Iran und IsraelMein Land, mein Volk

Iran und Israel, zwei eng verbundene Nationen, die voneinander nichts wissen – wie eine iranische Jüdin den Konflikt sieht. von Roya Hakakian

Eine jüdische Iranerin in Teheran

Eine jüdische Iranerin in Teheran  |  © BEHROUZ MEHRI/AFP/Getty Images

Wenn zwischen dem Iran und Israel der Krieg ausbricht, auf welcher Seite stehen Sie dann?« Das fragte mich vor ein paar Wochen jemand auf Facebook, als die Nachrichten meldeten, ein israelischer Schlag gegen iranische Atomanlagen stehe unmittelbar bevor. Seit meiner frühen Jugend zu Beginn der iranischen Revolution von 1979 wurde meine Loyalität schon so oft infrage gestellt, dass ich solche Verdächtigungen inzwischen als mein iranisch-jüdisches Erbe begreife.

Roya Hakakian

wuchs im Iran auf und lebt in den USA. Ihr letztes Buch, Assassins of the Turquoise Palace, handelt vom Mord an iranischen Oppositionspolitikern 1992 in Berlin.

Vor ungefähr dreißig Jahren nahm mich in Teheran eine kleine Gruppe von sozialistischen Intellektuellen in ihren Kreis auf. Wir trafen uns heimlich, es waren gefährliche Jahre. Die neue Regierung hatte gerade erst die Macht erobert und war sich ihrer Sache auf bedrohliche Weise unsicher. Oppositionsgruppen standen unter heftigem Druck. Ein Krieg gegen den Irak tobte, und die USA hatten Sanktionen verhängt. Unsere Tage verbrachten wir in Warteschlangen, weil die meisten Grundnahrungsmittel rationiert waren.

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Alle Mitglieder der Gruppe hatten den Auftrag, sich mit je einem dieser dringenden Probleme zu beschäftigen. Ich hingegen sollte Woche für Woche das Neueste zum israelisch-palästinensischen Konflikt berichten. Ich war zwar viel jünger als die übrigen Mitglieder der Gruppe, aber mir war völlig klar, welcher Seite meine Sympathien aus ihrer Sicht zu gelten hatten. Palästina müsse den Palästinensern zurückgegeben werden, erklärte ich deshalb zum Abschluss aller meiner Berichte. Nie erwähnte ich, dass sich unter den Juden in jenem Land auch meine mittellosen Verwandten befanden. Sie waren aus dem Iran nach Israel geflohen, nachdem ein wütender Mob im Chaos vor der Revolution ihr Haus und ihr Geschäft in Brand gesteckt hatte.

Schweigen und Unterwürfigkeit kennzeichnen den Charakter der iranischen Juden bis heute. Wir gehen jeglicher Konfrontation aus dem Weg. Wir machen uns unter unseren muslimischen Freunden und Nachbarn unsichtbar. Am sichersten und erfolgreichsten leben diejenigen unter uns, die sich am besten angepasst haben, die am wenigsten zulassen, dass irgendein Bestandteil ihrer jüdischen Identität in ihr iranisches Dasein hineinspielt.

Heute droht dieses Vergessen beide Völker zu verschlingen. Noch niemals gab es zwei Nationen, die so tief voneinander geprägt waren und die zugleich so wenig darüber wussten, wie viel sie einander verdanken. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde auch der Iran von der Gesetzlosigkeit und dem Tribalismus des Mittleren Ostens geplagt. Aber bis etwa zur Mitte des Jahrhunderts erlangte der Iran unter Schah Mohamed Reza Pahlevi eine Armee und eine effektive Zentralregierung. Das erst machte die spätere Industrialisierung möglich. Zu einem überraschend großen Anteil hat der Iran diese Industrialisierung den Anstrengungen führender iranischer Juden zu verdanken.

Zu ihnen gehörten die Gebrüder Nazarian. In den späten vierziger Jahren hatten sie den Iran verlassen und 1948 in Israels Unabhängigkeitskrieg gekämpft. Anschließend stiegen sie dort in die Baubranche ein. Nachdem sie das Gewerbe von der Pike auf gelernt hatten, taten sie das Undenkbare: Sie kehrten zurück in das Land ihrer Geburt, um nun auch am Aufbau des Irans mitzuwirken. Sie wurden zu Herstellern von Radladern und Muldenkippern, Kränen und Betonmischern, sie machten diese modernen Werkzeuge der Urbanisierung verfügbar und erschwinglich. Eine der größten Touristenattraktionen im Iran, die Stadt Isfahan, erlangte ihren Ruhm erst, nachdem die Nazarians gemeinsam mit israelischen Ingenieuren dort eine unterirdische Kanalisation gebaut hatten, welche die Stadt von Krankheiten und Gestank befreite.

Leserkommentare
  1. "dann lassen sie es lieber sein..."

    Ihre Reaktion ist so richtig verbohrt, deutsch, kleinkariert.
    Wir führen hier - oder versuchen es zumindest - eine lebendige Diskussion, in der wir Meinungen austauschen. Kann nicht jedes Fremdzitat belegt werden, dann gibt immer mal einen Foristen, der eine Quelleninfo hat.
    Wir geben hier keine Seminararbeiten ab.

    Im Übrigen: Zum Theman selbst tragen Sie ja nichts bei.

    Bitte kehren Sie zum Artikelthema zurück. Danke, die Redaktion/mk

  2. Die Zeit hat auch "bewiesen", dass Grass ein Antisemit ist.

  3. was nun gesagt wurde. Der übergeordnete Sinn bleibt immmer der gleiche : Israel muß weg

    http://www.sueddeutsche.de/kultur/umstrittene-aussage-ahmadinedschads-ag...

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    : "Dieses Besatzerregime muss von den Seiten der Geschichte (wörtlich: Zeiten) verschwinden." Oder, weniger blumig ausgedrückt: "Das Besatzerregime muss Geschichte werden."

    er hat also nicht gesagt, Israel muß von der Landkarte verschwinden. Völlig richtig also medialist. Nur, die Alternative ist nicht besser... das ist doch das Entscheidende.

    und viele andere heftigst rassistische, antisemitische und andere Zitate von Khamenei und Ahmadinedschad sind hier noch gar nicht ausgeführt.

  4. Wenn Sie schon zitieren, tun Sie es bitte richtig. In dem Beitrag von mir auf den Sie geantwortet haben habe ich das richtige Zitat genannt. Die Gleichstellung "zionistisches Regime" mit Israel ist ein willkommendes Propagandainstrument, dass die Hardliner in der israelischen Regierung nutzen um ihren Kampf gegen den Iran zum Kampf von ganz Israel zu machen.

    Aber es kämpft nicht ganz Israel und schon garnicht das Judentum. Die Einzigen die kämpfen sind die krankhaft auf Expansion und Konfrontation gepolten zionistischen Falken innerhalb der israelischen Führungsriege aus Politik und Wirtschaft.

    [...]

    Gekürzt. Bitte äußern Sie Kritik ausschließlich respektvoll. Danke, die Redaktion/mk

  5. : "Dieses Besatzerregime muss von den Seiten der Geschichte (wörtlich: Zeiten) verschwinden." Oder, weniger blumig ausgedrückt: "Das Besatzerregime muss Geschichte werden."

    er hat also nicht gesagt, Israel muß von der Landkarte verschwinden. Völlig richtig also medialist. Nur, die Alternative ist nicht besser... das ist doch das Entscheidende.

    und viele andere heftigst rassistische, antisemitische und andere Zitate von Khamenei und Ahmadinedschad sind hier noch gar nicht ausgeführt.

  6. Entfernt. Bitte diskutieren Sie sachlich und konstruktiv. Danke, die Redaktion/mk

    Antwort auf "Zitat"
  7. das Israel von den Annalen der Geschichte verschwinden müsse. im Prinzip heißt das , Israel muß weg.

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    wie kann man daraus ableiten, dass er nun eine Atombombe drauf werfen wird? Oder sich zumindest so sicher sein, dass man mgl.weise einen Präventivschlag befürwortet? Zumal es für den Bau einer solchen, so viel ich weiß, bisher keine fundierten Beweise gibt. Und selbst wenn, wäre es nicht erst einmal viel naheliegender, dass sich der von zum Thema Krieg nicht gerade zimperlichen Staaten eingekreiste, beschimpfte, bedrohte und sanktionierte Iran, durch eine solche Technologie Angreifer, bzw. begehrliche Demokratieverbreiter vom Hals halten möchte? So einfach lässt sich die Welt nicht in Gut und Böse teilen. Vielleicht hat ja auch die israelische Regierung Interessen, die an denen der einfachen Menschen vorbeigehen? Auch hier finden sich religiöse Fanatiker und Strategen und mitnichten nur gutmütige Schäfchen. Das glaube ich einfach nicht, sorry, das kommt mir alles zu konstruiert vor. Ich weigere mich auch, mein Weltbild und gar eine Kriegsunterstützung auf dem Fundament von Bildzeitungsheadlines wie "irrer Diktator" und "Holocaustleugner" zu zimmern. Zumal uns von unseren Medien meist nur unvollständige, bereits vorinterpretierte, Informationen zur Verfügung gestellt werden. Ich halte es daher lieber mit den reichlich vorhanden moderaten Stimmen, egal von welcher Seite sie kommen.

    • NDM
    • 16. April 2012 23:50 Uhr

    Das hat er so nicht gesagt. Zum einen hat er Khomeini zustimmend zitiert, der sagte: "dass dieses Jerusalem besetzende Regime von den Seiten der Zeit getilgt werden muss"

    In derselben Rede nahm er wieder Bezug auf Israel und meinte(diesmal selbst):

    "Bald wird dieser Schandfleck auf dem Gewand der Welt des Islam gesäubert werden, und dies ist machbar."

    Und (das ist das wichtigste an dem ganzen): Es wurde überall im Iran genau so verstanden, dass Israel verschwinden solle.

    2008 meinte Ahmadinejad über israelische Juden: "sie müssen das Gebiet verlassen"

    Und er war nicht der einzige, der sich derartig äußerte. Diese Haltung ist seit der Gründung Staatsdoktrin.

    Näheres hier:
    http://www.jer-zentrum.org/ViewArticle.aspx?ArticleId=154

    Auch lange davor war schon zu vernehmen, dass es prinzipiell um die Existenz Israels geht, und um nichts anderes - etwa hier(2001):

    http://ireport.cnn.com/docs/DOC-742815

    "Jews shall expect to be once again scattered and wandering around the globe the day when this appendix is extracted from the region and the Muslim world" - sagte schon damals der als "Reformer" geltende Hashemi-Rafsanj. Seitdem hatte er etwas Kreide gefressen.

    • Hainuo
    • 15. April 2012 16:10 Uhr

    Glauben sie mir, ich stehe selbst staunend vor der Produktivität jüdischer Künstler, Literaten und Philosophen und bewundere sie sehr. Und ich will auch gar nichts mit diesen unausstehlichen Leuten zu tun haben, die jetzt auf der "das muss man mal sagen dürfen"-Schiene fahren und irgendwelchen Instinkten nachgehen.

    Es geht mir nur um die Wortwahl von Ihnen. Die Muffigkeit der Deutschen, die sich tatsächlich bis heute nicht gerade in einer Glanzphase befinden, lässt sich durch unglaublich viele Faktoren erklären. Die Aussage, dass dies ein Produkt einer Gesellschaft ohne jüdische Künstler etc. ist, ist doch hierfür einfach viel zu simpel. Ich nehme auch nicht an, dass sie dies so ausdrücken wollten, sondern vielmehr die hohe Kreativität und Produktivität hervorheben wollten. Die gibt es aber auch ohne den Einfluss jüdischer Künstler in anderen Ecken der Welt. Tut mir leid, mein Kopf ist heute den ganzen Tag schon etwas benebelt und ich kann meinen Gedanken zurzeit nicht sonderlich klar Ausdruck verleihen.

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    ich sage nur, daß eine Spielart des Lebens nunmal fehlt hier in Deutschland. Und das ist doch schade...mehr wollte ich glaub ich gar nicht dazu sgaen. Und der Humor der fehlt mir doch sehr (ich meinen diesen sehr intelligenten Humor, jüdischen Humor). Es sind halt nunmal wunderbare Künstler...

    geschrieben, das das "muffige Deutschaland" aus den 50er Jahren ein Produkt von fehlenden jüdischen Künstlern sei Hainuo. Da war ihr Kopf wirklich noch ein wenig vernebelt.

    Ich habe es sehr plakativ ausgedrückt. Wie käme ich denn dazu, die Leistungen deutsche Künstler, Kreativer zu negieren. Fassbinder, als Filmemacher einmalig, Theaterleute wie Palitsch. (ups, gerade wollte ich Peter Zadek nennen ..)
    Die Reihe ist endlos.

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