "die" Männer zustande kommt??
    Ist das miesmachen von Konkurrenten?

    Im übrigen dürfen wir Frauen uns auch an die eigene Nase packen: Wie unsere Söhne erzogen werden, ja doch meist von Frauen, und wie die gewindelt und bekocht werden und wie ihnen oft der A... nachgetragen wird. Aber dann wundern, warum man im Leben auf so merkwürdige Männer trifft.

    Die nicht mal eine Waschmaschine bedienen können ( wollen) aber immer alles besser wissen und sich in der Hochfinanz und der Politik und im Fußball und überhaupt auskennen.

    Und es gibt selten Männer die über sich lachen können. Die meisten reagieren äusserst pikiert wenn man mal einen Witz auf ihre Kosten macht.

    Ich sags Vorurteile wo man geht und steht .

    Dann lache ich doch gleich mal herzhaft. Es gibt auch Frauen, die gerne Pornos sehen. Und manche drehen auch selbst gerne welche. Sie würden sich wundern.

    P.S. Guter Artikel

    Sehr merkwürdiger Kommentar. Werbung ist wesentlich öfter Frauenfeindlich als männerfeindlich. Ich sage nur 'Verona' und Kik, um ein ganz bekanntes Bespiel zu nennen. Ich sehe nicht, was z.B. an Männerdeowerbung männerfeindlich ist. Außer natürlich, dass darin super aussehende Männer vorkommen, was die anderen Männer nur schwer verkraften können, wie ich schon oft festgestellt habe. Dass Frauen im Fernsehen immer super aussehen müssen, ist ja selbstverständlich, aber Männer dürfen doch nicht schöner sein, als der Durchschnittszuschauer. Da muß mann sich zum Trost wirklich einen Porno reinziehebn, verstehe.

    Stimmt, Frauen werden in der Werbung vor allem als intelligent, pragmatisch und eher durchschnittlich attraktiv dargestellt, wenn sie für Finanzprodukte werben, während Männer in der Werbung überdurchschnittlich attraktiv sein müssen, weil sich ja immer leicht bekleidet oder in String-Tangas auf dem Herd oder der Tiefkühltruhe räkeln, um die weibliche Kundschaft anzusprechen oder in Hot Pants ihre Frauen von der Autovollkaskoversicherung zu überzeugen trachten.

    Schauen Sie sich mal die Werbung in den USA an. Dort wird der Mann ganz anders dargestellt. Dort darf er immer noch Macho und sexistisch sein. Glaube aber nicht, dass in den USA deswegen weniger Pornos konsumiert sind.

    Hass ist ein grosses Wort und wohl gewählt, scheint es mir. Hass finde ich selten, eher Ablehnung. Wenn man nun die Dinge, die schlecht laufen, und das tun sie?!, untersucht, ohne das männlein oder das weiblein zu strapazieren, gerät man an menschliche Eigenschaften. Eine wissenschaftliche Arbeit möchte neue Erkenntnisse schaffen. Und hier wird gleich mit einer These gearbeitet: Frauen hassen Männer. Das müsste doch belegt werden? Wie wird diese Aussage belegt. Man hat ein Forschungsobjekt und belegt die Aussage, die man trifft. Vielleicht wird es die Zeit bringen. Wenn wir in 10 Jahren 60 % weibliche Vorstände bei Banken und Industrie haben, dann kann man vergleichen. Und dann hätte man Material und Aussagen zu treffen. Weil ich selbst keine langen Texte mache ich hier schluss.

  2. mich regt er dazu an, aus der SPD auszutreten. Und die Diss werde ich mir auf jeden Fall kaufen.
    Die Frequenz, in der in letzter Zeit Artikel aus dieser Richtung erscheinen, macht doch Hoffnung auf eine aufgeklärtere und bessere Zukunft. Gerade, dass diese Tendenzen so weit zurückgehen und eigentlich gar nichts mit dem Feminismus zu tun haben, war für mich eine neue Erkenntnis. Auch das finde ich ermutigend - kein Gegeneinander, sondern ein Miteinander ist notwendig, um die Emanzipation der Geschlechter voranzutreiben.
    Hoffentlich erkennt das auch das andere Geschlecht.

    3 Leserempfehlungen
    • Afa81
    • 16. April 2012 15:46 Uhr

    ...zu Gute heißen: Die meisten Frauen, die ich kenne sind eigenltlich recht schlaue Köpfe und können bei diesem übertriebenen Feminismusgequatsche auch nurnoch den Kopf schütteln.

    Nun, wenn einige von einem unersättlichen Bedürfnis geplagt sind, die Geschlechter nach Gut und Böse zu trennen - naja, wir haben hier Meinungsfreiheit - nur zu. Aber meine Erfahrung zeigt, dass das bei keinem der beiden Geschlechtern wirklich gut ankommt.

    Wieso findet man eigentlich jeden Artikel aus der Zeit wenige Tage später 1:1 auf Zeit-Online. Die 4 Euro kann man sich dann ja auch sparen ;-)

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    in den Sand und widersprechen nicht diesem Feminismusgequatsche? Wenn wir etwas dagegen sagen, dann heisst es doch wir wollen nur unsere Pfründe verteidigen.

    "... der Umgang mit Geschlechteridentität nur noch besteht im Zerstören angeblicher „Stereotype“, im Herunterziehen beider bis hin zu der Feststellung, dass beide gleichermaßen scheiße sind."

    Dabei weiss man, dass die Umerziehung eines Links- zum Rechtshänder gewaltige psychische Schäden hervorrufen kann.

    Da die Umerziehung eines Jungen zum Mädchen durch das Schlechtmachen des Männlichen wesentlich einschneidender in die Psyche eines Menschen eingreift, als die Dressur einer Hand zum Schreiben, müssen wir uns auf besonders schwere Fälle psychisch Gestörter gefasst machen.

  3. Ja, es fällt mir auch schon seit Jahren auf, dass "der Mann" ein schlechtes Image hat und dass die Gesamtheit an den schwarzen Schafen gemessen wird. Zu Zeiten des Hexenhammers war es umgekehrt, da hatte die Frau ein schlechtes Image... Dabei bestimmt nicht das Geschlecht über das Verhalten einer Person, sondern die individuelle Ethik.
    Aber: Ein bißchen sind die Filme-Macher mitschuld am schlechten Image! Sie kreieren wahre Monster! Shining, Hannibal Lector usw..., dann Verbrecher und Killer zuhauf, glorifiziert in "Der Pate" und anderen Filmen... auf 100 Gewalt- und Gangsterfilme kommen 1 guter biographischer Film über einen großen Mann... Ja, was wollen Sie denn? Kein Wunder, wenn der "Gangsta" zum Vorbild wird.
    Ich sehne mich schon lange nach gut gemachten biographischen Filmen über: Marconi, Einstein, Novalis, Jan Hus, Werner von Siemens, Henry Dunant, Charles Chaplin, Rodin, Maggelan, Maro Polo, Vasco da Gama, Thomas Edison, Henry Ford, Martin Luther King, Franziskus, Thomas Morus, Marc Aurel, Shakespeare,Gottfried Keller usw... Es gibt genug Vorbilder, die guten Stoff abgäben - die Weltgeschichte ist voller hervorragender Männer.
    PS: Nach "Schweigen der Lämmer" bin ich in tiefer Nacht mit dem Radl heim und habe jede männliche Silhouette weiträumig umfahren...- bis ich mir sagte: Es ist doch nicht jeder Hannibal Lector...

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    • Bommel
    • 17. April 2012 16:52 Uhr

    .."Shining, Hannibal Lector usw..., dann Verbrecher und Killer zuhauf, glorifiziert in "Der Pate" und anderen Filmen... auf 100 Gewalt- und Gangsterfilme kommen 1 guter biographischer Film über einen großen Mann..."

    wobei die ersteren Filme überwiegend von Männern geguckt werden und der letztere dann von Frauen, oder?

    Vielleicht sollten Sie weniger kommerzielles Fernsehen und mehr Arte, 3Sat, die Dritten u.ä. schauen - da gibt es die Filme über diese Mänenr schon längst zu sehen.... :)

    Einstein gehört nicht in die Reihe hervorragender Männer und Vorbilder, die Sie da aufzählen. Hier sind Sie wohl auf die Propaganda der diesbezüglich gleichgeschalteten Medien hereingefallen und haben selber keinerlei Einblick. Wenn Sie sich für diesen Mann interessieren, sollten Sie sich besser informieren.

  4. Dass ein solcher Text, der an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lässt, in stickiger Enge feministischer Meinungsführerschaft tatsächlich möglich ist? Ein Versehen?

    3 Leserempfehlungen
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    Das war ...

    "Und da wir schon ein bisschen geprobt haben: Versuchen wir einmal, im Duktus der Männerphobie über andere soziale Gruppen zu sprechen. »Wer die menschliche Gesellschaft will, muss die Gesellschaft der Juden überwinden.« Oh Gott! »Das Zeitalter der Östrogene muss beendet werden.« LOL, oder für die Älteren unter uns: haha. »Schwarze sind Tiere.« Oh nein – aber wenn es sich um schwarze Männer handelt, dann ist es vielleicht doch sagbar."

    ... doch jetzt aber Autobahn, oder?

    Sollte sich jetzt bis zur Zeit herumgesprochen haben, wie sehr die Leute dieser Politische Korrektheit in den Medien überdrüssig sind?

  5. lassen sich ebenso für das weibliche Geschlecht ableiten.
    Aber hier haben wir ja jemanden, der immer noch auf der Anti-Männer-Welle reitet und nicht bemerkt hat, dass diese längst zu Ende ist.

    • ztc77
    • 16. April 2012 15:54 Uhr

    stellt fest, dass nur referiert wird, was ÜBER Männer gesagt oder geschrieben wird.

    Was z.B. seit 1800 an Bockmist durch Männer gebaut wurde und reichhaltigen Anlass gab, die zitierten Thesen zu formulieren, wird (wohlweislich?) nicht angesprochen.

    Der weiblich gebaute Bockmist darf gerne zum Vergleich herangezogen werden.

    MfG

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    Entfernt. Bitte bleiben Sie beim Artikelthema. Danke, die Redaktion/jz

    "Der weiblich gebaute Bockmist darf gerne zum Vergleich herangezogen werden."

    Da gilt es ja eben einiges an strategischer Vernebelung mit dem Ziel dauerhafter Opferstatus zu bekämpfen. Beispiel häusliche Gewalt wurde im Artikel aufgegriffen.
    Und die Zurichtungen bzw. Instrumentalisierungen im Interesse weiblicher Bedürfnisse spiegelt sich nicht nur in den unterschiedlichen Lebenserwartungen wider. Paternalismus lauthals beklagen und gleichzeitig sich seiner zu bedienen ist m.E. der perfideste Bockmist.

    wäre nicht kleiner.

    • ludna
    • 17. April 2012 9:42 Uhr

    Elisabeth (16. Jhr.)
    Katharina die Grosse (etwas vor 1800)
    Victoria, (immerhin Monachin des grössten Kolonialreiches, wenn auch mit eingeschränkter Macht)

    Wenn Frauen Macht haben, sind sie nicht viel anders.

    Aus meiner Erfahrung sogar rücksichtsloser, wenn sie unbedingt etwas erreichen wollen.

    Zu analysieren, was innerhalb eines bestimmten Zeitabschnittes (zb. 1800 bis heute) über eine bestimmte Sache gesprochen, geschrieben, gedacht wurde (zb. Männer), nennt man Diskursanalyse (DA).

    Die dient zb. dazu zu zeigen, wie unrühmlich, klein und porös die Anfänge vermeintlich ganz großer Dinge waren (zb. der "Niedergang" des Männlichen).
    Eine DA dient nicht dem Zweck zu zeigen, wie etwas ist, sondern wie etwas geworden ist und von woher es kam (in dem Artikel zum Thema Männlichkeit bspw. aus der Moralphilosophie der Aufklärung; Zerfall des Ancien Regime, aufgrund dessen die Männer neu zu "ordnen" waren, man könnte fast sagen: aus Angst vor den ganzen kleinen Familienköniigen, die keinem großen König mehr unterstehen, denn der wurde geköpft usw.)

    Die Diskursanalyse dient auch dazu zu zeigen, wie ganze Zeitalter gemeinsam auf Grundlage unbewusster, niemals explizit formulierter Grundsätze gedacht und geschaffen haben. Der Artikel zeigt hierbei den Grundsatz der schlechten Männlichkeit im Gegensatz zur guten Weiblichkeit, der seit vielleicht knapp 223 Jahren (seit 1789) nicht angerührt wurde, dabei aber immer mitgedacht in Politik, Kunst, Kultur (was nicht immer das schlechteste war, aber darum geht es nicht), gleichzeitig aber auch noch nie wirklich explizit formuliert.
    Daraus kann man schließen, dass wir ein wenig immer noch so leben wie kurz nach 1789.
    Manch einer hat das so formuliert: wir haben dem König immer noch nicht den Kopf abgeschlagen. Der König heißt Sex.

    • fegalo
    • 16. April 2012 16:01 Uhr

    Auch wenn der Artikel viele wichtige und richtige Dinge zur Sprache bringt, so muss ich der Kernthese dennoch vehement widersprechen: Es gäbe keine „Natur“ der Geschlechter.

    Dem Rat des Autors folgend, sollte ich hier laut lachen.
    Diese hübschen Beispiele mit dem Priming von Testpersonen können nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Geschlechteridentitäten sich immer neu reproduzieren, zur großen Verzweiflung derer, die sie abschaffen wollen. Jedes Kinderzimmer ist ein ins Auge springender Beweis, vor dem die Gendertheoretiker völlig blind stehen.

    Was mir am meisten aufstößt, ist, dass es offenbar gar nicht mehr möglich scheint, positive Bilder von Männlichkeit oder Weiblichkeit zu haben, zu pflegen und zu verfolgen, sondern der Umgang mit Geschlechteridentität nur noch besteht im Zerstören angeblicher „Stereotype“, im Herunterziehen beider bis hin zu der Feststellung, dass beide gleichermaßen scheiße sind.

    Die angeblichen Widerlegungen irgendwelcher „Wissenschaftler“ zum Thema Geschlechterunterschiede sind Schall und Rauch. Die Herrschaften suchen schlicht an der falschen Stelle. Der Unterschied besteht nämlich im „Wie“ nicht in irgendeinem „Wieviel“. Es fühlt sich verschieden an, wenn man als Kind vom Vater oder von der Mutter vorgelesen bekommt. Dass wir diesen gefühlten Unterschied nicht operationalisieren können, ist völlig unerheblich, aber er ist da, er ist so augenfällig, dass ich immer wieder fassungslos bin, dass Menschen ihn abstreiten.

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    Ich danke Ihnen für Ihren klugen Kommentar, Fegalo.

    So wichtig ich diesen Artikel finde und so gern ich ihn gelesen habe, eine zu starke Einheitsbreikocherei in Geschlechterfragen hilft nicht weiter.

    Und: Simon Baron-Cohens These ist meines Wissens aus dem Kontext gerissen worden, in dem sie entstand, und sie ist alles andere als "lachhaft". Im Zusammenhang mit der Erklärung autistisch verdrahteter Gehirne ist sie sogar überaus plausibel.

    • th
    • 16. April 2012 18:27 Uhr

    nicht alles glauben, was einem so vorgesetzt wird.
    Manches an diesem Text mag richtig sein - dass es keine Unterschiede zwischen Männern und Frauen gäbe, das widerlegt die Wirklichkeit überall und jeden Tag. Dass es falsch ist, an diesen Unterschieden Klichees festzumachen, stimmt allerdings auch.

    Überhaupt sollte man lernen, der eigenen Wahrnehmung, der eigenen Erfahrung, dem eigenen Urteil mehr zu trauen, als irgendwelchen Verlautbarungen, egal von welcher Seite.

    • th
    • 16. April 2012 18:30 Uhr

    wenn das Ziel, alle eingeborenen Männer endgültig zu "Softies" zu erziehen, erreicht ist, dann werden sich die aktivsten Frauen gelangweilt von diesen abwenden, und sich "richtige Machos" suchen - und die werden dann nicht von hier sein.

    Wie bitte - das gibts schon?

    Das nennt man Dialektik!

    • jop
    • 17. April 2012 9:44 Uhr

    Sehr guter Kommentar zu einem (leider) nur guten Artikel. Kucklick beginnt hervorragend, die Analyse der jahrhundertealten Männerfeindlichkeit ist sehr aufschlußreich. Die Behauptung, daß es keine statistischen Unterschiede zwischen den Geschlechtern gäbe, ist aber in der Tat zum Lachen.

    Das Problem hier ist, daß eine Wissenschaftsautorin (wer es kann, tut es, wer es versteht, aber nicht selbst kann, lehrt es, wer es weder kann noch versteht, schreibt darüber...) und eine Literaturwissenschaftlerin ganz einfach nicht kompetent sind, die Unterschiede zu beurteilen. Das können Biologen und Mathematiker - es geht immerhin um die kompetente Auswertung von Statistiken, das können beileibe nicht alle.

    Daß einzelne Individuen trotzdem Eigenschaften haben können, die man häufiger beim anderen biologischen Geschlecht fidnet, ist doch klar. Aber biologische Geschlechtsunterschiede treten in der Masse zutage, im Durchschnitt. Deshalb muß es Gleichberechtigung geben, damit Frauen dasselbe erreichen können wie Männer, deshalb darf es aber keine Gleichstellung geben, weil Quoten lediglich das natürliche Gleichgewicht, das sich in einer gleichberechtigten Gesellschaft einstellt, mit Gewalt verschieben wollen, was auf Dauer nicht funktioniert.

    Insgesamt ist der Artikel natürlich dennoch positiv zu bewerten und war im feministischen Mainstream der Zeit längst überfällig. Danke für diese Zurschaustellung der historischen Männerfeindlichkeit.

    Kucklick begeht denselben Fehler wie die Gender Mainstream- Bewegung:
    Anstatt die positiven Seiten der Unterschiedlichkeit zu formulieren, will er die Unterschiede nivellieren. Schade.
    Das ist so, als ob man Frauen und Männer NUR noch als Menschen betrachtet. Ist ja auch richtig so, aber wer die Unterschiede der Pole negiert, wer behauptet, "Natur gibt es nicht!", der legt einen Maulschlüssel auf die Pole der Autobatterie. Kurzschluss, keine Spannung mehr zwischen den Polen der Geschlechter, von Leistung gar nicht mehr zu reden, Batterie unbrauchbar, Scheidungsquoten steigen, Zeugungsstreik, Bevölkerungsschwund. ... Elend.
    Das KANN so weiter laufen, MUSS aber nicht. Kucklick selbst formuliert den Ansatz: "Geschlechterverhalten entsteht nicht durch Hormone, es entsteht durch Worte."
    Also reden wir, aus der Neuen, männlichen und weiblichen Identität heraus, aus der Spannung, die dann entstehen kann und bauen kraftvoll etwas Gemeinsames aus diesen Unterschieden!
    p.s.: "Die Wahre Kraft des Mannes", DAS Männerbuch ist erschienen
    Herzlichen Gruß

    Thomas F

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