Designerin Stine GoyaFrau Kunterbunt

Die dänische Designerin Stine Goya entwirft farbenfrohe Mode, die sie selbst gern trägt – und trifft damit das Lebensgefühl junger Frauen

am ende Fragt Stine Goya, ob man noch den Ausblick sehen möchte, und geht mit ihrem Laptop in der Hand hinüber zu den hohen Fenstern. Sie ist 33 und telefoniert per Skype von ihrem Wohnzimmer aus, eine schlanke Frau mit langen roten Haaren. Irgendwo hinter ihr in der weitläufigen Altbauwohnung hört man Vera und Albert, die Kinder ihres Partners Thomas Hertz. Der ist gerade mit dem gemeinsamen Sohn Elliott unterwegs. Draußen vor dem Fenster sieht man die Seen im Zentrum von Kopenhagen, Schwäne auf dem Wasser, ein paar Radfahrer, über allem liegt ein blasses Licht, das es so wohl nur in Kopenhagen gibt. »Mein Leben hier ist gut«, sagt Stine Goya.

Vor Kurzem hat sie ihre Herbst-Winter-Kollektion 2012 auf der Copenhagen Fashion Week gezeigt. Die Präsentation fand im Rathaus statt. Auch andere Designer präsentierten dort ihre Entwürfe. Aber bei keiner anderen Schau drängelten sich die Zuschauer auf den Stehplätzen. Auf dem Laufsteg sahen sie drapierte Kleider, locker fallende Seidenhosen und Blusen, darüber Bikerjacken aus weichem Leder, in Farben, die Stine Goya zu ihrem Markenzeichen gemacht hat: Grau und Schwarz als Hintergrund, darauf auffällige Töne wie Safran, Mandarine, Koralle. Eine erwachsene Kollektion, umkompliziert weiblich und sehr lässig. Es war eine dieser Schauen, bei denen niemand auf die Models achtete und jeder auf die Entwürfe. Stine Goya macht Kleidung, die getragen wird. Im Publikum saßen die hübschen Däninnen in ihren Goya-Kleidern.

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»Ich glaube, die Schau ist gut angekommen«, sagt Stine Goya. Ihr sommersprossiges Gesicht ist ungeschminkt, ihre auffallenden Haare sind zu einem Pony geschnitten. Für ihre Schau im letzten Sommer setzte sie den Models Perücken mit haargenau ihrer Frisur auf, sodass der Eindruck entstand, auf dem Laufsteg seien lauter Stine Goyas. Sie war damals hochschwanger, der Geburtstermin von Elliott sollte am Tag der Schau sein, also dachte sie: Wenn ich nicht dabei sein kann, sollen die Zuschauer trotzdem das Gefühl haben, ich sei da. Elliott kam dann doch später zur Welt, und Stine Goya betrat, schwanger, wie sie war, am Ende selbst den Laufsteg. Von den anderen rothaarigen Frauen unterschied sie sich nur durch ihren dicken Bauch. Ein hübscher Gag. Und ein selbstbewusstes Zeichen dafür, dass sie vom eigenen Stil überzeugt ist. »Bei jeder Kollektion frage ich mich: Was möchte ich gerade tragen?«, sagt sie.

Diese Frage war immer die entscheidende, auch als Stine Goya ihr Label 2006 nur mit einer Festangestellten und ein paar Praktikanten gründete. Am Anfang hat sie fast alles selbst gemacht, neben dem Design auch den Verkauf und das Marketing.

Ihre ersten eigenen Kleider hat sie schon mit neun Jahren genäht. In dem Fischerdorf nördlich von Kopenhagen, wo Stine Goya aufgewachsen ist, wurde die Rothaarige mit den merkwürdigen Klamotten – sie erinnert sich heute mit Kopfschütteln an eine Kombination aus neongrüner Radlerhose und passendem T-Shirt – eher belächelt als bewundert. Gleichgesinnte traf sie erst, als sie nach der Schule auf das renommierte Central Saint Martins College of Art und Design in London ging, um Mode zu studieren. »Es war fantastisch. Plötzlich fühlte ich mich nicht mehr komisch. Ich war eine unter vielen komischen Typen«, sagt sie.

Nebenbei arbeitete sie als Model, unter anderem für Chanel. Es war ihr Agent, der aus ihr, Stine Nistrup, dem Mädchen aus der Provinz, Stine Goya machte. Der neue Name passte besser zu ihrem Gesicht, fand die Agentur, er klang nach spanischer Porträtkunst und nicht mehr nach einem dänischen Würstchen.

Leserkommentare
  1. Es waere schön gewesen, wenn hier noch ein paar Bilder oder eine Fotostrecke angeboten worden waere, um die Kollektion der Designerin zu veranschaulichen.
    Hat es besondere Gründe, dasz auf Fotos verzichtet wurde?

    Eine Leserempfehlung
  2. Die Mode ist auf den Webseiten der Designerin dargestellt, wenn man oben im Artikel auf ihren Namen klickt. Da sind Fotos satt.

    Und sehr schöne Mode ...

    Liebe Grüße
    Bastetqueen

    Eine Leserempfehlung

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