DIE ZEIT: Herr Findlay, am 18. April beginnt die größte deutsche Kunstmesse, die Art Cologne , wo wieder extrem teure Kunstwerke angeboten werden. Sie handeln seit über vierzig Jahren mit Kunst – wieso ist sie oft so unverschämt teuer?

Michael Findlay: Es handelt sich um einzigartige, wertvolle Objekte. Der Wert von Kunst ermisst sich letztlich an dem, was ein bestimmter Mensch bereit ist, dafür zu bezahlen. Die wenigsten verstehen allerdings, wieso etwas, was vermeintlich nichts kann, so viel kostet.

ZEIT: Wie würden Sie einem Kunden erklären, dass er für ein Picasso-Gemälde 100 Millionen Dollar zahlen muss?

Findlay: Zuerst würde ich den Preis mit ähnlichen Gemälden vergleichen, die bereits verkauft wurden. Dann würde ich die Rarität unterstreichen: Wie viele solcher Bilder gibt es? Ich würde also etwa sagen: Aus dieser Phase, als Picasso unsterblich in Marie Thérèse Walter verliebt war, gibt es nur 15 Gemälde. Ein Dutzend hängt in Museen und wird mit ziemlicher Sicherheit nie mehr auf den Markt kommen. Ich erläutere, wer die Besitzer der anderen Gemälde sind und wie wahrscheinlich es ist, dass sie diese irgendwann wieder verkaufen.

ZEIT: Sie meinen, die hohen Preise sind schlicht das Resultat von knappem Angebot und großer Nachfrage?

Findlay: Sicher bezahlt man allein für die seltene Gelegenheit mit. Heutzutage gibt es wahnsinnig viele Sammler, die bereit sind, viel Geld auszugeben. In den sechziger Jahren sammelten nur recht wenige Menschen Kunst, und man musste kleine Summen zahlen. Kunstsammler wurden damals regelrecht verlacht. Das änderte sich dann recht schnell, als die Preise für Warhol oder Lichtenstein in nur zwanzig Jahren enorm gestiegen waren. Viele begannen deshalb in den Achtzigern, Zeitgenössisches zu sammeln. Sie hofften, dass die Preise genauso in die Höhe schnellen.

ZEIT: Den Künstlern sind die schwindelerregenden Summen mitunter selbst unheimlich. Als im Oktober eines von Gerhard Richters Kerzen-Gemälden für den Rekordpreis von zwölf Millionen Euro versteigert wurde, sagte Richter, solche Preise seien "völlig absurd und eigentlich lächerlich".

Findlay: Ich denke, Richter wird lernen, sich damit zu arrangieren. Künstler können mit ihren Galeristen nur die Preise für den Primärmarkt beeinflussen, auf dem Sekundärmarkt können sie kaum etwas ausrichten.

ZEIT: Manchmal scheint es, als seien solche leidenschaftlich geführten Bietergefechte in Auktionshäusern, die zu einem Rekordtaumel führen, völlig irrational. Paradoxerweise folgt die Preiseinstufung auf dem Primärmarkt lächerlich banalen Regeln: Ein größeres Bild eines Künstlers kostet mehr als ein kleines, ein Einzelstück ist immer teurer als eines mit Kopien, für farbige Zeichnungen muss man mehr Geld auf den Tisch legen als für einfarbige.

Findlay: Das stimmt. Es gibt ein paar wenige Ausnahmen. Kurt Schwitters’ kleine Werke werden beispielsweise höher angesetzt als die großen, Edgar Degas’ Aquarelle kosten erheblich mehr als seine Ölgemälde. Solche Konventionen sagen allerdings nichts über die tatsächliche Qualität eines jeweiligen Werks aus.

ZEIT: Es gibt heutzutage tatsächlich mehr Sammler als früher. Der Großteil der Menschen, denen man 25 Millionen Dollar anbieten würde, um damit entweder ein riesiges Haus mit einem atemberaubenden Ausblick oder ein Bild von Mark Rothko aus zwei roten, verschwommenen Vierecken zu kaufen, würde sich wohl für das Haus entscheiden. Sie auch?