Ein Aufstand ist im Gange, auch wenn es derzeit noch ein sehr höflicher Aufstand ist. Im Streit um das Betreuungsgeld hat sich etwas ereignet, was in der CDU bislang undenkbar war: Ausgerechnet die Gruppe der Frauen – die einzige wirkliche Hausmacht von Bundeskanzlerin Angela Merkel – ist aus dem Ruder gelaufen, trotz eines Machtworts aus dem Kanzleramt, trotz der gefürchteten Einzelgespräche mit dem Fraktionsvorsitzenden Volker Kauder und trotz des Koalitionsvertrages, in dem man sich der CSU gegenüber zur Einführung des Betreuungsgeldes verpflichtet hat.

Es geht nicht nur um die 1,2 Milliarden Euro, die das kosten wird , was in den Oppositionsparteien "Herdprämie" heißt: die 150 Euro im Monat für Eltern, die ihre Kinder zu Hause erziehen. Es geht um das Frauenbild der Union. Gibt es einen konservativen Feminismus? Braucht man überhaupt einen? Oder hält man es wie mit der Ökologie und dem Mindestlohn und übernimmt einfach das, was Rot-Grün vorgelegt hat?

Wenn dieser Aufstand ein Gesicht hat, ist es am ehesten das von Rita Pawelski aus Himmelsthür bei Hildesheim. "Wer hätte gedacht", hat die 63-jährige Vorsitzende der Gruppe der Frauen (GdF) noch vor ein paar Tagen gesagt, "dass ich in meinem Alter noch einmal zur Rebellin werde?" Niemand jedenfalls, der Pawelskis Fotowand gesehen hat: die Abgeordnete mit Helmut Kohl ("der Boss und seine Hannoveranerin"), die Abgeordnete als "Frau Oberleutnant zur See" oder mit Haarreifen im blonden Pagenschnitt neben Volker Kauder beim Sommerfest.

Und doch war es diese stets loyale Parteisoldatin, gelernte Kontoristin, dann Sparkassenangestellte und freie Journalistin, die öffentlich Volker Kauder entgegentrat, als er bei einer Fraktionssitzung versuchte, die Rebellinnen zum Schweigen zu bringen. "Wir waren entsetzt", hat sie am Tag danach gesagt. "Wir haben deutlich erklärt, dass man mit uns nicht so umgehen kann. Das gehört sich nicht."

Niemals wird die Kanzlerin ihre Koalition für die Frauen opfern

Noch in derselben Woche hat Kauder alle weiblichen Abgeordneten zu sich eingeladen und sich entschuldigt, Pawelski fand das Gespräch toll. Nun bastelt man an einem Kompromiss mit der CSU: kein Bargeld, lautet die Forderung der CDU-Frauen, sondern Gutscheine oder höhere Rentenzahlungen.

Aber die Rebellinnen ahnen, dass sie die Schlacht um das Betreuungsgeld verloren haben: Niemals wird die Kanzlerin ihre Koalition für die Frauen opfern, obwohl jeder weiß, dass auch Merkel das Betreuungsgeld für sozialpolitischen Unsinn hält. Es gehe auf Kosten der Kita-Plätze , von denen lange nicht genug bereitstünden, um von Wahlfreiheit reden zu können; es bestärke gerade bildungsferne Familien im Zuhausebleiben, deren Kinder dringend mehr Anregung und Betreuung brauchten – so lauten die Haupteinwände der Gegner.

Danke, emanzipiert sind wir selber

Aber die CSU schickt ihre engagiertesten Frauenpolitikerinnen – Sozialministerin Christine Haderthauer und die stellvertretende Generalsekretärin Dorothee Bär –vor, um klarzumachen, dass es für die Bayern hier ums Eingemachte geht ("Sozialdemokratisierung der Union schreitet voran!"). Nun arbeitet die Frauenministerin Kristina Schröder , die auch nicht recht an das Betreuungsgeld glaubt, aber an die Kabinettsdisziplin gebunden ist, einen Gesetzentwurf aus, der die Fronten begradigen soll.

Schröder ist es auch, die nun das Manifest der "Bewegung" vorgelegt hat, die keine sein will: Danke, emanzipiert sind wir selber heißt ihr Buch, das am 16. April erscheint. Konservativer Feminismus, so macht sie klar, will etwas Eigenes sein; nicht einfach der Nachvollzug dessen, was die Linken schon seit vierzig Jahren propagieren.

Wenn die SPD in ihren familienpolitischen Texten als Erstes von der "Familienarbeit" spricht, von der Frauen entlastet werden sollen, dann finden sich Politikerinnen wie Rita Pawelski in diesem Sound einfach nicht wieder. Bei vielen Grünen der alten Schule ist schon das Wort "Familie" schwierig; sie sprechen lieber von "Frauen" und "Kindern", vordringlich auch von Alleinerziehenden.