Und wenn man am Sonntag in Havanna sein könnte? Wenn an diesem Nachmittag eine Rundreise über die schönste Insel der Welt beginnen würde – von der Hauptstadt in Richtung Westen nach Viñales, wo der Tabak wächst, zurück und runter nach Südosten, die legendäre Schweinebucht entlang, dann Cienfuegos, Trinidad und Santa Clara und ganz am Schluss noch mal kurz hoch zu den Cayos, Kubas engelweißen Inseln vor der Küste... Was zum Teufel sollte einen von dieser Reise abhalten?

Die Tatsache, dass sie auf Motorrädern stattfindet und man selbst keinen Führerschein dafür besitzt?

Naaa, es gibt ja Rücksitze.

Der Umstand, dass es sich recht eigentlich betrachtet nicht nur um Motorräder, sondern um Harley-Davidsons handelt, den Superlativ des Machismo? Maschinen, die Namen wie »Fatboy«, »Street Glide« und »Road King« tragen?

Egal, dafür wummert nichts so sanftmütig unterm Hintern wie ein V2-Motor.

Und wenn man als einzige Frau unterwegs wäre? Mit zehn Männern auf zehn Harley-Davidsons? Wenn man neun Tage lang blitzeblank glitzerndes Chrom spazieren fahren müsste auf einer Insel, die seit mehr als 50 Jahren widerspenstig und tapfer einer ungewissen Zukunft entgegenrostet? Ernsthaft: Will man sich das geben?

Bisher haben sich Fragen dieser Art auf Kuba eher selten gestellt, weil Touristen zur rekreativen Fortbewegung sowieso nur Autos und Fahrräder mieten konnten. Vor ein paar Monaten allerdings kam ein Däne auf die Idee, eine Ladung Harleys auf Kuba zu parken und sie an spezialisierte Reiseveranstalter zu vermieten. »Edelweiss Bike Travel« zum Beispiel nennt seinen Neun-Tage-Trip »Che Guevara Tour«. Was zwar inhaltlich nicht viel Sinn ergibt, aber es muss wohl so sein.

Der launischen kubanischen Gesetzgebung wegen müssen die Maschinen alle drei Monate ausgeschifft und anschließend wieder neu eingeschifft werden. Entsprechend teuer sind die Exkursionen. Eine erste Befragung in der Hotellobby bricht die zahlende Mannschaft herunter auf einen Apotheker, einen Kardiologen, zwei Juristen und ein halbes Dutzend Unternehmer. Sie wollen Motorrad fahren und, ja, auch was von Kuba sehen. »Solange es noch so ist, wie es ist.« Auch wenn es längst nicht mehr das ist, was es einmal war.

Ein paar von ihnen haben zu Hause selbst Harleys in der Garage stehen und tragen das orange-weiße Wappenlogo zwar nicht auf der Haut, dafür aber auf allen verfügbaren Textilien. Andere nehmen das Projekt etwas, sagen wir: kubanischer, so wie es kommt nämlich, und wären auch mit anderen Motorrädern gefahren. Aber wer würde auf falschem Hasen bestehen wollen, wenn es Keule gibt.