Guttenberg-SatireIndes fraglos günstig

Ein Autor, der sich Hoppe nennt, trifft den Guttenberg-Sound.

Kairos ist ein religiös-philosophischer Begriff für den günstigen Zeitpunkt einer Entscheidung, dessen ungenutztes Verstreichen nachteilig sein kann. In der griechischen Mythologie wurde der günstige Zeitpunkt als Gottheit verehrt.

Diese zwei Sätze wurden wortwörtlich von Wikipedia übernommen. Das dauerte keine zehn Sekunden. Die Autorin hätte natürlich versuchen können, den Begriff Kairos selbst zu erklären. Sie hätte es auf keinen Fall besser gekonnt. Sie hätte nur länger gebraucht. Mehrere Minuten. Mindestens. Als junge Mutter und aufstrebende Politikerin muss sie mit ihrer Zeit aber äußerst sparsam umgehen. Deshalb bedankt sie sich hier bei Wikipedia, mit dieser Quellenangabe hat sich ein etwaiger Plagiatsvorwurf ja wohl erledigt.

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Es ist erstaunlich, wie wenig in den vergangenen vier Monaten von Karl-Theodor zu Guttenberg die Rede war. Genau genommen war von ihm überhaupt nicht die Rede. Man kann sogar den Tag benennen, an dem die Guttenbergiade aus der Öffentlichkeit verschwand. Es war im vergangenen Dezember. Es war der Tag, an dem die Wulffiade ihren Anfang nahm. Die Affäre Guttenberg ist hinter der Affäre Wulff verschwunden wie der Vor- hinter dem Hauptact bei Rockkonzerten. Christian Wulff wiederum hofft nun, dass kurz vor der Sommerpause irgendein Heini aus dem politischen Establishment bei irgendwelchen Streichen und Skandalen erwischt wird, hinter denen sein Fall verschwindet. Momentan ist gerade mal Windstille. Ein günstiger Zeitpunkt für eine Guttenberg-Satire. Günstig, weil niemand damit gerechnet hat, dass zum Fall Guttenberg noch ein Buch nachkommt. Konkurrenzlos betritt es den Buchmarkt. Das nennt man Kairos.

Das Buch heißt Ich war Guttenbergs Ghost. Der Autor heißt Norbert Hoppe. Wikipedia kennt ihn nicht. Es ist ein Pseudonym. Dieser fiktive Hoppe schleicht seit der dritten Grundschulklasse als dicklicher Schatten, Referent und verkorkster Höfling hinter der Lichtgestalt KT her. Im Jahr 2005 sitzen sie in riesigen Sesseln vor einem Kaminfeuer. KT hat fünf Dutzend Disketten dabei, die er Hoppe mit den Worten andreht: »Ich kriege es einfach nicht sortiert, schau du doch bitte mal, was du da machen könntest.« Hoppe macht, und KT hat seinen Doktortitel.

Natürlich ist das Buch witzig. Aber seine eigentliche Pointe liegt darin, dass es nicht so witzig ist, wie es bei voller Ausschöpfung des Satirepotenzials sein könnte. Dadurch ist die Fiktion nah genug an der Realität, dass man Hoppe und sein Ghostwritertum für nicht unwahrscheinlich zu halten beginnt. Hoppe bleibt dem Gang der realen politischen Ereignisse treu, von Opel bis zum Kerner-Interview in Afghanistan. Und er trifft den Guttenberg-Sound, dieses lässig-distinguierte Einfließen von »fraglos«, »indes«, »freilich«, »demgemäß«, auf den Punkt.

Außerdem ist Norbert Hoppe in diesem Buch der Erfinder des berühmten Guttenberg-Satzes: »Zumindest verpasste Europa in den Jahren 2007 und 2008 zum wiederholten Male den Kairos und ließ die notwendige Unbedingtheit des Gestaltungswillens nur schemenhaft erkennen.« Der Satz stand sogar in der FAZ. Man findet ihn, wenn man bei Wikipedia »Guttenberg und Kairos« eingibt. Das Einzige, was Hoppe nicht hätte erfinden sollen, ist die Affäre von Karl-Theodor zu Guttenberg mit Katharina Wagner. Da stimmt was nicht. Bei aller Freiheit der Satire.

 
Leserkommentare
  1. Ist ja irgendwie nett, dass das Thema Guttenberg wieder aufgewirbelt wird, bevor er in den diesjährigen Recall der CSU kommt.

    Aber ein Buch über eine Doktorarbeit zu schreiben, welche nur zusammen kopiert, für teures Geld verkauft und dann Wort für Wort zerlegt und entlarvt wurde wie schlecht doch diese Arbeit sei, wär mir dann doch ein klein wenig zu peinlich.

    2 Leserempfehlungen
  2. Gerade als die Autorin meine Neugierde zu wecken begann, endet der Artikel scheinbar mitten im Absatz... Komisch...

    3 Leserempfehlungen
    • SuR_LK
    • 17.04.2012 um 11:20 Uhr

    Wird nun in regelmässigen Abständen versucht und den KTG schön zu reden?
    Ich werde weiterhin dafür beten das uns solche nicht auch noch in der politischen Ebene bereichern, die derzeitige Staffage ist schon mehr als genug oder zuviel auf dem schmalen Grat zur Muppet-Show.

    3 Leserempfehlungen
  3. gezeigt?
    Was habe ich verbrochen oder ist das wegen Guttenberg? Hat er als Stichwort, bei dem seinen Anzeige erscheinen soll, G. eingegeben? Passen tät's.

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    Dabei ist es doch so einfach:

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    Und nicht vergessen:

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    Ist Werbung in der Zeit?
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  4. 4 Leserempfehlungen
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    ...ich bekomm die Ma(t)schmeyer-Anzeige auch. Gestern war sie nicht da - heute wieder. Und ich schwöre bei allem was mir lieb und teuer ist - ich habe diesen Namen noch nie gegoogelt :D

    ...ich bekomm die Ma(t)schmeyer-Anzeige auch. Gestern war sie nicht da - heute wieder. Und ich schwöre bei allem was mir lieb und teuer ist - ich habe diesen Namen noch nie gegoogelt :D

  5. >> Aber seine eigentliche Pointe liegt darin, dass es nicht so witzig ist, wie es bei voller Ausschöpfung des Satirepotenzials sein könnte. <<

    ... der arme Autor machen, wenn die Realität das Satirepotenzial schon ausgeschöpft hat?

    Da schreibt der Großvater Karl Theodor (ohne Bindestrich) ein Buch mit dem schönen Titel "Fußnoten", und über selbige stolpert dann der Enkel Karl-Theodor (mit Bindestrich). Top-Gun-Guttenberg, gefallen im Kampf mit sich selbst. Allein das ist ein Brüller.

    Und dann noch das Interview! Die Brille, die reizende indische Ärztin, die 80 Disketten und 4 Computer ... bizarrer geht es nicht mehr.

    "Buh, völlig überzogen!" würde man ausrufen, wenn sich ein Autor so etwas ausgedacht hätte. Realsatire schlägt Fiktion.

    10 Leserempfehlungen
  6. ... auf das Buch "Schmarotzen, aber richtig" mit dem Untertitel ´ein Schnäppchenjäger packt aus`

    Gabs zu den Kindertagen dieser Herren eigentlich auch schon ne Herdprämie? Da sieht man mal, was mangelhafte Sozialisierung bewirken kann.

    Immer die Schwatten - mir graut schon vor dem nächsten Fall

    3 Leserempfehlungen
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    Denn seine Eltern haben in echt nie Tisch und Bett geteilt, wie der Heilige Vater nach gründlicher Prüfung feststellen musste.
    Der hat die Ehe nämlich annuliert.
    Das geht nur ohne vorherigen Ehe-Vollzug.

    Bei diesem Vorgang sind ganz überraschend noch zwei Engelchen zurückgeblieben...

    Denn seine Eltern haben in echt nie Tisch und Bett geteilt, wie der Heilige Vater nach gründlicher Prüfung feststellen musste.
    Der hat die Ehe nämlich annuliert.
    Das geht nur ohne vorherigen Ehe-Vollzug.

    Bei diesem Vorgang sind ganz überraschend noch zwei Engelchen zurückgeblieben...

  7. 8. nenene

    ...ich bekomm die Ma(t)schmeyer-Anzeige auch. Gestern war sie nicht da - heute wieder. Und ich schwöre bei allem was mir lieb und teuer ist - ich habe diesen Namen noch nie gegoogelt :D

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    Antwort auf "Nichts leicht als das!"

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