WasseraktienKühles Geschäft

Wasserfonds locken mit hohen Renditen. Die Wasserknappheit beheben sie nicht. von Katja Scherer

Sein Geld vermehren und dabei noch etwas Gutes tun – das ist ein alter Gedanke, der sich nach wie vor gut verkauft. Von nachhaltiger Geldanlage ist dann gerne die Rede, und als solche gelten auch sogenannte Wasserfonds . Die Idee dahinter ist simpel: Wasser ist knapp, und gute Ansätze, wie diese Knappheit bekämpft werden kann, sind rar. Unternehmen, die daran arbeiten, die Wasserversorgung zu verbessern, können daher viel Geld verdienen. Davon wollen Fondsanbieter profitieren, indem sie in diese Firmen investieren.

»Der Markt für die Bereitstellung von Wasser wächst«, sagt Walter Liebe, Investmentspezialist des Pictet Water Fund. Der Fonds wurde 2000 als erster derartiger Spezialfonds gegründet und ist mit einem Volumen von rund 1,3 Milliarden Euro der größte seiner Art auf dem deutschsprachigen Markt. Investiert wird in Firmen, die Rohre und Pumpen herstellen, Meerwasser entsalzen oder Abwasser reinigen.

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»Das Thema Wasser wird gerade auf lange Sicht immer wichtiger«, glaubt Liebe. Rund 884 Millionen Menschen haben derzeit keinen Zugang zu sauberem Wasser , so steht es im aktuellen Weltwasserbericht der Unesco . Mehr als ein Drittel der Weltbevölkerung lebt ohne sanitäre Anlagen, und 80 Prozent des städtischen Abwassers fließen weltweit unbehandelt in Flüsse, Seen oder ins Meer.

Betroffen sind nicht nur arme Länder. Auch in Industrieländern bereitet die Versorgung mit Wasser zunehmend Probleme. In vielen westlichen Großstädten ist die Infrastruktur marode, weil die Netze in der Vergangenheit kaum ausgebessert wurden. Die Rohre lecken oft derart stark, dass ein großer Teil des kostbaren Wassers gar nicht erst beim Verbraucher ankommt. So geht in London rund ein Drittel des Trinkwassers bereits auf dem Weg durch undichte Leitungen verloren, in New York ist es ein Fünftel. Viele Länder stecken sehr viel Geld in die Verbesserung ihrer Wasserwirtschaft. China hat in seinem aktuellen Fünfjahresplan 450 Milliarden US-Dollar dafür vorgesehen. Und die USA haben im Rahmen ihres riesigen Konjunkturpakets viel Geld für entsprechende Programme ausgegeben. Nach Berechnungen der deutschen Außenwirtschaftsagentur Germany Trade and Invest verteilten sie bisher immerhin 13 Milliarden Dollar, insbesondere zur Finanzierung von Abwasserprojekten.

Unternehmen, die im Wassersektor arbeiten, werden sich vor Aufträgen kaum retten können, so das Kalkül vieler Investmentgesellschaften . Mittlerweile gibt es europaweit knapp 20 Wasserfonds, die meisten davon wurden erst in den vergangenen Jahren aufgelegt. Die teils offenen, teils geschlossenen Fonds enthalten Aktien von börsennotierten Konzernen, von denen die Mehrheit in den USA oder in Europa ansässig ist. Wer als privater Anleger in die Fonds investiert, erwirbt also indirekt Wasseraktien. Wirtschaften die Konzerne erfolgreich, werden die Fonds am Gewinn beteiligt. Die Bezeichnung Wasserfonds führt somit in die Irre: Anders als zum Beispiel bei Getreide wird nicht in den Rohstoff selbst investiert, sondern in Unternehmen der Wasserwirtschaft.

Da es sich dabei um ganz unterschiedliche Firmen handelt, ist es für Anleger schwierig zu erkennen, wo genau ihr Geld eigentlich ankommt. Eines aber ist klar: In erster Linie sind die Fonds an einer möglichst hohen Rendite interessiert. Mit sozialem Engagement haben sie wenig gemein. Dennoch preisen viele Anbieter ihre Fonds als besonders nachhaltige Anlageform. »Mit dem Wasserfonds helfen wir, ein wirtschaftliches und gesellschaftliches Problem zu lösen«, wirbt etwa die Schweizer Investmentgesellschaft SAM, der zweitgrößte Anbieter im deutschsprachigen Raum, und verweist zum Beispiel auf eines seiner Investments in Manila auf den Philippinen . Seit das Unternehmen Manila Water dort die Versorgung übernommen habe, hätten deutlich mehr Menschen sauberes Wasser als zuvor. Das klingt nach Weltverbesserung.

Klaus Lanz vom Schweizer Forschungs- und Beratungsinstitut international water affairs hält derlei Darstellungen für Augenwischerei. »Wer denkt, er könne durch die Investition in einen Wasserfonds die weltweite Knappheit bekämpfen, der irrt«, sagt er. Oft genug habe sich bereits gezeigt, dass privates Engagement in der Wasserversorgung mehr schade als nutze.

Leserkommentare
  1. aber mal im ernst
    wer kein geld hatt holt sich das wasser trotzdem (oder krepiert)
    also hatt man sicherheitsnebenkosten...(bürger)krieg...marktverfall...einnahmeneinbußen...immer noch mehr sicherheitskosten...
    wie lange bis zur firmenpleite?
    das bringt es, wie der markt immer und immer wieder beweist, einfach nicht.
    rein vom gewinnund marktorientierten denken her muss diese finanzierung von den staaten, die damit ihre bevölkerung versorgen, kommen, und sich an dem orientieren was diese bevölkerung aufbringen kann
    erst dann kann man ein vernünftiges finanzierungskonzept hinnlegen
    sie können natürlich noch ein paarmal "nicht die karitas" schreiben
    aber damit kommt niemand auf diesem markt weiter
    weder in afrika
    noch hierzulande

    • Afa81
    • 14. April 2012 23:32 Uhr

    ...der Wasserfond steigt, wenn Unternehmen, welche Equipment für die Erschließung, Wiederaufbereitung und den Transport von Wasser herstellen, Gewinne machen.
    Dadurch müssen diese Unternehmen ihre Güter auch zu einem nicht sozialen (ich meine das wörtlich und nicht antikapitalistisch) Preis verkaufen.
    Diese Kosten werden von den Wasserbetrieben auf den Endkunden umgelegt.
    In Afrika können sich weder die Firmen noch die Menschen dieses Equipment leisten - ihnen wird der Fond nichts bringen - durch die Gewinnpflicht eher noch schaden.

    Wirklich - ich will hier keinen Kapitalismusbashing betreiben - wenn ich falsch liege, korrigieren sie mich. Wenn nicht - dann denke ich, ist unsere Gesellschaft - gewollt - zu schlecht in Wirtschaft ausgebildet. Ich meine, ein Unternehmen, welches sich vor Aufträgen nicht retten kann - wird das einen Börsengang um weiteres Kapital zu bekomen, nötig haben? Wir wissen doch alle, wie börsennotierte Unternehmen handeln. Die Aufsichtsräte MÜSSEN sogar unsozial handeln, da sie dem Wohl der Firma verpflichtet sind.
    Ich weiß nicht - mir wäre wohler, wenn die Rohre von mittelständischen Familienunternehmen hergestellt werden würden und es eine gesunde Konkurrenz auf dem Markt geben würde - mehr will ich garnicht, weil an die Geldvermehrerei glaube ich nicht mehr. Das ging jetzt zu oft in die Hose...

    • Afa81
    • 14. April 2012 23:42 Uhr

    ...aber die Erfahrung zeigt, dass die Gewinnsteigerungen in Bereichen, welche für uns lebensnotwendig sind, ins grenzenlose steigen.
    Energie: Wir alle wissen, dass wir abgezockt werden. Jedes Jahr wenn es kalt wird, steigen auf mysteriöse Weise die "Rohstoffkosten".
    Und einen Monat später grinst uns ein Aufsichtsratchef an und verkündet 30% Gewinnsteigerung.
    Pharmaunternehmen haben Umsatzzahlen, welche das BIP einiger westlicher Industrienationen übersteigt.
    Wenn BMW einen 790 mit elektrischen Ledersitzen, welche einem beim Fahren noch einen runterholen für einen Verkaufspreis von 500 000 Euro entwickelt, ist das in Ordnung. Jeder kann selbst entscheiden, ob er gewillt ist diese Summe aufzubringen oder doch lieber einen Ford KA oder garkeine Auto fahren möchte.
    Aber wer kann auf Strom, Heizung, Medikamente, Nahrung etc. verzichten? Wo ist hier die Konkurrenz, wenn sich die Unternehmen absprechen?
    Auch beim Wasser ist eine solche Entwicklung abzusehen... und die Erfahrung zeigt, dass es nicht bei einem sozialen Gewinnzuwachs bleiben kann.
    Ich bin absolut für die Marktwirtschaft. Aber bei diesen oben genannten lebensnotwendigen Bereichen stehe ich teilweise den Verstaatlichungsplänen der Linken näher. Das heißt nicht, dass nicht BMW weiter seine Luxuskarrosen bauen kann oder D&G Jeans für 200 Euro das Stück verkaufen darf - hier haben wir die Wahl!

  2. 12. Auch...

    ...mit Wasser lässt sich richtig viel Geld verdienen. Wie man hört, hat Veolia deren Geschäftsschwerpunkt im Bereich Wasser liegt, "Interesse" am Great-Man-Made-River-Projekt, daß 1980 von Gadaffi in´s Leben gerufen wurde,angemeldet. Wir erinnern uns, Sarkozy war einer der treibenden Kräfte,der den NATO-Einsatz gegen Libyen forderte und Veolia ist ein französisches Unternehmen.

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    nur kann man (wie bei jedem produkt)nur das geld verdienen das der kunde für das produkt übrig hatt
    abzüglich der kosten

  3. nur kann man (wie bei jedem produkt)nur das geld verdienen das der kunde für das produkt übrig hatt
    abzüglich der kosten

    Antwort auf "Auch..."
  4. das könnt ihr, solange sie euch gehört. Was nehmt ihr mit in euern Sarg?
    Weshab also verkauft ihr, was euch nicht gehörte vor eurer Zeit und nicht gehören wird nach eurer Zeit?

  5. Genau wie die Spekulation mit Nahrungsmitteln bedenklich ist, so ist auch Wasser kein reines Marktgut, einfach schon deshalb weil es dafuer keine Substitution gibt.

    Was wir mit diesen Funds sehen, ist eine private Geldmacherei mit oeffentlichen Geldern. Oeffentliche Auftraege sind dringlich und dafuer gibt es keinen Markt, d.h. keine Alternativen. Was wir nun sehen ist der Transfer von oeffentlichen Geldern in private Taschen; das tatsaechliche Ziel von neoliberaler Gesinnung. Die Brotkrumen die dabei fuer den privaten Investor abfallen sind zu vernachlaessigen. Was aber die grossen internationalen verdienen ist betraechtlich. Und die Reichen werden immer reicher, waehrend die Armen nun verdursten.

  6. Wasser ist anders, es ist halt nicht Wein. In der Tat waere es besser fuer die Menschheit wenn es nur non-profit Organisationen gestattet wuerde sich um die Wasserversorgung zu kuemmern. Die besten Loesung findet man, wenn die Menschen vor Ort die Wasserver- und entsorgung regeln. Seit der Gedanke von Profit ins Spiel gekommen ist ist die Lage an manchen Orten so sehr deterioriert dass der Staat einschreiten musste.

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  • Schlagworte Unesco | Abwasser | Fonds | Geld | Investmentgesellschaft | Rendite
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