BetreuungsgeldWir basteln uns ein Frauenbild

Der Streit um das Betreuungsgeld hat die Frauen in der CDU aufgebracht: Auf einmal entdecken sie den Feminismus für sich. von 

Ein Aufstand ist im Gange, auch wenn es derzeit noch ein sehr höflicher Aufstand ist. Im Streit um das Betreuungsgeld hat sich etwas ereignet, was in der CDU bislang undenkbar war: Ausgerechnet die Gruppe der Frauen – die einzige wirkliche Hausmacht von Bundeskanzlerin Angela Merkel – ist aus dem Ruder gelaufen, trotz eines Machtworts aus dem Kanzleramt, trotz der gefürchteten Einzelgespräche mit dem Fraktionsvorsitzenden Volker Kauder und trotz des Koalitionsvertrages, in dem man sich der CSU gegenüber zur Einführung des Betreuungsgeldes verpflichtet hat.

Es geht nicht nur um die 1,2 Milliarden Euro, die das kosten wird , was in den Oppositionsparteien "Herdprämie" heißt: die 150 Euro im Monat für Eltern, die ihre Kinder zu Hause erziehen. Es geht um das Frauenbild der Union. Gibt es einen konservativen Feminismus? Braucht man überhaupt einen? Oder hält man es wie mit der Ökologie und dem Mindestlohn und übernimmt einfach das, was Rot-Grün vorgelegt hat?

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Wenn dieser Aufstand ein Gesicht hat, ist es am ehesten das von Rita Pawelski aus Himmelsthür bei Hildesheim. "Wer hätte gedacht", hat die 63-jährige Vorsitzende der Gruppe der Frauen (GdF) noch vor ein paar Tagen gesagt, "dass ich in meinem Alter noch einmal zur Rebellin werde?" Niemand jedenfalls, der Pawelskis Fotowand gesehen hat: die Abgeordnete mit Helmut Kohl ("der Boss und seine Hannoveranerin"), die Abgeordnete als "Frau Oberleutnant zur See" oder mit Haarreifen im blonden Pagenschnitt neben Volker Kauder beim Sommerfest.

Und doch war es diese stets loyale Parteisoldatin, gelernte Kontoristin, dann Sparkassenangestellte und freie Journalistin, die öffentlich Volker Kauder entgegentrat, als er bei einer Fraktionssitzung versuchte, die Rebellinnen zum Schweigen zu bringen. "Wir waren entsetzt", hat sie am Tag danach gesagt. "Wir haben deutlich erklärt, dass man mit uns nicht so umgehen kann. Das gehört sich nicht."

Niemals wird die Kanzlerin ihre Koalition für die Frauen opfern

Noch in derselben Woche hat Kauder alle weiblichen Abgeordneten zu sich eingeladen und sich entschuldigt, Pawelski fand das Gespräch toll. Nun bastelt man an einem Kompromiss mit der CSU: kein Bargeld, lautet die Forderung der CDU-Frauen, sondern Gutscheine oder höhere Rentenzahlungen.

Aber die Rebellinnen ahnen, dass sie die Schlacht um das Betreuungsgeld verloren haben: Niemals wird die Kanzlerin ihre Koalition für die Frauen opfern, obwohl jeder weiß, dass auch Merkel das Betreuungsgeld für sozialpolitischen Unsinn hält. Es gehe auf Kosten der Kita-Plätze , von denen lange nicht genug bereitstünden, um von Wahlfreiheit reden zu können; es bestärke gerade bildungsferne Familien im Zuhausebleiben, deren Kinder dringend mehr Anregung und Betreuung brauchten – so lauten die Haupteinwände der Gegner.

Danke, emanzipiert sind wir selber

Aber die CSU schickt ihre engagiertesten Frauenpolitikerinnen – Sozialministerin Christine Haderthauer und die stellvertretende Generalsekretärin Dorothee Bär –vor, um klarzumachen, dass es für die Bayern hier ums Eingemachte geht ("Sozialdemokratisierung der Union schreitet voran!"). Nun arbeitet die Frauenministerin Kristina Schröder , die auch nicht recht an das Betreuungsgeld glaubt, aber an die Kabinettsdisziplin gebunden ist, einen Gesetzentwurf aus, der die Fronten begradigen soll.

Schröder ist es auch, die nun das Manifest der "Bewegung" vorgelegt hat, die keine sein will: Danke, emanzipiert sind wir selber heißt ihr Buch, das am 16. April erscheint. Konservativer Feminismus, so macht sie klar, will etwas Eigenes sein; nicht einfach der Nachvollzug dessen, was die Linken schon seit vierzig Jahren propagieren.

Wenn die SPD in ihren familienpolitischen Texten als Erstes von der "Familienarbeit" spricht, von der Frauen entlastet werden sollen, dann finden sich Politikerinnen wie Rita Pawelski in diesem Sound einfach nicht wieder. Bei vielen Grünen der alten Schule ist schon das Wort "Familie" schwierig; sie sprechen lieber von "Frauen" und "Kindern", vordringlich auch von Alleinerziehenden.

Das Glück fehlt den CDU-Frauen in diesen Beschreibungen, die Hoffnungen, die Menschen mit dem Leben in einer Familie verbinden, und die gegenseitige Verantwortung. Auch die Wertschätzung der Ehe als Institution. Gerade der Feminismus Alice Schwarzers, so kritisiert Schröder, würde heterosexuellen Sex immer wieder als Gewalterfahrung darstellen – die Lust, eigentlich doch ein Fanal der Achtundsechziger, sei darin abhandengekommen.

In der Familienprosa der Union hallt noch die Erfahrung der NS-Zeit nach, die Christdemokraten als eisigen Übergriff des Staates auf das private Leben verinnerlicht haben. Wenn die bayerische JU-Vorsitzende Katrin Albsteiger Kritik aus der Wirtschaft am Betreuungsgeld mit den Worten kommentiert: "Frauen sind keine Legehennen", dann schwingt dieser Zusammenhang noch immer mit. Dass Mütter, die zu Hause bleiben wollen, unter Rechtfertigungsdruck geraten seien, ist eine oft gehörte, seltener belegte Überzeugung konservativer Frauenpolitikerinnen in der Union.

Die Horrorvision des Fraktionschefs könnte durchaus noch vor dem Sommer wahr werden: ein Gruppenantrag der Frauen, bei dem CDU-Abgeordnete mit der Opposition stimmen: diesmal für die Einführung einer gesetzlichen Frauenquote. Das hat es bisher zwei Mal gegeben, und beide Male haben sich schmerzlich in die Erinnerung der Parteispitze eingebrannt: Da war 1992 die Abstimmung über die Fristenlösung beim Abtreibungsparagrafen 218. Und dann war da die Abstimmung über die Strafbarkeit von Vergewaltigung in der Ehe – schwer zu glauben, aber diese Forderung fand erst 1997 eine Mehrheit.

"Es macht Spaß, etwas bewegt sich"

Angela Merkel hat sich bisher aus Koalitionsdisziplin mit der FDP gegen die gesetzliche Quote gestellt; eine solche überparteiliche Frauen-Abstimmung wird sie mit aller Kraft zu verhindern versuchen – und sei es, indem sie einlenkt. Die Vorbereitungen sind längst im Gange: Bei der Verfassung der "Berliner Erklärung" für eine gesetzliche Quote, die seit Dezember von 17000 Frauen unterzeichnet wurde, gehörten sechs Bundestagsabgeordnete aus allen Fraktionen zu den Initiatorinnen, von Rita Pawelski bis Cornelia Möhring von der Partei Die Linke.

Man trifft sich regelmäßig. Es macht Spaß. Etwas bewegt sich. Und wenn die Reserve gegenüber der Quote fällt – wer garantiert, dass die CDU-Rebellinnen nicht eines Tages das Ehegattensplitting und das Kindergeld ins Visier nehmen? Alles scheint möglich, wenn ein Landesverband der CDU ausgerechnet Alice Schwarzer als Wahlfrau in die Bundesversammlung entsendet.

Pawelski hat zwei erwachsene Töchter, die ebenso berufstätig sind, wie sie es zeitlebens war. Sie und ihre Mitstreiterinnen wollen sich von den Befürworterinnen des Betreuungsgeldes nicht sagen lassen, ihre Position sei irgendwie weniger "christlich" – so, als sei Christentum schon eine soziologische Vorgabe gegen Patchworkfamilien oder verlange das Tragen eines Faltenrocks.

"Ich lasse mir mein christliches Menschenbild nicht nehmen"

"Was ich absolut nicht akzeptieren kann", sagt die saarländische CDU-Bundestagsabgeordnete Nadine Schön, "ist, dass meine Kritik am Betreuungsgeld eine Herabsetzung von Frauen sein soll, die mit ihren kleinen Kindern zu Hause bleiben wollen. Ich lasse mir mein christliches Menschenbild nicht nehmen, von niemandem."

Feministinnen würden sie sich wohl kaum nennen. Das F-Wort ist in der CDU dieser verwirrenden Tage aber nicht nur verpönter Kampfbegriff, sondern irgendwie auch süße Verheißung. Man hatte den linken Feministinnen jahrzehntelang vorgeworfen, ihre Selbstverwirklichung über das Wohl der Kinder gestellt zu haben. Nun hat man eine Kanzlerin, die gar nicht erst welche hat. Die das Kohlrouladen-Kochen als Hobby pflegt, bevor sie am nächsten Morgen in den Flieger nach Kabul steigt, und die ihren Mann oft über lange Strecken nur auf einem Foto zu sehen bekommt. Die europäische Staatsoberhäupter zurechtweist oder gar auslacht. Wo wären SPD oder Grüne da weiter als man selbst?

"Wir haben sehr gute Männerwitze gesammelt über die Jahre", berichtet eine der Rebellinnen genüsslich. Eine Stimmung macht sich breit wie in dem Frauen-Roadmovie Thelma und Louise. Wer weiß, wo das alles noch hinführt, jetzt, wo der Frühling ausgebrochen ist. Ein mitleidiger Blick geht hinüber zu den Kolleginnen von den Freien Demokraten. Dort sei frauenmäßig leider völlig tote Hose.

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Leserkommentare
  1. Das glaube ich erst, wenn ich es sehe. Frauen stellen seit 1918 die Mehrheit der Wähler und haben bisher noch jeden an der Wahlurne verdroschen, der "Frauenthemen" nach vorne geschoben hat. Aber inzwischen wurden sogar Frauen auf den Demonstrationen für gleichen Lohn für gleiche Arbeit gesichtet. Dann kommt wahrscheinlich auch demnächst der Messias.

  2. ist kein weibliches, sondern ein grundsätzliches: Politisches Engagement setzt Ressourcen voraus, was all die davon ausschließt, die um ihre Existenz kämpfen müssen ()solange man nicht skrupellos genug ist, von Anfang ein von Steuergeldern fremdfinanziertes Leben zu planen).

    Ergebnis: Bestimmte Berufsgruppen haben ein deutliches Übergewicht im Parlament.

    Das Gleiche gilt logischer Weise auch für die Gruppen der Frauen, verschärft sich hier aber deshalb, weil in allen Parteien infolge "positiver Diskriminierung" der Anteil der Frauen in Ämtern größer ist als der Anteil weiblicher Parteimitglieder.

    Gechlechtsneutral repräsentieren dank der verschiedenen Quotierungen (Flügel, Region, Geschlecht etc.) PolitikerInnen niocht mehr die Wähler, sondern das Wunschbild ihrer Parteien von sich selbst.

    Wieviele Frauen (und Männer) leben ein ANDERES Leben als die Politikerinnen? Wer in der Politik steht für die erfahrungen und Bedürfnisse DIESER Frauen (und Männer)?

    Wer CDU wählte, wählte lange ein bestimmtes Familienbild. Wann hat diese Partei ihr verändertes Familienbild wem zur Wahl gestellt?

    Mit geht es übrigens nicht um ein BESTIMMTES Familienbild (persönlich habe ich eher Schwierigkeiten mit Hausfrauen), sondern um die Anmaßung nicht demokratisch legitimierter Politik und die totalitaristische Tendenz zu alternativloser Einheitspolitik programmatisch nicht mehr sich unterscheidender Parteien.

  3. Wir haben offenbar immer noch zuviel Geld in der Staatskasse. Anders kann ich mir nicht erklären, dass das völlig überflüssige "Betreuungsgeld" eingeführt werden soll, kinderlose Ehepaare immer noch vom Ehegattensplitting profitieren (stattdessen sollte ein Familiensplitting eingeführt werden) und Gutverdiener Kindergeld beziehen.

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    Betreuungsgeld ist sinnvoll bis 3 Jahre Kindesalter ... Elterngeld kann man nur 14 Monate beziehen und danach sollen beide Elternteile arbeiten gehen? Ich finde das bis 3 Jahre zu Hause betreut werden sollen, und dafür ist dieses Betreuungsgeld RICHTIG!!!

    James

    Nein, zuwenig.

    150,-€ Betreuungsgeld sind Peanuts gegen den ausreichenden Ausbau der Kita-Plätze, die ja in Kürze gesetzlich garantiert werden.
    Die vereinbarte Quote ist bei weitem noch nicht erreicht.

    Daher- Betreungsgeld = kleines Geld statt großer Investitionen in Menschen und Material.

  4. und die CSU noch die einzigen, die sich ein wenig Realitätssinn erhalten haben. Nicht nur, dass viele die Fähigkeit zum Zahlenrechnen, von Mathematik möchte man da gar nicht erst reden, verloren haben bei ihren Haushaltstricks "linke Tasche - rechte Tasche" und glauben, mit 150€ eingesparten Betreuungsgeldes mehr als 1000€ Krippensubvention aufbringen zu können, nein sie wollen noch mehr Geld zum Fenster rausschmeißen und teure Bürokratie zur Gutscheinverwaltung installieren, die ganze Welt lacht inzwischen über Deutschland. Unsere skandinavischen Vorbilder habens doch nun vorgemacht, Norwegen zahlt annähernd 500€ und Schweden seit 2008 wenigstens 300€, wenn Familien ihre Kinder selbst betreuen und nicht an staatliche Institutionen zwecks Verkrippung abgeben. Dabei sparen die Norweger durch das Betreuungsgeld noch Haushaltsmittel ein, bei den höheren Krippenstandards kostet dort die staatliche Finanzierung noch mehr als bei den durchweg mittelmäßigen bis schlechten Standards in Deutschland. Und die Frauenquote, die in der Bevölkerung auch niemand so recht wirklich will, außer vielleicht ein paar inkompetenten Karrierefrauen, muß nun auch noch herhalten. So schafft sich die Union zusammen mit Deutschland wirklich ab.

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    • Pyr
    • 14. April 2012 12:54 Uhr

    Sie haben völlig recht: wir sollten es so wie die Schweden machen. Die haben nicht nur selbstverständlich eine Frauenquote, sondern viele andere Maßnahmen, um das Geschlecht der Menschen zu einem irrelevanten Datum im Lebenslauf eines Menschen zu machen. Es gibt kein Land auf der Welt, in dem mehr Frauen arbeiten; und Frauen haben bei den akademischen Abschlüssen die Männer bereits hinter sich gelassen.

    Dann wäre ja der nächste Schritt, dass wir gender segregation mal wie die Schweden beim Schropf packen und geschlechterspezifische Werbung abschaffen. Die Schweden führen gerade sogar ein neues, geschlechterneutrales Pronomen ein (siehe http://www.slate.com/arti...).

    Kurzum: Sie haben sich mit dem Verweis auf unsere skandinavischen Vorbilder schön selbst in den Fuß geschossen. ;) Ein Betreuungsgeld macht in einem Land durchaus Sinn, wenn Männer und Frauen ganz selbstverständlich dieselben Aufgaben übernehmen. Hier in Deutschland dagegen festigt es nur die längst überholten Strukturen. Das haben die Schweden verstanden und ihr Erfolg gibt ihnen recht.

    • LudBri
    • 14. April 2012 13:22 Uhr

    Im Artikel 6 GG heißt es:
    "..(2) Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht.
    (4) Jede Mutter hat Anspruch auf den Schutz und die Fürsorge der Gemeinschaft".
    Das Betreuungsgeld dient ausschließlich dem Zweck, Müttern zu ermöglichen, ihr natürliches Recht und die ihnen zuvörderst obliegende Pflicht zur Erziehung ihrer Kinder zu gewährleisten. Da tut der Staat genau zu wenig und nicht zu viel.
    Es ist wissenschaftlich eindeutig belegt, dass Kinder bis zum dritten Lebensjahr dringend auf die Liebe der Mutter angewiesen ist, um später im Leben zu dauerhaften Bindungen fähig zu sein. Für die Kleinkinder geht es daher nicht um Auslagerung in Verwahranstalten zur Fremdbetreuung zum Zweck des Pensumlernens, sondern es geht darum, dass Kinder sich von ihren natürlichen Bezugspersonen, den Eltern, geliebt und angenommen fühlen.

    Man muss sich also schon die Augen zukleben und das Hirn ausschalten, wenn man glaubt, dass fremdbestimmte Kinderverwahrung qualitativ besser ist, als eigenbestimmtes, liebevolles sich Kümmern der eigenen Mutter umd ihr Kind. Unter diesen Umständen die frühe Trennung von Mutter und Kind zu befürworten ist einfach Irrsinn.
    Wenn man Babys fragen könnte -Welches Kind würde seinen Platz an der Brust der Mutter mit einem U3-KiTa-Platz tauschen?
    Aber um Babys und um die Frage, was für sie das Beste ist, geht es in Ihrer Betrachtung offensichtlich nicht mehr.

    Aber Schweden ist immerhin dabei, aus den extrem zukunftsvernichtenden Fehlern der Vergangenheit zu lernen, nicht zuletzt, weil schwedische Neurobiologen wie die Ärztin und Professorin an der Uni Göteborg, Annica Dahlström Worte wie "Das erste Mal in der Geschichte der Menschheit müssen wir fast alle Erkenntnisse im Bezug auf Kinder auf die Müllkippe der Geschichte werfen. Vielen Kindern geht es heute richtig schlecht, und es wird sich weiter verschlimmern. ... Ein Kind, das herzzerreißend weint, wenn es in der Kinderkrippe abgeliefert wird, fühlt sich ausgeliefert..." geschrieben hat (Göteborgs Posten). Man beginnt dort über diese krassen Fehlentwicklungen nachzudenken, wir sind im Gegensatz gerade dabei, diese zu wiederholen. Und noch schlimmer, wir haben die krassen Fehlentwicklungen in der Gesellschaft im eigenen Lande, der ehemaligen DDR, vor Augen und wollen doch alles wieder so falsch machen. Das ist noch besorgniserregender als Schweden und die anderen skandinavischen Länder, wir haben den Wettlauf zum Abgrund angenommen, ohne wirkliche Not, denn wir haben einen noch nie dagewesenen Wohlstand erreicht, der immer noch andere Entwicklungsmöglichkeiten eröffnet, noch ist es nicht zu spät, auch wenn es kurz vor 12 ist.

  5. 5. na ja

    die gleichberechtigung verlangt, dass frauen, denn die trifft es beim kinderkriegen, finanziell unabhängig entscheiden können, arbeiten oder kindererziehung.

    betreuungsgeld ist also grundsätzlich richtig.

    zusätzlich muss aber jetzt noch statt kindergarten, das betreuungshaus her, wo frauen mit ihren kindern hinkönnen. der vorteil ist die soziale komponente.
    die frauen sind in der erziehung nicht isoliert, haben untereinander ein lokeres neues soziales umfeld und die kinder spielen im team und lernen damit soziale kompetenz im miteinander und nicht am rockzipfel.

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    ... meinen Sie?
    Gute Idee!

    • Pyr
    • 14. April 2012 12:54 Uhr

    Sie haben völlig recht: wir sollten es so wie die Schweden machen. Die haben nicht nur selbstverständlich eine Frauenquote, sondern viele andere Maßnahmen, um das Geschlecht der Menschen zu einem irrelevanten Datum im Lebenslauf eines Menschen zu machen. Es gibt kein Land auf der Welt, in dem mehr Frauen arbeiten; und Frauen haben bei den akademischen Abschlüssen die Männer bereits hinter sich gelassen.

    Dann wäre ja der nächste Schritt, dass wir gender segregation mal wie die Schweden beim Schropf packen und geschlechterspezifische Werbung abschaffen. Die Schweden führen gerade sogar ein neues, geschlechterneutrales Pronomen ein (siehe http://www.slate.com/arti...).

    Kurzum: Sie haben sich mit dem Verweis auf unsere skandinavischen Vorbilder schön selbst in den Fuß geschossen. ;) Ein Betreuungsgeld macht in einem Land durchaus Sinn, wenn Männer und Frauen ganz selbstverständlich dieselben Aufgaben übernehmen. Hier in Deutschland dagegen festigt es nur die längst überholten Strukturen. Das haben die Schweden verstanden und ihr Erfolg gibt ihnen recht.

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    und auch in diesem Punkt sind die Schweden dabei dazuzulernen. Die schwedische Neurobiologin und Ärztin Prof. Dahlström (Uni Göterborg) schreibt dazu "...dass von Männern und Frauen erwartet wird, dass sie den gleichen Betätigungen nachgehen. Dies resultiert aus einer politischen, unbewiesenenen These, dass Männer und Frauen austauschbar seien, was Fähigkeiten und Grundvoraussetzungen betrifft, sich um Kinder zu kümmern. ...Aber wir sind nicht identisch. Es gibt große Unterschiede im Gehirn des durchschnittlichen Mannes im Vergleich mit dem der durchschnittlichen Frau. ... Der Mythos, dass wir als neutrale Lebewesen geboren werden, und dass erst die Gesellschaft uns in Identitätsmuster von Mann und Frau zwingt, ist eine der abscheulichsten politischen Lügen in der heutigen modernen Zeit. ... Der schwedische Staat muss für enorme und anwachsende Kosten aufgrund psychischer Erkrankungen aufkommen. ... Es sind die Kinder, die nun akut geschädigt sind und die die Konsequenzen dieses schwedischen Experiments ausbaden müssen." (in: Göteborgs Posten).

    Die Einführung der läppischen 300€ Betreuungsgeld hat immerhin dazu geführt, dass Kinder unter eineinhalb Jahren nunmehr ganz überwiegend von den Eltern betreut werden, ein allererster Schritt in die richtige Richtung und eine Konsequenz aus der fatalen Fehlentwicklung dieser Verkrippungspolitik. Verkollektivierung, wie auch die beiden sozialistischen deutschen Experimente zeigten, führt direkt in den Abgrund.

  6. Familienpolitik hat für mich unter anderem dafür zu sorgen, dass die Entscheidung für Kinder die Wahrscheinlichkeit dauerhaft in Armut abzurutschen oder dort zu verharren nicht signifikant erhöht.
    - Und das nicht nur für 3 Jahre, sondern bis zur Rente.
    - Und das auch, falls es einen hauptverdienende Elternteil gibt und dieser die Familie verlässt/verstirbt/berufsunfähig wird etc.
    - Und das auch für Eltern, die keine Berufe mit den klassischen 9-till-5 Arbeitszeiten haben

    Daraus ergeben sich für mich die folgenden Kern-Forderungen:
    - Qualifizierte Kinderbetreuungsmöglichkeiten sollten 24x7 zur Verfügung stehen. Mit einer maximalen durchschnittlichen Betreuungszeit von 10 Stunden an 5 Tagen. (Es gibt Leute die Schicht arbeiten, gelegentlich auf Geschäftsreisen gehen müssen, etc.)
    - Es sollte die Möglichkeit, einer zweiten, finanziell unterstützten Berufsausbildung/Studium geboten werden, falls die Rückkehr in den Ursprungsberuf nicht möglich (Anschluss verloren) oder nicht gewünscht ist (familienunfreundliche Arbeitszeiten)
    - Ein Teil der Gegenfinanzierung kann durch die Abschaffung des Ehegattensplittings für kinderlose Ehepaare erfolgen

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    • TDU
    • 14. April 2012 13:25 Uhr

    Ehegattensplitting nur für Kinderhabende.

    Dann aber auch strikte Gütertrennung, keine Unterhaltspflicht während und nach der Ehe wie bei Wohngemeinschaften. Und natürlich Abzugsfähigkeit nachgewisener Transfers.

    Abgesehen davon, was man mit Ungleichheit macht, die entsteht, wenn ein Partner reich ist und der andere nicht arbeiten muss. Diese Ungleichheit zu anderen Ehepaaren sollte dann mit einer Ausgleichssteuer durch den, der mehr Geld verdient, belegt werden.

    Sie werden sehen, wie "billig" das Modell des pauschalen Ehgattenspilttings ist, gegenüber dem, was sich Findige alles so einfallen lassen werden.

    Kinder sind als solche kein Armutsrisiko. Nur dann, wenn sie ausser im Transfer oder staats-ökonomischen Bereich nichts wert sind. Und das ist in Deutschland nun mal der Fall.

    Oder sind Ihnen irgendwie in der Diskussion im Zusammenhang mit Bildung mal Begriffe von Freiheit oder Lebensgestaltung aufgefallen? Mir nicht. Eine alternde Gesellschaft versucht panisch die Nachkommenschaft einzunorden, um ihre Versorgung zu sichern. Dagegen war der "Wuermeling" ein Ausbund an Kinderfreundschaft.

    Weiterhin ist es wichtig, daß

    - die Mondoberfläche aus grünen Käse besteht.
    - die Menscheit von 7 Milliarden auf 700 Milliarden anwächst
    - jeder dieser 700 Milliarden Menschen über mindestens eine Million $ verfügt

    Bevor Sie weiter fordern, sollten Sie mal überlegen, daß es vielleicht einigen Menschen in diesem Land gibt, die Ihre sozialistischen Phantasien nicht mehr bezahlen wollen. Was wollen Sie dann machen: Eine Mauer bauen? Vielleicht sollten diejenigen, die sich reproduzieren wollen, erst einmal nachdenken was sich aufgrund ihre Intelligenz und beruflichen Befähigung eigentlich ökonmisch leisten können.

    • TDU
    • 14. April 2012 13:04 Uhr

    Immer schön die Realität an die Idee anpassen statt zu versuchen, die Realität an den Werten zu gestalten. Am besten tun sich alle Parteien zusammen und finden eine widerspruchsfreie an der Bestimmung und ihrem Willen genormte Gesellschaft. Dann sind die blöden Wahlen und Debatten endlich überflüssig. Nur mir fehlt noch das Konzept mit dem -ismus.

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