Immobilien-HandelHer mit der Hütte!

Plus 30, plus 50, plus 100 Prozent: Selbst Makler warnen schon vor irrwitzigen Preisen in Berlin, München und Co. Die Deutschen kaufen dort wie im Rausch.

Die heile Welt von Florian Münch liegt 500 Meter vom Hamburger U-Bahnhof Eppendorfer Baum entfernt in einer ruhigen Seitenstraße. Auf dem Weg dorthin passiert man zwei Maklerbüros, ein Einrichtungsgeschäft, eine Weinbar und einen Gewürzladen, »Bestlage«, wie es im Maklerjargon heißt. Eine Kirche gibt es da, deren runde Eingangshalle aus Glas aussieht wie der Vorraum zum Himmel. In dieser Gegend, inmitten von vanillefarbenen Jugendstilfassaden, hohen Bäumen und Vogelgezwitscher, soll seine Tochter aufwachsen. So hat es Florian Münch beschlossen. »Irgendwie ist hier alles noch so in Ordnung«, sagt er.

Wer sich in diese heile Welt einkaufen will, muss mittlerweile Millionär sein.

Anzeige

Münch, ein Mann in Jeans und Pulli, ist es etwas peinlich, dass er gerade ein Vermögen für eine Wohnung in dieser Gegend ausgegeben hat. Er nennt sie deshalb »mein Geheimprojekt«. Seine Schwester hat ihn für verrückt erklärt, als er ihr den Preis nannte, bei den wenigen Freunden, die davon wissen, war es genauso. Also spricht er lieber mit niemandem mehr darüber. Auch sein Name wurde hier geändert. Drei Jahre lang hat Florian Münch gesucht, anfangs wollte er 450.000 Euro ausgeben, jetzt ist er beim Doppelten gelandet, für eine 170-Quadratmeter-Wohnung.

Besichtigungstermin in Hamburg: Nur Minuten für den Millionenkauf

In die Wohnung wird Münch noch einmal rund 100.000 Euro Renovierungskosten stecken. Wie viel genau – das weiß er nicht. Es blieb ja keine Zeit für Details. Da waren schließlich noch andere Interessenten, die sie genauso sehr wollten wie er, und er hatte schon ein paar Mal erlebt, wie man ihm seine Traumwohnung wegschnappte, weil er zu zögerlich war. Einmal sagte jemand zu, bevor er das Objekt überhaupt gesehen hatte. Ein anderes Mal musste Münch mit 40 anderen Bewerbern stundenlang in Eiseskälte vor dem Haus ausharren und sollte nach ein paar Minuten Besichtigung entscheiden, ob ihm die Wohnung eine Million wert ist.

So wie in Hamburg-Eppendorf geht es in praktisch allen deutschen Ballungszentren zu. Auf dem Berliner Grundstücksmarkt wurden 2011 mehr als zehn Milliarden Euro umgesetzt, in Frankfurt inserieren Makler ihre Objekte nicht einmal mehr, weil sie ansonsten mit Anfragen überschwemmt werden, in Düsseldorf müssen Kaufinteressenten auf einen Termin bei der Bank manchmal Wochen warten, eine Wohnung im Münchner Immobilienprojekt »The Seven« – einem umgebauten alten Heizkraftwerk – kostet 22.000 Euro pro Quadratmeter.

Es gibt inzwischen Makler, die so wild auf der Suche nach Objekten sind, dass sie für einen Tipp einen Krügerrand als Prämie bieten, und der ist derzeit mehr als 1.200 Euro wert. Bei Immobilienscout24.de – dem Marktführer unter den Immobilienportalen im Netz – werden pro Tag rund sechs Millionen Exposés abgerufen. Der amerikanische Finanzinvestor Cerberus verhandelt in diesen Tagen über den Erwerb von mehr als 20.000 deutschen Wohnungen – zum geschätzten Kaufpreis von knapp einer Milliarde Euro. Deutschland heute, das ist ein Land im Häuserkampf.

Schon wächst die Angst, dass die Lage außer Kontrolle geraten könnte. Wohnimmobilien hätten sich im vergangenen Jahr »kräftig verteuert«, schreibt die Bundesbank in ihrem letzten Monatsbericht, und Jörg Asmussen, Mitglied im Direktorium der Europäischen Zentralbank (EZB), warnt, man müsse die Immobilienpreise »aufmerksam verfolgen«.

Achtung, Spekulationsalarm!, heißt das übersetzt aus der nüchternen Sprache der Notenbanker – und das ausgerechnet in Deutschland, wo die Menschen nach vielen schweren Jahren erstmals wieder die Erfahrung machen, dass es auch aufwärtsgehen kann. Und wo die Politiker gerne mit dem Finger auf den angelsächsischen Pumpkapitalismus zeigen.

Was ist hier los? Sind die Deutschen am Ende genauso verrückt wie die Amerikaner, die im Immobilienfieber beinahe ihr Land ruinierten? Der Anstieg der Hauspreise nährte die Illusion von Wachstum und Wohlstand, heute verrotten die Traumvillen am Stadtrand, und die Wirtschaft versinkt in Schulden.

Droht jetzt also die deutsche Blase?

Leserkommentare
    • pestei
    • 13.04.2012 um 13:17 Uhr

    Freibetrag:

    1 Haus/ETW in Eigennutzung
    + 1 Haus/ETW als Kapitalanlage

    Alles darüber hinaus wird mit hohen Sätzen progressiv besteuert.

    Eine Leserempfehlung
  1. Na holla die Waldfee, das sind ja Traumkoniditionen...

    Antwort auf "es ist eine blase!"
  2. "Wenn die Banken dann das Geld, das ihnen nicht gehört und ohne dass der Spender dieses Geldes etwas davon wüsste oder dieses beeinflussen könnte, verzocken, dann lässt der Staat die Betrogenen wenigstens insofern nicht im Stich, als er die Banken und damit das Geld auf Kundenkonten rettet."

    Nanana, so einfach können die Investoren ("Spender") nicht in die Opferrolle (die "Betrogenen") schlüpfen. Wenn man das "magische Dreieck" (Rendite-Risiko-Liquidität) nicht gelernt hat, diktiert einem der gesunde Menschenverstand -soweit vorhanden- einen gewissen Zusammenhang zwischen Ertrag und Risiko. Unwissenheit, in diesem Fall oftmals verschwimmend zur Ignoranz, schützt vor Strafe nicht.

    Auch hat der Kunde durchaus Einfluß, nämlich durch die Wahl des Instituts. Kein Mensch wurde oder wird gezwungen, seine Ersparnisse bei mit Hochzins werbenden Firmen oder in entsprechende Produkte anzulegen.

    Es sind übrigens nicht die Volksbanken oder Sparkassen ("Erzielung von Gewinn nicht der Hauptzweck des Geschäftsbetriebes"), die "gerettet" werden mussten.

    Der Einlagensicherungsfonds ist limitiert, auf für "Normalsterbliche" und damit 90% der Bevölkerung sehr sinnvolle Grenzen.

    Glass-Steagall Act und Trennbankensystem sagt Ihnen sicher auch etwas.

    Verzockt und vom Steuerzahler gerettet: "die Reichen".
    Und, um die Kurve zum Artikel zu bekommen: "die Reichen" versuchen nun ihre Schäfchen ins Trockene zu bekommen, wieder auf Kosten vom Rest - hier konkret durch Explosion der Mietspiegel ...

    Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Wenn diese sich verzocken, dann sind sie selber schuld. Und unabhängig vom "Zocken" ist jeder Invest mit einem Risiko verbunden, das man kalkulieren und, wenn investiert, nehmen muss. Das geht nicht anders und ist daher grundsätzlich in Ordnung.

    Ich meine die Leute, die ihr Geld auf Bankkonten haben, nicht weil sie es investieren wollen, sondern lediglich weil sie ihren Zahlungsverkehr (Geldein- und -ausgang) unbar abwickeln und ggf. noch eine kleine Liquididtätsreserve halten wollen. Deren Geld wäre weg gewesen, wenn der Staat nicht eingeschritten wäre oder wenn die ganze Herde versucht hätte, in Panik ihr Geld von dort wegzuholen, nämlich von den Bankkonten, wo es tatsächlich hochgradig in Gefahr war. Und die hatten mit der Jongliererei nun wirklich aber auch gar nichts zu tun.

    Die Konten der Banken, die die Leute sich bei den und von Banken einrichten lassen, gehören systembedingt den Banken. Und die nehmen sich das Geld, das darauf ist und eigentlich auch kein Geld ist, sondern Sichteinlagen oder Smarties, um damit irgendwas zu machen und zu finanzieren - und zwar auf Risiko der Eigentümer dieser Smarties, die diese nur dadurch wieder in Geld verwandeln können, in dem sie sich Bargeld auszahlen lassen. In dem jetzigen Geldsystem ist nur Bargeld wirklich Geld.

    Wenn diese sich verzocken, dann sind sie selber schuld. Und unabhängig vom "Zocken" ist jeder Invest mit einem Risiko verbunden, das man kalkulieren und, wenn investiert, nehmen muss. Das geht nicht anders und ist daher grundsätzlich in Ordnung.

    Ich meine die Leute, die ihr Geld auf Bankkonten haben, nicht weil sie es investieren wollen, sondern lediglich weil sie ihren Zahlungsverkehr (Geldein- und -ausgang) unbar abwickeln und ggf. noch eine kleine Liquididtätsreserve halten wollen. Deren Geld wäre weg gewesen, wenn der Staat nicht eingeschritten wäre oder wenn die ganze Herde versucht hätte, in Panik ihr Geld von dort wegzuholen, nämlich von den Bankkonten, wo es tatsächlich hochgradig in Gefahr war. Und die hatten mit der Jongliererei nun wirklich aber auch gar nichts zu tun.

    Die Konten der Banken, die die Leute sich bei den und von Banken einrichten lassen, gehören systembedingt den Banken. Und die nehmen sich das Geld, das darauf ist und eigentlich auch kein Geld ist, sondern Sichteinlagen oder Smarties, um damit irgendwas zu machen und zu finanzieren - und zwar auf Risiko der Eigentümer dieser Smarties, die diese nur dadurch wieder in Geld verwandeln können, in dem sie sich Bargeld auszahlen lassen. In dem jetzigen Geldsystem ist nur Bargeld wirklich Geld.

  3. die Arbeit beginnt, am Werktor oder an der Wohnungstür.
    Und sie können ja auch nicht die tatsächlichen Kosten absetzten sondern nur einen bestimmten Betrag.

    Antwort auf "Meine Formulierung"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ist, wie der Name schon sagt, eine Pauschale. Wenn Sie höhere Pendelkosten haben, müssen Sie diese nachweisen und können Sie dann auch absetzen. Wenn Sie also 3km von Ihrem Arbeitsplatz wegwohnen (entspricht EUR 0,90 pro Tag Pauschale, im Jahr bei 220 Arbeitstagen EUR 180 in Summe), sie aber eine Monatskarte für den ÖPNV für EUR 75 haben, können Sie dementsprechend 12 x EUR 75 = EUR 900 im Jahr als Werbungskosten ansetzen.

    Umgekehrt wird Ihnen die Pendlerpauschale auch nicht gekürzt, wenn Sie Fahrrad fahren oder zu Fuß gehen und Ihr Aufwand geringer ist als (im Beispiel) EUR 180. Die Pauschale kann für Sie wirken (wenn Sie tatsächlich geringere Aufwendungen haben) oder gegen Sie (wenn Sie höhere Aufwendungen haben, diese aber nicht nachweisen).

    Der Bezug zum Artikel geht nun allmählich verloren...

    ist, wie der Name schon sagt, eine Pauschale. Wenn Sie höhere Pendelkosten haben, müssen Sie diese nachweisen und können Sie dann auch absetzen. Wenn Sie also 3km von Ihrem Arbeitsplatz wegwohnen (entspricht EUR 0,90 pro Tag Pauschale, im Jahr bei 220 Arbeitstagen EUR 180 in Summe), sie aber eine Monatskarte für den ÖPNV für EUR 75 haben, können Sie dementsprechend 12 x EUR 75 = EUR 900 im Jahr als Werbungskosten ansetzen.

    Umgekehrt wird Ihnen die Pendlerpauschale auch nicht gekürzt, wenn Sie Fahrrad fahren oder zu Fuß gehen und Ihr Aufwand geringer ist als (im Beispiel) EUR 180. Die Pauschale kann für Sie wirken (wenn Sie tatsächlich geringere Aufwendungen haben) oder gegen Sie (wenn Sie höhere Aufwendungen haben, diese aber nicht nachweisen).

    Der Bezug zum Artikel geht nun allmählich verloren...

  4. platzt die Blase bald! Mein Ältester ist dabei, sesshaft zu werden und sucht - aber für eine Spekulationsanlage fehlt ihm das Geld, so dass er seine Ersparnisse von der Inflation aufgezehrt sieht, während gleichzeitig die Immobilienpreise so steigen, dass er nicht mehr mithalten kann.

    KALTE ENTEIGNUNG.

    Wenn die Blase platzt - so hofft er - wird Eigentum auch für den Durchschittsverdiener wieder bezahlbar.

    Ob die Rechnung aufgeht?

    Eine Leserempfehlung
  5. am Horizont einiger Bürger

    es wird nicht das Paradies ausbrechen! Wenn sie ein Grundeinkommen erhalten, wird dies nicht für Yacht, Flugzeug und Dienerschaft reichen!

    Es wird das Einkommen sein, was ein menschenwürdiges Leben, gemessen am Gesamteinkommen nach politischer Vorgabe ermöglicht. Darunter wird in jedem Fall die Möglichkeit von Erwerb von Bildung fallen. Personal vorzuhalten, welches Menschen erniedrigt fällt ja dann weg.

    Nicht jeder möchte Grund erwerben. Bei einem steuerlichen Freibetrag von z.B. 100 qm/P Grund würden die Mieten rasend schnell fallen. Häuser die aufgrund des Demographischen Wandels nicht mehr gepflegt werden würden gerettet. 800 qkm sozialer Grund und Boden für alle Deutschen, wäre das zu viel verlangt? Der Preis für Grund und Boden würde sich aber weiterhin am Markt bilden!

    Die Einkommen würden höher besteuert, der Verbrauch von Rohstoffen müsste exorbitant besteuert werden. Zukunft sichern. Da würde es sich wieder lohnen die alten Mülldeponien aufzuarbeiten.

    Gesundheitsversorgung für alle, unter Einbeziehung aller Einkünfte. Verlust der deutschen Staatsbürgerschaft, wer mehr als 1 mio Euro steuerlich nicht angibt!

    Gesundheitsausgaben an der Gesundheit orientieren. der Arzt, der in seinem Bereich viele Gesunde und Alte hat, verdient das Meiste.
    Da würde Kapitalismus Spass machen, nicht mit Zwang sondern mit Motivation!
    freie Fahrt für freie Bürger im ÖPNV
    Es wird Zeit zu äntern (ändern und entern)

    Eine Leserempfehlung
  6. ist, wie der Name schon sagt, eine Pauschale. Wenn Sie höhere Pendelkosten haben, müssen Sie diese nachweisen und können Sie dann auch absetzen. Wenn Sie also 3km von Ihrem Arbeitsplatz wegwohnen (entspricht EUR 0,90 pro Tag Pauschale, im Jahr bei 220 Arbeitstagen EUR 180 in Summe), sie aber eine Monatskarte für den ÖPNV für EUR 75 haben, können Sie dementsprechend 12 x EUR 75 = EUR 900 im Jahr als Werbungskosten ansetzen.

    Umgekehrt wird Ihnen die Pendlerpauschale auch nicht gekürzt, wenn Sie Fahrrad fahren oder zu Fuß gehen und Ihr Aufwand geringer ist als (im Beispiel) EUR 180. Die Pauschale kann für Sie wirken (wenn Sie tatsächlich geringere Aufwendungen haben) oder gegen Sie (wenn Sie höhere Aufwendungen haben, diese aber nicht nachweisen).

    Der Bezug zum Artikel geht nun allmählich verloren...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    220 * 0,9 = 198

    220 * 0,9 = 198

  7. Vermutlich ist es besser für unsere Wirtschaft, wenn die Leute durch Immobilienkäufe ihr Geld retten als wenn sie ihre Euros in ausländische Währungen umtauschen.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service